Die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigung und die Bedeutung der Elternarbeit in der Aufklärungsarbeit


Diplomarbeit, 2017

72 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Überblick über die Arbeit

1 Sexualpädagogik
1.1 Begriffsdefinition Sexualpädagogik
1.2 Begriffsdefinition Sexualität

2 Kindliche Sexualität
2.1 Wie zeigt sich Sexualität bei Kindern?
2.1.1 Beispiele für Kindersexualität

3 Sexuelle Entwicklung
3.1 Phasen der psychosexuellen und psychosozialen Entwicklung
3.1.1 1. Lebensjahr: Orale Phase – Vertrauen versus Misstrauen
3.1.2 2. Lebensjahr: Anale Phase – Autonomie versus Scham
3.1.3 3. bis 5. Lebensjahr: Infantile-genitale Phase – Initiative versus Schuldgefühle
3.1.4 6. bis 12. Lebensjahr: Latenzphase – Leistung bzw. Werksinn versus Minderwertigkeit

4 Sexuelle Aufklärung oder Sexualerziehung?
4.1 Bedeutung der Elternarbeit in Bezug auf die sexuelle Aufklärung von Kinder und Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigung

5 Empirischer Teil
5.1 Situationsbeschreibung
5.2 Personenbeschreibung der Befragungsteilnehmer
5.3 Auswertung des „angeleiteten Interviews“
5.3.1 Allgemein
5.3.2 Teil I: Persönlich
5.3.3 Teil II: Sexuelle Aufklärung
5.3.4 Teil III: Wissensfragen

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhang

Einleitung

Sexualität begleitet uns das ganze Leben. Das Thema ist stets präsent und ist Teil eines jeden Individuums. Sexualität reicht nicht nur vom ersten Kuss bis zur reifen Liebe, sondern sie beginnt bereits bei Neugeborenen, die mit allen Sinnen körperliche Lust bzw. ein Wohlgefühl erleben. Die kindliche Sexualität kann in keinster Weise mit der Sexualität der Erwachsenen verglichen werden.

In dieser Arbeit habe ich mich mit dem Thema Sexuelle Entwicklung von Kinder und Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigung und die Bedeutung der Elternarbeit in der Aufklärungsarbeit befasst. Mein persönlicher Zugang zum Thema hat sich eröffnet, als ich während meiner Arbeit mit erwachsenen Menschen mit Beeinträchtigung, durch verschiedenste Gespräche auf die Themen Liebe, Partnerschaft und Aufklärung gestoßen bin. Nach einigen Überlegungen weckten diese Gespräche mein Interesse für die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigungen. Dabei interessierte mich auch die Bedeutung der Elternarbeit hinsichtlich der Aufklärungsarbeit.

Daher stellt sich mir die Frage, die ich auch als Hauptthema in meiner Diplomarbeit behandle: Welchen Einfluss hat die sexuelle Aufklärung auf die sexuelle Identität von Kinder und Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigung?

Dabei gilt es folgende Hypothesen zu überprüfen:

Hypothese 1: Je mehr die Kinder mit und ohne Beeinträchtigung über die Sexualität wissen, umso besser sind sie auf ihr sexuelles Leben vorbereitet.

Hypothese 2: Kinder mit und ohne Beeinträchtigung die kaum etwas über sexuelle Aufklärung gehört haben, sind in ihrer gesamten Persönlichkeit, sprich auf kognitiver, emotionaler, sensorischer und körperlicher Ebene benachteiligter als Kinder die eine umfangreiche sexuelle Aufklärung bekommen haben. Kindern ohne ausreichende Aufklärung fehlen die nötigen Lebenskompetenzen, um mit allen Aspekten von Sexualität und Beziehungen umgehen zu können.

Hypothese 3: Menschen mit Beeinträchtigungen wünschen sich genau dasselbe (zum Beispiel Liebe, Freundschaft, Partnerschaft, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Leidenschaft und Flirt), wenn sie an Sexualität denken als Menschen ohne Beeinträchtigung.

Überblick über die Arbeit

Um diese zentrale Fragestellung beantworten zu können, ist die folgende Arbeit in einen theoretischen Teil und in einen empirischen Teil gegliedert. Der theoretische Teil der Arbeit widmet sich zu Beginn der Begriffsklärung von Sexualpädagogik und Sexualität. Die Erklärungsansätze zu den Begriffen haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da eine eingehende Bearbeitung dieser Begriffsklärungen weit über die Möglichkeiten im Rahmen dieser Arbeit hinausreichen würden.

