Belastungen am Arbeitsplatz in der Operationsabteilung. Ursachen, Folgen und Handlungsmöglichkeiten


Hausarbeit, 2017

16 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserläuterung
2.1 Arbeitsbedingter Stress
2.2 Belastung
2.3 Beanspruchung

3. Belastungen im Operationssaal
3.1 Technikgestaltung
3.2 Organisatorische Gestaltung
3.3 Personal und Sozialpolitikgestaltung

4 Physische und Psychische Belastung und Beanspruchung
4.1 Physische Belastung und Beanspruchung
4.2 Psychische Belastung und Beanspruchung
4.2.1 Belastungs- Beanspruchungskonzept
4.2.2 Einflüsse der psychischen Beanspruchung
4.2.3 Stress – der biologische Mechanismus
4.2.4 Die Organentnahme – eine Grenzsituation im OP

5 Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung
5.1 Technische Maßnahmen
5.2 Organisatorische Maßnahmen
5.3 Personenbezogene Maßnahmen

6 Arbeitsschutzgesetz
6.1 § 17 ArbSchG
6.2 §§ 15 und 16 ArbSchG

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Höhere Leistungsanforderungen an Pflege und medizinischer Versorgung bestimmen das Maß an medizinischen Wissen und dessen Umsetzung. Die Beschäftigten in Pflegeberufen müssen immer mehr und immer komplexere Aufgaben mit weniger Personal und unter Zeitdruck bewältigen. Psychische und Physische Belastungen gehören mittlerweile zum Arbeitsalltag. Trotzdem sollen, wollen und müssen wir immer länger im Beruf bleiben (Rohde 2009: 7). In tausenden von Jahren hat sich der Mensch vom Jäger und Sammler zum Mitglied einer modernen Informations- und Kommunikationsgesellschaft entwickelt. Anhaltende Reizüberflutung, Lärm, Umweltbelastungen und Hektik können uns belasten. Berufliche Anforderungen und Leistungsdruck steigen ständig an. Der menschliche Körper bereitet sich in fordernden, bedrohlichen oder gefährlichen Situationen auf Angriff vor. Alle verfügbaren Kraftreserven werden mobilisiert um den Körper Energie bereitzustellen, die er benötigt um anzugreifen oder zu flüchten. Für unsere vorzeitlichen Vorfahren war diese Reaktion elementar und überlebenswichtig. Der menschliche Körper reagiert auch heute noch so, nur fehlen uns heute die Verwendungsmöglichkeiten dafür. Wir können nach den gültigen Regeln der Gesellschaft nicht unsere Arbeitskollegen angreifen oder flüchten, wenn etwas nicht so verläuft wie wir denken. Wenn doch, muss man mit einschneidenden sozialen und juristischen Konsequenzen rechnen. In der heutigen Zeit fehlen uns die Möglichkeiten die Energie abzubauen, die bei Überforderung, Bedrohung und Angst entsteht. Bleibt dieser Zustand länger anhaltend, kann es zu ernsten gesundheitlichen Schädigungen führen (Allenspach und Brechbühler 2005: 11). Physische, psychische und emotionale Belastungen die häufig und länger andauern, sind ein Gesundheitsrisiko, sofern man keine ausreichende Erholung hat (Melander 2013: 14). Welchen psychischen und physischen Anforderungen und Belastungen sind wir am Arbeitsplatz im Operationssaal ausgeliefert? Wie können wir lernen mit den Beanspruchungen besser umzugehen, um körperlichen und psychischen Stress zu verringern?

2 Begriffserläuterung

Die Begriffe Stress, Belastung und Beanspruchung werden im Volksmund oft gleichgesetzt. Damit aber eine fachlich richtige Darstellung möglich ist, werden im Folgenden die Begriffe erläutert.

2.1 Arbeitsbedingter Stress

Unter arbeitsbedingten Stress versteht man Reaktionen auf Faktoren des Arbeitsinhaltes, der Arbeitsorganisation und der Arbeitsumgebung. Diese Reaktionen betreffen unsere Gefühle, das Verhalten und das körperliche Befinden.

„Stress ist eine individuelle Reaktion des Organismus auf äußere oder innere Reize, wobei die Reaktion „…“ abhängt von der Einstellung des Einzelnen zu den Belastungen, von der Struktur der Persönlichkeit sowie der Stabilität des Ichs“ (Temml und Hubalek 1995 in Allenspach und Brechbühler 2005: 19).

