Wo sind die Kinder? — Im Land der Egoisten: Kein Nachwuchs, keine Rente! („DIE ZEIT“) Derartige Schlagzeilen finden sich heute immer häufiger in diversen Presseerzeugnissen. Sie haben auf den ersten Blick sogar einen motivierenden Charakter. Schließlich stellt man sich als ehrbarer - aber kinderloser Bürger (bzw. Bürgerin) - daraufhin sofort die Frage: Bin ich Schuld am finanziellen Desaster meines Landes? Betrachtet man die Tatsache jedoch genauer und erkennt, dass das Kinderkriegen hier als Aufgabe der Mitglieder eines Staates zur Unterstützung eines Altersfinanzierungskonzeptes deklariert wird, kommt sehr rasch der Begriff der „Gebärmaschine“ wieder auf, dessen ohnehin schon negative Konnotation zu einer anderen Zeit ihre höchste Ausprägung fand. So gesehen wird der Sache mit dem Kinderkriegen ein gewisser Missbrauchscharakter verliehen, so dass man sich als freies Individuum nahezu dazu genötigt fühlt, sein `eigenes Ding´ zu machen und kinderlos zu bleiben. Ganz so einfach lässt sich die Abnahme der Geburtenzahlen bzw. die Veränderungen des generativen Verhaltens natürlich nicht erklären. Dem entsprechend gibt es auch eine Vielzahl von theoretischen Modellen zur Fertilität und den damit einhergehenden Entwicklungen. In dieser Arbeit soll die Frage nach individuellen Entscheidungsdeterminanten bezüglich der Frage „Kinder- ja oder nein?“ anhand einiger Ansätze näher beleuchtet werden. Fertilität versteht sich dabei als das Geburtenverhalten insgesamt, ist also nicht beschränkt auf den Begriff der Fruchtbarkeit, für dessen Bezeichnung das Lexem Fertilität nicht selten verwendet wird.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1. DIE GRUNDLAGEN DER THEORIENENTWICKLUNG
1.1 Die Entwicklung des Phänomens „Fertilität“
1.2 Statistische Größen und die daraus resultierenden Tendenzen der Fertilität
1.2.1 Statistisch-demographische Größen und Begriffe zur Untersuchung der Fertilität und ihrer Entwicklungen
1.2.2 Tendenzen der Fertilität
1.3 Entscheidungsfreiheit
2. THEORETISCHE MODELLE ZUM FERTILITÄTSVERHALTEN
2.1 Theoriegeschichtliche Entwicklung
2.2 Weiterführende Theorien
2.2.1 Die Theorie der biographischen Festlegung bzw. die biographische Theorie der demographischen Reproduktion
2.2.2 Die ökonomische Theorie der Fertilität: ausgewählte Ansätze im Überblick
3. DIE HANDLUNGSTHEORETISCHE NEUKONZEPTUALISIERUNG DES VOC ANSATZES VON BERNHARD NAUCK (2001)
4. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht theoretische Determinanten individueller Entscheidungen für oder gegen Kinder im Kontext moderner deutscher Gesellschaftsformen. Sie analysiert, inwiefern generative Entscheidungen als rationale Abwägungsprozesse unter spezifischen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verstanden werden können.
- Historische Entwicklung des Fertilitätsbegriffs und statistische Indikatoren
- Kritische Auseinandersetzung mit klassischen demographischen Modellen
- Die Theorie der biographischen Festlegung im Lebenslauf
- Ökonomische Theorien und Nutzen-Kosten-Kalküle bei der Familienplanung
- Die handlungstheoretische Neukonzeptualisierung des "Value-of-Children"-Ansatzes
Auszug aus dem Buch
3. DIE HANDLUNGSTHEORETISCHE NEUKONZEPTUALISIERUNG DES VOC ANSATZES VON BERNHARD NAUCK (2001)
Die zentrale Annahme des von Hoffman und Hoffman (1973) etablierten Value-of-Children-Ansatzes ist, „dass der Wert der Kinder nach Gesellschaftstypus variiert und weitreichende Konsequenzen für generative Entscheidungen und die Ausgestaltung der Eltern-Kind-Beziehungen hat“ (Nauck 2001: 410).