Im Fokus des zweiten Kapitels steht die kindliche Sexualität. Dabei wird im folgenden Abschnitt darauf eingegangen, wie sich die Sexualität bei Kindern zeigt. Darüber hinaus sind einige Beispiele zur Kindersexualität angeführt. Kinder entwickeln sich im Laufe ihres Lebens. Während ihres Wachstums absolvieren sie eine Entwicklung in den verschiedensten Bereichen, wie in ihren Gefühlen, körperliche Entwicklung und in Bezug auf ihre Umwelt sowie in ihrer Denkweise und in ihrer Sexualität.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der sexuellen Entwicklung von Menschen, insbesondere von Kindern mit und ohne Beeinträchtigung. Dieser Abschnitt beleuchtet die sexuelle Entwicklung durch unterschiedliche Modelle bzw. Theorien. Es werden die Phasen der psychosexuellen Entwicklung nach Sigmund Freud, das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung nach Erik H. Erikson sowie die möglichen Erschwernisse bei Kinder mit Behinderung gegenübergestellt.

Im letzten theoretischen Abschnitt geht es um die sexuelle Aufklärung sowie die Sexualerziehung und im Besonderen um die Bedeutung der Elternarbeit in Bezug auf die sexuelle Aufklärung von Kinder und Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigung.

Der theoretische Bezug zur zentralen Fragestellung ist von besonderer Bedeutung, da Eltern oft verunsichert sind, wenn sie Situationen mit Kindern mit oder ohne Beeinträchtigung in einem sexuellen Kontext wahrnehmen. Dabei fällt es den Eltern oft schwer, die Situation richtig einzuschätzen und daraufhin angemessen zu reagieren. In Folge stellen sie sich oft die Frage: Was ist eigentlich normal? Was gehört alles zur sexuellen Entwicklung dazu? In welchem Alter werden welche sexuellen Fähigkeiten entwickelt? Wie zeigt sich die kindliche Sexualität? Aufgrund der Tatsache, dass über kindliche Sexualität kaum gesprochen wird, ergibt sich bei den meisten Eltern eine Verunsicherung. Deshalb ist das Wissen über die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen essentiell für eine gelungene Sexualerziehung.

Der empirische Teil der Arbeit beschreibt die Befragung von erwachsenen Menschen mit Beeinträchtigung hinsichtlich deren sexueller Aufklärung. Zur Bearbeitung und Erhebung des empirischen Materials habe ich einen Fragebogen für ein gestütztes Interview entwickelt, der persönliche Fragen zu den Themen Beziehung, sexuelle Aufklärung und Wissensfragen beinhaltet. Im gestützten Interview werden beispielsweise folgende Fragen behandelt: Was wünschst du dir von einer Beziehung? Wie fühlst du dich wenn über Sexualität gesprochen wird? Sexualität in der Kindheit – An was kannst du dich erinnern? Welches Verhütungsmittel schützt gleichzeitig vor Schwangerschaft und Krankheit?

Das gestützte Interview wird mit fünf Klienten der Mobilen Begleitung der Lebenshilfe Kitzbühel durchgeführt. Anhand der Befragungen soll festgestellt werden, ob die erwachsenen Menschen mit Beeinträchtigung ausreichend über das Thema Sexualität Bescheid wissen. Weiters soll aufgezeigt werden, ob Unterschiede aufgrund des Alters der Menschen mit Behinderung und dem Wissenstand vorhanden sind.

Zuletzt folgen eine Zusammenfassung und eine Schlussfolgerung in der die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit beschrieben werden. Dabei wird auch auf die Umsetzung der Thematik im sozialpädagogischen Kontext eingegangen.

1 Sexualpädagogik

1.1 Begriffsdefinition Sexualpädagogik

Unter dem Begriff Sexualpädagogik wird eine pädagogische Arbeit mit jungen Menschen bezeichnet. In der Sexualpädagogik beschäftigt man sich mit den Themen Liebe, Fortpflanzung, Gefühle, Erotik, körperliche Entwicklung, sexuelle Lust sowie dem Erwachsen werden. Für Menschen ist die Sexualität eine zentrale Lebensenergie. Sexualität ist eine Entwicklungsaufgabe, die von den Menschen von Geburt an erlernt wird. Der Mensch macht eigene Erfahrungen mit dem eigenen Körper und mit anderen Menschen. (vgl. Theinl, 2008, S. 3, 4)

Eine weitere Begriffsdefinition liefert Uwe Sielert (2005, S. 15). „Sexualpädagogik ist eine Aspektdisziplin der Pädagogik, welche sowohl die sexuelle Sozialisation als auch die intentionale erzieherische Einflussnahme auf die Sexualität von Menschen erforscht und wissenschaftlich reflektiert.“

Unter Sexualerziehung versteht man die Praxis einer „kontinuierlichen, intendierten Einflussnahme auf die Entwicklung sexueller Motivations-, Ausdrucks- und Verhaltensformen sowie von Einstellungs- und Sinnaspekten der Sexualität von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.“ (Sielert, 2005, S. 15)

1.2 Begriffsdefinition Sexualität

Was wird unter dem Begriff Sexualität im Allgemeinen verstanden? Am Anfang ist zu sagen, dass der Begriff schwierig zu beschreiben ist. Es hat etwas mit Intimität, mit Körperlichkeit, mit Lust und mit besonderen Gefühlen zu tun. In der Literatur findet man verschiedene Umschreibungen für den Begriff Sexualität. (vgl. Van der Doef, 2015, S. 15)

