In konsequenter Fortführung seiner Rechtssprechung hat der EuGH in den letzten Jahren durch mehrere Urteile zugunsten der Niederlassungsfreiheit von Gesellschaften entschieden und damit den Wettbewerb zwischen den einzelnen Gesellschaftsformen der EU-Mitgliedstaaten eröffnet. Es ist somit möglich, in Deutschland u. a. in der Rechtsform einer englischen Limited aufzutreten. Zurzeit sind 10 Prozent aller deutschen Neugründungen von Kapitalgesellschaften englische Limiteds. Nachdem Großunternehmen sich schon vor Jahren auf einen internationalen Markt eingestellt haben, ziehen kleine und mittelständische Unternehmen langsam nach. Auf den ersten Blick entdeckt man zwischen der bekannten deutschen GmbH und Ihrem englischen Pendant, der Limited, kaum Differenzen. Bei genauerer Betrachtung werden dennoch einige Unterschiede erkennbar.
Diese Seminararbeit soll aufzeigen, inwieweit eine englische Limited als Alternative zur deutschen GmbH in Deutschland gesehen werden kann. Es soll dargestellt werden, was sich hinter der Limited verbirgt, wie eine Limited in Deutschland zu gründen ist und welche Vor- bzw. Nachteile sich für die Beteiligten daraus ergeben können.
Zunächst werden die Organe und Rechtsgrundlagen der Limited vorgestellt. Im darauf folgenden Abschnitt wird ausführlich dargestellt, wie eine Limited zu gründen ist und mit welchen Gründungskosten zu rechnen ist. Es gibt unterschiedliche Wege mit einer Limited in Deutschland tätig zu sein. Das hier anzuwendende deutsche Recht und der Vorgang der Gründung werden im nächsten Abschnitt beschrieben. Im Anschluss daran wird es ein Vergleich zur GmbH geben, der mit einem Aufzeigen der Vor- und Nachteile einer Limited Gründung enden wird. Danach wird es einen kurzen Ausblick über die Zukunft der GmbH geben, bevor diese Seminararbeit mit einem Fazit endet.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Die Rechtsform und die Organe einer Limited
C. Gründung einer Limited
I. Der Gründungsablauf
II. Gründungskosten
III. Verwaltungskosten
D. Die Limited in Deutschland
I. Gründungsmöglichkeiten
II. Steuern
III. Behörden
IV. Recht
E. Vor- und Nachteile einer Limited-Gründung in Deutschland
I. Vorteile einer Limited
II. Nachteile einer Limited
G. Die Zukunft der GmbH in Bezug auf das Mindestkapital
H. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die englische Limited als wettbewerbsfähige Alternative zur deutschen GmbH in Deutschland fungieren kann, wobei insbesondere die rechtlichen Rahmenbedingungen und praktischen Gründungsvoraussetzungen analysiert werden.
- Rechtliche Struktur und Organe der englischen Limited
- Prozess der Unternehmensgründung und damit verbundene Kosten
- Möglichkeiten der geschäftlichen Betätigung in Deutschland
- Steuerliche Aspekte und Behördenkontakt
- Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile gegenüber der GmbH
Auszug aus dem Buch
C. Gründung einer Limited
Die Limited wird nach englischem Recht in englischer Sprache gegründet. Dies geschieht durch die Ausstellung eines Certificate of Incorporation (Gründungsurkunde) durch den Registrator des Companies House in Cardiff oder London. In einer eidesstattlichen Erklärung des Director, des Company Serectary oder eines mit der Gründung beauftragten Anwalts wird bestätigt, dass die Gründungsvoraussetzungen erfüllt sind. Nach Ausstellung einer Gründungsbescheinigung wird die Gründung in der Londoner Gazette bekannt gemacht. Dies dauert in der Regel zwischen fünf bis vierzehn Tagen. Gegen Aufpreis ist auch eine Expresseintragung innerhalb 24 Stunden möglich.
