Hermann Nohl und Martin Buber - Zwei pädagogische Konzepte im Vergleich


Referat (Ausarbeitung), 2006
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Kontext

3. Herman Nohl (1879-1960)
3.1 Biographische Skizze
3.2 Pädagogische Leitideen und Konzept
3.2.1 Das pädagogische Verhältnis
3.2.2 Kritik am pädagogischen Konzept

4. Martin Buber (1878-1965)
4.1 Biographische Skizze
4.2 Pädagogische Leitideen und Konzept
4.3 Kritik an Buber

5. Vergleich der Konzepte Nohls & Bubers im Hinblick auf die
Erwachsenen-Kind-Beziehung
5.1 Gemeinsamkeiten
5.2 Unterschiede

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit den Pädagogen Herman Nohl und Martin Buber, wobei es das erkenntnisleitende Ziel ist, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der von ihnen beschriebenen pädagogischen Leitideen und Konzepte zu verdeutlichen.

In dieser Arbeit beschränken wir uns ausschließlich auf die pädagogischen Facetten der genannten Persönlichkeiten, da eine Beschäftigung mit ihrem gesamten Werk viel zu umfangreich wäre.

Am Anfang dieser theoretischen Abhandlung steht eine kurze Skizze des historischen Kontextes, um die Konzepte Nohls und Bubers in die zeitgenössischen geistigen Bewegungen einordnen zu können.

Im dritten Kapitel wird die biographische Skizze Herman Nohls vorgestellt, worauf eine Klärung der pädagogischen Leitideen und Konzepte Nohls sowie die Kritik an ihm folgt. Nach dem gleichen Prinzip gehen wir auch im vierten Kapitel, das sich mit Martin Buber beschäftigt, vor.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Konzepte der Pädagogen werden schließlich – nach Einführung des benötigten Hintergrundwissens – in den Kapiteln fünf und sechs verdeutlicht.

Abschließend wird ein Fazit gegeben, in dem die wichtigsten Aussagen zusammengefasst werden und ein Bezug zur aktuellen Diskussion im diesem Bereich aufgezeigt wird. Auch nehmen die Verfasserinnen zum Schluss persönlich Stellung.

2. Historischer Kontext

Herman Nohl und Martin Buber lebten zur Zeit der Reformpädagogik. Diese Epoche der Pädagogik wird zeitlich nach Gudjons ca. zwischen 1900 und 1933 angesiedelt (Gudjons, 2003, S. 105).

Im Folgenden werden die wesentlichen Bewegungen der Reformpädagogik nach Gudjons angerissen, um eine ungefähre Vorstellung des damaligen Geistes zu erhalten.

Zum einen gab es die „Kulturkritik“ (Gudjons, 2003, S.98), innerhalb derer der Verfall von Bildung, Kunst und Kultur kritisiert wurde und man sich aussprach für das Schöpferische, für Gefühl, Volk, etc. Die bekanntesten Vertreter waren Julius Langbehn, Paul de Lagrade und Friedrich Nietsche.

Auch gab es die sozialen und sozialpädagogischen Bewegungen, die vor allem durch ein starkes soziales Engagement gekennzeichnet waren. Zu diesen Bewegungen gehörten vor allem die Frauenbewegung und die Jugendbewegung. In der Frauenbewegung wurden z.B. das aktive und passive Wahlrecht eingefordert und auch für eine Erschließung des Berufslebens und der Bildungsmöglichkeiten für Frauen plädiert. In der Jugendbewegung entstand eine Mischung aus verschiedenen „Bünden“ (Gudjons, 2003, S. 99) und Vereinigungen, wie z.B. Naturfreunde, Pfadfinder und Studentenbünde.

Des Weiteren gab es noch einzelne pädagogische Richtungen.

Zu diesen gehörte z.B. das Buch „Das Jahrhundert des Kindes“ von Ellen Key, in dem sie forderte, „radikal vom Kinde her zu denken“ (Gudjons, 2003, S.100). Auch zählen die Schule der Selbstständigkeit und die Arbeitsschule mit ihren Gründern Berthold Otto, Georg Kerschensteiner und Hugo Gaudig dazu.

Die politischen Schulreformkonzepte kritisierten den Grundcharakter der bisherigen Schule und Blonskij forderte eine „Produktionsschule“ (Gudjons, 2003, S.101), in der der bildende Wert der Industriearbeit hervorgehoben wurde und die Schule als eine Arbeitsstätte nach industriellem Muster verstanden wurde. In diesen Konzepten gab es auch die Idee der „Elastischen Einheitsschule“ (Gudjons, 2003, S.102), in der das Ziel der brüderlichen Erziehung „im Sinne des ethischen Sozialismus“ (Gundjons, 2003, S. 102) verfolgt wurde.

Dann gab es noch die „Kunsterziehungsbewegung“ (Gudjons, 2003, S. 102), welche wesentlich durch Alfred Lichtwark beeinflusst wurde. Diese Bewegung plädierte für Prinzipien wie Originalität, Phantasie, Empfinden, eigenes Darstellen im Unterricht.

Auch entstand die „Landerziehungsbewegung“, in der das Ziel eine umfassende naturverbundene und persönlichkeitsfördernde Form von Internaten war. Gründer dieser Bewegung waren Herrmann Lietz, Gustav Wyneken, Paul Geheeb, Kurt Hahn und Minna Specht.

In der Reformpädagogik gab es noch weiteren zahlreiche Bewegungen und Impulse, doch insgesamt war es die Zeit vieler Versuchsschulen und Schulneugründungen und Unterrichtsneuformungen, in denen die bisher so verspießte und erstarrte Schule reformiert werden sollte.

