Warum Suizid? Motive für das tragische Ende von Fontanes "Grete Minde"


Hausarbeit, 2019

15 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Motive
2.1 Einflüsse der Gesellschaft
2.2 Familiärer Hintergrund
2.3 Die Beziehung zwischen Grete und Valtin
2.4 Grete Mindes Selbst

3. Diskussion

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Es war ein halbwachsenes Mädchen, sehr zart gebaut, und ihre feinen Linien, noch mehr das Oval und die Farbe ihres Gesichts, deuteten auf eine Fremde.“ (Fontane 1997, S. 6).

Diese zu Beginn der Novelle „Grete Minde“ (Erstveröffentlichung 1880) beschreibenden Worte des Autors Theodor Fontane lassen noch wenig darauf deuten, dass es sich bei ebendieser Figur um eine spätere Brandstifterin handelt, die überdies einen erweiterten Suizid begeht.

In der Novelle wird geschildert, wie die unglückliche Grete mit ihrem Nachbarsjungen Valtin aus ihrem Heimatsort Tangermünde aus ihrer familiären Situation flüchtet. Als sie Jahre später ohne Valtin zurückkehrt und ihren Stiefbruder Gerdt um einen Platz als dienende Magd im Familienhaus und anschließend um ihren Anteil des Erbes bittet, weist er diese Bitten ab. Wenig später ereignet sich dann das Unglück: Grete Minde stürzt sich in die von ihr verursachten Flammen und reißt ihr eigenes sowie das Kind ihres Bruders und ihrer Schwägerin mit in den Tod. Das Finale der Novelle schildert demnach ein tragisches und verstörendes Ende, welches sich während der geschilderten Handlungen des Werkes mal mehr und mal weniger andeuten lässt. In der vorliegenden Arbeit sollen Motive herausgearbeitet werden, die möglicherweise erklären können, wie das oben beschriebene, zarte Kind einer Ratsherrenfamilie zu einer solchen „Mordbrennerin“ werden konnte (vgl. Pniower 1912, S. 302).

Wie in der Forschung bereits eingehend untersucht worden ist, lehnte sich Theodor Fontane an vorhandene Überlieferungen über den Kriminalfall der historischen Grete Minde, die 1619 wegen schwerer Brandstiftung in Tangermünde hingerichtet wurde (vgl. Losch 1999, S. 62), an. Da dieser Ausgang und auch weitere Umstände der Novelle sich jedoch in entscheidenden Punkten vom historischen Fall unterscheiden, sollen in der vorliegenden Arbeit ausschließlich Motive für das Ende der von Theodor Fontane geschaffenen Grete Minde herausgearbeitet werden. Um diesen Spuren nachzugehen, sollen zuerst die gesellschaftlichen Konventionen, die möglicherweise Gretes tragisches Ende mitbestimmten und anschließend Gretes familiäre Situation und deren Wirkung in Bezug auf die Tat aufgezeigt werden. Außerdem sollen mögliche Beweggründe herausgestellt werden, die in der Beziehung zwischen Grete und Valtin entstanden sind. Zuletzt soll Grete Mindes eigene Person von Bedeutung sein, indem betrachtet wird, welche Charakterzüge ihrerseits die Tat begünstigt haben. Diese erarbeiteten Motive sollen dann in einem nächsten Schritt diskutiert werden. Abschließend werden die Ergebnisse dieser Arbeit als Fazit zusammengefasst.

