Realistic Job Preview. Der Einsatz von Virtual Reality im Recruiting


Hausarbeit, 2019

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Realistic Job Preview
2.2 Virtual Reality
2.3 Aktueller Forschungsstand

3. Diskussion

4. Implikationen für die Praxis

5. Grenzen der Arbeit

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: 360°-Tour am Smartphone

Abbildung 2: Person mit VR-Brille und Daten-Controllern

Abbildung 3: Virtual Reality Ankleideraum

Abkürzungsverzeichnis

bzw. beziehungsweise d. h. Das heißt

engl. englisch

RJP Realistic Job Preview u. a. unter anderen

VR Virtual Reality z. B. zum Beispiel

1. Einleitung

„Virtual reality was once the dream of science fiction. But the internet was also once a dream, and so were computers and smartphones. The future is coming, and we have a chance to build it together.” (Zuckerberg, 2014)

Dem Stichwort Fachkräftemangel und Fluktuation wird eine immer größere Bedeu- tung beigemessen (Obermeier, 2014). Bereits 55% von Personalverantwortlichen (N=297) geben an bei ihrer Arbeit diese Phänomene stark bis sehr stark zu spüren (Staufenbiel Institut & Kienbaum, 2016). Ein Recruitingprozess verursacht in der Regel hohe Kosten, weswegen Unternehmen versuchen von Anbeginn die best- mögliche Besetzung für ihre Vakanz zu finden. Im Durchschnitt entstehen Kosten von € 2.854,02 (Zeitaufwand für Interviews nicht inbegriffen) pro Bewerber1 bis eine Position besetzt ist (FEL GmbH, o. J.). In diesem Zusammenhang muss das Phänomen Fluktuation besonders betrachtet werden, da dies durch erneute Re- cruitingprozesse ebenfalls hohe Kosten verursacht (Grassl, Hindelang & Klein, 1982, S. 23). Die Gründe für eine hohe Fluktuation sind vielfältig (Hesse, 2017), jedoch wird häufig ein fehlender Person-Job-Fit angegeben (Schliephake, 2018). Diese fehlende Passung kann unter anderem auf einer falschen Vorstellung von der Arbeit beruhen. Daher kann eine realistische Darstellung der Position und der späteren Tätigkeiten und des Arbeitsumfeldes eine Stellschraube bieten, um die gewünschte Passung zu erreichen. Insbesondere vor dem Hintergrund eines Ar- beitnehmermarktes müssen Unternehmen vermehrt um das Interesse von Bewer- bern kämpfen (DAHMEN Personalservice GmbH, 2019). Daher werden Unter- nehmen gezwungen neue Wege zu finden, um potenziellen Mitarbeitern einen realitätsnahen Eindruck der späteren Arbeit zu vermitteln. Der Einsatz neuer Me- thoden und Technologien, wie z. B. Virtual Reality (VR) stellt dabei eine Option dar. Virtual Reality als eine Mensch-Maschine-Schnittstelle, erlaubt es dem Benut- zer, eine computergenerierte Umwelt in Ansprache mehrerer Sinne als Realität wahrzunehmen. So unter anderem auch den potenziellen Arbeits- oder Ausbil- dungsplatz. Ziel dieser Arbeit soll sein, zu analysieren, inwieweit der Einsatz der VR-Technologie und die Darstellung eines Arbeitsplatzes in einem 360°-Rundgang zu einem besseren Realistic Job Preview führt und somit als sinn- volle Recruitingmaßnahme Verwendung finden kann.

Problemstellung

Das Unternehmen ist im Bereich Elektrotechnik, spezifisch in der Halbleiterproduk- tion, tätig. Die Produkte werden unter strengen Maßnahmen in einem Reinraum gefertigt. Nun zeigt sich, dass der Arbeitsplatz (Reinraum) und die spezifischen Arbeitsbedingungen nach Vertragsbeginn häufig zu Schwierigkeiten führen und als besondere Herausforderung seitens der Produktionsmitarbeiter empfunden werden. Auch die Suche nach Auszubildenden als Maschinen- und Anlagenführer sowie als Mikrotechnologen stellt das Unternehmen immer mehr vor Herausforde- rung. Die Einarbeitung nimmt eine lange Zeitspanne in Anspruch, weswegen ein früher Abgang des Mitarbeiters für das Unternehmen hohe Kosten verursacht. Dies soll versucht werden zu reduzieren, indem mittels VR eine 360°-Tour durch den Reinraum erstellt wird. Diese aufbereitete Darstellung soll auf Messen, in Vor- stellungsgesprächen und im Internet vor einer Bewerbung oder einem Eintritt in das Unternehmen einen realistischeren Eindruck des zukünftigen Arbeitsbereiches vermitteln.