Zur Gründung der Limited wird ein Memorandum and Articles of Association, ein sog. Gesellschaftsvertrag aufgesetzt. Dieser besteht aus zwei Teilen. Das Memorandum of Association regelt dabei die Außenverhältnisse der Gesellschaft, wie z.B. Name, Sitz, Gegenstand der Unternehmung und das Gesellschaftskapital. Dagegen regeln die Articles of Association die Innenverhältnisse der Gesellschaft, wie z.B. Vertragsberechtigung und Dividende. Des Weiteren wird im Gesellschaftsvertrag vermerkt, dass sich der Sitz des Unternehmens in England befindet, und dass die Haftung der Gesellschafter auf die von ihnen erbrachten Anteile beschränkt ist. Der Gesellschaftsvertrag wird zusammen mit dem Beschluss zur Berufung des Directors und des Company Secretaries beim Companies House eingereicht. Eine notarielle Beglaubigung dieser Unterlagen ist nicht notwendig. In der Regel eine Woche später wird die Gesellschaft in das Companies House eingetragen und das Certificate of Incorporation ausgestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein und beleuchtet die steigende Bedeutung der englischen Limited als Alternative zur deutschen GmbH im Kontext der europäischen Niederlassungsfreiheit.
B. Die Rechtsform und die Organe einer Limited: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Grundlagen nach englischem Recht sowie die spezifischen Rollen von Shareholder, Director und Company Secretary.
C. Gründung einer Limited: Hier wird der Prozess der Gründung, von der Erstellung des Gesellschaftsvertrags bis hin zur Eintragung, detailliert beschrieben und mit den Anforderungen der deutschen GmbH verglichen.
D. Die Limited in Deutschland: Dieses Kapitel behandelt die verschiedenen Möglichkeiten, mit einer Limited in Deutschland geschäftlich tätig zu sein, einschließlich der steuerrechtlichen Pflichten und behördlichen Anmeldeverfahren.
E. Vor- und Nachteile einer Limited-Gründung in Deutschland: Es erfolgt ein tabellarischer Vergleich beider Gesellschaftsformen, um die jeweiligen spezifischen Stärken und Schwächen für Gründer herauszuarbeiten.
G. Die Zukunft der GmbH in Bezug auf das Mindestkapital: Der Abschnitt diskutiert die legislative Reaktion auf die Limited, insbesondere die geplanten Senkungen des Mindeststammkapitals für die deutsche GmbH.
H. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Limited für international agierende Unternehmen zwar vorteilhaft ist, jedoch für rein inländisch tätige Firmen aufgrund des hohen Verwaltungsaufwands kaum eine echte Konkurrenz zur GmbH darstellt.
Schlüsselwörter
Limited, GmbH, Gesellschaftsrecht, Niederlassungsfreiheit, EuGH, Gründung, Stammkapital, Director, Shareholder, Company Secretary, Handelsregister, Besteuerung, Rechtsformvergleich, Publizität, Haftungsbeschränkung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob die englische Limited eine ernsthafte Konkurrenz zur klassischen deutschen GmbH darstellt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Rechtsgrundlagen, Gründungsverfahren, steuerliche Behandlung und den betriebswirtschaftlichen Kostenvergleich beider Rechtsformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Evaluierung der Eignung einer Limited als Alternative für Gründer auf dem deutschen Markt.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die vergleichende juristische Auswertung relevanter Urteile des EuGH und gesetzlicher Bestimmungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Limited-Organe, den Gründungsvorgang, die steuerlichen Pflichten in Deutschland sowie einen tabellarischen Vergleich der Vor- und Nachteile.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Niederlassungsfreiheit, Limited, GmbH, Stammkapital und Verwaltungsaufwand.
Welche Bedeutung haben die EuGH-Entscheidungen für das Thema?
Entscheidungen wie "Centros" oder "Inspire Art" haben den Weg geebnet, dass der Verwaltungssitz einer Gesellschaft frei in andere EU-Länder verlegt werden kann, was die Gründung von Limiteds in Deutschland erst rechtlich attraktiv machte.
Warum ist das "Registered Office" in England so wichtig?
Es dient als offizielle Adresse der Gesellschaft für behördliche Korrespondenz und Zustellungen, auch wenn das operative Geschäft in Deutschland geführt wird.
Ist die Limited bei Verwaltungskosten generell günstiger als die GmbH?
Nein, die Arbeit stellt fest, dass die Limited aufgrund von Übersetzungs- und Rechtsberatungskosten in der Verwaltung oft nicht günstiger ist als eine GmbH.
- Quote paper
- Friederike Vieth (Author), 2006, Die englische Limited im Vergleich zur deutschen GmbH. Eine wirkliche Konkurrenz?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58414