Diese Arbeit setzt sich mit der Thematik Jugendsprache näher auseinander. Trägt Jugendsprache wirklich zu Sprachverfall und Sprachverlust bei, so wie in publizistischen Sprachdiskursen behauptet wird? Welche Bedeutung hat Jugendsprache im Unterricht?
Als erstes befasse ich mich mit der Definition von verschiedenen Begriffen wie "Soziolekt", "Jugend", "Jugendsprache", und "Jugendsprache als Varietät". Im Anschluss setze ich mich mit der Geschichte der Jugendsprachforschung auseinander und untersuche linguistische Merkmale von Jugendsprache. Im letzten Teil meiner Arbeit stelle ich einen Bezug von Jugendsprache zu Schule und Unterricht her und beende meine Hausarbeit mit einem persönlichen Fazit.
"Ich hör es gern, wenn auch die Jugend plappert; Das Neue klingt, das Alte klappert." Dieses Zitat von Goethe beschreibt das Phänomen der Jugendsprache und es macht deutlich, dass die Jugendsprache entgegen der oft vorherrschenden öffentlichen Meinung "kein Phänomen der Neuzeit ist", so wie es auch die Professorin für Germanistik, Eva Neuland, in ihrem Buch "Jugendsprache" betont. Jugendliche haben bereits in früheren Zeiten einen eigenen Sprachstil entwickelt. Die Sprache der Jugend zeichnet sich durch Lebendigkeit aus und entwickelt sich seit Generationen kontinuierlich weiter, so wie alle anderen Sprachen auch.
Die sprachlichen Varietäten haben in den letzten Jahren mit der Globalisierung, der Migration und den neuen Medien immer stärker an Einfluss gewonnen. Inzwischen spielt die Jugendsprache sowohl im schulischen und universitären Sprachunterricht als auch in der linguistischen Sprachforschung eine große Rolle. Es gibt nicht nur die eine Jugendsprache, sondern es existieren viele verschiedene jugendsprachliche Stile, die sich hinsichtlich Zeit, Situation, soziokulturellem Hintergrund und Region unterscheiden. Emotionale Marker sind typisch für Jugendsprache, da bei der Entwicklung der Jugendlichen Emotionalität und Expressivität eine sehr wichtige Rolle einnehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. BEGRIFFSDEFINITIONEN
2.1 SOZIOLEKT
2.2 JUGEND
2.3 JUGENDSPRACHE
2.4 (JUGEND-) SPRACHE ALS VARIETÄT
3. GESCHICHTE DER DEUTSCHEN JUGENDSPRACHFORSCHUNG
4. FUNKTIONEN UND MERKMALE VON JUGENDSPRACHE
4.1 LEXIKALISCHE EBENE
4.2 MORPHOLOGISCHE EBENE
4.3 SEMANTISCHE EBENE
4.4 SYNTAKTISCHE EBENE
4.5 PHONOLOGISCHE EBENE
5. JUGENDSPRACHE IN SCHULE UND UNTERRICHT
5.1 SCHÜLERSPRACHE, SCHULSPRACHE UND UNTERRICHTSSPRACHE
5.2 JUGENDSPRACHE UND SPRACHKOMPETENZ
5.3 JUGENDSPRACHE ALS UNTERRICHTSTHEMA
5.4 JUGENDSPRACHE IM BILDUNGSPLAN
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das linguistische Phänomen der Jugendsprache, hinterfragt kritisch den Vorwurf des Sprachverfalls und analysiert die Rolle jugendsprachlicher Ausdrucksweisen innerhalb des schulischen Bildungskontextes.
- Historische Entwicklung der Jugendsprachforschung
- Linguistische Merkmale auf verschiedenen Sprachebenen (Lexik, Morphologie, Syntax, Phonologie)
- Funktionen der Jugendsprache (Identitätsbildung, Abgrenzung)
- Integration und Behandlung von Jugendsprache im Deutschunterricht
- Vergleich der jugendsprachlichen Entwicklung mit normativen Anforderungen des Bildungsplans
Auszug aus dem Buch
4.2 Morphologische Ebene
Bei der Morphologie wird die Zusammensetzung von Wörtern und Wortbildungen analysiert. Jugendsprachliche Lexik ist kein starres Gebilde, sondern folgt den gängigen Wortbildungsmustern des Deutschen. Komposition, Derivation und Modifikation bilden die Basis für Wortbildungen. Dabei stellt die Komposition das am meisten genutzte Verfahren für jugendliche Wortbildung dar. Die Komposita sind expressiv, wertend oder intensivierend und beschreiben häufig Personengruppen (Gangsterschlampen), Orte (Chillwiese), Abstrakta (Emo-Szene), Übermaß (affengeil) und Vulgärausdrücke (Scheißkerl).