2. Theoretischer Hintergrund

2.1 Realistic Job Preview

Eine realistische Jobvorschau (Realistic Job Preview, RJP) ist ein Tool im Rekru- tierungsprozess. Ziel des RJP ist es einen umfassenden Einblick in die zu beset- zende Position zu vermitteln und die guten aber auch die schlechten Aspekte ei- nes Jobs zu kommunizieren (U.S. OFFICE OF PERSONNEL MANAGEMENT, o. J.). Kernziel ist es einem (potenziellem) Bewerber einen möglichst realistischen Blick auf das Arbeitsumfeld, die Arbeitsbedingungen und die zukünftigen Aufga- ben zu ermöglichen. So soll schon vorab auf einen möglichst großen Person-Job- Fit hingearbeitet werden, um die Turnover-Quote zu reduzieren (U.S. OFFICE OF PERSONNEL MANAGEMENT, o. J.). Die Interaktivität kann u. a. zu einer höheren Akzeptanz hinsichtlich des Unternehmensangebotes, als auch zu einer höheren Bindung bezüglich der konkreten Position führen (Konradt & Sarges, 2003, S. 5).

Der Studie von Phillips (1998, S. 673 ff.) zufolge, führen Realistic Job Preview in Abhängigkeit von verschiedenen organisatorischen Elementen zu einer signifikan- ten Erhöhung des Leistungsvermögens (bzw. dessen Vorhersage) sowie zu einer Erhöhung der Personalbindung und einer geringeren Anzahl von Bewerbungsabb- rechern. Bei der Erstellung eines RJP sollten u. a. folgende Faktoren Beachtung finden (U.S. OFFICE OF PERSONNEL MANAGEMENT, o. J.):

- Art und Weise der Erstellung (z. B. strukturierte Beobachtungen, Bespre- chungen mit aktuellen Mitarbeitern)
- Verteilung/Verbreitung des RJP (z. B. schriftliches Material, Video, Inter- view)
- Berücksichtigung der positiven und negativen Aspekte
- Zeitpunkt der Nutzung (d. h. früh oder spät im Rekrutierungsprozess)

2.2 Virtual Reality

Unter „Virtuelle Realität „ oder engl. Virtual Reality (abgekürzt VR) wird die Dar- stellung einer virtuellen Welt verstanden, welche durch eine computergenerierte realitätsnahe Simulation den Benutzer in eine synthetisch generierte Umgebung führt (Holischka 2016, S.72 f.; Sturm, 2008; Wollmilchsau, 2016). Die generierten Welten können dabei real existierte Orte darstellen oder frei kreiert worden sein (Wollmilchsau, 2016). Charakteristisch ist, dass sich der Benutzer als Teil dieser Welt wahrnimmt und sich in dieser Welt digital bewegen kann (Wollmilchsau, 2016). Das Gefühl des Eintauchens in die virtuelle Welt und Teil davon zu werden, bezeichnet man als Immersion (Schröter 2004, S. 153; Sturm, 2008; Wollmilch- sau, 2016) und geschieht hauptsächlich durch Ansprechen der visuellen und audi- tiven Sinne, jedoch auch durch alle anderen Sinne (Schröter, 2004, S. 153 ff.). VR unterscheidet sich dabei in der Immersion im Gegensatz zu Filmen durch die In- teraktion des Users mit dem Raum (Kramer, 1998, S. 13). Zum Erstellen und Erle- ben der virtuellen Realität wird neben einer entsprechenden Software, auch spezi- fische Hardware benötigt. Um die 3D-Welt erleben zu können, werden am ge- bräuchlichsten Head Mounted Displays (HDM) eingesetzt (Bente, Kramer & Peter- sen 2002, S. 10). Die VR-Brillen sind dabei am bekanntesten. Als erweiterte Ver- sion davon werden sogenannte Caves bezeichnet, bei dem die Wände eines Raums mit verschiedenen Projektionsflächen ausgestattet werden. VR lässt sich dabei grob in zwei Bereiche unterteilen:

- Desktop-Anwendungen (Ermöglicht einen Einblick in die virtuelle Welt und der Nutzer kann mit verschiedenen enthaltenen Objekten interagieren) (Sturm, 2008)
- Immersive virtuelle Welten (Nutzer wird unmittelbarer Bestandteil der vir- tuellen Welt) (Sturm, 2008)

2.3 Aktueller Forschungsstand

Auch wenn Virtuelle Realität zwar vermehrte Aufmerksamkeit erfährt, ist diese Technik noch nicht umfassend in allen Lebensbereichen vertreten. Im Recruiting, speziell für Realistic Jobs Previews, wird diese Technologie bis lang noch nicht lange eingesetzt. Jedoch konnten Phillips (1998, S. 673 ff.) und Dierks (2003) be- reits aufzeigen, dass im Rahmen von RJPs videobasierte Jobbotschaften einen besonders positiven Eindruck bei Bewerbern erzielen konnten.

