Der Einfluss religiöser Gruppen auf die öffentliche Meinungsbildung


Seminararbeit, 2006
27 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung von Religion in den USA
2.1. Amerikanische Ideengeschichte
2.1.1. Zentrale Werte
2.1.2. God’s Chosen Country
2.2. Trennung von Kirche und Staat
2.3. Zivilreligion
2.3.1. Gesellschaftliche Segmentierung
2.3.2. Politische Fragmentierung
2.3.3. Der „American Creed“

3. Religiöse Gruppen in den USA
3.1. Religiöse Zersplitterung
3.2. Evangelikalismus
3.2.1. Fundamentalisten
3.2.2. Pentecostals
3.2.3. Charismatiker
3.2.4. Neo-Evangelikale
3.3. Mainline-Protestantismus

4. Einfluss religiöser Gruppen auf Politik und Medien
4.1. Wie die Religion die Politik beeinflusst
4.1.1. Direkte Aktionen
4.1.2. Rechtliche Verfahren
4.1.3. Wahlkampfaktivitäten
4.1.4. Lobbying
4.1.5. Infiltration
4.2. Wie die Religion die Medien beeinflusst
4.2.1. Die elektronische Kirche
4.2.2. Religiöse Spektakel

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Konfessionszugehörigkeit

Abbildung 2: Übersicht protestantischer Denominations

Abbildung 3: Einfluss von Religion auf die Wahlentscheidung

1. Einleitung

Sucht man ein Land, in dem Religion einen hohen Stellenwert im Alltag, oder gar im Handeln der ganzen Nation einnimmt, so liegt eine Betrachtung der Vereinigten Staaten von Amerika nahe. Zwar sind Kirche und Staat stärker getrennt als in den meisten westlichen Nationen, andererseits zeigt sich, dass in der öffentlichen Sphäre sehr viel religiöse Symbolik zu finden ist: „In God we trust“, steht auf den Dollar-Note und in der Verfassung. Religiöse Rhetorik schwingt in den Reden von Prominenten und Politikern mit. Der Präsident der Vereinigten Staaten schwört auf die Bibel und lässt während seiner Antrittsrede predigen. Besonders im politischen Bereich zeigt sich, wie stark Religion die amerikanische Gesellschaft beeinflusst. Die Politik ist die Stimme der Bürger, diese Bürger wählen sie nach ihren Interessen, Forderungen und Wünschen. Religiöse Interessengruppen haben diese Erfahrungen aufgegriffen und kämpfen in einer Vermittlerrolle um die Anhörung dieser Wünsche und Werte. Diese Gruppen handeln wie Parteien; Parteien predigen wiederum Ideologien von der politischen Kanzel. Religion und Politik gehen also eine Art „Tauschgeschäft“ ein, welches beide in eine Abhängigkeit zueinander versetzt. Damit ist der Weg für eine gegenseitige Einflussnahme geöffnet.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss religiöser Gruppen auf die öffentliche Meinungsbildung. Sie möchte Wege und Ausmaß der Einflussnahme von Religion auf Politik und Medien aufzeigen. Sie lässt sich dabei in drei große Blöcke einteilen:

Die Bedeutung von Religion in den USA

In einem ersten Schritt möchte ich die Grundlagen für den später zu zeigenden Einfluss religiöser Gruppen auf die öffentliche Meinungsbildung legen. Dazu ist ein Rückgriff auf die Entstehung der USA und ihre Ideengeschichte nötig. Es gilt zu untersuchen, welche speziellen Werte und Vorstellungen in die Staatsgründung Amerikas eingeflossen sind und wie philosophiegeschichtliche Strömungen das Selbstverständnis der Amerikaner geprägt haben. Welche Bedeutung hat die Säkularisierung für den heute in den USA vorherrschenden Stellenwert von Religion im öffentlichen Leben? Des Weiteren soll der Frage nachgegangen werden, welches Element die aus Einwanderern unterschiedlicher Herkunft entstandene Nation zusammenhält.