„Fragt man nach, was Sexualität für jeden Einzelnen bedeutet, bekommt man sehr unterschiedliche Antworten: ‚Alles, was mit Kuscheln zu tun hat‘, ‚Körperliche Anziehung‘, ‚Dass es mich sehr erregt, eine schöne Frau oder einen attraktiven Mann zu sehen‘, ‚Körperliche Anziehung‘, ‚Gemeinsam in der Badewanne sitzen und sich gegenseitig einseifen‘, ‚Das Kribbeln im Körper, wenn man einander berührt‘, ‚Bumsen und Orgasmus‘, ‚Ein romantisches Essen bei Kerzenschein‘.“ (Van der Doef, 2015, S. 15, 16)

Stellt man dieselbe Frage weiteren Menschen wird man wiederum ganz unterschiedliche Antworten bekommen. Wie schon erwähnt, Sexualität ist ein sehr persönlicher Begriff. Scheinbar hat der Begriff mit den menschlichen Sinnesorganen, wie Fühlen, Sehen, Riechen, Schmecken, Kuscheln, Massieren, Berühren und auch mit Essen, zu tun. (vgl. Van der Doef, 2015, S. 16)

„ Sexualität könnte man am besten folgendermaßen definieren: Alle Verhaltensweisen und Gefühle, die mit dem eigenen Körper und dem eines anderen zu tun haben, die dieses spezielle (spannende, erregende, angenehme oder manchmal nicht angenehme) Gefühl im eigenen Körper oder in dem des anderen verursachen – das ist alles Sexualität.“ (Van der Doef, 2015, S. 16)

„Der Begriff Sexualität als Fachausdruck entwickelte sich vor zweihundert Jahren. Er entstand ‚im Zusammenhang mit einer Neubestimmung der Kategorie Geschlecht, insbesondere der Bilder von Mann und Frau.‘“ (Sarnow, 2013, S. 7)

2 Kindliche Sexualität

Kinder entwickeln sich im Laufe ihres Lebens. Während ihres Wachstums absolvieren sie eine Entwicklung in den verschiedensten Bereichen, wie körperlich, in ihren Gefühlen, in Bezug auf ihre Umwelt, sowie in ihrer Denkweise und in ihrer Sexualität. Bei Kindern sind sexuelle Gefühle, sexuelles Verhalten und sexuelle Körpermerkmale nicht oder nur kaum vorhanden, jedoch bereits die emotionalen und körperlichen Grundlagen. Die sexuelle Entwicklung von Kindern wurde nur wenig erforscht. Das ist auf verschiedene Gründe zurückzuführen. Ein möglicher Grund dafür ist, dass die kindliche Sexualität lange Zeit geleugnet wurde und somit waren die Forschungen nicht nötig. Die Forschungsmethoden zum sexuellen Verhalten bzw. der sexuellen Gefühle bei Kindern haben sich als problematisch dargestellt und sind diesbezüglich ein weiterer Grund. Des Weiteren sind die sexuellen Begriffe in Kindersprache umzuwandeln schwierig. Dadurch ist die Undeutlichkeit des Begriffs in den Fragebögen oder Fragegesprächen mit Kindern verstärkt. Außerdem ist es nicht immer möglich das kindliche Verhalten zu beobachten. Die Forschungen der kindlichen Sexualität finden daher rückblickend mit den Erwachsenen statt. Und zwar wird ihnen die Frage gestellt, woran sie sich in ihrer Kindheit noch erinnern können. Diese Form von Analyse ist nicht immer zuverlässig, da unter anderem der Zeitraum bis zum zweiten beziehungsweise dritten Lebensjahr nicht untersucht werden kann, aufgrund der Tatsache, dass sich der Großteil der Menschen gar nicht an die ersten Lebensjahre erinnern kann. (vgl. Van der Doef, 2015, S. 27)

2.1 Wie zeigt sich Sexualität bei Kindern?

Zu Beginn ist zu erwähnen, dass Sexualität bei Kindern lange bestritten wurde. Denn wenn wir bedenken, dass der Großteil der Erwachsenen Sexualität mit Kuscheln, Geschlechtsverkehr und Orgasmus verknüpfen, ist klar, dass man sich als Erwachsener die Existenz von Sexualität bei Kindern nicht vorstellen kann. Daraus ergibt sich, dass natürlich Kuscheln im sexuellen Sinn, Geschlechtsverkehr und Orgasmus nicht zum herkömmlichen Verhalten von Kindern gehört. Deshalb die logische Konsequenz: Sexualität bei Kindern existiert nicht.

