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Sexualisierung einer Frauen-Biografie - Zu Ciceros Angriffen gegen Clodia Metelli (56 v. Chr.)

Title: Sexualisierung einer Frauen-Biografie - Zu Ciceros Angriffen gegen Clodia Metelli (56 v. Chr.)

Seminar Paper , 2006 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Michael Kunth (Author)

World History - Early and Ancient History
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Einleitung

Im Jahre 56 v. Chr. saß M. Caelius Rufus, ein junger Mann aus dem Ritterstand und ehemaliger Schüler von Cicero und Crassus,, auf der Anklagebank. Der Anklagepunkt lautete vi, bewaffneter Aufruhr und Gewaltanwendung. Caelius soll an den Übergriffen auf die alexandrinische Gesandtschaft in Neapel und Puteoli und an der Ermordung des Gelehrten Dion, der die Delegation angeführt hatte, beteiligt gewesen sein. Die Gesandtschaft wollte in Rom gegen die Wiedereinsetzung des vertriebenen Königs protestieren. Der König Ptolemaios XII befand sich in Rom im Exil und wurde von einflussreichen Kreisen Roms, darunter Pompeius, unterstützt.

In Ciceros Verteidigungsrede für Caelius geht es aber nur am Rande um die Ägyptenfrage. Scheinbar werden nicht politische Themen verhandelt, sondern nur ein Streit eines ehemaligen Liebespaares. Clodia wirft Caelius, ihrem ehemaligen Geliebten vor, er habe sich bei ihr Gold geliehen, das er für die Durchführung seiner Übergriffe gegen die Gesandtschaft genutzt habe, ferner habe er sie vergiften wollen. Cicero als letzter der wohl sechs Redner hatte die Aufgabe, die vorangegangenen Vorwürfe der Anklage, in denen Caelius’ sexuelle Eskapaden betont wurden, zu entkräften und zweitens die Zeugin der Anklage, Clodia, unglaubwürdig zu machen. So platzierte Cicero die sexuelle Diffamierung Clodias ins Zentrum seiner Rede.

Das negative Bild, das Cicero in seiner Rede von Clodia entwarf, beeinflusste auch antike Autoren wie Cassius Dio und Plutarch und ebenso die ältere Forschung. Das mag verschiedene Gründe haben. Zum einen ist die Rede Pro Caelio die einzige Quelle über diesen Prozess. Die anderen Reden sind nicht erhalten, auch Cicero berichtet in keiner anderen Schrift darüber. Zum anderen ist in der älteren Forschung die Tendenz zu erkennen, die Person Cicero positiv darzustellen. Überliefert ist eine Fülle von Cicero-Texten, die aufgrund Ciceros herausragenden rhetorischen Fähigkeiten wohl auch die älteren Forscher überzeugten. Ein weiterer Grund für die negative Clodia-Darstellung mag daran liegen, dass Frauengeschichte lange Zeit als nicht beachtenswerter Teil der Geschichte gesehen wurde und dass das Frauen-Bild heute ein anderes ist als damals. Die neuere Forschung hingegen versucht die Entstehung des negativen Clodia-Bilds zu erklären, um dann die Figur kritisch zu rekonstruieren. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Die Situation der Clodia Metelli

I.1 Clodias Abkunft und rechtlicher Status

I.2 Die Verbindung zu P. Clodius Pulcher

I. I.3 Die iuvenes barbatuli

II. Clodias Aktivitäten nach Cicero

II.1 meretrix - Clodia als aktive Gestalterin

II.2 impududicita - Clodia in der Öffentlichkeit

III. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit untersucht die rhetorische Strategie Ciceros in seiner Verteidigungsrede Pro Caelio (56 v. Chr.), in der er Clodia Metelli als zentrale Zeugin durch eine gezielte Sexualisierung ihrer Person diskreditiert. Im Zentrum steht die Frage, wie durch die Verknüpfung von privatem Lebenswandel und politischem Handeln ein negatives Frauenbild konstruiert wurde, um die juristische Position der Angeklagten zu untergraben und das Ansehen einer einflussreichen Frau der römischen Oberschicht gezielt zu zerstören.

  • Rekonstruktion der Lebenssituation von Clodia Metelli unter Berücksichtigung ihres rechtlichen Status als Witwe.
  • Analyse der komplexen Geschwisterbeziehung zu P. Clodius Pulcher und deren politischer Dimension.
  • Untersuchung der Rolle der sogenannten iuvenes barbatuli als politisch agierende Jugendgruppe.
  • Dekonstruktion der von Cicero verwendeten sexuellen Diffamierungscodes wie meretrix und impudicitia.
  • Aufzeigen des Zusammenhangs zwischen geschlechtsspezifischen Verhaltensnormen und Machtverhältnissen in der späten römischen Republik.

Auszug aus dem Buch

III.1 meretrix - Clodia als aktive Gestalterin

Die oben beschriebene Lebenssituation Clodias wird in Ciceros Rede sexualisiert und angeklagt.