2. Motive

2.1 Einflüsse der Gesellschaft

Theodor Fontane nennt in der Novelle keine eindeutige Jahreszahl, durch die die Zeit der Handlungen in „Grete Minde“ bestimmt werden könnte. Jedoch lässt sich anhand verschiedener Handlungsgegebenheiten das Auftreten der Grete Minde einer ungefähren Zeitperiode zuordnen. Dazu zählen beispielsweise der in der Einleitung genannte Großbrand, der sich 1617 in Tangermünde ereignete, oder der in der Novelle beschriebene Kurfürst, der sich eindeutig mit dem historischen Kurfürst Johann Sigismund identifizieren lässt, welcher im Jahre 1613 den Übertritt vom Lutheranismus zum reformierten Glauben vollzog (vgl. Globig 1981, S. 709). Letzteres Beispiel verdeutlicht in Fontanes Novelle die ständische Weltordnung, der sich die Tangermünder Patrizier zumindest noch teils unterworfen sahen. Denn als der „allergnädigste Herr Churfürst“ (Fontane 1997, S. 55) Tangermünde besuchte, waren die lutherischen Bewohner in großer Furcht, dass dieser ihnen den Übertritt zum Calvinismus befehlen würde. Durch dieses Szenario wird die untergeordnete Rolle und somit die Abhängigkeit der Tangermünder von der Willkür ihres adligen Herrschers verdeutlicht (vgl. Jensen 1997, S. 345). Die Gesellschaft orientierte sich demnach stark an den vorbürgerlichen Verhaltensvorlagen des Spätmittelalters, wobei ihre Mentalität von „religiöser Statik“ und „wirtschaftlichem Profitdenken“ geprägt war (vgl. ebd., S. 349). Letzteres hing damit zusammen, dass Tangermünde an der Elbe lag und somit im 17. Jahrhundert einen wichtigen Handelsplatz in der Altmark darstellte, sodass sich schrittweise frühkapitalistische Anschauungen etablierten (vgl. ebd., 343). Trotz dessen galt das gesellschaftliche Denken der Stadt im Vergleich zu anderen Konkurrenzstädten, wie beispielsweise Brügge, noch als „rückständig und damit vorbürgerlich“ (ebd., S. 343).

Unter diesen gesellschaftlichen Konventionen wächst Grete Minde auf. Insbesondere durch die vorbürgerlichen und damit einhergehenden, strengen Religionsabgrenzungen passt sie nicht in das bestehende System. Sie gilt als eine störende Fremde, die aufgrund des Glaubens ihrer verstorbenen, leiblichen Mutter einer katholischen Neigung „verdächtigt“ wird. Insbesondere ihre streng lutherische Schwägerin Trud sieht in Grete ein „katholisch Herz“ (Fontane 1997, S. 70), wodurch diese in Teilen eine ausgegrenzte und verurteilte Rolle in der Familie, als auch in der Gesellschaft einnimmt. Grete verinnerlicht die verurteilenden Blicke Dritter, die sie spüren lassen, dass sie „anders“ ist (vgl. Pniower 1912, S. 323). Verdeutlicht wird ihr Empfinden an der Stelle, an der sie über die Blicke des lutherischen Pastors Gigas spricht: „[…] mir ist immer, als mein‘ er, ich verstecke ‘was in meinem Herzen und sei noch katholisch von der Mutter her.“ (Fontane 1997, S. 26).

Ausgrenzungen oder gar Glaubenskämpfe aufgrund unterschiedlicher Religionen, so auch zwischen Katholiken und Protestanten, oder innerhalb der evangelischen Religion zwischen Lutheranern und Calvinisten, gehören zu jener Epoche, in der sich Grete Mindes Schicksal ereignete. Grete kann sich jedoch mit diesen Extremen nicht identifizieren, denn sie „[…] mag nicht davon hören. Auch nicht, wenn die Christen gesiegt hätten…“ (Fontane 1997, S. 61). Hier ergibt sich ein gesellschaftliches Problem für Grete, denn sie kann sich mit den engen Sichtweisen, die teilweise in ihrer eigenen Familie vertreten werden, nicht identifizieren und entwickelt zunehmend das Bedürfnis, vor der sich ihr umgebenden Umwelt zu entfliehen. Gleichzeitig unterliegt auch sie dem ehrfürchtigen Druck, in Gottes Willen richtig zu handeln. So sucht sie bei Gigas nach Bestätigung „Ob Flucht allemalen ein bös und unrecht Ding sei?“ (ebd., S. 63). Ahnend, dass dieser ihr negativ begegnen würde, wenn sie von ihrem Vorhaben erzählen würde, selbst flüchten zu wollen, transformiert sie ihr Anliegen zu einer allgemeinen, gesellschaftlichen Frage. Der Pastor hält Flucht in bestimmten Fällen für richtig, was Grete ausreicht, um sich in ihrem Denken bestätigt zu fühlen (vgl. ebd., S. 63f). Jedoch kann angenommen werden, dass sie sich in diesem Gespräch selbst belügt, um ihr Vorhaben vor sich und vor ihrer Umwelt zu rechtfertigen. Sie rebelliert an diesem Punkt noch nicht direkt gegen die Gesellschaft, sondern macht sich diese im Stillen erträglich, um anschließend zu fliehen. Dass der Weg der Flucht ihr jedoch nur zu temporärem Glück verhelfen konnte, zeigt der tragische Ausgang der Novelle.