Bei der Derivation werden Basisworte durch Affixe verändert und dadurch die Bedeutung verändert. Suffixe wie –ig oder –mäßig werden an Wörter angehängt: ‚hammer-mäßig‘, ‚chilli ig‘ sind Beispiele hierfür. Eine Sonderform ist die Verwendung von Substantiven als Adjektive: Sie ist ‚spitze‘/‚klasse‘/ ‚hammer‘.
Bei der Modifikation wird ein Basislexem durch Anhängen von Präfixen semantisch verändert, die Wortart bleibt jedoch bestehen. Rum-, an-, ab-, rein-, rum- sind solche Wortteile, die vor jedes Verb platziert werden können: ‚an-labern‘, ‚ab-lästern‘, ‚rum-eiern‘. Intensivpräfixe wie ‚super-‘, ‚ultra-‚ ‚mega-‘ und ‚affen-‘ intensivieren und werten das Basiswort und treten in der Regel nur in Kombination mit anderen Wortteilen auf (vgl. Bahlo et al., 2019, S. 59-60).
Auch Kurzwortbildungen sind in allen Jugendgruppen vertreten, die Apokope stellt die formal einfachste Variante dar, Beispiele hierfür sind ‚Geschi‘ für Geschichte, Disko für Diskothek. Auch Kurznamen werde kreiert wie ‚Ri‘ für die Pop-Sängerin Rihanna und diese weisen auf besondere Intimität und soziale Nähe hin (vgl. Bahlo et al., 2019, S. 60).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Jugendsprache als lebendige Varietät und Vorstellung der zentralen Forschungsfragen zur Bedeutung im Unterricht und dem Vorwurf des Sprachverfalls.
2. BEGRIFFSDEFINITIONEN: Klärung grundlegender linguistischer Begriffe wie Soziolekt, Jugend und Varietät, um eine wissenschaftliche Basis für die Analyse zu schaffen.
3. GESCHICHTE DER DEUTSCHEN JUGENDSPRACHFORSCHUNG: Überblick über die Entwicklung der Forschung vom 16. Jahrhundert bis heute, inklusive der verschiedenen wissenschaftlichen Betrachtungsweisen.
4. FUNKTIONEN UND MERKMALE VON JUGENDSPRACHE: Detaillierte Untersuchung der sprachlichen Eigenschaften auf lexikalischer, morphologischer, semantischer, syntaktischer und phonologischer Ebene sowie deren soziale Funktionen.
5. JUGENDSPRACHE IN SCHULE UND UNTERRICHT: Analyse der Interaktion zwischen Jugendsprache und Unterrichtssprache sowie die Verankerung des Themas in Lehrwerken und Bildungsplänen.
6. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung, dass Jugendsprache ein kreatives Sprachphänomen ist, das hohe Kompetenzen erfordert, und Plädoyer für eine stärkere, didaktisch fundierte Einbindung in den Unterricht.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, Sprachvarietät, Soziolekt, Linguistik, Sprachwandel, Sprachverfall, Bildungsplan, Deutschunterricht, Identitätsbildung, Sprachkompetenz, Wortbildung, Kommunikation, Jugendliche, Sprachforschung, Mehrsprachigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Jugendsprache als eigenständige Sprachvarietät des Deutschen und untersucht ihre linguistischen Merkmale, Funktionen und ihren Platz im Bildungssystem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition des Begriffs, der historischen Forschung, der formalen Sprachanalyse (Lexik, Syntax etc.) und der pädagogischen Relevanz in der Schule.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den öffentlichen Vorwurf des Sprachverfalls durch Jugendsprache wissenschaftlich zu hinterfragen und zu zeigen, dass es sich hierbei um Ausdruck von Kreativität und sozialer Identitätsbildung handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Basis soziolinguistischer Fachliteratur die strukturellen Merkmale der Jugendsprache analysiert und deren Anwendung im Unterricht bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die linguistische Analyse der Sprachebenen (Lexikon bis Phonologie) und die Untersuchung der Rolle von Jugendsprache im schulischen Kontext sowie deren Abbildung in Curricula.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Jugendsprache, Varietät, Identitätsbildung, Sprachkompetenz, Sprachwandel und Bildung.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Schule bei diesem Thema?
Die Autorin stellt fest, dass Jugendsprache in Schulen existiert, aber oft unzureichend in Lehrwerken und didaktischen Konzepten integriert ist, da klare Vorgaben fehlen.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Jugendsprache und dem Bildungsplan?
Ja, der Bildungsplan Baden-Württemberg integriert Jugendsprache innerhalb der "sprachlichen Varietäten" und formuliert Anforderungen für verschiedene Klassenstufen zur bewussten Auseinandersetzung mit Sprachstilen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Jugendsprache. Eine Varietät der deutschen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/585201