Englisch und Spanisch, weltweit die zwei Sprachen mit den meisten muttersprachlichen Sprechern nach dem Chinesischen, üben in unserer Gesellschaft einen großen Einfluß aus. Während der wenig bedeutende spanische Einfluß auf das Englische noch wenig untersucht wurde, gibt es schon seit geraumer Zeit ein reges Interesse an dem Einfluß des Englischen auf das Spanische - und das weitgehend aufgrund kultureller, wirtschaftlicher und technischer Faktoren. Eine der wichtigsten Untersuchungen dieser Art stellt die von Chris Pratt,El anglicismo en el español peninsular contemporáneo(1980), dar, in der er einen Korpus an Anglizismen aus Presse, Fernsehen und Radio zusammengestellt und kategorisiert hat. Diese Arbeit verlangt jedoch, ohne grundsätzlich an Aktualität eingebüßt zu haben, nach einer Erweiterung. Bedenkt man, daß eine Öffnung Spaniens gegenüber dem englischen Sprachraum erst in den späten siebziger, bzw. frühen achtziger Jahren erfolgte, so können in der oben erwähnten Untersuchung, die aus einer sehr frühen Periode dieser Öffnung stammt, nur erste Ansätze behandelt worden sein. Weiters beschränkt sich dieses Standardwerk schon im Titel auf das Gebiet der Iberischen Halbinsel, ohne auf Varietäten aus Lateinamerika und insbesondere des spanischsprachigen Teils der Vereinigten Staaten einzugehen. Gegen Mitte der achtziger Jahre schlug weiters die Geburtsstunde eines neuen, länder-und kontinentübergreifenden Mediums - des World Wide Web (WWW). Da die meisten Neuerungen auf dem Computersektor, ebenso die Idee des WWW, ohnedies aus den USA kommen, setzte sich auch in diesem Bereich Englisch als Sprache der internationalen Kommunikation durch, was wiederum zu einem Anstieg an Anglizismen im Spanischen führte. Abgesehen von teils sehr emotionell geführten Diskussionen und Beiträgen, von denen die meisten im Internet erschienen oder zumindest veröffentlicht sind, lassen gezielte Untersuchungen dieser neuen Anglizismen nach wie vor auf sich warten. Mit der vorliegenden Untersuchung der spanischen Computersprache, im speziellen im Bereich des Internet, will ich einen ersten Schritt in diese Richtung wagen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. VORBEMERKUNGEN
2. EINLEITUNG
3. SPRACHKONTAKT
3.1. BILINGUALISMUS
3.2. DIGLOSSIE
3.3. CODE-SWITCHING
4. ENGLISCH UND SPANISCH IM INTERNET
5. GRÜNDE SPRACHLICHER ENTLEHNUNGEN
5.1. SPRACHLICHE URSACHEN
5.2. AUßERSPRACHLICHE URSACHEN
6. ARTEN SPRACHLICHER ENTLEHNUNGEN
6.1. INNERES LEHNGUT
6.1.1. LEHNÜBERSETZUNG
6.1.2. LEHNÜBERTRAGUNG
6.1.3. LEHNBEDEUTUNG
6.2. ÄUßERES LEHNGUT
6.2.1. GRAPHISCHE EBENE
6.2.2. MORPHOLOGISCHE EBENE
6.2.3. GEBRAUCHSEBENE
7. ENGLISCHER EINFLUß AUF DIE STANDARDSPRACHE
8. EMPIRISCHE STUDIE
8.1. LISTE ENGLISCHER ENTLEHNUNGEN INS SPANISCHE
8.2. ABKÜRZUNGEN
9. SCHLUßFOLGERUNG
10. LITERATURVERZEICHNIS
10.1. ALLGEMEIN
10.2. LARED
10.3. EL PAÍS
10.4. CYBER SPANGLISH LIST
10.5. ON-LINE WÖRTERBÜCHER UND GLOSSARE
11. RESUMEN
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss des Englischen auf die spanische Computersprache, insbesondere im Kontext des Internets, um zu klären, inwieweit das Spanische durch englische Entlehnungen tatsächlich verdrängt wird.
- Analyse des Sprachkontakts zwischen Englisch und Spanisch.
- Untersuchung der Gründe für sprachliche Entlehnungen (sprachliche vs. außersprachliche Faktoren).
- Kategorisierung von Entlehnungsarten wie inneres und äußeres Lehngut.
- Empirische Studie basierend auf dem Internetmagazin LaRed und der Zeitung El País.
- Diskussion über den Stellenwert der Computersprache in der Standardsprache.
