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Gleiche Rechte für Alle? Das Konzept der Menschenrechte zwischen Universalismus und Kulturrelativismus

Title: Gleiche Rechte für Alle? Das Konzept der Menschenrechte zwischen Universalismus und Kulturrelativismus

Thesis (M.A.) , 2006 , 104 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Magistra Artium Johanna Wolf (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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Summary Excerpt Details

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die darauf aufbauenden Konventionen unterstreichen die universelle Gültigkeit, Unveräußerlichkeit, Natürlichkeit und Untrennbarkeit der Menschenrechte. Die Theorie der Universalität des Menschenrechtskonzepts wird von den Vereinten Nationen sowie von vielen Regierungen und Nichtregierungsorganisationen unterstützt; dennoch ist sie nicht unumstritten:

Die These des Kulturrelativismus betrachtet das Menschenrechtskonzept der Vereinten Nationen als Wertekonstrukt, das in einem bestimmten Kulturkreis verankert ist, und verneint die Legitimation einer Universalisierung dieses Konstruktes. In diesem Zusammenhang wird der UNO und besonders den westlichen Staaten unterstellt, dass sie mit der Idee der Menschenrechte eine Art Werteimperialismus betreiben, um eigene politische Machtansprüche zu sichern. Dieser Einspruch wird wiederum kritisiert mit dem Argument, dass der Kulturrelativismus die Politik repressiver Regime begünstige und von deren Menschenrechtsverletzungen ablenken wolle. Die zentrale Fragestellung der Arbeit lautet daher: Inwieweit ist das Konzept der Menschenrechte mit davon abweichenden kulturellen Traditionen vereinbar? Kann oder darf es Subjekt der Modifizierung sein, um sich einzelnen kulturellen Traditionen anzupassen? Oder müssten vielmehr die jeweiligen kulturellen Traditionen, die nicht mit dem Menschenrechtskonzept vereinbar sind, angepasst und modifiziert werden?

Die vorliegende Arbeit stellt zunächst das Konzept universell gültiger Menschenrechte vor und schließt daraufhin eine Diskursanalyse der beiden konträren Theorien des Universalismus und des Kulturrelativismus an. Innerhalb dieses ersten Hauptteils werden die verschiedenen Herangehensweisen und Begründungszusammenhänge der beiden Theorien erläutert und analysiert. Im zweiten Hauptteil der Arbeit wird die Entwicklung der kulturrelativistischen Theorie von Adamantia Pollis und Peter Schwab aufgezeigt, die den Diskurs nachhaltig geprägt hat. Das Fazit beschäftigt sich mit der Frage nach einer möglichen Annäherung des Menschenrechtskonzepts und konträren kulturellen Traditionen im Rahmen eines interkulturellen Dialogs.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Definition der zentralen Begriffe

