Es ist als Unwort verschrien: Populismus. Und doch wird der Vorwurf gerne von Politikern gegenüber anderen Parteien genutzt. Das Problem mit dem Begriff: das Verständnis was dahinter steckt ist nicht immer dasselbe. Gerade zum Thema Populismus gibt es immense Unterschiede was mögliche Definitionen angeht. Diese Arbeit versucht in den vielen Definitionen einen klaren Weg zu zeigen und die Gründe, Merkmale und die Mittel populistischer Parteien darzulegen. Welche Strategien verfolgen Populisten und welche Auswirkungen haben sie auf die Politik? Die Arbeit zeigt am Beispiel der Landtagswahl 2018 in Bayern, inwieweit als populistisch geltende Strategien heute schon von den Parteien genutzt werden.
Die Plattform auf der die Untersuchung stattfindet ist dabei die Nachrichtenplattform Twitter. Die Arbeit bietet ein Tool an, mit dem die Kommunikation verschiedenster Akteure, unterschiedlichster Parteien untersucht werden kann. Sie zeigt zudem Anhaltspunkte, worauf die Parteien im Wahlkampf ihren Fokus gesetzt haben. Die Arbeit zeigt somit Ausschnitte eines historischen Wahlkampfes, an dessen Ende 6 Parteien in den Bayerischen Landtag eingezogen sind.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Inhaltsverzeichnis
Die Grundlagen
Populismusbegriff und Definition
Gründe für Populismus
Kennzeichen und Erkennungsmerkmale des Populismus
Die Mittel des Populismus
Wichtige Einschränkungen und mögliche Folgen
Der Datensatz
Twitter und die Auswahl der Datenmenge
Methodik der Datensammlung
Methodik der Datenuntersuchung
Die Hauptuntersuchung
Untersuchung der Wortfelder
Hashtaganalyse
Die zehn häufigsten Hashtags pro Partei
Die zehn häufigsten Ereignis-Hashtags - eine Eventisierung?
Sonder-Hashtags - Counter Narrative und Trolling?
Parteizugehörigkeit und Wahl-Hashtags
Kombination: Sonderbegriffe und weitere Sonder-Hashtags
Zusätzliche Bemerkungen und weitere Ideen
Die direkte und indirekte Parteien-Kommunikation
Das Tool
Die Kommunikation innerhalb der Parteien - Personenkult?
Die Kommunikation zwischen den Parteien - Whataboutism und Trolling?
Die Parteien in Dossiers - Eine Überprüfung der Thesen
Social Media Strukturen aufbrechen!
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht populistische Kommunikationsstrategien von Parteien im Kontext der Landtagswahl 2018 in Bayern unter Verwendung von Twitter-Daten. Ziel ist es, durch eine strukturierte Analyse von Wortfeldern, Hashtags und Kommunikationsmustern zu identifizieren, inwieweit als populistisch geltende Strategien von den Akteuren eingesetzt wurden.
- Populismusdefinition und theoretische Grundlagen
- Methodik der Datenerhebung auf Twitter
- Analyse populistischer Stilmittel (Personenkult, Trolling, Whataboutism, Eventisierung)
- Untersuchung der Parteien-Kommunikation und Themenfokussierung
- Gegenüberstellung von Social-Media-Strukturen und realem Wahlkampfverhalten
Auszug aus dem Buch
Die Mittel des Populismus
Abgesehen von seinen zahlreichen Kennzeichen gibt es für den Populismus typische Mittel. Daher unterscheiden die französischen Populismus-Forscher Yves Mény und Yves Surel drei entscheidende Schritte in der Argumentation von Populisten. Karin Priester hat diese zusammengefasst mit: "Erstens die Betonung der Rolle des Volkes und seine grundlegende Position nicht nur in der Gesellschaft, sondern in der Struktur und Funktionsweise des gesamten politischen Systems mit scharfer Kontrastierung der ‚Privilegierten‘ und der ‚Underdogs‘. Zweitens die Betonung des ‚Betrugs‘ durch jene, die das Volk hätten repräsentieren sollen und schließlich, drittens, die Forderung, den Primat des Volkes wiederherzustellen.“ Darin besteht eine Strategie, die eine in sich geschlossene Logik enthält.
