Frühgeschichte der NSDAP 1919-1923


Hausarbeit, 2002

15 Seiten, Note: 2-3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Grundlagen und Struktur
3.1 Ursachen für das Aufkommen von Faschismus und Nationalsozialismus
3.2 Ideologie
3.3 Mitglieder

4. Beginn einer Bewegung
4.1 Frühe Einflüsse auf die DAP
4.2 Erster Aufschwung der Partei
4.3 Programm der NSDAP
4.4. Hitlers erste Machtergreifung

5. Parteiwesen
5.1 Führerkult
5.2 Propaganda
5.3 Sturmabteilung (SA)
5.4 Finanzen

6. NSDAP 1922

7. Das Krisenjahr 1923
7.1 Verhalten während der Ruhrkrise
7.2 Verhältnis Bayern-NSDAP
7.3 Weg zum Hitler-Putsch
7.4 8./9. November – Der Putsch

8. Schluss

9. Literaturverzeichnis

2. Einleitung

Das Thema „Frühgeschichte der NSDAP“ lässt sich, auch wenn der Name des Proseminars „Das Krisenjahr 1923“ heißt, nicht allein auf dieses Jahr beschränken, sondern bedarf der Betrachtung der gesamten Anfangsjahre dieser Partei. Dennoch war 1923 für die NSDAP von großer Bedeutung und stellt mit der zwischenzeitlichen Auflösung nach dem gescheiterten Putsch eine Zäsur in der frühen Parteigeschichte dar, weshalb ich mich im letzten Teil dieser Arbeit umfassend mit diesem Gegenstand beschäftige.

Zu Beginn setzte ich mich aber erst mit den Grundlagen für das Zustandekommen einer nationalsozialistischen Bewegung in Deutschland, der Zusammensetzung der Anhängerschaft, sowie den ideologischen Grundsätzen auseinander. Das folgende Kapitel behandelt das allmähliche Wachsen der Partei bis 1921, anschließend eine Darstellung der Wesensmerkmale der Partei, auch in der öffentlichen Vorgehensweise. Bevor ich dann zum Jahr 1923 komme, umreiße ich kurz in einem separaten Abschnitt die Parteisituation 1922.

Zur Quellensituation lässt sich sagen, dass umfangreich Literatur vorhanden ist, da die Aufarbeitung der NS-Zeit ausgiebig behandelt und analysiert wurden ist, wobei ich neben Literatur über die Frühgeschichte der Partei, Untersuchungen über Adolf Hitler, dessen Geschichte quasi unmittelbar mit der Parteihistorie verbunden ist auch eine Mitgliederanalyse verwendet habe.

Die Fußnoten in dieser Arbeit sind nicht durchgängig nummeriert, sondern beginnen auf jeder Seite wieder bei 1.

3. Grundlagen und Struktur

3.1 Ursachen für das Aufkommen von Faschismus und Nationalsozialismus

Der Historiker Werner Maser bezeichnet den Nationalsozialismus in Deutschland als kein historisch zwangsläufiges Produkt. Vielmehr spielten viele Faktoren für die Resonanz der NSDAP eine Rolle. Zum einen schuf der verlorene Krieg und die Beseitigung der Monarchie ein Vakuum, in dem sich sowohl der Kommunismus, als auch der Faschismus entwickeln konnten. Weiter waren die rigorosen sozialen Veränderungen nach Kriegsende, die Bedrohung durch den Kommunismus, die rechte bayrische Regierung mit ihren Ansprüchen auf eine Sonderstellung im Reich, aber auch die Deutschlandpolitik der Siegermächte, Stichwort „Versailles“, und nicht zu vergessen die immense Fähigkeit Hitlers durch seine rednerischen Fähigkeiten Anhänger für die Bewegung zu gewinnen, von Bedeutung für das Entstehen des Nationalsozialismus in der Weimarer Republik.[1]

Allerdings sei der Faschismus, laut Pätzold, weder eine autonome Bewegung, noch aus dem Kleinbürgertum herausgewachsen, noch von Einzelperson geschaffen, sondern auf der Grundlage neuer Bedürfnisse der Bourgeoisie und im Ergebnis der krisenhaften Existenzbedingungen des deutschen Imperialismus entstanden. Daher bezeichnet er die Entstehung als historisch notwendig, aber dennoch zufällig und spontan.[2]

Hinzu kommt, dass in den Krisenjahren nach dem Weltkrieg das Herbeisehnen bei großen Teilen der Bevölkerung nach starker Führung, wie es in fast jeder Krisenzeit der Fall ist, stark ausgeprägt war, und in Bayern stellte die NSDAP die einzige politische Gruppierung, die sowohl massive Führervorstellungen propagierte, als auch in der Person Adolf Hitler personalisieren konnte.[3] Diese Ausrichtung auf den Führer war es auch, die die sozial und politisch heterogene Anhängerschaft zusammenhielt.[4]

3.2 Ideologie

Die ideologischen Standpunkte der am 5.1.1919 gegründeten DAP, waren anfangs hauptsächlich vom Parteigründer Anton Drexler, ein Münchener Eisenbahner, beeinflusst. Der Klassenkampf, das marxistisch-proletarische Selbstbewusstsein, sowie die Ankündigung und Durchführung von Streiks waren Drexler zuwider. Er trat vielmehr für die Versöhnung der Klassen, christlichen Sozialismus und Antisemitismus ein, was er in seiner politischen Schrift „Mein politisches Erwachen“ niederlegt.[5]

Pätzold charakterisiert Drexler als nationalistisch und antisemitisch beeinflussten Stehkragenpolitiker, der das Großkapital als Schützer und Brotgeber der arbeitenden Klasse sah und sich gegen revolutionäre Bewegungen dieser Klasse aussprach.[6]

Pauschal lässt sich die nationalsozialistische Ideologie, die in den ersten Jahren der Partei geschaffen und praktisch bis zu ihrem Untergang 1945 beibehalten wurde, mit folgenden Schlagworten beschreiben: Antidemokratismus, Antikommunismus, Antiparlamentarismus, Antisowjetismus, Antisemitismus, Rassismus.

