Die Entwicklung des Menschen in Bezug auf die Freiheit bei Jean-Jacques Rousseau


Hausarbeit, 2018

14 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Freiheitsverständnis von Jean-Jacques Rousseau
2.1 Die natürliche Freiheit
2.2 Die bürgerliche Freiheit
2.3 Die sittliche Freiheit

3 Der Naturzustand
3.1 Der Mensch im Naturzustand
3.2 Das Ende des Naturzustandes

4 Der Gesellschaftsvertrag
4.1 Der Gesellschaftsvertrag als Grundlage bürgerlicher Freiheit
4.2 Das Volk als Souverän des Staates

5 Fazit/ Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Jean-Jaques Rousseau war während der Aufklärung ein bedeutender Philosoph und ein wichtiger Wegbereiter der französischen Revolution.

In seinem Diskurs über die Ungleichheit beschreibt er den Prozess der Zivilisierungsgeschichte des Menschen. Er beginnt mit dem ursprünglichen Zustand des Menschen in der Natur, in welchem der Mensch ohne jeglichen Kontakt, isoliert und frei lebt. Folgend beschreibt er den Beginn der Vergesellschaftung, in dem sich Menschen erstmals niederließen und Familien gründeten. Er erklärt weshalb sich der Mensch vom Guten entfernt und dem Bösen zugewandt hat. Der Diskurs endet in der staatlichen Ordnung, also in der Gegenwart.

Da für Rousseau die Freiheit des Menschen besonders wichtig ist und diese sich in seiner Theorie im Laufe der Entwicklung stark verändert, setze ich mich in der folgenden Hausarbeit mit der Frage, welche Rolle die Freiheit in der Zivilisierungsgeschichte bei Jean-Jacques Rousseau spielt auseinander.

Hierfür werde ich zunächst das Rousseau´sche Freiheitsverständnis analysieren. Um die Veränderung der Freiheit verständlicher zu machen werde ich zunächst die natürliche Freiheit, welche auch Freiheit aus Unabhängigkeit genannt wird, erläutern. Diese besitzt der Mensch aufgrund eines isolierten Lebensstils und völliger Unabhängigkeit im Naturzustand. Zur Differenzierung der Freiheit im Naturzustand von der Freiheit in der Gesellschaft, werde ich Rousseaus Freiheitsvorstellung im Staat erklären.

Diese wird unterschieden zwischen der bürgerlichen und der sittlichen Freiheit, welche ich ebenfalls darstellen werde. Als nächstes werde ich den Naturzustand nach Rousseau verdeutlichen und ihn kurz mit dem Naturzustand nach Thomas Hobbes vergleichen.

Zudem werde ich auf den Menschen im Naturzustand eingehen, dessen Verbindung mit der natürlichen Freiheit genau erläutern und anschließend erklären, wie und warum der Naturzustand zu einem Ende kam. Den daraus resultierenden Verlust der natürlichen Freiheit und die so entstehenden Wechselwirkungen auf die Freiheit des Menschen im Allgemeinen und die differenzierten Formen der Freiheit im Speziellen werde ich schildern und veranschaulichen.

Diesbezüglich werde ich zunächst den Gesellschaftsvertrag im Allgemeinen darstellen. Weiterhin werde ich genau auf seine Entstehung und seine gedankliche Konstruktion eingehen. Ich werde erläutern, wie das Volk einen Souverän bildet, woraus dieser Souverän besteht und welche konzeptionellen Details den Souverän ausmachen.

Weiterhin werde ich die Beziehung des Souverän zum Menschen und zur Gesellschaft, sowie die Positionierung des Souverän gegenüber dem Gesellschaftsvertrag darstellen.

Im Fazit werde ich meine Ergebnisse kurz zusammenfassen und die wichtigsten Thesen kurz nennen und erläutern.

2 Das Freiheitsverständnis von Jean-Jacques Rousseau

Bezeichnet als Geschenk der Natur, steht die Freiheit jedem Menschen von Natur aus zu. Die Freiheit kennzeichnet den Menschen, darf niemandem entzogen werden und ist für Jean-Jacques Rousseau die oberste Maxime des Menschseins.

„Auf seine Freiheit verzichten, heißt auf seine Menschheit, die Menschenrechte, ja selbst die Pflichten verzichten.“ (Rousseau, 1975: S.11)

Im Naturzustand lebt der Mensch aufgrund von absoluter Unabhängigkeit gegenüber Anderen in völliger Freiheit. Im Laufe des Zivilisierungsprozesses verändert sich die Freiheit jedoch stark.

Nach Rousseau hält die natürliche Freiheit solange an, wie der Mensch unabhängig von seinesgleichen ist, er also alleine für die Selbsterhaltung sorgen kann.

Mit der Vergesellschaftung verlor der Mensch seine natürliche Freiheit aufgrund der gestiegenen Bedürfnisse.