Aus der Sicht eines Erwachsenen, der den Begriff Sexualität lediglich mit Fortpflanzung, Geschlechtsverkehr und Kuscheln verbindet, ergibt sich eine eher isolierte Interpretation in Bezug auf Sexualität. Anhand von breiteren Ansichten, lässt sich feststellen, dass es bei Sexualität um viel mehr geht. (vgl. Van der Doef, 2015, S. 16ff)

„ Zum Beispiel darum, dass man den Körper des jeweils anderen betrachtet oder den nackten Körper des anderen berühren kann, dass man die Geschlechtsteile anschaut, sie gegenseitig berührt, die eigenen Geschlechtsteile berührt oder Doktorspiele und Küsschengeben spielt. All dies sind Beispiele für ein Verhalten das für dieses spannende Gefühl im (Unter-)Bauch sorgen kann.“ (Van der Doef, 2015, S. 18)

Grundsätzlich ist jedes Mädchen und jeder Junge von der Geburt an ein sexuelles Wesen. Das heißt, die sexuellen Gefühle, sind gleich wie alle anderen Gefühle, in den Anfängen vorhanden, jedoch müssen sie sich noch weiterentwickeln. Ein Neugeborenes kann sexuelle Gefühle haben und sexuelles Verhalten äußern, hingegen ist das kaum dem Verhalten eines Erwachsenen ähnlich. Bei einem Baby hat die motorische, wie auch die emotionale Entwicklung erst ihren Anfang gemacht. Nichtsdestotrotz kann man sogar bei einem Neugeborenen Reaktionen bei der Berührung seiner Geschlechtsteile erkennen. Somit erfährt das Kind, so jung es auch ist, bereits Gefühle, die mit späteren sexuellen Emotionen vergleichbar sind. (vgl. ebd., S. 18ff)

Sexualität hat mit körperlichen und emotionalen Aspekten zu tun und wird mit verschiedenen Funktionen, wie Kommunikation oder Entspannung, assoziiert. Natürlicherweise können Kinder Gefühle haben und Dinge machen, die mit ihrem eigenen oder dem eines anderen Körpers zu tun haben und ein besonderes Gefühl auslösen. „Sexualität kann sich auf unterschiedliche Art äußern, in verbalem oder nonverbalem Verhalten, aber auch in Geschlechtsverkehr und Orgasmus. Kinder verbinden dieses gesamte Repertoire aus Aspekten, Funktionen und Ausdrucksformen noch nicht mit Sexualität. Das ist ein Entwicklungsprozess.“ (Van der Doef, 2015, S. 19ff)

Laut Van der Doef, können Kinder bereits einen Orgasmus bekommen. Es lässt sich anhand Berichten von Pädagogen und Pädagoginnen in Kinderkrippen oder manchmal von Eltern ableiten, dass beobachtet wurde, wie ein Kind beim Masturbieren ein dem Orgasmus ähnliches sexuelles Verhalten zeigt. Kinder lernen erst mit der Zeit den Zusammenhang zwischen sexuellem Verhalten und Orgasmus.

In unserem Kulturkreis gehört zweifellos auch Geschlechtsverkehr nicht zum kindlichen Verhalten. Geschlechtsverkehr verbinden Kinder mit erwachsener Sexualität und es wird als etwas höchst Seltsamen: „Das ist etwas, das große Menschen miteinander machen.“ angesehen. (Van der Doef, 2015, S. 20)

Zu Beginn hat die kindliche Sexualität etwas mit der Entdeckung des eignen Körpers und natürlich mit Gefühlen zu tun. Sexualität bei Kindern hängt vor allem mit der Berührung des eigenen Körpers, später auch mit der Berührung und Entdeckung des Körpers eines anderen Menschen, zusammen. Mit der fortschreitenden Entwicklung des Kindes kommt auch der Beziehungsaspekt hinzu. Die speziellen Gefühle, wie Verliebtheit, oder die körperliche Anziehungskraft entwickeln sich. (vgl. ebd., S. 19ff)

2.1.1 Beispiele für Kindersexualität

Um sich die kindliche Sexualität vorstellen zu können, ist wichtig zu wissen, dass sie nicht mit der unserer erwachsenen Sexualität verglichen werden kann. Denn Kindersexualität enthält andere Aspekte und besitzt andere Funktionen, wie die folgenden Beispiele zeigen werden:

„Baby-Erektion: Mein vier Monate alter Sohn hat manchmal einen steifen Pimmel, wenn ich seine Windeln wechsle, aber weil er oft gleich danach pieselt, dachte ich immer, es liege daran.“ (Van der Doef, 2015, S. 21)

Hat eine Erektion eines männlichen Babys etwas mit Sexualität zu tun? Diese Frage kann die Wissenschaft noch nicht ganz klären. Einerseits glauben einige Sexualwissenschaftler und Pädagogen, dass ein steifes Glied bei Babys ein Zeichen für sexuellen Wohlgefallens ist und das Baby dann ein angenehmes Gefühl verspürt. Anderseits kann bei männlichen Babys das steife Glied auch durch Druck auf die Blase verursacht werden. Aus diesem Grund braucht eine Erektion nicht mit sexuellen Gefühlen verbunden sein. Eine morgendliche Erektion eines erwachsenen Mannes ist eine automatische Körperreaktion auf bestimmte und nicht immer sexuelle Reize. (vgl. ebd.)