Es kann davon ausgegangen werden, dass das enge, vorbürgerliche Denken, welches teilweise von den Grete umgebenden Menschen gelebt wurde, als ein Baustein ihres selbstgewählten Schicksals zuzurechnen ist. Diese Annahme wird durch Gretes frei gewählten Umgang während der Flucht bestätigt, denn hier kommt sie gemeinsam mit Valtin bei Puppenspielern unter. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Personen, die frei von den herkömmlichen gesellschaftlichen Bindungen sind und die keinen Platz in der Gesellschaft haben bzw. einen solchen zumindest in jener Zeit noch nicht finden konnten (vgl. Globig 1981, S. 710). Grete fühlt sich jedoch bei ebendiesen Menschen wohl und kann hier zumindest zeitweise glücklich sein. Zuletzt soll die Bedeutung des gesellschaftlichen Rechtssystems als ein möglicher Beweggrund Gretes für ihre Tat bewertet werden.

Als Grete ihr Recht auf Erbe einklagen will, nachdem Gerdt ihr dieses verweigerte, muss sie im Ratsherren-Gericht miterleben, wie ihr Rechtsanspruch verleugnet und das ihr zugefügte Unrecht als Recht dargelegt wird (vgl. Losch 1999, S. 66). Obwohl der Bürgermeister ihrem Stiefbruder Gerdt zuletzt die Möglichkeit gibt, das Erbe „aus christlicher Barmherzigkeit“ (Fontane 1997, S. 111) zu teilen, lehnt dieser, überzeugt von seiner Ansicht, ab. Hier zeichnen sich die oben erwähnten, frühkapitalistischen Neigungen des Stiefbruders ab, die in diesem Moment über dessen Nächstenliebe stehen. Er wägt die finanziellen Kosten einer solchen Gnade ab (vgl. Jensen 1997, S. 347). Grete wird an dieser Stelle nicht nur von ihrem Stiefbruder schwer enttäuscht, sondern auch vom Rechtssystem der Gesellschaft. Denn das mühelos getroffene Urteil des Ratsherren-Gerichts als sozial Ausgegrenzte kam schon sinnbildlich einem Todesurteil nah, denn „[…] ohne die identitätsvermittelnde Gemeinschaft der anderen versank der vorbürgerliche Mensch ins existenzielle Nichts.“ (ebd., S. 344).

2.2 Familiärer Hintergrund

Grete Minde wächst in einer überwiegend strengen und lieblosen Umgebung heran, wo ihr familiäres Leben zum großen Teil durch ihre Schwägerin Trud und ihrem Stiefbruder Gerdt, bestimmt wird. Die Beziehung zwischen Grete und Gerdt kann nicht mit Geschwisterliebe beschrieben werden, stattdessen sind sie sich „fremd“ und „feind“ von Beginn an (vgl. Fontane 1997, S. 106). Der Hass Gerdts gegenüber Grete lässt sich in seinem Verhältnis zu ihrer Mutter begründen, denn diese ist die zweite Frau seines Vaters, wegen der dieser seine leibliche Mutter verließ. Prägend wirken sich auch seine Habsucht und sein Geiz auf Grete aus, da diese Charakteristika, wie bereits im vorherigen Kapitel beschrieben, ihr Schicksal ebenso stark beeinflussen (vgl. Pniower 1912, S. 315). Während Grete in ihrer Kindheit noch im Mindschen Haushalt lebt, hat jedoch vor allem die streng gläubige Trud das Sagen, da Gretes Vater sehr krank ist und ihre Mutter bereits verstorben ist. Auch in der Beziehung zwischen Trud und Grete kann man keine Vertrautheit oder Zuneigung erkennen. Denn auch Trud geht durch Gretes verstorbene „Kathol’sche“ und „Span’sche“ (Fontane 1997, S. 8) Mutter, von der immer erzählt wird, dass sie wunderschön gewesen sein soll, vorverurteilend mit Grete um (vgl. ebd., S. 8). Ein zweiter bestimmender Aspekt ist Truds Eifersucht in Bezug auf Gretes und Valtins Beziehung. Denn sie sieht in den beiden eine Liebe, nach der sie sich selbst ihr Leben lang vergeblich sehnt.