„Aber von dem Augenblick an, da ein Mensch die Hilfe eines anderen nötig hatte, sobald man bemerkte, dass es für den einzelnen nützlich war, Vorräte für zwei zu haben, verschwand die Gleichheit, das Eigentum kam auf, die Arbeit wurde notwendig und die weiten Felder verwandelten sich in lachende Felder, die mit dem Schweiß der Menschen getränkt werden mußten und in denen bald die Sklaverei und das Elend sprießen und mit den Ernten wachsen sah.“ (Rousseau, 2001: S.195)

Durch die entstandene Gesellschaft entwickelten sich künstliche Bedürfnisse, welche weit über die Selbsterhaltung hinausgingen und zur Abhängigkeit anderer Menschen führten.

„Der Mensch ist frei geboren, und überall befindet er sich in Ketten“ (Rousseau 2001: S.219)

Das Eigentum und damit auch die Ungleichheit der Lebenslagen entstehen. Im Laufe des Zivilisierungsprozesses unterscheidet Jean-Jacques Rousseaus zwischen der natürlichen, der bürgerlichen und der sittlichen Freiheit.

2.1 Die natürliche Freiheit

Die natürliche Freiheit, auch als Freiheit durch Unabhängigkeit bezeichnet, besitzt der Mensch im Naturzustand. Im Einklang mit der Natur lebt der Mensch isoliert, in völliger Unabhängigkeit von anderen Menschen, in absoluter Freiheit.

Das Verlangen und die Befriedigung der Menschen beschränken sich lediglich auf das Nötigste zur Selbsterhaltung. „Der Mensch ist deshalb frei, weil es für ihn im Urzustand keine Abhängigkeit gibt und er mit der Natur im Einklang steht.“ (Fetscher 1976: S.124 f.)

Die Grenze der natürlichen Freiheit ist die Fähigkeit des Individuums, da die natürliche Freiheit nur solange besteht, wie der Mensch zur selbständigen Befriedigung der Bedürfnisse imstande ist.

„solange sie sich nur Arbeiten widmeten, die ein einzelner bewältigen konnte, und Künsten, die nicht das Zusammenwirken mehrerer Hände erforderten, lebten sie so frei, gesund, gut und glücklich, wie sie es ihrer Natur nach sein konnten, und fuhren sie fort, untereinander die Süße eines unabhängigen Verkehrs zu genießen.“ (Rousseau, 2001: S.195)

2.2 Die bürgerliche Freiheit

Durch das Verlassen des Naturzustandes und der Entstehung einer Gesellschaft verliert sich die Freiheit der Menschen. Nach Jean-Jaques Rousseau muss im Staat jeder genauso frei sein, wie er es schon immer gewesen ist. Rousseau möchte durch die vollständige Unterwerfung Aller unter das Gemeinwesen die Freiheit wiedergewinnen. Die neu entstandene Freiheit in der Gesellschaft, bezeichnet er als bürgerliche Freiheit.

"Im Gesellschaftsvertrag verliert der Mensch seine natürliche Freiheit und ein unbeschränktes Recht auf alles, was er anstrebt und was er erreichen kann; er gewinnt im Gegenzug seine bürgerliche Freiheit und das Eigentum an allem, was ihm gehört. (Rousseau, 1975: S.19)

2.3 Die sittliche Freiheit

Die sittliche Freiheit besteht nicht mehr aus dem blinden Gefühl des Naturmenschen, sondern aus der Vernunft des Menschen in der Gesellschaft. Während der Urmensch sich noch ganz nach der Natur richtete, sind für den Menschen in der Gesellschaft, also den Bürger, die Vernunft und das Gewissen maßgeblich. Diese braucht er um sich in der Gesellschaft zurecht zu finden und individuelles und gesellschaftliches Glück zu erlangen.

„Man könnte dem Gesagten noch hinzufügen, daß wir mit dem Erwerb des bürgerlichen Standes auch sittliche Freiheit gewinnen, die allein den Menschen wirklich zum Herren seiner selbst macht; denn der Antrieb des bloßen Begehrens ist Sklaverei, nur der Gehorsam vor dem Gesetz, das man sich selber gegeben hat, ist Freiheit." (Rousseau, 1975: S.13)

Aus diesen Gruppierungen wuchs eine wechselseitige Abhängigkeit. Diese steht mit dem Wesen und der Vernunft des Menschen in Einklang. Es handelt sich folglich nicht um eine Unterwerfung unter fremde Willkür, sondern um ein sittliches Sich-Unterstellen unter Gesetze, welche man selbst miterlassen hat. Dies schafft eine Verbindung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft.