„Hautkontakt: Meine achtjährige Tochter findet es herrlich, wenn ich ihr sanft über den ganzen Körper kribble. Schon als Baby fand sie es wunderbar, auf der nackten Haut massiert zu werden.“ (Van der Doef, 2015, S. 22)

Der Hautkontakt ist für Kinder ein wichtiges und besonders angenehmes Gefühl. Kinder lernen durch Berührungen verschiedener Körperteile und Empfindungen kennen.

Das ist von hoher Bedeutung für das spätere sexuelle Erleben. Das Streicheln über den Arm fühlt sich anders an als ein Kitzeln beim Fuß. Zusätzlich gibt der Hautkontakt den Kindern ein Gefühl der Sicherheit und ist eine Form der Liebkosung. Außerdem lernen Kinder ihren eigenen Körper zu schätzen und sie lernen, dass andere es ebenfalls machen. Eine wichtige Bedingung für eine gesunde sexuelle und emotionale Entwicklung ist eine positive Wertschätzung des eigenen Körpers. (vgl. ebd.)

„Den Körper des anderen betrachten: Für meine dreijährige Tochter und ihr Freundin ist es ein schönes Spiel, sich gemeinsam auszuziehen und sich dann ausgiebig gegenseitig zu betrachten.“ (Van der Doef, 2015, S. 22)

Aus Neugier auf den Körper eines anderen Kindes, besonders auf die verborgenen Körperteile, entsteht bei Kindern, im Alter von drei bzw. vier Jahren, ein Spiel des gegenseitigen Betrachtens des Körpers. Diese Spiele sind für den Großteil der Kinder angenehm, spannend und vor allem wecken sie Gefühle, die Grundlage für die späteren sexuellen Gefühle. (vgl. ebd.)

„ Geschlechtsteile berühren: Meine Enkelin ist fünf und sie hat die Angewohnheit, abends mit einem zwischen ihren Beinen eingeklemmten Kissen einzuschlafen.“ (Van der Doef, 2015, S. 23)

Eine wichtige Entdeckung für ein Kind ist das Gefühl, was die Berührung, das Reiben und das Streicheln der eigenen Geschlechtsteile, auslösen kann. Angenehme Gefühle will man öfters spüren und besonders, wenn man müde oder traurig ist, oder einfach so, wenn man sich die Zeit vertreiben will. Eine weitere Entdeckung ist, dass dieses Gefühl selbst ausgelöst werden kann. Wenn die Geschlechtsteile an etwas gerieben werden – an einer Couchlehne, dem Kuscheltier oder dem Kopfpolster – oder das Kind mit der eigenen Hand darüberstreicht, dann lässt sich dieses Gefühl herbeiführen. Diese Erkenntnisse gehören zur Entdeckung des eigenen Körpers und der entsprechenden Gefühle. (vgl. ebd.)

3 Sexuelle Entwicklung

Um eine erfüllte, gesunde, zufriedenstellende wie auch respektvolle Sexualität leben zu können, benötigten Menschen eine breite Palette an Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten werden nicht erst in der Pubertät oder erst als junger Erwachsener erworben, sondern Emotionen, Körpergefühle, sexuelle Gefühle, wie auch Lust, werden bereits ab der Geburt gesammelt und beeinflussen dann die späteren Werte im Umgang mit der erwachsenen Sexualität. (vgl. https://www.eltern-bildung.at/expert-inn-enstimmen/was- bedeutet-sexualerziehung)

Es ist zu erwähnen, dass einige Voraussetzungen für eine gesunde sexuelle Entwicklung notwendig sind. Der Sexologe Rik van Lunsen geht auf wichtige Grundlagen ein. Zuerst ist ein zugewandtes pädagogisches Klima ausschlaggebend. Das heißt, das Kind kann in einer Umgebung, in der es genügend Liebe erfährt und sich geborgen und zugleich sicher fühlt aufwachsen. Das Kind erfährt positive Beispiele im Beziehungsverhalten. Erwachsene sind Vorbilder und verdeutlichen positiven Umgang miteinander. Kinder lernen positive Botschaften über Sexualität kennen, wie beispielsweise: Sex ist erlaubt, Sex ist angenehm, schön bzw. gut. Des Weiteren ist es wichtig, dass die Umgebung des Kindes frei von sexuellem Missbrauch ist. Dem Kind muss die Möglichkeit gegeben sein, seine Sexualität auf eine altersgerechte Art ausüben zu können. (vgl. Van der Doef, 2015, S. 29ff)

„ Sexualität gehört zur Persönlichkeit eines Menschen – Menschen mit Behinderung sind da keine Ausnahme“. (Pro familia, Sexualität und geistige Behinderung, S. 4)

Laut Fachleuten haben Menschen mit Beeinträchtigungen keine „besondere“ Sexualität. Sondern die meisten von ihnen wünschen sich genau das Gleiche wie Menschen ohne Behinderungen: Liebe, Freundschaft, Partnerschaft, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Leidenschaft und Flirt. Das heißt Menschen mit Beeinträchtigungen haben genau dieselben Grundbedürfnisse wie alle anderen Menschen auch. (vgl. ebd.)