2.2 Belastung

Unter Belastung versteht man Einflüsse die von außen auf uns zu kommen, sie ergeben sich aus den Tätigkeitsmerkmalen, sind weder positiv noch negativ und wirken auf alle Mitarbeiter gleich.

2.3 Beanspruchung

Beanspruchungen sind die unmittelbaren, individuellen Auswirkungen der Belastung auf die Mitarbeiter. Persönliche Leistungsmerkmale und Bewältigungsstrategien spielen hier eine Rolle. Gleiche Belastungen können also zu unterschiedlichen Beanspruchungen mit positiven oder negativen Auswirkungen führen (Poppelreuter und Mierke 2012: 18).

3. Belastungen im Operationssaal

Die Arbeitsanforderungen im Operationssaal sind alles andere als optimal. Wenig Personal, Zeitdruck, ungünstige Arbeitszeiten, hohe Fachspezialisierung und psychosoziale Konflikte prägen die Arbeit. Hohe psychische und physische Belastungen sind kennzeichnend. Fehlzeiten, Fluktuation und Mängel in der Pflegequalität sind die Folgen (Berentzen und Lennartz 2010: 48). Belastende Arbeitsbedingungen kann man in 3 Kategorien strukturieren.

3.1 Technikgestaltung

- Hoher Lärmpegel: Überwachungsmonitor, Sauger, Elektroschneidgerät, Radio, Gespräche, Telefon und Piepser
- Viele über den Boden verteilte Kabel und Schläuche: Stolperfallen
- Beleuchtung: mal ganz hell dann wieder ganz dunkel
- Temperatur: zu warm, Zugluft durch Klimaanlage
- Gerätebedienung: viele medizinische Geräte mit unterschiedlichen Bedienungen und nicht eindeutig zuzuordnenden Steckverbindungen
- Eingeschränktes Raumangebot: keine Lagerungsmöglichkeiten
- Tragen, Heben, Halten von schweren Lasten: Instrumentencontainer, Röntgenschürzen, schlecht fahrbare medizinische Geräte
- Exposition mit Gefahrstoffen: Röntgenstrahlen, Formaldehyd, Rauchgase

3.2 Organisatorische Gestaltung

- Ungünstige Körperhaltung: langes Stehen in Zwangshaltung, ungünstige Körperbewegung und Drehung
- Arbeitszeit: Schicht oder Bereitschaftsdienst, Überstunden, Dienstübernahme von erkrankten Kollegen
- Zeitdruck: unrealistische Planung der operativen Eingriffe
- Kommunikation: wechselnde Teamzusammensetzungen, interdisziplinäre Koordination, kollegiale Zusammenarbeit
- Pausenmanagement: Einhaltung der Pausenzeiten, ständige Unterbrechung durch Rückfragen, Geräuschkulisse im Pausenraum

3.3 Personal und Sozialpolitikgestaltung

- Hohes Maß an Verantwortung
- Operationen mit unbekannten Ausgang für Patienten
- Kommunikationsprobleme zwischen Berufsgruppen
- Personelle Unterbesetzung
- Einarbeitung neuer Mitarbeiter nur bedingt möglich
- Fort - und Weiterbildung auf Grund von Personalmangel nicht immer realisierbar (Simmes 2014: 19)

4 Physische und Psychische Belastung und Beanspruchung

Aufgrund dieser Arbeitsbedingungen und Anforderungen im Operationsdienst ergeben sich für den einzelnen Mitarbeiter physische und psychische Belastungen. Wie äußern sie sich und welche Beanspruchungen mit Krankheitsfolgen können sie hervorrufen?

4.1 Physische Belastung und Beanspruchung

Die Arbeit im Operationsdienst beinhaltet stark belastende Tätigkeiten des Muskel - und Skelettsystems, insbesondere der Wirbelsäule. Als größtes belastendes Kriterium des praktischen Arbeitsalltags, wird das Arbeiten in ungünstiger Körperhaltung genannt. Heben, Tragen und Halten schwerer Lasten wird genau wie Arbeiten in Zwangshaltungen und stundenlanges Instrumentieren als Belastung empfunden. Stehen und Gehen in teilweise gebeugter Haltung ist keine Seltenheit (Berentzen und Lennartz 2010: 49). Diese Tätigkeiten können Erkrankungen des Bewegungsapparates hervorrufen. Die Beschwerden betreffen auch das muskuloskelettale System, also Muskeln, Sehnen, Knorpel, Bänder und Nerven. Treten ergonomische Mängel im Zusammenspiel mit Zeitdruck, hohen Anforderungen, ungenügendem Selbstmanagement und schlechter Arbeitszufriedenheit auf, ist die Gefahr der Erkrankung besonders hoch (Melander 2013: 6).

