Warum scheiterte der Partherfeldzug Trajans?


Hausarbeit, 2012

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Quellenlage

3 Das Scheitern des Partherfeldzuges
3.1 Militärische Lage um 116 n. Chr.
3.2 Krisensituationen
3.2.1 Gegenoffensive der Parther
3.2.2 Aufstände in den neuen Provinzen
3.2.3 Jüdische Aufstände
3.3 Erneute Offensivpläne

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis
5.1 Quellen
5.2 Forschungsliteratur

1 Einleitung

Unter Marcus Ulpius Traianus erreichte das Römische Imperium seine größte territoriale Ausdehnung. Beginnend mit dem Feldzug gegen die Daker im Jahre 106. n. Chr. wurde das Imperium innerhalb von 10 Jahren um die Provinzen Dacia, Arabia, Armenia, Assyria und Mesopotamia erweitert. Trajans Expansionspolitik stand damit im Widerspruch zur bisherigen Außenpolitik Roms, welche keine Verschiebung des Römischen Territoriums über die Grenzen des augustinischen Herrschaftsbereiches hinaus vorsah. Doch der militärische Erfolg sollte Trajan zunächst Recht geben.1

In den Jahren 113–116 war es dem Kaiser gelungen, jeglichen Widerstand an der Ostfront zu brechen. Das Partherreich, Roms schärfster Widersacher im Osten, war ohne größere Verluste erobert worden. Alle Befürchtungen hinsichtlich der schwierigen territorialen Lage und der Stärke des Gegners, der Rom zuvor teils schwere Niederlagen beibrachte, hatten sich als scheinbar belanglos herausgestellt. Das römische Feldheer war innerhalb von nur drei Jahren bis an den Persischen Golf vorgedrungen. Noch nie war ein römischer Feldherr soweit vorgestoßen. Für diese Erfolge wurde Trajan mit den Ehrentiteln Parthicus und Optimus (Treffsicherster) überhäuft. Doch besiegt waren die Parther nicht. Während man in Rom den scheinbaren Sieg über den östlichen Widersacher feierte, begann sich die militärische Wende im Osten bereits abzuzeichnen. Schon 117 wurden die neuen Ostprovinzen unter Publius Aelius Hadrianus wieder aufgegeben.2

Wie ist dieses letztendliche Scheitern des Partherfeldzuges zu erklären? Führte der rasche militärische Erfolg am Ende etwa zu einer Überdehnung des römischen Militärapparates? Dies soll Gegenstand meiner Hausarbeit sein. Es gilt zu untersuchen in wie weit die Ereignisse in den Jahren 115 und 116, namentlich die parthische Gegenoffensive und gleichzeitige Erhebungen in den eroberten Gebieten, zu einer Überlastung des römischen Militärapparates führten. Diese Überlegung geht insbesondere mit der Frage einher, ob der Partherfeldzug ursprünglich als militärisch begrenzter Konflikt geplant, oder seitens Trajans eine endgültige militärische Lösung des Konfliktes mit den Parthern anstrebt worden war.3

2 Quellenlage

Die wichtigste Quelle für die Ereignisse des Partherfeldzuges stellt der Bericht des Iohannes Xiphilinus aus dem 68. Buch des Cassius Dio dar. Sie ist die einzige Quelle, die zusammenhängend und in chronologischer Einordnung von den Anlässen des Feldzuges und den darauffolgenden Ereignissen berichtet. Die ‚Römische Geschichte‘ des Cassius Dio entstand gegen Ende des zweiten Jahrhunderts und wurde in lateinischer Sprache verfasst.4

Desweiteren liefert Lucius Flavius Arrianus, der vermutlich als Militärtribun am Partherfeldzug teilnahm, einen Augenzeugenbericht über die Kämpfe zwischen Römern und Parthern. Die sogenannte Parthika Arrians ist nur noch teilweise in lateinischen und altgriechischen Fragmenten erhalten geblieben.5

Eine weitere Quelle zu den Ereignissen bieten Münzen aus den Jahren 113-117. n. Chr., die von den militärischen Triumphen berichten.6

Da lediglich diese Quellen von den Ereignissen rund um den Partherfeldzug Trajans berichten, sind in der Forschungsliteratur nur geringe Abweichungen voneinander festzustellen. Unterschiede gibt es hingegen bei zeitlichen Datierungen, in der Schreibweise von Personennamen und bezüglich der Herrschaftsverhältnisse im Partherreich.7 8