Grete wurde demnach durch Neid und Missgunst in ihrem familiären Umfeld geprägt – Gefühle, die an einem Kind nicht „spurlos“ vorbeigehen können und somit Charakter und soziale Wahrnehmung formen (vgl. ebd., S. 10).

Eine gewisse Zeit konnte sie unter den ihr vorgefunden familiären Bedingungen bestehen, denn in ihrem kranken Vater Jakob Minde fand sie ein Familienmitglied, das einzige wohlbemerkt, zu dem sie eine enge Verbundenheit hegte. Jakob Minde hielt nicht an den engen Tangermünder Konventionen fest, er verkörperte stattdessen Offenheit, Toleranz und Liebe. Dies zeigte sich auch in seiner zweiten, gefühlsbetonten und religiös toleranten Ehe zu Gretes Mutter (vgl. Jensen 1997, S. 348). Eine solche Liebesbeziehung, beruhend auf eine freiwillige Verbindung aus Zuneigung galt als ein „frühbürgerliches Phänomen“, das auch für Grete in ihrer Verbindung zu Valtin erstrebenswert war (vgl. ebd., S. 350). Eine maßgebliche Rolle für die Sozialisation Gretes spielte zudem ihre Kinderfrau Regine, die sich im Kontrast zu Trud sehr einfühlsam und liebevoll um Grete kümmerte. So erzählte sie Grete mit Begeisterung Geschichten über deren leibliche Mutter, die sie als eine sehr großherzige und besondere Frau darstellte (vgl. Fontane 1997, S. 25). Regine, Jakob Minde und die Geschichten über ihre Mutter zeigten Grete, dass eine Möglichkeit auf ein tolerantes, liebevolles und vertrautes Umfeld besteht. Sie sehnte sich nach diesem Umfeld, weil sie selbst erfuhr, dass ein solches durchaus möglich war. Und hier entstand das verhängnisvolle Motiv ihrer familiären Situation: in Grete wuchs das starke Bedürfnis heran, aus dem strengen, missgünstigen Haus auszubrechen und stattdessen nach einem liebevollen und offenen Umgang, wie sie es durch ihre eigenen Wurzeln kannte, zu suchen. Sie entwickelte eine nur schwer zu erreichende Sehnsucht.

Spätestens nach dem Tod ihres Vaters hatte Grete „keinen Atem mehr“ (Fontane 1997, S. 50) und wollte sich ihre tief verwurzelte Sehnsucht erfüllen. Jedoch fand sich Grete in einer Familienkonstellation wieder, die sie schnell, vielleicht zu schnell, hat älter werden lassen. Denn mit dem Tag von Jakob Mindes Tode war alles Kindliche, dass ihre Erscheinung bis dahin gezeichnet hatte, von ihr gewichen (vgl. ebd., S. 41). Hinzu kam das neu geborene Kind der Trud, welches Grete vollkommen zum „Schatten“ ihrer noch bestehenden Familie werden ließ (vgl. ebd., S. 51). Vielleicht wäre Grete Mindes Ende ein anderes gewesen, wenn ihre Schwägerin Trud dem Wunsch Jakob Mindes an dessen Sterbebett nachgekommen wäre, denn dieser bat vergeblich um die Gnade seiner Schwiegertochter für Grete. Gnade stand im alten Ethos für „den freiwilligen Verzicht auf die Gewaltanwendung an den hilfloseren Mitgliedern der Gesellschaft“, in diesem Falle war Grete ein solch gemeintes Mitglied. Das Trud trotz ihres strengen Glaubens diesem Wunsch nicht nachging, zeigt ihre Handlung kurz vor Gretes Flucht, in der sie Grete und ihre Mutter in einem Streit als „fremde Brut“ bezeichnet und sagt, dass der Teufel ihnen aus ihren „schwarzen Augen“ schaue (vgl. ebd., S. 67). Die Grete nicht zugebilligte Gnade in dieser Situation, wie auch nach ihrer Rückkehr nach Tangermünde, bestimmte ihr grausames Handeln und wurde somit zu einem Motiv dessen.