Die handlungstheoretische Neukonzeptualisierung dieses Ansatzes besteht nun in der Integration dessen in die Theorie sozialer Produktionsfunktionen, deren Grundgedanken Adam Smith in der zweiten Hälfte des 18. Jh. etabliert hat. Dieser Grundgedanke beruft sich auf die Gesinnung des Menschen, seine soziale Wertschätzung und sein physisches Wohlbefinden zu maximieren (Nauck 2001, verweist auf Lindenberg 1990). Die Wirkmechanismen sind demnach folgende: „Je größer die erwartete soziale Anerkennung durch die jeweils gewählte Handlungsalternative, desto eher wird diese Handlung gewählt“ und „Je größer das erwartete physische Wohlbefinden durch die Wahl einer Handlungsalternative, desto eher wird diese Handlungsalternative gewählt“ (Nauck 2001: 413).
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Diskurs um niedrige Geburtenraten und führt in die Fragestellung ein, ob Kinderkriegen als eine rationale Entscheidung im Rahmen individueller Lebensentwürfe betrachtet werden kann.
1. DIE GRUNDLAGEN DER THEORIENENTWICKLUNG: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung des Fertilitätsbegriffs, führt demographische Indikatoren ein und diskutiert die Bedeutung der Entscheidungsfreiheit bei der Lebenslaufplanung.
2. THEORETISCHE MODELLE ZUM FERTILITÄTSVERHALTEN: Hier werden verschiedene Ansätze vorgestellt, von klassischen bevölkerungswissenschaftlichen Theorien über die biographische Theorie der Reproduktion bis hin zu ökonomischen Modellen, welche die Entscheidung für Kinder als Kosten-Nutzen-Abwägung begreifen.
3. DIE HANDLUNGSTHEORETISCHE NEUKONZEPTUALISIERUNG DES VOC ANSATZES VON BERNHARD NAUCK (2001): Dieses Kapitel vertieft den "Value-of-Children"-Ansatz durch seine Integration in die Theorie sozialer Produktionsfunktionen, um die Maximierung von sozialer Anerkennung und physischem Wohlbefinden als Motive zu analysieren.
4. ZUSAMMENFASSUNG: Das Kapitel rekapituliert die zentralen Erkenntnisse über den Rückgang der Anreizstrukturen für große Familien sowie den Einfluss biographischer Opportunitätskosten auf die Familiengründung.
Schlüsselwörter
Fertilität, Geburtenverhalten, demographischer Wandel, biographische Festlegung, ökonomische Theorie der Fertilität, Value-of-Children, Nutzen-Kosten-Kalkül, soziale Produktionsfunktion, Familienplanung, Kinderlosigkeit, individuelle Lebenslaufgestaltung, Opportunitätskosten, Humankapital, Reproduktionsindikatoren, moderne Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Hintergründe und Bestimmungsgründe für generative Entscheidungen – also die Frage „Kinder: ja oder nein?“ – innerhalb moderner Gesellschaften wie Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Entwicklung der Fertilität, statistische Messgrößen, soziologische Theorien zum Geburtenverhalten und den ökonomischen "Value-of-Children"-Ansatz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, individuelle Entscheidungsdeterminanten für die Familienplanung anhand bestehender theoretischer Ansätze zu beleuchten und den Einfluss gesellschaftlicher Bedingungen zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die bestehende Modelle und Theorien zur Fertilität (wie den VOC-Ansatz oder ökonomische Theorien) systematisch zusammenführt und kritisch diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung theoretischer Modelle zum Fertilitätsverhalten und die vertiefte handlungstheoretische Neukonzeptualisierung des "Value-of-Children"-Ansatzes nach Bernhard Nauck.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fertilität, Nutzen-Kosten-Kalkül, biographische Festlegung, demographischer Wandel und die Theorie sozialer Produktionsfunktionen.
Wie beeinflusst der soziale Wandel die Entscheidung für ein Kind?
Der soziale Wandel führt zu veränderten Handlungsoptionen und einer Zunahme von Alternativen zur traditionellen Familiengründung, was Kinder als "Zwischengüter" zur Wohlfahrtsmaximierung weniger effizient erscheinen lässt.
Welche Rolle spielt die "biographische Festlegung" bei der Familiengründung?
Dieses Konzept besagt, dass frühe Entscheidungen (z.B. Bildung, Karriere) den weiteren Lebenslauf prägen und die Möglichkeiten zur Familiengründung durch langfristige, oft irreversible Festlegungen beeinflussen.
Warum ist der "Value-of-Children"-Ansatz laut Autor zentral?
Er ist zentral, weil er zwischen ökonomisch-utilitaristischem Nutzen und psychologisch-affektivem Nutzen unterscheidet und so erklärt, wie sich die Bedeutung von Kindern je nach gesellschaftlichem Kontext verschiebt.
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- Astrid Schäfer (Author), 2005, Kinder kriegen oder nicht? Theoretische Entscheidungsdeterminanten im Kontext moderner Gesellschaftsformen (Deutschland), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58389