1.1.1 Der ‚Westen’

1.2 Einführung in die Debatte

1.2.1 Universalismus

1.2.2 Kulturrelativismus

1.3 Methode und Verortung

1.4 Zur Literaturlage

1.5 Gliederung der Arbeit

2. Das Konzept der Menschenrechte

2.1 Menschenrechte als moralisch-normative Kategorie

2.1.1 Unteilbarkeit der Menschenrechte

2.1.2 Exkurs: „Kann mal einer amnesty helfen, bitte?“

2.2 Menschenrechte als völkerrechtlich-positivistische Kategorie

2.2.1 Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

2.2.1.1 Aufbau und Inhalt der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

2.2.1.2 Bedeutung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in der internationalen Politik

2.2.2 Die Internationalen Pakte von 1966

2.2.3 Weitere Menschenrechtskonventionen und regionale Abkommen

3. Die Theorie des Universalismus

3.1 Die normativ-ontologische Herangehensweise

3.2 Naturrechtliche Begründung der Universalität

3.3 Begründungsansatz in der Aufklärung

3.4 Die theologische Begründung des Universalismus

3.5 Die ubiquitäre Begründung des menschenrechtlichen Universalitätsanspruchs

3.6 Völkerrechtlich-positivistischer Ansatz

3.7 Fazit Universalismus

4. Die Theorie des Kulturrelativismus

4.1 Konstruktivismus

4.2 Der Kulturbegriff

4.3 Westliche Prägung des Menschenrechtskonzepts

4.3.1 Individualismus versus Kollektivismus

4.3.2 Politische Rechte vs. soziale Rechte

4.3.3 Rechte und Pflichten

4.4 Asian Values

4.5 Islam und Menschenrechte

4.6 Afrikanisches Verständnis von Menschenrechten

4.7 Werteimperialismus

4.8 Fazit Kulturrelativismus

5. Ubiquität und Diffusion

5.1 Ubiquität

5.2 Diffusion

5.3 Begründung von Universalität bzw. Kulturrelativismus

5.3.1 Ubiquitäre Begründung des Universalismus

5.3.2 Ubiquitäre Begründung des Kulturrelativismus

5.3.3 Diffusionistische Begründung des Universalismus

5.3.4 Diffusionistische Begründung des Kulturrelativismus

6. Ein westliches Konstrukt mit eingeschränkter Anwendbarkeit

6.1 Vorstellung des Artikels

6.1.1 Die westliche Prägung des Menschenrechtskonzeptes

6.1.2 Ideologische Differenzen

6.1.3 Kulturelle Differenzen

6.2 Kritik des Artikels

6.2.1 Die westliche Verankerung des Menschenrechtskonzepts

6.2.2 Die Priorisierung der ersten Generation der Menschenrechte

6.2.3 Individuum und Gemeinschaft

6.2.4 Fazit: Ein westliches Konstrukt mit mangelnder

7. Ein neuer Universalismus

7.1 Inhalt des Artikels

7.1.1. Einfluss der Internationalen Beziehungen auf die Universalisierung des Menschenrechtskonzepts

7.1.2. Ein neuer Universalismus – Das Konzept

7.1.3. Die Dichotomie zwischen individuellen und kollektiven Rechten

7.1.4. Zusammenfassung des Artikels

7.2 Kritik des Artikels

8. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die spannungsreiche Beziehung zwischen dem universalen Anspruch der Menschenrechte und kulturrelativistischen Einwänden. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwieweit das Menschenrechtskonzept mit unterschiedlichen kulturellen Traditionen vereinbar ist und ob eine Annäherung im Sinne eines interkulturellen Dialogs möglich ist.

  • Diskursanalyse des Universalismus und Kulturrelativismus
  • Untersuchung der westlichen Prägung des Menschenrechtskonzepts
  • Kritik an der Priorisierung politischer und bürgerlicher Rechte
  • Analyse afrikanischer und asiatischer Perspektiven sowie der Rolle des Islams
  • Diskussion der Konzepte von Ubiquität und Diffusion

Auszug aus dem Buch

1.2 Einführung in die Debatte

Sind Menschenrechte kulturell gebundene Normen oder sind sie Universalien, und damit Voraussetzung für die Bildung eigener Normvorstellungen und die freie Entfaltung der Persönlichkeit? Sind die Menschenrechte ein „westliches Konstrukt mit beschränkter Anwendbarkeit“ oder ist das Konzept der Menschenrechte per se ein universelles und seine Hinterfragung lediglich eine romantisierende Verherrlichung der Kultur? Oder ist die scheinbar große Toleranz gegenüber anderen Kulturen gar ein Legitimierungsversuch von menschenunwürdigen Praktiken in einzelnen Ländern? Um die Dramatik der Diskussion erkennbar zu machen, formuliert der Politologe und vehemente Vertreter des Universalismus Ludger Kühnhardt die Frage nach der Universalität der Menschenrechte überspitzt:

„Kann und soll ein universales Menschenrechtsideal geschützt und verbreitet werden, oder aber sind Folter, Internierung, Verfolgung und Hungertod von je anderer moralischer Qualität und rechtlicher Konsequenz je nachdem, ob sie in der westlichen Welt oder in anderen Regionen der Erde stattfinden?“

In der Debatte um die Universalität des Menschenrechtskonzepts stehen sich zwei Positionen gegenüber: die Theorie des Universalismus auf der einen Seite, die alle Menschenrechte als natürliche, angeborene und unveräußerliche Rechte jedes Menschen betrachtet und jegliche Relativierung ablehnt. Die These des Kulturrelativismus auf der anderen Seite, die das Menschenrechtskonzept als Konstrukt von Normen betrachtet, die in einer bestimmten Kultur verankert sind, und die Legitimation einer Universalisierung dieses Konstruktes verneint. Innerhalb dieser beiden Theorien gibt es verschiedene Begründungszugänge, die in den Kapiteln 3, 4 und 5 erörtert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Definiert zentrale Begriffe wie den „Westen“ sowie „Menschenrechte“ und führt in den theoretischen Diskurs zwischen Universalismus und Kulturrelativismus ein.

2. Das Konzept der Menschenrechte: Unterscheidet Menschenrechte als moralisch-normative Kategorie einerseits und als völkerrechtlich-positivistische Kategorie andererseits.