Dies lässt darauf schließen, diese Erkenntnisse aufzugreifen und entsprechend mittels VR auf Video basierende Darstellungen auf ein weiterführendes Level zu heben. Generell lässt sich ein Trend dahin gehend erkennen, dass das Interesse an 360°-, AR- und VR-Inhalten im Recruiting stetig zunimmt (JobStairs, 2016). Der Umfrage nach ist bei 31% VR-Technik bereits geplant und bei 34,5% ein zeitnaher Einsatz denkbar (JobStairs, 2016). Als nützliche Erweiterung im Recruiting sehen 63,3% der Befragten 360-Grad-VR-Videos (JobStairs, 2016). Nach Jäger (2019) ist diese Entwicklung begründet auf der Annahme, dass 360-Grad-VR-Videos die Möglichkeit bieten die Diskrepanz zwischen Vorstellung und Realität zu verringern und auf diese Weise Authentizität und Unterhaltung miteinander zu verbinden und dadurch eine gesteigerte Emotionalisierung und Involvierung der Kandidaten zu generieren. So haben 66% der Befragten angegeben, dass sich VR-Inhalte im Kontext der Jobsuche gut eignen, um Interesse am Arbeitsplatz zu wecken (Rust, 2017). 33% halten VR für eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Stellenanzei- ge. Dies unterstützt die These, dass die Betrachtung von 360-Grad-Filmen mit dem HMD oder Cardboard signifikant stärker emotionalisiert als die reine Betrach- tung auf dem Smartphone (Rust, 2017).

3. Diskussion

Realistic Job Previews bieten eine Reihe von Erfolgen für das Unternehmen. Be- sonders betrachtenswert ist dabei das Ziel die Mitarbeiter-Fluktuation im frühen Stadium zu reduzieren. So zeigen verschiedene Forschungsbefunde, dass RJPs in der Basis von vier psychologischen Prozessen beeinflusst werden (Breaugh, 1983):

1) “Eingetretene Erwartungen”

Durch RJPs werden die Erwartungen der Bewerber korrigiert und in der Regel ge- senkt. Dadurch, dass diese „neuen“ Erwartungen eher der Realität entsprechen, kann Frust beim Bewerber vorgebeugt werden.

2) “Fähigkeit, Anforderungen auch zu erfüllen”

Durch die vorherige Vorbereitung auf die Aufgaben und Anforderungen einer Tä- tigkeit, sind zukünftige Mitarbeiter besser auf diese vorbereitet und kommen bes- ser zurecht.

3) “Atmosphäre der Aufrichtigkeit”

Realistic Job Previews vermitteln das Gefühl von Ehrlichkeit, wodurch die Tätigkei- ten bzw. der Job später besser akzeptiert werden, da keine falschen Verspre- chungen gemacht wurden.

4) “Selbstauswahl”

Durch realistische Einblicke in den Arbeitsalltag kann eine Selbstauswahl des Be- werbers erfolgen und unpassende bzw. uninteressierte Kandidaten ziehen sich aus dem Bewerbungsprozess zurück.

Einzig den späteren Arbeitsplatz digital zu zeigen, da eine reale Begehung der Räumlichkeiten aufgrund der Sicherheitsbestimmung nicht möglich ist, reicht je- doch nicht für eine umfassende Darstellung des Tätigkeitsfeldes eines Maschinen- und Anlagenführers bei besagten Unternehmen. Die 360°-Tour sollte zusätzlich mit weiteren Informationsmöglichkeiten ausgestattet werden. Mittels Storytellings sollte der Kandidat in eine Geschichte eingebunden werden, um das Interesse des Bewerbers zu wecken und ihn für das Unternehmen und die Position zu gewinnen. Eingebaute Infospots mit zusätzlichen Erklärungen und Informationen regen zur Interaktion an und können bei dem Nutzer zusätzliches Interesse wecken. Ebenso sollten Text-Overlays als zusätzliche Möglichkeit der Informationsvermittlung in Betracht gezogen werden. Für einen virtuellen 360°-Rundgang wird nicht zwangs- läufig eine VR-Brille benötigt – die Tour kann auch am Rechner oder mit einem Smartphone erfolgen.

Abbildung 1: 360°-Tour am Smartphone (bestviews.de)

Dies hätte den Vorteil, dass die Tour nahezu jedem Interessenten zugänglich wä- re. Eine Tour mittels VR-Brille anzubieten, könnte einen zusätzlich Aufmerksam- keits-Push liefern. Auch wenn der RJP als Informationsvermittlungs-Tool dienen soll, um Recruiter aktiv zu unterstützen, so kann es als Option für einen ersten Schritt ins Recruitaiment dienen. Um das Erlebnis noch realitätsgetreuer zu gestal- ten, könnten mit Hilfe von VR-Brillen und Datenhandschuhen konkrete Tätigkeiten programmiert werden, welche der Kandidat ausführen kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Realistic Job Preview. Der Einsatz von Virtual Reality im Recruiting
Hochschule
Nordakademie Hochschule der Wirtschaft in Elmshorn
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V584196
ISBN (eBook)
9783346161499
ISBN (Buch)
9783346161505
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Virtual Reality, Realistic Job Preview, Recruiting, VR, Mensch Computer
Arbeit zitieren
Jana Neumann (Autor), 2019, Realistic Job Preview. Der Einsatz von Virtual Reality im Recruiting, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/584196

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