Ihr rechtlicher Status als Witwe sui iuris aus der Oberschicht, der ihr einen wirtschaftlichen Handlungsspielraum ermöglichte und in Kontakt zu Männern außerhalb ihrer domus brachte, wird von Cicero sittlich umgewertet. Sie gebe sich mit fremden Männern ab, verhalte sich also wie eine meretrix. Der Kontakt einer Witwe zu fremden Männern wird von Cicero sofort sexuell gedeutet, mögliche wirtschaftliche Gründe werden verschwiegen. Die Bindung zu ihrem Bruder, die Clodia auch in Kontakt mit politischen Themen brachte und Einfluss auf ihre Aktivitäten hatte (Quadrantaria-Episode), wird als inzestuös und aktiv beschrieben. Clodias Verhältnis zur Jugend, womit sie ihr Beziehungsnetz ausbauen konnte und junge politisch engagierte Männer unterstützte, sei das einer vetula: Sie verführe die iuvenes und binde sie mit Geld an sich. Ferner gehe sie freizügig mit ihren Sklaven um, sei Gattenmörderin und Giftmischerin zugleich und insgesamt wenn nicht alleinige, so doch eine der Strippenzieherin des Prozesses im Hintergrund. Mit all dem, was sie anrichte, schade sie dem Ansehen ihrer Familie.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die historischen Hintergründe des Prozesses gegen M. Caelius Rufus und Darstellung der Forschungsrelevanz von Ciceros Verteidigungsrede für das Frauenbild der Antike.

I. Die Situation der Clodia Metelli: Analyse der sozialen und rechtlichen Faktoren, die Clodias Handlungsspielraum als Witwe der römischen Nobilität und ihr Netzwerk zu P. Clodius Pulcher sowie den iuvenes barbatuli definierten.

II. Clodias Aktivitäten nach Cicero: Untersuchung der diskursiven Strategien Ciceros, der Clodias Handlungen durch die Stigmatisierung als meretrix und durch Vorwürfe der impudicitia systematisch politisch neutralisierte.

III. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die darlegt, wie die Sexualisierung von Frauenbiografien als Mittel der politischen Auseinandersetzung und der Konstruktion gesellschaftlicher Normen in der späten Republik fungierte.

Schlüsselwörter

Clodia Metelli, Cicero, Pro Caelio, römische Geschichte, Sexualisierung, meretrix, impudicitia, P. Clodius Pulcher, iuvenes barbatuli, Frauenbild, römische Republik, manus-Ehe, politische Diffamierung, Witwenstatus, Geschlechterordnung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Strategie Ciceros, in seiner Verteidigungsrede für Caelius die Zeugin Clodia Metelli durch gezielte sexuelle Diffamierung unglaubwürdig zu machen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der rechtliche und soziale Status römischer Witwen, die politische Instrumentalisierung von Sexualität und das Spannungsfeld zwischen privaten Handlungsspielräumen und gesellschaftlichen Normen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, das von Cicero konstruierte negative Clodia-Bild kritisch zu hinterfragen und die tatsächliche Lebenssituation der Frau von den rhetorischen Angriffen zu trennen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, um unter Einbeziehung antiker Quellen und moderner Forschungsliteratur den historischen Kontext des Prozessgeschehens zu erschließen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Clodias Status und ihren Netzwerken sowie die Analyse der rhetorischen Codes, mit denen sie in der Öffentlichkeit sexualisiert wurde.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Clodia Metelli, meretrix, impudicitia, Geschlechterordnung und die politische Rolle der iuvenes barbatuli.

Warum spielt der Status als Witwe sui iuris eine wichtige Rolle?

Dieser Status verlieh Clodia eine rechtliche Selbstständigkeit, die Cicero jedoch als sittenwidrig umdeutete, um ihren Einflussbereich zu diskreditieren.

Was bedeutet der Vorwurf der "Quadrantaria" für die Bewertung Clodias?

Dieser Spottname ist Teil einer gezielten sexuellen Diffamierung, die Clodia als eine Frau darstellen soll, die ihre Sexualität und ihr Vermögen aktiv und entgegen traditioneller Rollenbilder einsetzt.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der iuvenes barbatuli?

Die Jugendgruppe wird als politisch aktive Kraft verstanden, die sich in Clodias Netzwerk bewegte, wobei ihre Verbindungen vor allem dem Aufbau von Karrierechancen und politischem Einfluss dienten.

Inwiefern hat Cicero mit seiner Rede eine "öffentliche Sache" aus der Biografie Clodias gemacht?

Cicero übertrug die Kontrolle über das sexuelle Verhalten, das zuvor innerhalb der Familie geregelt wurde, auf die juristische und politische Bühne, was den Weg für spätere staatliche Eingriffe in Ehegesetze ebnete.

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Details

Title
Sexualisierung einer Frauen-Biografie - Zu Ciceros Angriffen gegen Clodia Metelli (56 v. Chr.)
College
Humboldt-University of Berlin  (Lehrstuhl für Alte Geschichte)
Grade
1,0
Author
Michael Kunth (Author)
Publication Year
2006
Pages
18
Catalog Number
V58441
ISBN (eBook)
9783638526357
ISBN (Book)
9783656775379
Language
German
Tags
Sexualisierung Frauen-Biografie Ciceros Angriffen Clodia Metelli
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Kunth (Author), 2006, Sexualisierung einer Frauen-Biografie - Zu Ciceros Angriffen gegen Clodia Metelli (56 v. Chr.), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58441
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