Im Folgenden der vorliegenden Seminararbeit soll die Entwicklung der politisch-herrschaftlichen und sozioökonomischen Stellung des deutschen Adels während der sogenannten „Sattelzeit“ beleuchtet werden. Ohne ein Verständnis für die Wandlungsprozesse innerhalb des „Ersten Standes“, des maßgeblichen Entscheidungsträgers während des Spätfeudalismus und der Übergangszeit von der ständischen zur bürgerlichen Gesellschaft, lassen sich die Sattelzeit und die sozialstrukturellen Veränderungen nicht in Gänze verstehen. Der machtpolitische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Elitenwandel war eine bedeutende Voraussetzung für die Charakteristika der kommenden Zeit.
Besondere thematische Relevanz erfahren vor diesem historischen Horizont zum einen die geopolitischen Umwälzungen in (Mittel-) Europa im Zuge der Koalitionskriege gegen das revolutionäre beziehungsweise napoleonische Frankreich und ihre Konsequenzen auf das Staatengefüge und zum anderen die innerstaatlichen rechtlichen Reformen nach französischem Vorbild in ebendiesen Staaten des deutschsprachigen Raumes.
Des Weiteren spielt bei den Betrachtungen des sich wandelnden Selbstverständnisses des Adels und der modifizierten Strategien zum Erhalt seiner Standesmäßigkeit in Repräsentation und Machtausübung die Zeit der Restauration und des darauffolgenden Vormärz eine herausragende Rolle. Im Zuge dieser Entwicklungen gelang es dem Adel an vielen Stellen (wenn auch im Nachhinein betrachtet lediglich kurzfristig) ihre Machtdomänen erfolgreich zu verteidigen kürzlich verlorene zurückzugewinnen oder neu geschaffene exklusiv für sich zu beanspruchen. Dieser Prozess entspricht der Lesart der These, die besagt, dass der „Durchbruch des Bürgertums“ um die Jahrhundertwende vor allem durch Ambivalenz geprägt gewesen sei, da sich die bürgerliche Gesellschaft schnell mit der wiederhergestellten alten Ordnung des Ancien Régime arrangiert hätte, so der Historiker Peter Wend in einem Beitrag zu einer deutsch-britischen Publikation.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- 1. Transformation der politisch-herrschaftlichen Machtverhältnisse
- 1.1 Territoriale Machtverschiebungen
- 1.2 Gerichtsbarkeit
- 1.3 Verwaltung
- 1.4 Militärwesen
- 2. Ökonomische Verhältnisse im Wandel
- 2.1 Erbrecht
- 3. Der neue soziale Status des deutschen Adels?
- 3.1 Heiratspolitik
- Schlussbetrachtungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit beleuchtet die Entwicklung der politisch-herrschaftlichen und sozioökonomischen Stellung des deutschen Adels während der sogenannten „Sattelzeit“. Die Arbeit strebt danach, die Veränderungen des „Ersten Standes“ im Spätfeudalismus und der Übergangszeit von der ständischen zur bürgerlichen Gesellschaft zu analysieren. Diese Entwicklungen sind wichtig, um die Sattelzeit und die sozialstrukturellen Veränderungen in dieser Zeit zu verstehen.
- Geopolitische Umwälzungen in (Mittel-)Europa im Zuge der Koalitionskriege gegen das revolutionäre beziehungsweise napoleonische Frankreich und ihre Konsequenzen auf das Staatengefüge
- Innerstaatliche rechtliche Reformen nach französischem Vorbild in den deutschsprachigen Staaten
- Wandel des Selbstverständnisses des Adels und modifizierte Strategien zum Erhalt seiner Standesmäßigkeit in Repräsentation und Machtausübung
- Die Zeit der Restauration und des darauffolgenden Vormärz
- Der „Durchbruch des Bürgertums“ um die Jahrhundertwende und die Ambivalenz der bürgerlichen Gesellschaft gegenüber der wiederhergestellten alten Ordnung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung erläutert die Relevanz des Themas und stellt die wichtigsten Fragestellungen der Arbeit vor. Kapitel 1 behandelt die Transformation der politisch-herrschaftlichen Machtverhältnisse. Hier werden die territorialen Machtverschiebungen, die Entwicklungen im Bereich der Gerichtsbarkeit und Verwaltung sowie die Veränderungen im Militärwesen analysiert. Kapitel 2 untersucht die ökonomischen Verhältnisse im Wandel und widmet sich insbesondere dem Thema des Erbrechts. Kapitel 3 geht der Frage nach, wie sich der neue soziale Status des deutschen Adels im Zuge der Veränderungen darstellte. Im Fokus steht dabei die Heiratspolitik des Adels.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation des deutschen Adels im 18. und 19. Jahrhundert. Hierbei stehen die geopolitischen Umwälzungen im Zuge der Koalitionskriege, die innerstaatlichen rechtlichen Reformen, die Veränderungen im Selbstverständnis des Adels und seine Strategien zum Erhalt seiner Macht sowie die Ambivalenz des „Durchbruchs des Bürgertums“ im Fokus.
Häufig gestellte Fragen
Was war die „Sattelzeit“?
Die Sattelzeit (ca. 1750–1850) bezeichnet die Epoche des Übergangs vom feudalen Ständestaat zur bürgerlichen Moderne, geprägt durch tiefgreifende gesellschaftliche und politische Umbrüche.
Wie reagierte der Adel auf den Aufstieg des Bürgertums?
Der Adel entwickelte Strategien des Machterhalts, indem er sich an neue rechtliche Rahmenbedingungen anpasste, seine Position in Militär und Verwaltung verteidigte und durch gezielte Heiratspolitik seinen sozialen Status sicherte.
Welchen Einfluss hatte Napoleon auf den deutschen Adel?
Die napoleonischen Kriege führten zu massiven territorialen Verschiebungen (Reichsdeputationshauptschluss) und rechtlichen Reformen nach französischem Vorbild, die die Privilegien des Adels schwächten.
Was geschah während der Restauration?
In der Restauration versuchte der Adel, verloren gegangene Machtdomänen zurückzugewinnen und die alte Ordnung des Ancien Régime gegen bürgerlich-liberale Bestrebungen zu verteidigen.
Wie veränderten sich die ökonomischen Verhältnisse des Adels?
Durch Reformen im Erbrecht und den Wegfall feudaler Vorrechte musste sich der Adel zunehmend kapitalistischen Wirtschaftsformen anpassen, um seine wirtschaftliche Basis zu erhalten.
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- Samuel Brix (Author), 2017, Der deutsche Adel zur Sattelzeit. Strategien des Machterhalts zwischen feudalem Ständestaat und bürgerlicher Moderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/583634