Ein weiteres wichtiges Mittel ist die Inszenierung. Jede noch so gute Kommunikations-Strategie bedarf auch dem richtigen In-Szene setzen. Der Populismus hat diesen Zusammenhang so gut verstanden, dass in der Fachliteratur sogar davon gesprochen wird, dass der „Übergang zwischen populärer Inszenierungskunst und populistischen Mobilisierungsstrategien…fließend sein (kann), jedenfalls in der Kommunikationskultur einzelner Politiker.“ Diese Kommunikationskultur kann in grobe Elemente eingeteilt werden. Fritz Plasser sieht darin vier Hauptelemente der populistischen Nachrichtenlogik:
a) Die Tendenz zur hochgradigen Personalisierung der Berichterstattung: Damit ist eine Art Personenkult gemeint. Der politische Akteur wird zum Star und damit auch zur moralischen und faktischen Instanz.
b) Die Tendenzen zur Dethematisierung: Streitfragen treten in den Hintergrund. Die Performance der Kandidaten ist entscheidend.
c) Die Tendenz zum Negativismus: Wichtiger als positive Nachrichten sind Schreckens-Szenarien. Auch unter dem Begriff „negative-campaigning“, werden vor allem Skandale und Affären hochstilisiert. Die entstandene Dramatik soll den Wähler überzeugen mit seiner Stimme für den Populismus entweder eine Krise abzuwenden oder ein Übel loszuwerden.
d) Die Tendenz zur sportlichen Dramatisierung: Exzessiver Einsatz von Umfragedaten und die spekulative Kommentierung demoskopischer Datensplitter sollen im Sinn des redaktionellen Dramatisierungsbedarfs für Spannung und Excitement sorgen.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Definitionen und theoretischen Ansätze zum Begriff Populismus und beleuchtet die Ursachen sowie Kernmerkmale des Phänomens.
Der Datensatz: Hier werden die Auswahlkriterien für das Medium Twitter und die methodischen Schritte der Datensammlung sowie die damit verbundenen Herausforderungen beschrieben.
Die Hauptuntersuchung: In diesem Teil erfolgt die detaillierte Analyse der gesammelten Daten mittels Wortfeld- und Hashtaganalyse, um populistische Strategien in der Parteikommunikation aufzuzeigen.
Die direkte und indirekte Parteien-Kommunikation: Dieses Kapitel untersucht mittels eines eigens entwickelten Tools spezifische Kommunikationsstile wie Personenkult, Whataboutism und Trolling zwischen den politischen Akteuren.
Die Parteien in Dossiers - Eine Überprüfung der Thesen: Hier werden die Ergebnisse für jede untersuchte Partei in Dossierform zusammengefasst und die eingangs aufgestellten Thesen evaluiert.
Social Media Strukturen aufbrechen!: Das abschließende Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung im Hinblick auf die populistische Kommunikationsform und diskutiert den Beitrag dieser Arbeit zur Politikwissenschaft.
Schlüsselwörter
Populismus, Twitter, Landtagswahl Bayern 2018, Kommunikationsstrategien, Politische Kommunikation, Social Media Analyse, Personenkult, Whataboutism, Trolling, Eventisierung, Counter Narrative, Wortfeldanalyse, Wahlkampf, Digitale Demokratie, Parteienvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie politische Parteien im Kontext der bayerischen Landtagswahl 2018 auf der Plattform Twitter kommunizieren und welche populistischen Strategien sie dabei anwenden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die sprachliche Gestaltung der Parteikommunikation, der Einsatz von Hashtags zur Mobilisierung sowie die Anwendung von Techniken wie Personalisierung, Abgrenzung und das Schüren von Emotionen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, ein Tool zur Untersuchung der Parteikommunikation auf Twitter zu entwickeln und aufzuzeigen, wie Parteien durch spezifische Kommunikationsmittel populistische Muster in ihren Wahlkampf integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine quantitative Datenanalyse (Tweet-Zahlen, Hashtag-Häufigkeiten) mit einer qualitativen Analyse, um die inhaltliche Ausrichtung der Kommunikation zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung von Wortfeldern (z. B. "Angst", "Elite"), eine umfangreiche Hashtaganalyse sowie die Untersuchung direkter und indirekter Interaktionen zwischen den Parteien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem zentralen Begriff "Populismus" stehen methodische Schlagworte wie Twitter-Analyse, Kommunikationsstrategien, Wahlkampf und digitale politische Kommunikation im Vordergrund.
Welche Rolle spielt die "Heiße Phase" des Wahlkampfes für die Daten?
Die Konzentration auf die letzten vier Wochen vor der Wahl ermöglicht eine fokussierte Analyse der intensivsten Phase des politischen Wettbewerbs, in der die Parteien ihre Mobilisierungsstrategien am deutlichsten zeigen.
Wie geht die Autorin mit dem Problem um, dass manche Accounts nicht verifiziert sind?
Es wurde eine Bedingung festgelegt, dass nicht verifizierte Accounts nur dann in den Datensatz aufgenommen werden, wenn sie durch Erwähnungen, Retweets oder Replies von bereits identifizierten Partei-Accounts validiert werden konnten.
Warum ist die Analyse von Whataboutism und Trolling zentral für die Untersuchung?
Diese Techniken sind charakteristisch für eine aggressive, populistisch geprägte Kommunikation, da sie darauf abzielen, rationale Debatten zu stören und von inhaltlichen Fragestellungen abzulenken.
- Quote paper
- Karl Spannenberger (Author), 2019, Populistische Strategien im Wahlkampf der Landtagswahl 2018 in Bayern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/583978