Luxus und Selbstdarstellung post mortem. Römische Grabbauten und das soziale Kapital ihrer Bauherren


Hausarbeit, 2020

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Luxus und Selbstdarstellung post ortem
2.1 Quellen- und Forschungslage
2.2 Methodik
2.3 Schaffung von okonomischem Kapital durch Expansion
2.4 Bestattungsformen
2.5 Grabbauten als soziales apital

3 Resiimee

4 Quelleneditionen

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Von des Lebens Giitern alien ist der Ruhm das hochste doch.

Wenn der Leib in Staub zerfallen, lebt der grofie Name noch.1

Dieses Zitat von Friedrich Schiller veranschaulicht die Ambivalenz zwischen dem Zerfall des Korpers und der postmortalen Existenz, welche ein grofier Name mit sich bringen kann.

Diese Ambivalenz findet sich nicht nur in der Romische Republik, sondern ist Teil beinahe aller Gesellschaften. Sei es durch Kriege, unzureichende Hygiene oder schlechte Lebensmittelversorgung, die Todesthematik war in Rom ebenso omniprasent, wie der Wunsch nach einem gesellschaftlichen Aufstieg, der durch die soziale Dynamik und den cursus honorum fortwahrend verstarkt wurde. Diese Tendenzen fuhrten dazu, dass der Tod selbst zu einem sozialen Ereignis wurde. Durch die pompafunebris, der Leichenzug, welcher der tatsachlichen Bestattung vorausging, erreichten die Angehorigen des Verstorbenen einen groBen Teil der romischen Biirgerschaft und versuchten durch diese Prozession das soziale Kapital der Familie zu steigern2. Im Konkurrenzkampf um Amter und Macht war der Umgang mit den Verstorbenen ein wichtiges Instrument, respektive eine bedeutende Form, sowohl der privaten als auch der offentlichen Representation. Um die sozialen Umstande der Sepulkralkultur3 genauer zu erortern, bezieht sich diese Arbeit auf den franzosischen Sozialphilosophen und Soziologen Pierre Bourdieu, dessen Theorie zu den Kapitalumwandlungen hier angewendet wird.

Wahrend in der fruhen und mittleren Republik noch Brandbestattungen die Regel waren, kamen in der spaten Republik immer mehr Korperbestattungen auf4. Doch wie kam es zu dieser Veranderung in der Kultur des Bestattens? Um dies erklaren zu konnen, lohnt es sich zunachst einen Blick auf das wachsende okonomische Kapital der romischen Nobiles zu werfen.

Die Expansion und vor allem die damit verbundenen Kriege gegen Karthago und gegen Makedonien brachten der romischen Nobilitat nach und nach eine erhebliche Mehrung ihres Wohlstandes ein5. Durch die makedonisch-romischen Kriege intensivierte sich zudem der Austausch der Romer mit der griechischen Kultur. Beispielsweise wurden Philosophen wie Polybius nach Rom deportiert, von bronzenen Statuen wurden Gipsabdriicke angefertigt, die nach Rom verschifft und doit von lokalen Bildhauern in Marmor nachgebildet wurden6. Auch die Architektur des hellenistischen Kulturkreises wurde in Teilen okkupiert7. Und so lag es auch nahe, Bereiche der griechischen Sepulkralkultur zu assimilieren.

Der immer weiter um sich greifende Luxus des romischen Senatsadels und der neureichen Kaufmanner fuhrte jedoch auch zu Konflikten. Luxusgesetze bzw. im Grabkontext sogenannte „Funeralaufwandbestimmungen" sollten unter anderem die ausufernde Grabgestaltung begrenzen, wie dies auch schon zuvor eine der Tafeln des XII-Tafel-Gesetzes forderte8.

Da in der bisherigen Forschung zumeist die archaologischen Funde mit den literarischen Quellen in Zusammenhang gebracht wurden und auf weitere Interdisziplinaritat verzichtet wurde, fehlt eine entscheidende Komponente bei der Analyse der Grabbauten. Die soziologische Aufbereitung des Themas kann der Materie eine neue Tiefe geben und somit das Bild iiber die Graber, die Sarkophage, Urnen und GraberstraBen verandern. Bourdieus Arbeit zu den Kapitalumwandlungen eignet sich hierzu in besonderem MaBe, da sie die finanziellen, kulturellen und sozialen Aspekte des Kapitals erortert.

In welchem Zusammenhang der funerale Luxus der Nobilitat zu der romischen Expansion steht und was mit der immer weiter fortschreitenden Monumentalisierung der Grabbauten erreicht werden sollte, ist das Thema dieser Hausarbeit. Zu Beginn wird sowohl die Quellen- und Forschungslage als auch die Kapitalstheorie von Pierre Bourdieu erlautert. Im darauffolgenden Kapitel soil die romische Expansion, sowie der damit einhergehende Wohlstand und die einsetzende Hellenisierung Roms, ab dem spaten 3. Jh. bis zur Kaiserzeit erortert werden. Die Bestattungsformen werden in Kapitel 2.4 erlautert. Kapitel 2.5 beschaftigt sich daraufhin mit den Grabmalern und der Sepulkralkultur. Diese wird wiederum im Zusammenhang mit der Theorie der Kapitalumwandlung von Pierre Bourdieu erortert. Den Abschluss der Arbeit bilden das Resiimee, sowie das Quellen- und Literaturverzeichnis.

2 Luxus und Selbstdarstellung post mortem

2.1 Quellen- und Forschungslage

Antike literarische Quellen zu Begrabnissen und Grabmonumenten aus republikanischer Zeit sind nur in sehr geringem MaBe zu finden. Beispielsweise liefert Cicero mit seiner Interpretation der XII-Tafel-Gesetze relativ detaillierte Auskiinfte iiber die Bestattung im republikanischen Rom9. Dariiber hinaus gibt es noch Berichte von Polybius iiber die pompa funebris, die zwar einen Teil des Bestattungsrituals darstellt, bei dieser Hausarbeit jedoch nur eine untergeordnete Rolle einnimmt.

Wahrend die Grabmonumente selten Erwahnung in den antiken Quellen finden, spielen sowohl die romische Expansion, als auch der damit einhergehende Anstieg des Wohlstands innerhalb der Nobilitat eine wichtige Rolle in den iiberlieferten Texten. Hier ist es ebenfalls Cicero, der durch den Briefwechsel mit seinem Freund Atticus einen Einblick in die finanzielle Lage der Nobilitat gewahrt. Dem Zusammenhang zwischen der Hellenisierung Roms und dem Aufkommen der romischen Grabmonumente im ausgehenden 3. Jh. v. Chr., widmet sich u.a. Tonio Holscher mit seinem Aufsatz Romische Nobiles und hellenistische Herrscher.

Die neuzeitliche Forschung zu den Form en der Bestattung setzt 1637 mit der Arbeit Johannes Kirchmanns ein, der sich in seinem Werk De funeribus Romanorum mit einer groBen Menge an historischen Quellen auseinandersetzt10. Erst zwei Jahrhunderte spater erschienen weitere Werke zu diesem speziellen Thema der romischen Sitten- und Baugeschichte. Joachim Marquardt11 und Hugo Bliimner12 sind hier mit ihren umfangreichen Abhandlungen zu dem Thema besonders hervorzuheben. In neuester Zeit sticht besonders das Werk von Jocelyn Toynbee Death and Burial in the Roman world heraus, da es versucht, die archaologischen Funde und Befunde mit den literarischen Quellen in Einklang zu bringen13. Hinzu kommen spater weitere archaologische Aufbereitungen zu den Grabmonumenten und ihrer Form der Representation, wie beispielsweise von Henner von Hesberg14.

Um eine Rekonstruktion der Begrabnisse und der Grabmonumente zu erarbeiten, greift diese Hausarbeit auf eine Mischung aus zeitgenossischen Texten und Briefen sowie auf literarische und archaologische Forschungen zuriick. Die daraus resultierenden Erkenntnisse werden mit der Kapitaltheorie Pierre Bourdieus verflochten, um dem Thema der Hausarbeit moglichst interdisziplinar gegeniiberzutreten.

2.2 Methodik

Um die Zusammenhange zwischen romischen Grabmonumenten und politischen Karrieren in republikanischer Zeit verstehen zu konnen eignet sich die Kapitalstheorie Pierre Bourdieus. Dieser war ein franzosischer Philosoph und Soziologe. Er befasste sich unter anderem mit der marxistischen Theorie im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Unterschieden. Bourdieu entwickelte daraufhin ein Modell, welches durch drei Kapitalarten gepragt ist: okonomisches, kulturelles und soziales Kapital. Die jeweilige Position einer Person im sozialen Raum hangt laut Bourdieu davon ab, wieviel diese Person von jedem Kapital besitzt und auf welche Ressourcen zuriickgegriffen werden kann. Diese Position im sozialen Raum strukturiert wiederum den Habitus. Je hoher die Position im sozialen Raum ist, desto groBer ist das Repertoire an individuellen Handlungs- und Ausdrucksmoglichkeiten. Die jeweilige Kapitalart kann auch in andere Arten umgewandelt werden. Zum Beispiel kann mit okonomischem Kapital soziales Kapital geschaffen werden, wie das Beispiel der romischen Grabbauten eindrucksvoll unter Beweis stellt15.

2.3 Schaffung von okonomischem Kapital durch Expansion

Das okonomische Kapital der romischen Nobilitat erreichte durch die militarische Expansion im 3. und 2. Jh v. Chr. eine neue Dimension, wie Tonio Holscher in seinem Aufsatz Romische Nobiles und hellenistische Herrscher darlegt. Die nach und nach aufkommende extrovertierte Selbstdarstellung in den Grabmalern der republikanischen Zeit lasst sich erklaren, wenn man sowohl den okonomischen Boom, als auch die fortschreitende Expansion des romischen Imperiums im 3. und 2. Jh. v. Chr. betrachtet. Kriegsbeute wurde in hohem MaBe aus den eroberten Gebieten nach Italien gebracht16. Die Angehorigen der romischen Kulturgemeinschaft assimilierten Teile der hellenistischen Kultur, die sie im Zuge des romisch-makedonischen Krieges kennengelernt hatten17.

Inwiefern die Sepulkralkultur der Griechen die romischen Bestattungstraditionen veranderte, lasst sich nicht abschlieBend klaren, da wahrend der gesamten Romischen Republik verschiedene Arten der Bestattung erhalten blieben und auch die Grabmonumente teilweise einen eigenen Charakter aufwiesen. Auch der Einfluss von etruskischen Felsnekropolen spielte bei der Gestaltung der Grabmonumente - zumindest teilweise - eine Rolle. Es lasst sich jedoch festhalten, dass Rom spatestens ab dem 2. Jh. v. Chr. immer mehr zu einer Metropole mit hellenistischem Charakter wurde. Sowohl der Stil der offentlichen Bauten, als auch die Sitte Statuen zu Ehren der erfolgreichen Feldherren aufzustellen, hatte ihren Ursprung in der griechischen Kultur18:

Eines der wichtigsten Ergebnisse der romischen Archaologie in den letzten zwei Jahrzehnten ist die Erkenntnis, wie sprunghaft und durchgreifend Rom wahrend der letzten Jahrhunderte der Republik zu einer hellenistisch gepragten Metropole umgestaltet wurde19.

Da vor allem romische Nobiles von hellenistischen Einflussen gepragt wurden, liegt es nahe, dass zumindest diese Schicht der Gesellschaft auch Teile der griechischen Sepulkralkultur okkupierten.

2.4 Bestattungsformen

Nach der Errichtung der ersten romischen Stadtmauer durch Servius Tullius, bildeten sich um Rom eine Reihe von Nekropolen. Zwischen dem 6. und 3. Jh. v. Chr. anderte sich in der Gestalt dieser Friedhofe zunachst noch wenig. Wahrend dieser Zeit wurden die Leichen meist per Erdbestattung beigesetzt.

[...]


1 Schiller, F.: Gedichte, von Kurscheidt, Georg (Hrsg.), Frankfurt am Main 1992.

2 Pol. Hist. VI, 53, 1; 54.

3 „Die S. (von lat. sepulcrum, »Grab«; sepulcralis, »zum Grab gehorig«) umfasst alle Phanomene, die den Umgang der Menschen mit den Toten betreffen." Karsten, A.: Art. „Sepulkralkultur", Enzyklopadie Der Neuzeit Online. Brill Reference Online. Web. 29 Apr. 2020.

4 Vgl. Toynbee, J.M.C.: Death and burial in the Roman World, Johns Hopkins paperback ed, Baltimore/ London 1996, S. 40.

5 Vgl. Holscher, T.: Romische Nobiles und hellenistische Herrscher, in: Aktendes 13. Internationalen Kongresses furKlassische Archaologie, Berlin 1988, S. 73 - 84.

6 Vgl. Dreyer, B.: Polybios, in: Der Neue Pauly (DNP), Bd. 10, Metzler, Stuttgart 2001, Sp. 41 - 48.

7 Vgl. Holscher: Romische Nobiles und hellenistische Herrscher, S. 73.

8 Vgl. Dull, R.: Das Zwolftafelgesetz, Texte, Ubersetzungen und Erlauterungen, Miinchen Heimeran Verlag, Tusculum-Bucherei, 1971, S. 71 - 74.

9 Cic. de leg. 2, 23; 2, 24.

10 Vgl. Kirchmann, J.: de funeribus romanorum libri quattuor, 4. Korrigierte Aufl., Frankfurt am Main 1672.

11 Marquardt, J./ Brodersen, K.: Das Privatleben der Romer, in: von Mau, A. (Hrsg.): Handbuch der romischen Altertumer, Bd. VII, Darmstadt 2016, S. 340 - 385.

12 Vgl. Bliimner, H.: Die romischen Privataltertiimer, Miinchen 1911, S. 482 - 510.

13 Vgl. Toynbee: Death and Burial in the Roman World, S.40.

14 Vgl. Von Hesberg, H.: Romische Grabbauten, Darmstadt 1992.

15 Vgl. Bourdieu, P.: Okonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital, in: Kreckel, R. (Hrsg.): Soziale Ungleichheiten, Gottingen 1983, S. 183 - 198.

16 Vgl. Errington, R. M.: Neue Forschungen zu den Ursachen der romischen Expansion im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr., in: Historische Zeitschrift 250 (1990), H. 1., S.99 - 106.

17 Vgl. Holscher: Romische Nobiles und hellenistische Herrscher, S. 73.

18 Vgl. Zanker, P.: Hellenismus in Mittelitalien, in: Kolloquium in Gottingen vom 5. bis 9. Juni 1974, Gottingen, 1976.

19 Vgl. Holscher: Romische Nobiles und hellenistische Herrscher, S. 73.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Luxus und Selbstdarstellung post mortem. Römische Grabbauten und das soziale Kapital ihrer Bauherren
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Veranstaltung
Aristokratische Herrschaft in der römischen Republik
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V584744
ISBN (eBook)
9783346162274
ISBN (Buch)
9783346162281
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Römische Republik, Grabbauten, Archäologie, Gräber, Sepulkralkultur, Tod, Grabmal, Hesberg, funeral, pompa funebris, Bourdieu, Soziales Kapital, ökonomisches Kapital, Hellenisierung
Arbeit zitieren
Benjamin Reichenbach (Autor), 2020, Luxus und Selbstdarstellung post mortem. Römische Grabbauten und das soziale Kapital ihrer Bauherren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/584744

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