3 Der Naturzustand

„Dies war der Zustand des entstehenden Menschen; dies war das Leben eines Tieres, das zunächst auf die reinen Sinnesempfindungen beschränkt war und sich kaum die Gabe zunutze machte, die ihm die Natur anbot, weit davon entfernt, daran zu denken, ihr etwas abzuringen;“ (Rousseau, 2001: S.175)

Als Naturzustand bezeichnet Jean-Jacques Rousseau jenen Zustand, vor jeglicher Vergesellschaftung. Dieser basiert auf keiner historischen Realität. Der Naturzustand ist vielmehr ein Gedankenexperiment, welches zeigen soll, was vom Menschen bleibt, wenn man sich die Gesellschaft wegdenkt.

„Die Idee ist, herauszuarbeiten, was der Mensch von Natur aus ist – unter der Setzung, daß Gesellschaft eben nicht Natur ist.“ (Becker, Schmidt, Zintl, 2006: S.65)

Im Gegensatz zu Hobbes, der sagt, dass im Naturzustand ein dauerhafter Krieg zwischen allen Menschen herrscht, da der Mensch von Natur aus böse ist, leben die Menschen im Naturzustand nach Rousseau so friedlich wie nie zuvor.

Thomas Hobbes schreibt hierzu: „Es herrscht der Krieg aller gegen alle (bellum omnium contra omnes).” (Hobbes nach Bevc, 2008: S.63) Da es im Naturzustand weder einen Herrscher noch Gesetze oder Strafen gibt, muss jeder um sein Eigentum fürchten und um sein Leben kämpfen. Es ist ein Krieg zwischen allen Menschen; jeder gegen jeden.

Nach Rousseau gibt es im Naturstand keinen Krieg zwischen den Menschen.

„Die Menschen sind schon deshalb von Natur aus keine Feinde, weil sie, solange sie in ihrer ursprünglichen Unabhängigkeit leben, untereinander keinerlei Beziehungen haben, die dauerhaft genug sind, um einen Friedens- oder Kriegszustand zu begründen.“ (Rousseau, 1975: S.12)

Auch Herrschende und Beherrschte gibt es in der Natur nicht. „Gewalt hat die ersten Sklaven geschaffen, ihre Feigheit hat diesen Zustand verewigt.“ (Rousseau, 1975: S.7)

3.1 Der Mensch im Naturzustand

Um sich den Menschen im Naturzustand besser vorstellen zu können, entzieht Rousseau dem Menschen alles, was er durch die Gesellschaft bekommen hat. Der Mensch lebt im Naturzustand außerhalb jeglicher Gesellschaft. Er ist von der Natur bestimmt und ihr gleichzeitig ausgesetzt.

„Das erste Gefühl des Menschen war das seiner Existenz, seine erste Sorge, die um seine Erhaltung.“ (Rousseau, 2001: S.173)

Daher war der Mensch lediglich mit Fähigkeiten ausgestattet, die sein Überleben sicherten. Die Natur zwang den Menschen flink zu sein, schnell zu laufen und zu kämpfen.

Da er keine moralischen Pflichten kannte, die ihn an Andere binden, war er weder gut noch böse . Nach Rousseau sind die Menschen von Natur aus ungleich. Diese natürliche Ungleichheit führt jedoch nicht zwingend zu einer sozialen Ungleichheit, da die Menschen unabhängig voneinander sind.

Rousseau behauptet, dass sich der natürliche Mensch in physischer Hinsicht nur gering von dem Menschen unserer Zeit unterscheidet. Jedoch stellt er klare Unterschiede zwischen dem natürlichen Menschen und dem Tier dar. Der Hauptunterschied zwischen Mensch und Tier besteht laut Rousseau darin, dass der Mensch im Gegensatz zum Tier über einen eigenen Entscheidungswillen verfügt. „Der Ursprung der Freiheit des Naturmenschen liegt in der „materiellen und seelischen Autarkie““ (Fetscher, 1976: S.33) Die Unabhängigkeit und somit auch die natürliche Freiheit bestand also solange, wie der Mensch zur Selbsterhaltung und Befriedigung seiner Interessen fähig war.

3.2 Das Ende des Naturzustandes

Als die Menschen begannen Familien zu gründen, wurden sie sesshaft und bauten Häuser. Durch die geänderten Lebensumstände erfährt der Mensch neue Gefühle wie Liebe oder Zuneigung.

„Die erste Entwicklung des Herzens war das Ergebnis einer neuen Situation, welche die Ehemänner und die Ehefrauen, die Väter und die Kinder in einer gemeinsamen Wohnung vereinigt;“ (Rousseau, 2001: S.183)

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des Menschen in Bezug auf die Freiheit bei Jean-Jacques Rousseau
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Individuum und Politik bei Montesquieu, Rousseau und Tocqueville
Note
2,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V583504
ISBN (eBook)
9783346155627
ISBN (Buch)
9783346155634
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rousseau, Freiheit, Politischetheorie
Arbeit zitieren
Miriam Khadiri (Autor:in), 2018, Die Entwicklung des Menschen in Bezug auf die Freiheit bei Jean-Jacques Rousseau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/583504

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