Religiöse Gruppen in den USA

Das zweite Kapitel dieser Arbeit beinhaltet eine Darstellung der religiösen Landschaft der USA. Es soll ein recht kurzer, aber dennoch intensiver Blick auf die wichtigsten Denominations geworfen werden. Welche Kirche kann die meisten Anhänger hinter sich vereinen? Je größer die religiöse Gruppierung, desto höher ist ihre Möglichkeit der Einflussnahme auf Politik und Medien: dies soll die zentrale These sein, vor deren Hintergrund die Darstellung erfolgen soll. Außerdem sollen möglicherweise unterschiedliche Arten der Beeinflussung aufgezeigt werden.

Einfluss religiöser Gruppen auf Politik und Medien

Nachdem die Grundlagen geschaffen wurden, die ein Verständnis des Zusammenspiels von Religion, Politik und Medien ermöglichen, werden im dritten Teil dieser Arbeit Möglichkeiten der Einflussnahme religiöser Gruppen aufgezeigt. Zum einen muss ein Blick auf das gegenseitige Beeinflussungsverhältnis von Politik und Religion gelegt werden. Denn davon hängt die politische Meinungs- und Willensbildung der amerikanischen Bürger ab. Zum anderen wird der Einfluss der Religion auf die Medien dargestellt. Diese Beeinflussung ist eine direktere: durch die massenmediale Vermittlung religiöser Ansichten und Inhalten wird die öffentliche Meinungsbildung direkt gesteuert. Um dies zu zeigen, soll im Besonderen der Einfluss der Teleevangelisten dargestellt werden. Dazu werden in einem ersten Schritt die prominentesten Organisationen und Vertreter religiöser Gruppierungen vorgestellt. Ein zweiter Schritt untersucht, in wie weit diese rein religiösen Medien in den USA verbreitet sind.

2. Die Bedeutung von Religion in den USA

2.1. Amerikanische Ideengeschichte

Grundsätzlich sind Nationen „aus Zufall und Notwendigkeit, aus fernen Ursprüngen und bedrängenden Verstrickungen gewachsene Geschichtskörper.“[1] Das stellt Herbert von Borch in seinem 1981 erschienenen Buch „Amerika, Dekadenz und Größe“ fest. Die USA stellen hierbei eine einzige Ausnahme dar. Sie sind eine gemachte Nation, die aus einer Idee gewachsen ist. Die Gründungsväter wollten ihre Idee einer Nation verwirklichen. Ihre Utopie entsprang der Religion und der Freiheit. In der Philosophiegeschichte wird dies als Aufklärung, Rationalismus, Optimismus und Deismus bezeichnet. „In der Generation der Gründungsväter wurden aus diesen philosophischen Ideen Lebensstrukturen“[2], schreibt von Borch. Als die Fundamente Amerikas gelegt wurden, verschmolzen theoretische Gebilde mit tatsächlichem Handeln, Ideen wurden zur Wirklichkeit.

2.1.1. Zentrale Werte

Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 ist das erste „Manifest des geistigen Amerikanismus“[3]. Thomas Jefferson propagierte die Botschaft von den unbegrenzten Fähigkeiten des Menschen als freies Wesen. Die zentralen Werte der amerikanischen Demokratie sind „liberty“ – die Freiheit – und „the pursuit of happiness“ – die Suche nach dem Glück, dem Wohlergehen des Einzelnen und der Masse. Der Mensch hat die Freiheit, sich sein Lebensgehäuse selbst zu bilden und es zu verändern, wenn es nicht mehr den höchsten Werten genügt. Um diese zentralen Werte zu erreichen, bedarf es einer Voraussetzung, eines weiteren fundamentalen Werts: Gleichheit. Freiheit kann nur erreicht werden, wenn alle Bürger einer Gesellschaft die Freiheit zum Aufstieg im Rahmen sozialer Mobilität haben.

2.1.2. God’s Chosen Country

In den Verträgen zur amerikanischen Staatsgründung ist die Entstehung des Staates unauflöslich mit den Menschen- und Bürgerrechten verknüpft. Die Verkündung jenes amerikanischen Manifests ist – auch wenn in der Unabhängigkeitserklärung von der „selbstevidenten Wahrheit“ der Grundrechte gesprochen wird – religiös. „Die Menschenrechte gelten als vorstaatlich gegeben, eben daher als unveräußerlich“[4], schreibt von Borch. Denn Gott hat die Menschen frei und gleich geschaffen.