Die Menschheit entwickelte im Laufe der Jahrzehnte verschiedenste Theorien über die Entwicklung und das Verhalten der Menschen. Die Ergebnisse der systematischen wissenschaftlichen Erforschungen vom späten 19. und frühen 20. Jahrhundert bilden heute das Fundament der heutigen Psychologie. (vgl. ebd.)

Phasen der psychosexuellen Entwicklung nach Sigmund Freud

Die psychosexuelle Entwicklungstheorie wurde vom Wiener Arzt Sigmund Freud begründet. In den einzelnen Phasen geht es darum, wie Triebe befriedigt werden können, um die körperliche Fixierung auf die jeweilige erogene Zone, sowie was sein kann, wenn diese Triebe unzureichend oder übermäßig befriedigt werden. (vgl. Schade, 2006, S.4ff)

„[…] In dieser Absicht werden fast alle infantilen Sexualbetätigungen dem Kinde verboten und verleitet; man setzt sich das ideale Ziel, das Leben des Kindes asexuell zu gestalten, und hat es im Laufe der Zeit endlich dahin gebracht, dass man es wirklich für asexuell hält, was dann die Wissenschaft als Ihre Lehre verkündet.“ (Freud, 1969, S. 308)

In der psychosozialen Entwicklung nach Freud sind fünf Phasen beschrieben:

1. Orale Phase (0 – 1 Jahr)
2. Anale Phase (1 – 3 Jahre)
3. Phallische Phase (3 – 6 Jahre)
4. Latenzphase (6 – 12 Jahre)
5. Genitale Phase (ab 12 Jahren) (vgl. ebd.)

Die Entwicklung der Sexualität von Kindern mit und ohne Behinderung durchläuft zwei große Abschnitte. Der erste Abschnitt erstreckt sich im Kindesalter, beginnend mit der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr, und der zweite Abschnitt tritt mit Beginn der Pubertät ein und endet mit Ende der Pubertät wieder. Zwischen den beiden Entwicklungsphasen liegt die Latenzzeit. In dieser Zeit ist der Sexualtrieb vorhanden, aber nicht unmittelbar sichtbar (=latent). Besonders zu erwähnen ist, dass die körperliche Entwicklung bei Menschen mit Behinderung fast identisch abläuft als die bei Menschen ohne Behinderung. Bei Menschen mit einer geistigen Behinderung ist die körperliche Entwicklung meist ganz normal, jedoch kann die geistige Entwicklung oft weit zurückliegen. (vgl. http://bidok.uibk.ac.at/library/treiber-menschenrechte.html)

Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung nach Erik H. Erikson – acht Stufen der Reife

Der Psychoanalytiker Erik H. Erikson (1902 – 1994) entwickelte das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung. Er erweiterte in seinen Arbeiten die klassische Psychoanalyse um die psychosoziale und die psychohistorische Dimension. Erikson ist auch für seine Literarischen Leistungen, wie für sein Werk Young Man Luther, bekannt. Er übersetzte die Phasen der psychosexuellen Entwicklung nach Sigmund Freud ins Soziale und erforschte unter anderem die Abhängigkeit der Ich-Identität von historisch- gesellschaftlichen Veränderungen. Eriksons Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung entstand aus der klinischen Beobachtung, nicht aus experimenteller Forschung heraus. Nach ihm lässt sich das Leben des Menschen in acht Stufen einteilen. (vgl. http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG)

Im Stufenmodell, das 1979 entstand, ist beschrieben wie ein sich Lebewesen bzw. ein Mensch von frühkindlichen Verhaltensweisen zum Erwachsensein, entwickelt. Alle Phasen müssen entwickelt und positiv abgeschlossen werden. Ansonsten kommt es zu einer Entwicklungsstörung. In jeder der acht Stufen der psychosozialen Entwicklung gibt es einen Konflikt bzw. eine Krise, die es zu überwinden gilt. Findet der Mensch eine angemessene Lösung geht er mit dem nötigen Rüstzeug in die nächste Stufe. Wird die Lebenskrise dagegen unangemessen gelöst, fehlen die nötigen Voraussetzungen, um die Krise in der nächsten Stufe erfolgreich bewältigen zu können. Die Altersangaben der jeweiligen Stufe sind Richtwerte und nicht absolut zu sehen. (vgl. ebd.)

