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"Der Mythos des Sisyphos" von Albert Camus. Theoretische Betrachtungen über das Absurde

Title: "Der Mythos des Sisyphos" von Albert Camus. Theoretische Betrachtungen über das Absurde

Seminar Paper , 2006 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christian Aichner (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Summary Excerpt Details

"Liebe Seele, trachte nicht nach dem ewigen Leben, sondern schöpfe das Mögliche aus." Anhand dieses kurzen Verses von Pindaros, einem griechischen Dichter des 5. Jh.v.Chr., wird das Ziel, welches Camus in seinem Essay „Mythos des Sisyphos“ verfolgt, schon vorweggenommen. Denn in dem zitierten Vers wird eine Diesseitsorientierung des Menschen gefordert; das Streben des Menschen nach einem metaphysischen Sinn wird verneint und somit der Fokus auf die eigene Existenz und der mit ihr verbundenen Möglichkeiten des Lebens gerichtet. Das hier angedeutete Programm verfolgt Camus in seinem Essay konsequent. Zunächst stellt er die für ihn dringlichste aller philosophischer Fragen, nämlich die nach dem Sinn des Lebens. Dieser Sinn kann für den modernen Menschen nicht mehr in einer transzendenten Wirklichkeit liegen, denn alle Versuche eine jenseitige Wahrheit zu finden, scheiterten am Unvermögen des Verstandes seine eigenen Grenzen zu sprengen. Somit wird der Welt allerdings zugleich jeder objektiv wahre Wert als moralischem Dogma abgesprochen.
Der andauernde Versuch des Menschen klare und deutliche Einsichten über das wahre Wesen der Welt, einem ihr immanten Sinn, zu gewinnen, erzeugt so das Absurde. Die hier angesprochene Mangelsituation in der sich der Mensch befindet, wirft ihn schließlich auf seine eigene Existenz als letzter Instanz der Erkenntnisfähigkeit zurück. Dieser Vorgang setzt die Entwicklung des vollen Bewusstseins als Bewusstsein von sich selbst voraus. Erst durch das Einnehmen dieser Meta-Ebene kann der Mensch neue, sichere Gewissheiten erkennen. Auf diesen im weiteren beschriebenen und im Wesen des Menschen angelegten Prinzipien, versucht Camus schließlich, ein der Hoffnung und jeder Illusion beraubtes handlungstheoretisches System zu errichten, das das menschliche Handeln am Diesseits ausrichtet und so eine neue Form von bewusster Verantwortung als handlungstheoretisches Prinzip setzt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Darstellung der Programmatik

B. Das Absurde als erstes Prinzip

I. Das Absurde und der Selbstmord

II. Die absurden Mauern – Definition des Absurden durch seine Ursprünge

1. Analyse des absurden Gefühls

2. Das Absurde auf der Ebene des Verstandes

3. Begriffliche Definition des Absurden

III. Konsequenzen aus der Erkenntnis des Absurden

1. Haltung des bewussten Menschen

2. Der philosophische Selbstmord

3. Haltung des absurden Menschen zum Selbstmord

C. Ethische Konsequenzen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, Albert Camus' theoretische Betrachtungen über das Absurde in seinem Essay „Der Mythos des Sisyphos“ zu analysieren und die daraus resultierenden Konsequenzen für das menschliche Handeln sowie eine neue Form der bewussten Verantwortung zu beleuchten.

  • Die Definition des Absurden als Resultat der Diskrepanz zwischen menschlichem Sinnstreben und dem Schweigen der Welt.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit dem Selbstmord als vermeintlicher Ausweg aus der Sinnlosigkeit.
  • Die Analyse des sogenannten „philosophischen Selbstmords“ bei verschiedenen Existenzphilosophen.
  • Die Herausarbeitung der „Revolte“ als konsequente Haltung des bewussten Menschen gegenüber der absurden Existenz.
  • Die Untersuchung ethischer Konsequenzen und des neuen Verantwortungsbegriffs jenseits traditioneller Moralvorstellungen.