Ausgehend von dieser Basis, muss im Hinblick auf die starke religiöse Verbundenheit der Amerikaner berücksichtigt werden, dass die ersten Siedler religiöse Flüchtlinge waren. Urchristlich aufgebaute Gemeinschaften gründeten sich auf amerikanischem Boden, die „in sich geschlossene, gelebte Utopien sein wollten.“[5] Quäker, Baptisten und Mennoniten – um nur einige zu nennen – ließen ein Europa zurück, das von religiösen Kämpfen (Krone und Altar, Protestanten und Katholiken) gekennzeichnet war. Der zentrale Wert der Freiheit hat vor diesem Hintergrund in den USA eine besondere Bedeutung, da er sich verstärkt auf die Freiheit, seine Religion zu praktizieren bezieht. Im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Wert der Freiheit in anderen Bahnen. Freiheit wurde hier im Sinne der „Freiheit von Religion“ verstanden.

Die verwirklichte Utopie – der amerikanische Traum – übte eine große Anziehung auf weitere Siedler aus. Daraus leitet sich ein tiefer Glaube an das gelobte Land und die Selbstzufriedenheit diesem Land anzugehören ab. Aus letzterer entspringt zugleich der amerikanische Patriotismus. Amerika wurde von den Siedlern als „Gelobtes Land“ angesehen[6]. Das sprichwörtlich „neue Jerusalem und das Gefühl des Entronnenseins“[7] sind kennzeichnend für den amerikanischen Glaube, dass Gott sich vom fernen „Viertel der Erde“ entfernt hat und mit Amerika eine zweite Arche Noah gegründet hat.

2.2. Trennung von Kirche und Staat

Als die Gründungsväter der USA ihren Staat konzipierten, entwarfen sie einen radikal säkularen Staat mit einer aufgeklärten Verfassung.

Festgelegt wird die Trennung zwischen Staat und Kirche im „First Amendment“ der Verfassung von 1776: er verbietet die Etablierung religiös-institutioneller Macht („Establishment Clause“[8]), und schützt zugleich die individuelle Ausübung von Religion („Free Exercise Clause“[9]). Damit ist dem amerikanischen Bürger, als Resultat des hohen Werts der individuellen Freiheit, der Zugang zu jedweder Religion erlaubt. Gleichzeitig werden Politik und Religion institutionell stark getrennt, indem es dem Staat nicht erlaubt ist, eine Staatsreligion zu gründen, oder eine bestimmte Religion zu bevorzugen. Darin zeigt sich die starke Säkularisierung der USA. Religiöse Unterschiede werden in den USA durch so genannte „Denominations“ markiert. Diese meinen Glaubensgemeinschaften, die weder indoktriniert noch dogmatisiert sind. Trotz religiöser Vielfalt haben alle Glaubensgemeinschaften einen gemeinsamen Nenner, der sie zusammenhält.

[...]


[1] von Borch, Herbert, 1981: Amerika, Dekadenz und Größe. Seite 15.

[2] Ebd. Seite 16.

[3] Ebd. Seite 16.

[4] Ebd. Seite 17.

[5] Ebd. Seite 18.

[6] „Getrennt … von der ausrottenden Verwüstung eines Viertels der Erde [des alten Europa] …im Besitz eines Gelobten Landes [ist das Einzige, was nötig ist] um den Kreis des Glücks zu schließen, [eine] weise und sparsame Regierung.“ Thomas Jefferson bei seiner Antrittsrede als Präsident im Jahre 1801. Zitiert aus: von Borch, Herbert, 1981: Amerika, Dekadenz und Größe. Seite 19.

[7] von Borch, Herbert, 1981: Amerika, Dekadenz und Größe. Seite 19.

[8] "Congress shall make no law respecting an establishment of religion…” Zitiert aus dem “First Amendment“ der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika.

[9]“.or prohibiting the free exercise thereof." Zitiert aus dem “First Amendment“ der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss religiöser Gruppen auf die öffentliche Meinungsbildung
Hochschule
Universität Hohenheim  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Massenmedien und Politik in den USA
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
27
Katalognummer
V58315
ISBN (eBook)
9783638525466
ISBN (Buch)
9783638665964
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einfluss, Gruppen, Meinungsbildung, Massenmedien, Politik
Arbeit zitieren
Claudia Hytrek (Autor), 2006, Der Einfluss religiöser Gruppen auf die öffentliche Meinungsbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58315

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