3. Die Theorie des Universalismus: Beleuchtet verschiedene Begründungsansätze für den universalen Geltungsanspruch der Menschenrechte, etwa durch Naturrecht, Aufklärung und Theologie.

4. Die Theorie des Kulturrelativismus: Analysiert die Kritik am Universalismus, insbesondere bezüglich der westlichen Prägung, und untersucht verschiedene Kulturkreise wie Asien, Islam und Afrika.

5. Ubiquität und Diffusion: Analysiert die Dichotomie zwischen der ubiquitären Annahme universeller Werte und der diffusionistischen Verbreitung westlicher Standards.

6. Ein westliches Konstrukt mit eingeschränkter Anwendbarkeit: Bietet eine detaillierte Literaturanalyse des wegweisenden Artikels von Pollis und Schwab von 1979.

7. Ein neuer Universalismus: Untersucht die Weiterentwicklung der Position von Adamantia Pollis im Jahr 2000 und die Forderung nach einem neuen Konsens.

8. Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für einen interkulturellen Dialog, um einen „Kampf der Kulturen“ zu vermeiden.

Schlüsselwörter

Menschenrechte, Universalismus, Kulturrelativismus, Menschenrechtskonzept, Westliche Prägung, Interkultureller Dialog, Politische Soziologie, Kultursoziologie, Menschenrechtsverletzungen, Werteimperialismus, Individuum, Gemeinschaft, Vereinte Nationen, Menschenwürde, Diskursanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den theoretischen und praktischen Konflikt zwischen dem universellen Anspruch des modernen Menschenrechtskonzepts und dem Argument des Kulturrelativismus, das kulturelle Besonderheiten betont.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die westliche Prägung von Menschenrechten, die Unterscheidung zwischen politisch-bürgerlichen und wirtschaftlich-sozialen Rechten, das Spannungsfeld zwischen Individualismus und Kollektivismus sowie die Rolle kultureller Traditionen in Afrika, Asien und dem Islam.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, inwieweit das Menschenrechtskonzept mit verschiedenen kulturellen Traditionen vereinbar ist und ob eine Modifizierung oder eine Annäherung im interkulturellen Dialog möglich bzw. notwendig ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Methode der Diskursanalyse, um die verschiedenen Deutungen und Argumente in den Debatten um Universalität und Kulturrelativität zu rekonstruieren, sowie eine Literaturanalyse zweier Artikel von Pollis und Schwab.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse der universalistischen und kulturrelativistischen Theorien, die Betrachtung der Konzepte von Ubiquität und Diffusion sowie eine detaillierte Literaturanalyse der Positionen von Adamantia Pollis und Peter Schwab.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist charakterisiert durch Schlagworte wie Universalismus, Kulturrelativismus, Menschenrechte, interkultureller Dialog, westliche Prägung, Werteimperialismus und die Dichotomie von Individualismus und Gemeinschaft.

Welche Rolle spielen die sogenannten "Asian Values" in der Argumentation?

Die Asian Values dienen als Fallbeispiel für kulturrelativistische Argumente, die nationale Souveränität, kollektive Wohlfahrt und wirtschaftliche Prioritäten über individuelle politische Rechte stellen, um die universelle Anwendbarkeit westlicher Konzepte in Asien zu hinterfragen.

Wie bewertet die Autorin den "neuen Universalismus" von Adamantia Pollis?

Die Autorin sieht in Pollis' späterem Werk einen wichtigen Versuch der Konsensfindung und der Revision einer zu starren kulturrelativistischen Sicht, merkt jedoch kritisch an, dass der vorgeschlagene interkulturelle Dialog oft zu sehr auf staatliche Repräsentanten statt auf die Zivilbevölkerung fokussiert.

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Details

Title
Gleiche Rechte für Alle? Das Konzept der Menschenrechte zwischen Universalismus und Kulturrelativismus
College
University of Münster  (Institut für Soziologie)
Grade
1,0
Author
Magistra Artium Johanna Wolf (Author)
Publication Year
2006
Pages
104
Catalog Number
V58401
ISBN (eBook)
9783638526050
ISBN (Book)
9783638709446
Language
German
Tags
Rechte Konzept Menschenrechte Universalismus Kulturrelativismus Globalisierung Freiheit Gleichheit Interkulturelle Kommunikation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magistra Artium Johanna Wolf (Author), 2006, Gleiche Rechte für Alle? Das Konzept der Menschenrechte zwischen Universalismus und Kulturrelativismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58401
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