Was ist nun für uns die Person; wer ist dazu berechtigt als Person bezeichnet zu hat werden? Im Seminar haben wir die Person als ein endliches Vernunft- und Freiheitswesen, definiert, welche interpersonal und verleiblicht ist. Die einzige uns bisher bekannte Gattung, die als Person bezeichnet werden kann, ist der Mensch. Denn dieser besteht aus der Physis, das Körperliche und darüber hinaus aus der Psyche, die nicht physisch ist, sinnlich nicht wahrgenommen werden kann und ebenfalls nicht räumlich ausgedehnt ist. Der Mensch stellt somit eine Einheit aus der Physis und Psyche, was für uns schwer begreiflich sein kann, wie etwas was körperlich ist, gleichzeitig nicht-körperlich sein kann. Das Endliche des Menschen besteht darin, dass er leiblich und sterblich, und ebenfalls in seinem Denk- und Wirkungsvermögen in unserer Wirkungssphäre begrenzt ist. Gott allein ist absolut und unendlich (Gerten, 2014).
Der menschliche Körper besteht aus Materie, der räumlich ausgedehnt, also ein 3-D Körper ist und einen bestimmten Teil im Raum einnimmt. Dieser Körper ist durch die Sinnesorgane zur sinnlichen Wahrnehmung fähig. Der Mensch benutzt die Sinnesorgane als Instrumente um Geschehnisse um sich herum wahrzunehmen und mit der Außenwelt zu kommunizieren. Dabei entstehen Empfindungen durch Wechselwirkung mit anderen Körpern. Das Auge wird als Instrument benutzt um zu sehen, aber das Resultat, also das Gesehene selbst ist ein mentaler Zustand, weil das Ich sieht mit dem Auge und nicht das Auge sieht. Durch das Ohr werden akustische Signale wahrgenommen, aber das Ich hört z.B. jemanden Klavier spielen. Ist der Fuß gebrochen, dann lokalisiert der Arzt den gebrochenen Knochen, also die Ursache, aber er kann nicht sagen ob dieser Zustand mir Schmerzen bereitet. Denn der Schmerz ist ebenfalls ein mentaler Zustand, den der Betroffene in seinem Bewusstsein empfindet. Und dieses Empfinden kann von Person zu Person stark variieren. Unser physischer Körper ist somit ein Instrument der Sinnesempfindungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Person
1.1 Mensch als Einheit aus Psyche und Physis
1.2 Sinnliche Wahrnehmung durch Bewusstsein und das triebhafte Begehren
1.3 Der freie Wille, Bewusstsein und Determinismus
1.3.1 Determinismus
1.3.2 Der freie Wille und das Bewusstsein
2. Interpersonalität
2.1. Der Leib anderer Menschen
2.2 Anerkennung anderer Menschen als Person
2.3 Die Zweck-Mittel Relation
2.3.1 Endzweck
2.3.2 Mensch als Selbstzweck oder nur als Mittel?
2.4 Recht und Moral im Interpersonalität
2.5 Recht, Zwangsrecht und Staat
2.6 Streben des Menschen nach Selbstbestimmung und Anerkennung
2.7 Erkenntnisse für personenwürdiges Verhalten in Führungskontexten
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Person, Interpersonalität, Recht und Moral, wobei das Ziel darin besteht, eine philosophische Fundierung für ein würdevolles und respektvolles Miteinander im Management zu erarbeiten. Die Forschungsfrage leitet sich aus der Notwendigkeit ab, den Menschen nicht auf eine bloße Zweck-Mittel-Relation zu reduzieren, sondern als freies, vernunftbegabtes Subjekt mit unantastbarer Würde zu begreifen.
- Philosophische Definition des Personenbegriffs
- Wechselverhältnis von Freiheit, Wille und Determinismus
- Bedeutung der Anerkennung und Subjektivität in sozialen Systemen
- Unterscheidung und Interdependenz von Recht und Moral
- Implikationen für ein ethisches Führungsverhalten in Organisationen
Auszug aus dem Buch
1.3.1 Determinismus
Wir hatten erwähnt, der Mensch wäre eine Einheit aus dem Körperlichen (organisches, stoffwechselndes, z.B. verdauendes) und aus dem Geistigen (denkendes, wollendes, fühlendes). Reduziert man diese Einheit, also den Menschen als ein Ganzes auf materielle und naturgesetzliche Ereignisse und Zustände, führt also das Ganze bloß auf einen Teil zurück, dann werden die eigentlichen Merkmale des Geistigen (Freiheit, Vernunft) verschwinden oder ausgeschlossen, geleugnet bzw. bekämpft (Gerten, 2014: 8). So wäre der Mensch durch die Natur durchbestimmt, determiniert, alle seine Äußerungen, Handlungen wären durch die Natur bestimmt. Beispielsweise könnte ein Mörder vor dem Gericht gar nicht beklagt bzw. verklagt werden, da er sagen würden, ich wurde von Natur aus dazu bestimmt, zu morden, es war meine Bestimmung, wie hätte ich mich anders verhalten können.