Unabhängig von Gretes bereits bestehendem Vorhaben, gemeinsam mit Valtin aus ihrem Haushalt zu flüchten, erfährt sie, dass Trud und Gerdt ohnehin planen, sie wegzuschicken (vgl. Fontane 1997, S. 70). Trotz ihrer selbständig vorgenommen Flucht, kann daher von einer lieblosen Ausstoßung durch ihre noch bestehende Familie gesprochen werden. Grete war unerwünscht, sodass ihr ihre Handlungen nicht freiwillig, sondern notwendig erschienen.

2.3 Die Beziehung zwischen Grete und Valtin

Die aufopfernde und liebenswürdige Bezugsperson, die Grete nicht mehr in der eigenen Familie vorfand, fand sie in dem Nachbarsjungen Valtin. Die Beziehung zwischen Grete und Valtin war geprägt von extremen Gefühlen. Valtin verehrte Grete und war ihrem „fremden Zauber“ schon von Kindheit an verfallen, während Grete sich ihrer Macht über Valtin bewusst war und ohne ihn ein „Gefühl des Alleinseins“ (Fontane 1997, S. 36) verspürte. Grete sah in Valtin den Zufluchtsort und die Hoffnung, aus dem gesellschaftlichen und familiären Kreislauf, der sie umgab, auszubrechen. Ihre Aussage „[…] ohne Dich wär‘ ich schon todt“ (ebd., S. 50) und seine Worte „Ich kann nicht leben ohne Dich.“ (ebd., S. 51) deuten darauf hin, dass es sich um eine schwere Liebe handelte, die nicht ausschließlich bereichernd für beide Personen war, sondern sogar lebenswichtig wurde. Von Beginn an war Valtin für Grete die einzige Ausgestaltung von Glück, die ihre Welt zulassen würde. Anders, als die gesellschaftliche Norm besagte, entstand zwischen ihnen eine Beziehung basierend auf Zuneigung. Jedoch kam dabei der Umstand hinzu, dass die Beziehung auch auf Not basierte. Und dieser wirkte sich auf die folgenden Handlungen toxisch aus: Grete bewegte den sich widerstrebenden Valtin recht eigennützig zur Flucht, indem sie ihre Macht über ihn ausübte (vgl. ebd., S. 79 & vgl. Pniower 1912, S. 324). Gleichzeitig bedeutete das extreme Festhalten an Valtin als Grundbedingung ihres Glücks, dass ebendieses Glück vergänglich war. Denn schon mit dem Eintreten Valtins Todes schien es, als sei jeglicher Lebenswille von Grete gewichen, und das trotz der Existenz ihres gemeinsamen Kindes: „Valtin, mein einzig Geliebter, nimm mich mit Dir, mich und unser Kind. Was hier noch war, warst Du. Nun gehst Du. Und wir sind unnütz auf dieser Welt.“ (Fontane 1997, S. 88). Hier kündigte sich in der Novelle bereits offenkundig an, dass Grete ihren Lebensdrang allmählich verlor. Zusätzlich erschwerte sich ihr Gemütszustand aufgrund starker Schuldgefühle, denn sie sah an seinem Sterbebett ein, dass sie bei der Flucht mehr an sich, als an ihn gedacht hatte (vgl. ebd., S. 96). Dass die Beziehung zwischen Grete und Valtin mehr von einer toxischen Abhängigkeit als von reiner Liebe geprägt war, fasste sie zusammen, indem sie sagte: […] Ich war ein Kind noch und sieh‘, ich liebte Dich so sehr. Aber nicht genug, nicht genug und es war nicht die rechte Liebe.“ (ebd., S. 86).

[...]

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Details

Titel
Warum Suizid? Motive für das tragische Ende von Fontanes "Grete Minde"
Hochschule
Universität Potsdam  (Germanistik)
Veranstaltung
Theodor Fontanes Romane - Textanalyse und Interpretation
Note
1,3
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V584667
ISBN (eBook)
9783346189356
ISBN (Buch)
9783346189363
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theodor Fontane, Grete Minde, Motive, Grete und Valtin, Einflussquellen, Familiärer Hintergrund, Gesellschaft, Beziehung, Grete Mindes Selbst, Novelle, Interpretation, Textanalyse, Charakterzüge, Literatur, Germanistik, Romane
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Warum Suizid? Motive für das tragische Ende von Fontanes "Grete Minde", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/584667

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