3 Das Scheitern des Partherfeldzuges

3.1 Militärische Lage um 116

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die militärische Lage im Osten sah 116 wie folgt aus: Armenien und das nördliche Mesopotamien mit den wichtigsten Städten Nisbis, Batnae, Singra, Edessa und Hatra waren bis 115 ohne großen militärischen Widerstand erobert wurden. Viele parthische Vasallen liefen auf Seiten Trajans über. Bisherige Klientelverhältnisse waren erneuert worden, indem lokale Könige und Fürsten in ihrer Herrschaft bestätigt oder neu eingesetzt worden waren. Die Bestätigung der neuen Vasallen belegen unter anderem Münzen mit der Legende „Regna Adsignata“ 9 (die Königreiche sind zugewiesen).10

In den eroberten Gebieten waren die Provinzen Armenia und Mesopotamia eingerichtet worden, wie es zwei Sesterzen aus der Jahreswende 115/116 mit der Legende „Armenia et Mesopotamia in postatem p(opuli) R(omani)“ (Armenien und Mesopotamien unter der Herrschaft des Römischen Volkes) bezeugen.11

Entschiedener Widerstand seitens der Parther war ausgeblieben. Die eroberten Gebiete waren ohne große militärische Gegenwehr oder nur durch Widerstand einiger Vasallen in die Hände der Römer gefallen. Dass die Parther bislang noch nicht in Erscheinung getreten waren, lag vor allem an bürgerkriegsähnlichen Zuständen innerhalb des Partherreiches und Uneinigkeit hinsichtlich des Vorgehens gegen die verhassten Römer.12

Folglich war Trajan in einer weiteren Feldzugkampagne in das Kernland des Feindes östlich des Euphrat marschiert, um eine Entscheidung herbeizuführen und hatte Adiabene, Babylon, Seleukia und schließlich Ktesiphon, die Hauptstadt des Feindes, eingenommen. Umstritten ist die Einrichtung einer Provinz Assyria, da dieses Ereignis, anders als bisher, nicht durch Münzen propagiert wurde.13

Mit der Einnahme Mesopotamiens war die Feldzugkampagne für Trajan scheinbar abgeschlossen, da Trajan im Februar 116 den Beinahmen Parthicus annahm.14

Dass man die Parther im Jahre 116 für besiegt hielt, zeigen desweiteren Münzen mit der Legende „Parthia capta“ (Parthien eingenommen).15

Doch wie ist die militärische Lage 116 zu beurteilen? Der Partherfeldzug begann 113 von der Provinz Syria aus, aufgrund von Differenzen um den armenischen Königsthron. Schon 115 hatte er sich zu einem umfassenden Feldzug gegen das Partherreich entwickelt und führte bis in das Kernland des Feindes hinein.16

Ob von vornherein ein derart umfangreicher Feldzug geplant war, ist umstritten, denn der Feldzug war ohne direkte Kriegserklärung erfolgt, weder an Armenien noch an den parthischen Großkönig Osroes. Als offiziellen Kriegsanlass hatte Trajan die Absetzung des großarmenischen Königs Axidares im Jahre 113 verkündet, der von Osroes durch Parthamasisris ersetzt worden war. Während Cassius Dio in Zusammenhang mit den Ursachen des Feldzuges von der Ruhmsucht Trajans sprach, geht man in der Forschungsliteratur von einer gewissen Dynamik des Feldzuges aus, die sich aufgrund des ausbleibenden parthischen Widerstandes entwickelt hatte.17

Für eine langfristige Planung spricht hingegen, dass die Verlegung von 11 Legionen zuzüglich Hilfstruppen aus dem gesamten Reichsgebiet eine dementsprechend umfangreiche Logistik erforderte, welche mit Kosten und Belastungen verbunden war und für eine begrenzte Operation sicherlich zu kostspielig gewesen wäre. Auch wurde Antiochia in Syrien, die drittgrößte Stadt des Imperiums, für die Dauer des Feldzuges zum vorübergehenden Regierungssitz des ganzen Imperiums. Viele Verwaltungs- und Entscheidungsorgane mussten hierher verlegt werden.18