1. Vertrauen versus Misstrauen (1. Lebensjahr) „Ich bin, was man mir gibt.“
2. Autonomie vs. Scham und Zweifel (2. und 3. Lebensjahr) „Ich bin, was ich will.“
3. Initiative vs. Schuldgefühl (4. und 5. Lebensjahr) „Ich bin, was ich mir zu werden vorstellen kann.“
4. Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl (6. Lebensjahr bis zur Pubertät) „Ich bin, w as ich lerne.“
5. Identität vs. Identitätsdiffusion (13. und 20. Jahre) „Ich bin, was ich bin.“
6. Intimität und Solidarität vs. Isolierung (20. und 45. Jahre) „Ich bin, was mich liebenswert macht.“
7. Generativität vs. Selbstabkapselung (45. und 65. Jahre) „Ich bin, was ich bereit bin zu geben.“
8. Integrität vs. Verzweiflung (65. Jahre bis Tod.) „Ich bin, was von mir überlebt.“ (vgl. ebd.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entwicklungsphase nach Freud und Erikson (Thieme, 2015, S.90)

Die Entwicklungsstufen von Sigmund Freud und Erik H. Erikson können gegenübergestellt werden. Dabei ist zu erwähnen, dass Erikson drei Phasen ergänzt hat. In der Abbildung 1 sieht man die Gegenüberstellung von den Phasen der Entwicklung nach Freud und den Entwicklungsstufen nach Erikson. Im Kapitel 3.1. Phasen der psychosexuellen und psychosozialen Entwicklung wird speziell auf die Zusammenhänge der Phasen eingegangen. Durch diese Grafik wird ein erster Überblick über die sexuelle Entwicklung gewonnen.

Sexuelle Entwicklung von Menschen mit Beeinträchtigung

Im Wesentlichen ist bei der sexuellen Entwicklung von Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen kein erheblicher Unterscheid festzustellen. An dieser Stelle sollte die kognitive, sprich geistige, von der körperlichen Entwicklung unterschieden werden. Während der Pubertät läuft die körperliche Entwicklung von Kindern mit Beeinträchtigungen fast gleich als die von Kindern ohne Beeinträchtigungen ab. Jedoch setzt die Pubertät bei Menschen mit Behinderungen etwas zeitverzögert ein. Zudem gibt es einige Behinderungsarten in denen die Entwicklung der Kinder stark verzögert abläuft. Einige körperliche Behinderung, wie Spastiken oder Musekelschwäche, können die psychosexuelle Entwicklung, wie Daumen lutschen oder den eigenen Körper berühren, zum Teil stark behindern. (vgl. http://bidok.uibk.ac.at/library/treiber- menschenrechte.html)

Letztendlich entstehen die eigentlichen Probleme in der sexuellen Entwicklung, weil der geistige Stand und die körperliche Entwicklung nicht zusammenpassen. Diese Tatsache bringt oft eine Schwierigkeit im Umgang mit Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung und ihrer Sexualität. Deshalb muss auf zwei Bereiche, sowohl auf die physische als auch auf die psychische Ebene, Rücksicht genommen werden. „Allerdings entwickeln sich die körperlichen und sexuellen Fähigkeiten bei den meisten geistig behinderten Frauen und Männern ebenso langsam, wie die Fähigkeiten ihrer Intelligenz.“ (http://bidok.uibk.ac.at/library/treiber-menschenrechte.html)

Deshalb ist eine Person im körperlichen oft eine erwachsene Frau oder ein erwachsener Mann, allerdings hängt die geistige Entwicklung noch etliche Jahre zurück. Aus diesem Grund verstehen Kinder oft nicht warum seine Mutter und sein Vater anders aussehen, warum sich der Körper verändert oder wie Kinderbekommen funktioniert. Diese Gegebenheiten werden wahrgenommen, aber oftmals nicht verstanden. Aufgrund dieser Tatsache ist eine frühe Sexualerziehung und Aufklärung von besonderer Wichtigkeit, denn wie soll ein Kind wissen was mit ihm passiert, wenn es ihm oder ihr nicht erklärt wird. (vgl. http://www.intakt.info/informationen-und-recht/jugenderwachsenenalter)