Hitlers These aus „Mein Kampf“, wonach der Marxismus der Versuch der Juden sei, die Persönlichkeit auszuschalten und durch die Zahl der Masse zu ersetzen[7], beruht auf der These Alfred Rosenbergs, einen Parteisymphatisanten der Anfangszeit, der den Bolschewismus als ersten Schritt einer weltumspannenden Verschwörung der Juden zur globalen Machtübernahme sah, was Hitler schließlich dazu brachte, das Judentum mit dem Internationalismus gleichzusetzen, um ein Fundament für eine halbwegs logische Außenpolitik zu schaffen.[8]

3.3 Mitglieder

Auch wenn der Parteiname das Attribut Arbeiterpartei enthält, war die NSDAP keineswegs eine reine solche. Die Arbeiter, die den Weg in die NSDAP fanden, waren zumeist von der Linken enttäuscht, zu sehr auf Distanz zur Arbeiterbewegung oder zu abhängig vom Arbeitgeber.[9]

Zu Beginn der Bewegung zog es v.a. entwurzelte Soldaten, auch Offiziere, notfürchtende Gewerbebetreiber, politisch Obdachlose und Enttäuschte, geistig Anspruchslose und leicht Verführbare zu den Veranstaltungen.[10]

Extrem anfällig für die Partei war die Mittelschicht, bei der die Erwartungen an wirtschaftliche Sicherheit und Privilegien traditionell hoch sind und die in der Krisenzeit nach dem ersten Weltkrieg mit einer völlig neuen Situation konfrontiert wurden. Panik, Existenzangst, Überreaktion und die Hoffnung auf Besserung bei einem Wechsel des politischen und ökonomischen Systems trieben die Mittelständler in Scharen, siehe Mitgliederzuwachs 1922 bis 1923, zur NSDAP.[11]

Die Mitgliederentwicklung, welche die Partei vor erhebliche Verwaltungsprobleme stellte, sieht in absoluten Zahlen folgendermaßen aus:

1919 - 214 M., 1920 – 2352 M., 1921 – 4302 M., 1922 – 8202 M.,

Nov. 1923 – 55287 M..[12]

Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung waren die Oberschicht, sowie die Mittelschicht über-, die Unter- und Arbeiterschicht unterrepräsentiert bei den Mitgliedern der NSDAP.[13]

4. Beginn einer Bewegung

4.1 Frühe Einflüsse auf die DAP

Großen Einfluss auf die junge DAP hatte die 1500 Mitglieder zählende Thule-Gesellschaft eine Tarnorganisation des Germanenordens, die im Bayern der Nachkriegswirren das Zentrum der konterrevolutionären Aktivitäten war[14] und zugleich die antisemitische Formel propagierte, wonach der Jude als Todfeind Nr. 1 zu betrachten sei. Karl Harrer, ein Mitglied von Thule, war es dann auch, der Kontakt zu Drexler aufnahm, einen Posten im Parteiausschuss einnahm und so nicht gering auf die Parteilinie einwirkte. Jedoch war die Thule-Gesellschaft, wie auch Harrer, bestrebt, einen öffentlichkeitsscheuen Rahmen zu wahren, was schließlich auch zu innerparteilichen Differenzen in der DAP zwischen Hitler und Harrer führte, wonach Harrer im Januar 1920 aus der Partei ausschied.

Auch fiel die DAP ins Blickfeld der Reichswehr, die als Voraussetzung für das Wiedererlangen einer deutschen Großmachtsstellung die Gewinnung der breiten Arbeitermassen für den Gedanken der nationalen Volksgemeinschaft sah[15], und aus diesem Grund unter dem Motto „Beobachten und Anregen“, politisch geschulte Soldaten zu Versammlungen einzelner Parteien schickte. Für die DAP wurde dazu der Gefreite Adolf Hitler ausgewählt, der am 16.9.1919 der Partei beitrat[16] und ihr einen ungeheuren Auftrieb verschaffen sollte.

4.2 Erster Aufschwung der Partei

Hitler wurde sogleich, als Werbeobmann, 7. Mitglied des Parteiausschusses und Parteimitglied Nr. 55. Sein Parteieintritt vollzog sich jedoch sehr viel nüchterner und unspektakulärer, als er in der späteren NS-Propaganda gemacht wurde.[17] Zudem kam er in eine Bewegung, die keineswegs von ihm kreiert wurde, sondern ihn dazu machte, was er wurde.[18]

[...]


[1] Maser 248

[2] Pätzold 22

[3] Horn 27f

[4] Horn 12

[5] Maser 161ff

[6] Pätzold 14f

[7] Pätzold 48

[8] Tolland 144ff

[9] Manstein 31,201

[10] Pätzold 53f

[11] Manstein 46,77

[12] Manstein 115, bezieht sich auf J.P. Madden, Some social Characteristics of early Nazi Party members, Central European History, vol 15, 1982

[13] Manstein 110,111,115,116,138

[14] Gossweiler 143

[15] Maser 148, Gossweiler 151f

[16] Pätzold 25f

[17] Pätzold 27

[18] Gossweiler 14

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Frühgeschichte der NSDAP 1919-1923
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Historisches Seminar)
Note
2-3
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V5846
ISBN (eBook)
9783638135849
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frühgeschichte, NSDAP
Arbeit zitieren
Stefan Schusterbauer (Autor), 2002, Frühgeschichte der NSDAP 1919-1923, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5846

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