Julian Rotter sieht die gesamte Persönlichkeitsentwicklung, die durch Erlebnisse und Erfahrungen geprägt wird, als Lernprozess. Nach Rotter, kann man erst von Persönlichkeit sprechen, wenn das Individuum in Interaktion mit seiner Umwelt steht. Somit sei Verhalten und Persönlichkeit veränderbar. Diese These wirft wesentliche Fragen auf, die in dieser Arbeit geklärt werden.
Rotters Theorie wird dabei im Besonderen mit der sozial-kognitive Lerntheorie von Albert Bandura verglichen, die konträr zu Rotter davon ausgeht, das Verhalten nicht ausschließlich auf die Umweltkontrolle, sondern auch wesentlich durch die Selbststeuerung des Menschen zurückzuführen sei.
Der Hauptteil der Arbeit widmet sich jedoch Rotters sozialer Lerntheorie und den damit verbundenen Analyse- und Kritikansätzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Die soziale Lerntheorie der Persönlichkeit von Julian B. Rotter.
2.1. Biographie
2.2. Basiskonzepte
2.3. zentrale theoretische Konstrukte
2.4. Kritik
3. Die sozial- kognitive Lerntheorie Albert Banduras
3.1. Zur Person und wissenschaftlichen Position
3.2. Einführung
3.3. Modelllernen
3.4.Beobachtungslernent
3.5. Selbstwirksamkeit
3.6. Kritik
4. Vergleich Julian Rotters und Albert Banduras Lerntheorien
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der vergleichenden Analyse der sozialen Lerntheorie von Julian B. Rotter und der sozial-kognitiven Lerntheorie von Albert Bandura, um die Mechanismen menschlichen Verhaltens und deren Veränderbarkeit zu untersuchen.
- Grundlagen der sozialen Lerntheorie nach Julian B. Rotter
- Die sozial-kognitive Lerntheorie und das Modelllernen bei Albert Bandura
- Vergleich der zentralen Konzepte und Annahmen beider Theorien
- Untersuchung von Erwartungshaltungen, Verstärkung und Selbstwirksamkeit
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Das Modelllernen
Zentrales Konzept Banduras Theorie ist das Modelllernen, d.h., ein Lernprozess kann auch stattfinden, wenn eine lernende Person nicht aktiv in den betreffenden Lernprozess involviert ist. Damit kann nicht nur die Veränderung von Verhalten erklärt werden, sondern auch die Entstehung neuer Verhaltensweisen.
Dass Modellernen ist charakteristisch, wenn nicht sogar lebensnotwendig für menschliches Verhalten, da man bestimmte Erfahrungen nicht erst machen muss, um daraus zu profitieren. Durch Beobachtungen wissen wir, was schlecht und was gut für uns sein kann, ohne dass wir die Erfahrung selbst gemacht haben.
Aus Abb. 1 wird deutlich, dass eine lernende Person A, die zu einem Zeitpunkt t1 über ein bestimmtes Verhaltensrepertoire (a, b, c…) verfügt, zu eben diesem Zeitpunkt eine Person B beobachtet, die neben einer Reihe nicht weiter spezifizierter Verhaltensweisen auch die Verhaltensweisen x, y, z äußert. Untersucht man zum Zeitpunkt t2 erneut das Verhaltenspotential der lernenden Person A, so stellt sich nun heraus, dass A neben dem bereits vorhandenen Verhaltensrepertoire existierenden Verhaltensweisen (a, b, c…) auch die kritischen Verhaltensweisen x, y, z übernommen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in die Thematik der sozialen Lerntheorien mit Fokus auf den Begriffen Verhalten und Vertrauen sowie Darstellung der persönlichen Forschungsfragen.
2. Die soziale Lerntheorie der Persönlichkeit von Julian B. Rotter.: Detaillierte Betrachtung der Biografie Rotters sowie seiner sieben Basisannahmen und der zentralen Konstrukte wie Verhaltenspotenzial und Erwartung.
3. Die sozial- kognitive Lerntheorie Albert Banduras: Analyse von Banduras Ansatz des reziproken Determinismus und zentraler Konzepte wie Modelllernen, Aufmerksamkeitsprozesse und Selbstwirksamkeit.
4. Vergleich Julian Rotters und Albert Banduras Lerntheorien: Systematischer tabellarischer Abgleich der Untersuchungsgegenstände, Menschenbilder und Methoden beider Ansätze.
5. Schlusswort: Zusammenfassende Einschätzung der Beiträge beider Theorien zur Humanpsychologie sowie kritische Reflexion der empirischen Fundierung.
Schlüsselwörter
Soziale Lerntheorie, Julian B. Rotter, Albert Bandura, Persönlichkeit, Verhalten, Modelllernen, Selbstwirksamkeit, Erwartung, Verstärkung, Reziproker Determinismus, Verhaltenspotential, Beobachtungslernen, Psychologie, Lerngeschichte, Persönlichkeitsentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die sozialen Lerntheorien von Julian B. Rotter und Albert Bandura und vergleicht deren Ansätze zur Erklärung menschlicher Persönlichkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Verhaltenslernens, die Rolle der Erwartungshaltung, des Modelllernens und die wechselseitige Beeinflussung von Person und Umwelt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick zu geben, wie Verhalten nach Rotter und Bandura erlernt wird und inwiefern sich die beiden wissenschaftlichen Theorien in ihrem Verständnis von Persönlichkeit unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, um die Theorien gegenüberzustellen, ergänzt durch Beispiele aus der psychologischen Forschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den theoretischen Grundlagen von Rotter (Erwartungskonstrukt, Verstärkungswert) und Bandura (Modelllernen, Selbstwirksamkeit) sowie einer vergleichenden Gegenüberstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind soziale Lerntheorie, Modelllernen, Selbstwirksamkeit, generalisierte Erwartungen und interaktionale Persönlichkeitsentwicklung.
Was unterscheidet Banduras Modelllernen von klassischen Ansätzen?
Bandura betont, dass Lernen auch ohne eigene aktive Beteiligung durch die bloße Beobachtung anderer Personen erfolgen kann.
Was versteht man unter dem Begriff "Ort der Verhaltenskontrolle" bei Rotter?
Es geht um die Frage, ob eine Person die Ursache für Verstärkungen bei sich selbst sieht (internaler Locus of Control) oder in äußeren Faktoren wie dem Zufall (externaler Locus of Control).
- Quote paper
- Monique Schwertfeger (Author), 2004, Die soziale Lerntheorie Julian B. Rotters im Vergleich zu Albert Bandura, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58454