Ohne dass, ein Mensch jemals ein Buch über den freien Willen oder Selbstbestimmung gelesen hat bzw. philosophische Seminare besucht hat, würde sagen, solch ein Unsinn, der Mörder selbst ist verantwortlich für seine Handlung. Das Wörtchen „selbst“ ist hierbei äußerst entscheidend, d.h. selbst, durch eigenen Verstand und Freiheit wurde die Tat begangen. Die Tat hätte genauso gut unterlassen werden können, wenn der Mörder durch seinen freien Willen sich davon zurückgehalten hätte. Begriffe wie Person, Verantwortung, Güte Gerechtigkeit verlieren ihre Bedeutung. Durch den Reduktionismus des Menschen auf das Naturgesetzliche wird die menschliche Würde verachtet und in letzter Konsequenz führt dies bis hin zur Vernichtung des Menschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Person: Dieses Kapitel definiert den Menschen als ein endliches Vernunft- und Freiheitswesen, das eine Einheit aus Psyche und Physis bildet und sich durch bewusstes Streben sowie die Fähigkeit zur Selbstbestimmung auszeichnet.
2. Interpersonalität: Hier wird analysiert, wie Menschen durch ihren Leib als Mittler in der Sinnenwelt agieren und wie die gegenseitige Anerkennung als Person die notwendige Grundlage für menschliche Beziehungen und ein gerechtes Miteinander bildet.
Schlüsselwörter
Person, Interpersonalität, Freiheit, Würde, Vernunft, Determinismus, Recht, Moral, Selbstbestimmung, Anerkennung, Zweck-Mittel-Relation, Führungsethik, Handlungsfreiheit, Willensfreiheit, Subjekt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den philosophischen Grundlagen von Person und Interpersonalität im Kontext von Recht und Moral, insbesondere mit Blick auf deren Relevanz für das Management.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verständnis des Menschen als Einheit aus Psyche und Leib, die Bedeutung der Freiheit, die Notwendigkeit von Recht zur Sicherung von Freiheit sowie die ethischen Prinzipien in Führungskontexten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die philosophische Herleitung einer Maxime, nach der Menschen stets als Personen mit unantastbarer Würde und nicht als bloße Mittel zu einem Zweck behandelt werden sollten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophische, rational-apriorische Herangehensweise, ergänzt durch die kritische Reflexion von Seminarinhalten und klassischer Naturrechtsphilosophie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Personenbegriffs, des freien Willens, der Bedeutung des Leibes, der Zweck-Mittel-Relation sowie der notwendigen Vermittlung durch staatliches Recht und ethische Führung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Person, Freiheit, Würde, Anerkennung, Recht, Moral und Selbstbestimmung stehen im Zentrum der terminologischen Auseinandersetzung.
Warum lehnt die Autorin eine rein materialistische Reduktion des Menschen ab?
Die Autorin argumentiert, dass eine Reduktion des Menschen auf materielle oder naturgesetzliche Faktoren die Freiheit und Vernunft leugnet, was in der Konsequenz Begriffe wie Verantwortung und Würde vernichtet und Diskriminierung fördert.
Welche Bedeutung kommt dem Staat bei der Sicherung der Interpersonalität zu?
Der Staat ist als eine übergeordnete Macht definiert, die dazu dient, individuelle Handlungsfreiheit zu sichern und Rechtsverletzungen durch ein transparentes und für alle geltendes Gesetz zu sanktionieren.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Recht und Moral?
Während Moral einen Appell an den inneren guten Willen und die Sittlichkeit darstellt, dient das Recht als äußere Bedingung und Zwangsgemeinschaft, um ein Zusammenleben auch bei mangelndem gutem Willen zu garantieren.
- Arbeit zitieren
- Angela Schmidt (Autor:in), 2014, Person und Interpersonalität im Verhältnis von Recht und Moral, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/584100