Wie in dieser Arbeit noch aufgezeigt wird, beschäftigten sich Herman Nohl und Martin Buber mit dem pädagogischen Verhältnis, bzw. dem pädagogischen Dialog zwischen Erzieher und Zögling und schafften ein neues Verständnis dieser Beziehung, indem auch hier das alte erstarrte Verständnis abgelöst wird.

3. Herman Nohl (1879-1960)

Nach Maier gilt Herman Nohl in der Pädagogik neben Martin Buber in der Zeit zwischen 1919 und 1939 als bekanntester dialogischer Denker. Der Begriff „pädagogischer Bezug“ geht auf Herman Nohl zurück, der damit ein dialogisches Verhältnis zwischen Erzieher und Zögling bezeichnete (vgl. Maier, 1992, S. 18). Dieses dialogische Verhältnis werde ich später im Rahmen des Gliederungspunktes „Pädagogische Leitideen und Konzept“ genauer beleuchten, d. h. zu erläutern versuchen, was Herman Nohl dazu ausgesagt hat.

Thesing zufolge hat sich Herman Nohl nach 1920 zu „einem der profiliertesten wissenschaftlich arbeitenden Pädagogen in Deutschland“ entwickelt (Thesing, 1999, S. 73). Auch Blochmann schreibt über die von ihm in den zwanziger Jahren ausgehende „Wirkung ins Große“ (Blochmann, 1969, S. 8), die jedoch 1933 dadurch abbrach, dass ihm seine Wirkungsmöglichkeit durch die Nationalsozialisten genommen wurde. Zudem wird angegeben, dass er nach 1945 erneut zu einer großen Wirkung gekommen sei. An seinem 60. Geburtstag 1939 soll er in kleinem Freundeskreis Folgendes ausgesprochen haben, was er nach Autorensicht in seiner typisch unsentimentalen Weise äußerte (vgl. Blochmann, 1969, S. 8f):

„Die Ernte ist ja nicht so weit, wie sie hätte sein können, der Frost ist zu früh über meinen Garten gekommen. Ich habe kaum viel mehr als zehn Jahre für meine Arbeit gehabt. In der ersten Hälfte meiner Dozententätigkeit kam der Krieg, als ich gerade so weit war, selbständig zu werden, und seit 1931 eigentlich schon überschattete die Politik die pädagogische Arbeit. Das ist nun einmal so“.[1]

Außerdem weist Thesing darauf hin, dass der Pädagoge Herman Nohl die verschiedenartigen Reformbestrebungen seiner Zeit – wie Einheitsschule, Kunsterziehung, Arbeitsschule u. a. – in seinen Schriften und Vorträgen zu einer einheitlichen ’Pädagogischen Bewegung’ zusammenfasste (Thesing, 1999, S. 73).

Thesing beruft sich auf Geißler, der die Pädagogische Bewegung gekennzeichnet sieht durch ihr Engagement für die ’Entfaltung der kindlichen Spontaneität’, das aktive Lernen in Kontrast zu dem passiven und die Erweiterung der bloßen Schulung des Verstandes durch Bildung von ’Herz und Hand’. Außerdem führt er ’die Erweckung und Pflege aller Lebenskräfte als Voraussetzung jeglicher Formung und nicht zuletzt die soziale Verantwortung der Erziehung anstelle einer vorwiegend individualistisch orientierten Pädagogik’ an (Geißler in Scheuerl, 1979, S. 225ff; zit. n. ebd., S. 73f).

Im Folgenden möchte ich die Biographie Herman Nohls etwas genauer darstellen, seinen Werdegang beschreiben.

3.1 Biographische Skizze

Nach Thesing wurde Herman Nohl am 07.10.1879 als Sohn Hermann Nohls, welcher alte Sprachen am Gymnasium zum Grauen Kloster lehrte, in Berlin geboren (vgl. Thesing, 1999, S. 73f). Blochmann beschreibt, dass er als ältestes Kind des Lehrers und seiner Frau Gabriele, die er als Dreijähriger verlor, in Berlin aufwuchs und dort auch seine gesamte Studienzeit verbrachte sowie die ersten beiden Jahre seiner Ehe mit der Wienerin Bertha Oser (vgl. Blochmann, 1969, S.13f).

Nachdem er das Gymnasium besucht hatte, begann er nach Thesing mit dem Studium der Medizin, wechselte jedoch 1898 nach zwei Semestern zu den geisteswissenschaftlichen Fächern Philosophie, Geschichte und Literatur. Er studierte bei Wilhelm Dilthey, der Thesing zufolge als Begründer der geisteswissenschaftlichen Pädagogik gesehen wird. Weiterhin wird festgestellt, Nohl stehe in der „philosophischen Denktradition“ Diltheys (Thesing, 1999, S. 75). Dieser ist nach Blickenstorfer der bedeutendste Förderer Nohls gewesen, der ihm u. a. ein Stipendium vermittelt und seine Dissertation begleitet hat (vgl. Blickenstorfer 1998, S. 27). Laut Thesing promovierte Herman Nohl 1904; seine Dissertation trägt den Titel „Sokrates und die Ethik“.

[...]


[1] Blochmann wurden Familiendokumente und Briefe überlassen, die Nohl geschrieben hatte; Erinnerungen wurden für sie aufgezeichnet (vgl. Blochmann, 1969, S.12).

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Hermann Nohl und Martin Buber - Zwei pädagogische Konzepte im Vergleich
Hochschule
Universität Lüneburg
Veranstaltung
Seminar "Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten"
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
25
Katalognummer
V58367
ISBN (eBook)
9783638525886
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hermann, Nohl, Martin, Buber, Zwei, Konzepte, Vergleich, Seminar, Einführung, Arbeiten
Arbeit zitieren
Ulrike Basedow (Autor), 2006, Hermann Nohl und Martin Buber - Zwei pädagogische Konzepte im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58367

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