3.1 Phasen der psychosexuellen und psychosozialen Entwicklung

3.1.1 Lebensjahr: Orale Phase – Vertrauen versus Misstrauen

„Der Körper spielt von Geburt an eine wichtige Rolle.“ Durch das Erforschen des eigenen Körpers werden lustvolle Erfahrungen gesammelt. Der Säugling entdeckt mit dem Mund die „Welt“ und benutzt ihn im ersten Lebensjahr als Lustorgan. Das Saugen an der Mutterbrust oder an der Flasche wird vom Baby als lustvoll erlebet. Wenn es in Verbindung mit dem Körper- und Hautkontakt zur Mutter spürt, dann erlebt der Säugling eine intensive Nähe. Das Baby drückt seine Gefühle mit dem ganzen Körper aus, das heißt wenn es ihm gut geht strampelt es und lächelt die Mutter an. Die Umwelt entdeckt der Säugling mit dem Mund. Es werden Gegenstände, wie beispielsweise Spielzeug, Schnuller, Tücher oder die eigenen Finger und Zehen in den Mund genommen. Babys genießen es nackt zu sein und wenn sie berührt werden. Beim Baden, Wickeln und Waschen werden auch die Geschlechtsteile berührt. Die Kinder begreifen sofort, ob die Eltern mit einer positiven oder negativen Einstellung reagieren. Dadurch wird die spätere Sexualität und das sexuelle Körperbewusstsein beeinflusst. Außerdem ist die Haut eine erogene Zone, im ersten Lebensjahr. Die Erregbarkeit bildet sich durch Spiel, Körperpflege und Streicheln, sowie der Suche nach Haut- und Körperkontakt mit den wichtigsten Bezugspersonen. Das Lust- und Befriedigungserleben über die Haut ist ein wichtiger Bestandteil in der emotionalen, kognitiven und sozialen Entwicklung von Kindern. Der Säugling nimmt über die Haut Liebe, Angenommen sein, Zärtlichkeit, Geborgenheit und Liebkosungen auf, dadurch kann das Kind ein „Urvertrauen“ entwickeln. Im Gegensatz können auch Ablehnung, Ekel und Angst über die Haut aufgenommen werden. Diese Gefühle haben Auswirkungen auf die weitere psychische Entwicklung der Kinder. Die Bedürfnisse des Kindes können nicht immer befriedigt werden. Babys erleben, dass die Bezugsperson nicht ständig verfügbar ist oder auch einmal die Bedürfnisse zurückweist. Eine große Herausforderung und eine Krise bietet für das Baby das Abstillen und der diesbezügliche Hautkontaktverlust. (vgl. Schmid, Sielert, 2012, S. 58ff)

„ Diesen Prozess zu meistern, ist lebensnotwendig, denn es geht, darum, Vertrauen in sich selbst zu gewinnen und angesichts bekannter und fremder Personen den adäquaten Umgang mit Misstrauen und Vertrauen mit der dafür notwendigen Vorsicht bewältigen zu können. Dabei sind die wechselseitigen, aufeinander bezogenen Austauschprozesse zwischen Säugling und Bezugsperson von Bedeutung.“ (Schmid, Sielert, 2012, S. 59)

Mögliche Erschwernisse bei Kinder mit Behinderung:

„Nach Cloerkes ist davon auszugehen, dass die Geburt eines Kindes mit Behinderung zu einer doppelten Enttäuschung der Eltern führt: die Enttäuschung eigener Zukunftserwartungen und die Enttäuschung über die reduzierteren Lebensmöglichkeiten des Kindes‘“ (Ortland, 2008, S.36)

Von besonderer Bedeutung für die kindliche sexuelle Entwicklung ist die Bindung bzw. die Beziehung der Bezugsperson. Dies kann sich durch räumliche Trennung, durch Krankenhausaufenthalte, erschweren. „Mangelnde Sicherheit der Eltern in ihrer Beziehung zu ihrem Kind und unzureichende emotionale Intensität lösen bei dem betroffenen Kind die gleiche Unsicherheit aus und beeinträchtigen es später in seiner eigenen Bindungsfähigkeit. Aus den Schuldgefühlen vieler Mütter nach der Geburt eines behinderten Kindes entsteht oft eine übermäßige Bindung an das Kind mit ängstlich umsorgenden, verwöhnenden und versöhnenden Erziehungshaltungen.“ (Ortland, 2008, S.37) Störungen beim Saugen, Schlucken und Trinken können bei Kindern mit Infantiler Cerebralparese (ICP) zu oralen Befriedigungsängsten führen.

Bestimmte Vorlieben für verschiedene körperliche Zonen, wie beispielsweise das Lutschen am Daumen oder Speicheln, können bei Kindern mit einer geistigen Beeinträchtigung bestehen bleiben, somit können sie den eigenen Körper lustvoll spüren. (vgl: http://bidok.uibk.ac.at/library/treiber-menschenrechte.html)

Bei Kindern mit Körperbehinderung ist das spielerische Erproben von Nähe und Distanz, wegen der eingeschränkten Möglichkeiten des Krabbelns und später des Laufens, erschwert. Mobilitätserleichternde Hilfsmittel sind schon sehr früh ein Vorteil für Kinder mit Beeinträchtigung. Bei Kindern mit eingeschränkten oder veränderten kommunikativen Möglichkeiten ist die frühe Förderung durch Unterstützende Kommunikation sehr wichtig. (vgl. Ortland, 2008, S.37)

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Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigung und die Bedeutung der Elternarbeit in der Aufklärungsarbeit
Note
2
Autor
Jahr
2017
Seiten
72
Katalognummer
V584214
ISBN (eBook)
9783346161109
ISBN (Buch)
9783346161116
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aufklärungsarbeit, bedeutung, beeinträchtigung, elternarbeit, entwicklung, jugendlichen, kindern
Arbeit zitieren
Kathrin Rieder (Autor), 2017, Die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigung und die Bedeutung der Elternarbeit in der Aufklärungsarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/584214

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