Auszug aus dem Buch

2. Das Absurde auf der Ebene des Verstandes

Doch das Absurde erscheint nicht nur in der irrationalen Welt der Gefühle, sondern gerade auch in der nach Klarheit und Einsicht strebenden Welt des menschlichen Geistes, denn „[...] sobald das Denken über sich selbst reflektiert, stößt es auf einen Wiederspruch“

Diesen circulus vitiosus, die Unauflösbarkeit der entstehenden Paradoxien, wenn der Mensch versucht Wahres von Falschem zu unterscheiden, drückte schon Aristoteles aus; und bis heute, trotz aller Anstrengungen der Logiker, bleibt das im Folgenden beschriebene Paradox bestehen: „Wer alles für wahr erklärt, der erklärt damit auch die der seinen entgegenstehende Behauptung für wahr, also seine eigenen für falsch. [...] Wer aber alles für falsch erklärt, der erklärt auch seine eigene Behauptung für falsch. Wollte aber der eine die Behauptung des Gegners ausnehemen, als ob diese allein nicht wahr sei, so würde sie nichtsdestoweniger dahin kommen, unendlich viele wahre und falsche Behauptungen annehmen zu müssen. Denn auch die Behauptung, welche erklärt, dass die wahre Behauptung wahr sei, würde selbst wahr sein, und dies würde ins Unendliche fortgehen.“

Das hier angesprochene unlösbare Problem der Deklaration von Wahrheit und Falschheit steht dem Wesen des Menschen, das nach umfassenden Verständnis strebt, entgegen. Hierbei bedeutet für Camus die Welt „verstehen [...] vor allem [mit der menschlichen Welt in Einklang zu bringen, beide Pole zu] vereinen.“

Zusammenfassung der Kapitel

A. Darstellung der Programmatik: Dieses Kapitel führt in Camus' Forderung einer Diesseitsorientierung ein und erläutert, wie das Unvermögen des Verstandes, einen transzendenten Sinn zu finden, die Ausgangslage für die Entstehung des Absurden bildet.

B. Das Absurde als erstes Prinzip: Hier werden die Ursprünge und Definitionen des Absurden sowohl in der emotionalen Fremdheitserfahrung als auch in den logischen Paradoxien des Verstandes untersucht und die Haltung des bewussten Menschen gegenüber dem Selbstmord definiert.

C. Ethische Konsequenzen: Das Kapitel behandelt die Schlussfolgerungen für das menschliche Handeln in einer Welt ohne höhere Transzendenz und entwirft einen neuen Begriff der bewussten Verantwortung anstelle überlieferter Moral.

Schlüsselwörter

Albert Camus, Der Mythos des Sisyphos, Absurdität, Existenz, Bewusstsein, Sinnlosigkeit, Philosophischer Selbstmord, Revolte, Freiheit, Diesseitsorientierung, Verantwortung, Vernunft, Leidenschaft, Transzendenz, Existenzphilosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophischen Kernthesen von Albert Camus in „Der Mythos des Sisyphos“ und exploriert, wie der Mensch mit der Sinnlosigkeit der Welt umgehen kann.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Schwerpunkten zählen das absurde Gefühl, das Scheitern metaphysischer Sinnstiftung, die Kritik am Suizid sowie die Entwicklung einer lebensbejahenden Haltung durch Revolte.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, wie eine „Logik bis zum Tod“ aussehen kann und welche ethische Verantwortung aus der Anerkennung der Absurdität resultiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine systematische Textanalyse und philosophische Interpretation des primären Essays von Camus unter Einbeziehung existenzphilosophischer Referenzen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Absurden als erstes Prinzip, die Analyse seiner Ursprünge und die Ableitung konkreter, individueller Lebenskonsequenzen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Absurdität, Bewusstsein, Existenz, Revolte, Freiheit und eine daraus resultierende bewusste Eigenverantwortung.

Inwiefern unterscheidet Camus den „philosophischen Selbstmord“ vom physischen Selbstmord?

Der physische Selbstmord ist ein physischer Akt der Flucht, während der „philosophische Selbstmord“ ein Denken beschreibt, das sich selbst negiert, indem es durch einen „Sprung“ (z.B. in den Glauben) den Widersprüchen des Absurden entflieht.

Warum ist die „Revolte“ für den absurden Menschen notwendig?

Die Revolte ist die ständige Aufrechterhaltung des Bewusstseins über die Absurdität und verhindert, dass das Absurde durch Hoffnung oder Aufgabe stirbt; sie verleiht dem Leben Größe.

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Details

Title
"Der Mythos des Sisyphos" von Albert Camus. Theoretische Betrachtungen über das Absurde
College
LMU Munich
Course
Literarische und ethische Themen im Spiegel der Literatur
Grade
1,0
Author
Christian Aichner (Author)
Publication Year
2006
Pages
18
Catalog Number
V58468
ISBN (eBook)
9783638526524
ISBN (Book)
9783638816229
Language
German
Tags
Albert Camus Mythos Sisyphos Betrachtungen Absurde Literarische Themen Spiegel Literatur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Aichner (Author), 2006, "Der Mythos des Sisyphos" von Albert Camus. Theoretische Betrachtungen über das Absurde, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58468
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