4.1.1 Vorgebeugte Haltung

Beugt sich ein Mensch stehend circa 45° nach vorn, muss die Lendenwirbelsäule einer 6fach höheren Belastung standhalten. Wird dabei noch eine Last angehoben, ist die auf Muskeln und Wirbelsäule wirkende Kraft noch größer. Diese Belastung entsteht, weil der Schwerpunkt des Oberkörpers nach vorn gelagert ist. Um das Gleichgewicht zu halten müssen die Rückenmuskeln ihre Spannung erhöhen, was wiederum zur erhöhten Kompressionskraft der Lendenwirbelsäule führt.

4.1.2 Beugen und Drehen

Die Kombination aus Dreh – und Beugebewegungen sind für Nacken und Rücken eine enorme Belastung. Ständiges Anheben der Instrumente mit nach außen und nach vorn gestreckten Armen und das Drehen um die Instrumente weiterzureichen beeinträchtigen Nacken, Schultern und Rumpf. Ist der Tisch dann noch zu niedrig eingestellt, findet man sich in gebeugter Haltung wieder.

4.1.3 Langes Stehen

Bei lang andauernden Operationen arbeitet man oft in derselben Haltung. Die Muskeln ermüden durch den Sauerstoffmangel. Hier reicht schon das Körpergewicht aus, um eine Überbeanspruchung zu erhalten.

4.1.4 Schlechte visuelle Ergonomie

Hat man auf das Operationsfeld oder den Monitor eine schlechte Sicht, nimmt man automatisch eine andere Nackenhaltung ein, um die Sicht zu verbessern. Wird der Nacken nach vorn geneigt, geschoben, wiederholt zur Seite gedreht und dabei der Kopf angehoben, werden die Nerven gereizt.

4.1.5 Weitere Faktoren

Durch Klimaanlagen kommt es nicht selten zu Zugluft, diese können Muskelverhärtungen verursachen. Überhitzung und Flüssigkeitsmangel des Körpers sind Folgen von unzureichender Belüftung. Nicht zu vernachlässigen ist auch die Gefahr von Stich - und Schnittverletzungen, sowie Stürze durch Stolperfallen von Leitungen oder verschüttete Flüssigkeiten. Das Risiko steigt in einem anstrengenden Arbeitsfeld um mehr als das Doppelte (Melander 2013: 18).

4.2 Psychische Belastung und Beanspruchung

„Psychische Beanspruchung ist die zeitlich unmittelbare, individuelle Reaktion auf vorliegende psychische Belastungen im Menschen“ (Kühn 2005: 13).

Es gibt einen Zusammenhang zwischen den Arbeitsbedingungen im OP und dem Wohlbefinden des einzelnen Mitarbeiters. Arbeitsaufgabe, Arbeitsplatz, soziale Arbeitsumgebung, Arbeitsmittel und Arbeitsorganisation wirken sich auf Belastung und Beanspruchung aus. Eigene Befindlichkeitsfaktoren wie Anstrengung – und Kontaktbereitschaft haben ebenso einen wesentlichen Einfluss auf die Beanspruchung (Zschernack et al 2004: 113).

4.2.1 Belastungs- Beanspruchungskonzept

Die Beanspruchung ist abhängig von individuellen Leistungsvoraussetzungen und Ressourcen, körperlicher Konstitution, eigener Motivation und generellen Fähigkeiten. Sie können zu positiven und negativen Folgen führen.

- Positive Folgen: Erweiterung der fachlichen Kompetenz, Gesundheit
- Kurzfristige negative Folgen: Monotonie, Stress und Ermüdung
- Langfristige negative Folgen: mangelnde Arbeitszufriedenheit, hoher Krankenstand, Burnout (Kühn 2005: 14)

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Belastungen am Arbeitsplatz in der Operationsabteilung. Ursachen, Folgen und Handlungsmöglichkeiten
Note
1
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V584334
ISBN (eBook)
9783346162137
ISBN (Buch)
9783346162144
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Belastungen, Arbeitsplatz, Operationsabteilung, Physisch, Psychisch
Arbeit zitieren
Karola Firke-Prinz (Autor), 2017, Belastungen am Arbeitsplatz in der Operationsabteilung. Ursachen, Folgen und Handlungsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/584334

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Belastungen am Arbeitsplatz in der Operationsabteilung. Ursachen, Folgen und Handlungsmöglichkeiten



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden