Redundanzen in der modernen französischen Orthographie


Seminararbeit, 2004

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Redundanzen in der aktuellen französischen Orthographie
2.1 Definition und Systematisierung von Redundanzen
2.2 Ein Phonem und 24 mögliche Grapheme
2.3 Le „chaos des lettres doubles“ – doppelte Konsonanten
2.4 Les lettres muettes – stumme Buchstaben
2.5 Grammatische Redundanzen

3. Schlussbetrachtung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die französische Orthographie gilt allgemein als kompliziert, reich an Ausnahmen und schwierig erlernbar. „Son apprentissage est comparable à celui des tables de multiplications“[1], schreibt Bernard Fripiat und unterstreicht, dass oftmals nur auswendig gelernte Schreibungen helfen, korrekt zu schreiben, da der Unterschied zwischen gesprochenem und geschriebenem Französisch sehr markant ist. Dies kann in vielen Fällen durch Redundanzen in der französischen Orthographie begründet werden.

Die vorliegende Arbeit liefert zum einen eine Beschreibung der Redundanzen in der aktuellen französischen Orthographie und geht zum anderen auch der Frage nach, inwieweit diese Redundanzen der einfachen Anwendbarkeit der französischen Rechtschreibung im Wege stehen. An einigen Stellen werden auch Überlegungen für eine Orthographiereform angestellt, doch im Fokus der Betrachtungen steht die Beschreibung und Bewertung der gegenwärtigen Orthographie.

Im ersten Teil wird der Begriff der Redundanz aus linguistischer Sicht definiert und für die vorliegende Arbeit systematisiert.

Der zweite Teil beschreibt das Verhältnis zwischen Phonemen und ihren möglichen Graphemen und greift damit einen wichtigen Teilbereich der Redundanzen auf.

Der dritte Teil der Arbeit erörtert, woher die doppelten Konsonanten in der aktuellen Rechtschreibung stammen und warum auch sie als kompliziert gelten.

Eine Beschreibung der stummen Buchstaben im Orthographiesystem liefert der vierte Teil. Hier wird Herkunft, Funktion und Bedeutung dieser Buchstaben nachgegangen.

Im letzten Teil stehen grammatische Redundanzen im Mittelpunkt. Ihre Bedeutung und ihre tiefe Eingebundenheit in das französische Orthographiesystem werden erklärt.

Mit seiner Beschreibung des französischen Graphiesystems[2] hat René Thimonnier eine richtungweisende umfangreiche Arbeit vorgelegt, die als wichtige Grundlage aller weiteren Studien zur französischen Orthographie gelten kann. Sie hat auch 37 Jahre nach der ersten Publikation wenig von ihrer Aktualität verloren. Thimonnier betont vor allem, dass die französische Orthographie historisch gewachsen ist und dadurch viele Eigenheiten und Unregelmäßigkeiten erklärbar sind. Er glaubt, eine einfache und praktikable Orthographie werde sich im Laufe der Zeit von selbst etablieren können.

Auch Claire Blanche-Benveniste und André Chervel[3] haben unterstrichen, dass die französische Orthographie von Ausnahmen übersät und daher ungemein schwer zu erlernen und zu beherrschen ist. Anhand ihrer dezidierten Untersuchungen des Graphiesystems begründen sie den aus ihrer Sicht dringenden Reformbedarf.

Aus deutscher Perspektive hat sich Wolfgang Börner des Problems angenommen[4]. Seine Beschreibung des Phonem- und Grapheminventars des Französischen ist eine wichtige Basis für diese Arbeit zum Redundanzbegriff, da er in der Phonem-Graphem-Korrespondenz die Schwachstelle der schwierigen französischen Rechtschreibung sieht.

2. Redundanzen in der aktuellen französischen Orthographie

2.1 Definition und Systematisierung von Redundanzen

Zur Beschreibung des Problems der orthographischen Redundanzen muss zunächst der Begriff Redundanz sicher definiert sein. Der lateinische Ausdruck redundantia leitet sich von redundare = überströmen ab. Allgemein bezeichnet der Begriff Redundanz eine mehrfache und damit überflüssige Kennzeichnung derselben Information. Eine sprachliche Nachricht ist mit überflüssigen Elementen bereichert, die keine neuen Informationen liefern, sondern lediglich die Grundinformation stützen. Eine Information kann auch mit Merkmalen überladen sein, so dass der eigentliche Informationsgehalt nur schwer zugänglich ist.[5]

Redundanz kann grammatischer oder orthographischer Natur sein. Liegt grammatische Redundanz vor, so sind bestimmte Kategorien, zum Beispiel der Plural, mehrfach markiert. Bei orthographischer Redundanz kann davon ausgegangen werden, dass ein Schriftbild nicht seinem redundanzfreien Idealzustand entspricht, sondern mehr Buchstaben enthält als streng genommen notwendig wären oder uneindeutig ist, da zum Lautbild theoretisch mehrere Graphien passen würden.

Die für die französische Orthographie charakteristischen Redundanzen lassen sich systematisch so darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zunächst muss unterschieden werden zwischen überflüssigen Buchstaben und dem Phänomen, dass im Französischen häufig eine Vielzahl von Graphemen für ein Phonem möglich ist (Ebene 2). Unter überflüssigen Buchstaben sind jene zu verstehen, die im Lautbild nicht zu hören sind, sich im Schriftbild jedoch trotzdem wieder finden. Sie können phonographischer oder grammatischer Natur sein (Ebene 3) und für die phonographischen Redundanzen wiederum lassen sich zwei wesentliche Phänomene herausstellen: doppelte Konsonanten und stumme Buchstaben (Ebene 4).

[...]


[1] Fripiat, Bernard, Se réconcilier avec l’orthographe. Des moyens mnémotechniques sûrs et efficaces pour en finir avec les fautes, Paris 1997, S. 33.

[2] Thimonnier, René, Le système graphique du français, überarbeitete Auflage, Paris 1976, Die Originalausgabe erschien 1967 in Paris.

[3] Blanche-Benveniste, Claire / Chervel, André, L’orthographe, Paris 1969

[4] Börner, Wolfgang, Die französische Orthographie, Tübingen 1977 (Romanistische Arbeitshefte 18)

[5] Vgl. Ahlheim, Karl-Heinz (Hrsg.), Meyers Großes Universal Lexikon, Mannheim 1984, s.v. Redundanz, Bd. 11, S. 476 und Drosdowski, Günther (Hrsg.), Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, Mannheim 1994, s.v. Redundanz, Bd. 8, S. 2726.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Redundanzen in der modernen französischen Orthographie
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Proseminar 'Die französische Orthographie'
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V58498
ISBN (eBook)
9783638526708
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Redundanzen, Orthographie, Proseminar, Orthographie“
Arbeit zitieren
Christian Schulze (Autor), 2004, Redundanzen in der modernen französischen Orthographie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58498

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