Und noch weitere Faktoren sprechen dafür, dass es Trajan nicht um einen militärisch begrenzten Konflikt um die endgültige Regelung der armenischen Frage ging, sondern dass sich der Feldzug gegen die Parther direkt richtete. So ließ Trajan unter anderem ein Friedensgesuch des Osroes zu Beginn des Feldzuges unbeantwortet.19

Eine sichere Antwort darauf, ob ein langfristiger Feldzug von Trajan beabsichtigt war, gibt es hingegen nicht. Zwar verweist Cassius Dio wiederholt auf Trajans Ehrgeiz nach Ruhm und bezeichnet die Krise um Armenien als Vorwand, andererseits schließt er auch politische und militärische Gründe nicht aus, namentlich Vertragsbruch und feindliche Aggression.20

Wahrscheinlich ist, dass ein Feldzug schon seit längerem von Trajan geplant wurde, die militärischen Ziele allerdings begrenzt waren. Der Feldzug unterlag nach der Einnahme Armeniens einer gewissen Eigendynamik, einerseits durch die scheinbar mühelosen Eroberungen und andererseits durch innere Konflikte im Partherreich.21

[...]


1 Cass. Dio. 56,33,5. Vgl. Nünnerich-Asmus 2002, 29; Lightfoot 1990, 120-124.

2 Cass. Dio. 68,23,1; 68,28,3; Arr. Path. frg. 71. Vgl. Weber 1937 114; Longden 1931, 1.

3 Cass. Dio. 68,30,1-3; 68,31,4; 68,32,1.Vgl. Lightfoot 1990, 115.

4 Vgl. Strobel 2010, 348; Lightfoot 1990, 115.

5 Vgl. Strobel 2010, 349.

6 Vgl. Strobel 2010, 348-349; Lightfoot 1990, 115; Birley 1997, 68.

7 Vgl. Linz 2009, 140-185; Weber 1937, 108-124; Eck, Werner; Pangerl, Andreas 2005, 49-68; Schippmann 1980, 60-65; Longden 1931, 1-36; Birley 1997, 66-75; Strobel 2010, 348-398.

8 Vgl. Nünnerich-Asmus 2002, 35.

9 Vgl. Strobel 2010, 370.

10 Cass. Dio 68,26,2-4; 68,19,2; 68,18,3; 68,18,2; 68,18,3b; 68,21,1; 68,23,1; 68,28,3. Vgl. Linz 2009, 158-161; Nünnerich-Asmus 2002, 36; Lightfoot 1990, 118-120; Longden 1931, 3; Strobel 2010, 366-367.

11 Vgl. Nünnerich-Asmus 2002, 38.

12 Cass. Dio 68,26,4; 68,18,2; 68,18,3b; 68,22,1.

13 Cass. Dio 68,22,1; 68,28,1-2; 68,26,4. Arr. Parth. frg. 32. Vgl. Strobel 2010, 354-355; Birley 1997, 72; Lightfoot 1990, 123-124; Schipp 2011, 33.

14 Cass. Dio 68,26,2-4; 68,19,2; 68,18,3; 68,18,12; 68,18,3b; 68,23,1; 68,28,3. Vgl. Linz 2009, 158-161; Nünnerich-Asmus 2002, 36; Lightfoot 1990, 118-120; Longden 1931, 3; Strobel 2010, 366-367.

15 Cass. Dio 68,18,2; 68,18,3b; 68,28,1. Vgl. Strobel 2010, 356; Nünnerich-Asmus 2002, 36; Lightfoot 1990, 118-124.

16 Cass. Dio. 68,22,1. Vgl. Schipp 2011, 31.

17 Cass. Dio 68,17,1; 68,29,1; 68,26,4. Vgl. Nünnerich-Asmus 2002, 36. Linz 2009, 152.

18 Vgl. Linz 2009, 153; Strobel 2010, 362.

19 Cass. Dio 68,17,1-3. Vgl. Strobel 2010, 355.

20 Cass. Dio 68,17. Vgl. Schipp 2011, 31; Schippmann 1980, 60.

21 Cass. Dio. 68,22,1; 68,26,4. Vgl. Linz 2009, 162-163.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Warum scheiterte der Partherfeldzug Trajans?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V583623
ISBN (eBook)
9783346186164
ISBN (Buch)
9783346186171
Sprache
Deutsch
Schlagworte
partherfeldzug, trajans, warum
Arbeit zitieren
Jens Mühle (Autor), 2012, Warum scheiterte der Partherfeldzug Trajans?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/583623

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