Auszug aus dem Buch
3. Sprachkontakt
Man kann mit großer Sicherheit behaupten, daß es auf dieser Welt keine Sprache gibt, die sich in einer solchen Abgeschiedenheit befindet, daß sie nicht dem Kontakt mit anderen benachbarten, oder auch weiter entfernten, ausgesetzt ist. Für Einar Haugen ist es nur eine Frage des Isolationsgrades, ob und wann sich eine neue Sprache entwickelt, oder eine andere aufhört zu existieren. Demnach entwickeln besonders solche Völker neue Sprachen, die sich in unwirtlichen Gegenden niederlassen können, ohne von benachbarten Stämmen gestört oder beeinflußt zu werden. Eine solche Sprachsituation kann gesehen werden als
“[…] process of gradual and unconscious differentiation of language over a period of time [which] is one of the most characteristic features of language […] People who do not communicate with each other simply drift apart.” (Haugen 1969: 105).
Es entstehen eigenständige Sprachen, wenn sich Völker und Kulturen voneinander entfernen und den Kontakt zu Nachbarn abbrechen. Rücken Sprachgruppen jedoch enger zusammen, würde das schlußendlich zur Aufgabe einiger Sprachen zugunsten anderer führen. Auch wenn solche Überlegungen nur hypothetischer Natur sein können, will ich nicht leugnen, daß sich Sprachen in Kontakt gegenseitig beeinflussen – wenn auch nicht unbedingt so drastisch. Das Bild von einer isolierten Sprachgemeinschaft muß jedoch in unserer modernen Welt als veraltet angesehen werden und ich stimme mit Sánchez Macarro ein, die sagt, daß
Zusammenfassung der Kapitel
1. VORBEMERKUNGEN: Hier werden methodische Aspekte der Arbeit, wie die Zitierweise nach Harvard und die Verfügbarkeit der Diplomarbeit, dargelegt.
2. EINLEITUNG: Dieses Kapitel motiviert die Untersuchung des englischen Einflusses auf das Spanische unter Berücksichtigung kultureller, wirtschaftlicher und technischer Faktoren, insbesondere durch das Internet.
3. SPRACHKONTAKT: Es werden die theoretischen Grundlagen des Sprachkontakts, Bilingualismus, Diglossie und Code-Switching erörtert.
4. ENGLISCH UND SPANISCH IM INTERNET: Dieses Kapitel beleuchtet die Bedeutung des Internets als englischsprachige Domäne und analysiert Statistiken zur Internetnutzung in spanischsprachigen Regionen.
5. GRÜNDE SPRACHLICHER ENTLEHNUNGEN: Die Ursachen für Entlehnungen werden in sprachliche und außersprachliche Kategorien unterteilt und psychologische Aspekte wie Snobismus diskutiert.
6. ARTEN SPRACHLICHER ENTLEHNUNGEN: Hier erfolgt eine systematische Einteilung in inneres und äußeres Lehngut mit einer detaillierten Erläuterung der verschiedenen Unterformen.
7. ENGLISCHER EINFLUß AUF DIE STANDARDSPRACHE: Dieses Kapitel diskutiert die Rolle sprachpflegerischer Institutionen und die Reaktionen auf Anglizismen im spanischen Sprachraum.
8. EMPIRISCHE STUDIE: Der Hauptteil der Arbeit präsentiert die Analyse der gesammelten computerspezifischen Entlehnungen aus dem Magazin LaRed und der Zeitung El País.
9. SCHLUßFOLGERUNG: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei das Fazit gezogen wird, dass der englische Einfluss in der Computersprache deutlich geringer ist, als oft in der öffentlichen Diskussion angenommen.
10. LITERATURVERZEICHNIS: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten Quellen, Webseiten und Wörterbücher.
11. RESUMEN: Eine spanischsprachige Zusammenfassung der gesamten Diplomarbeit.
Schlüsselwörter
Sprachkontakt, Anglizismen, Computersprache, Internet, Bilingualismus, Diglossie, Lehnübersetzung, Lehngut, Sprachwandel, Code-Switching, LaRed, El País, Informationstechnologie, Sprachpflege, Spanisch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einfluss des Englischen auf die spanische Computersprache am Beispiel des Internets und untersucht, ob dieser Einfluss eine tatsächliche Bedrohung für das Spanische darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind Sprachkontaktphänomene wie Bilingualismus und Diglossie, die Kategorisierung von Entlehnungsarten sowie die empirische Analyse von Computersprache in spanischsprachigen Medien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die tatsächliche Durchdringung der spanischen Sprache durch Anglizismen im IT-Bereich quantitativ und qualitativ zu bestimmen und die Debatte um die "Verdrängung" des Spanischen kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt einen korpuslinguistischen Ansatz, bei dem er Daten aus dem Internetmagazin LaRed und der Zeitung El País sammelt, diese nach formalen Kriterien (inneres/äußeres Lehngut) kategorisiert und statistisch auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Hintergründe von Entlehnungen, unterteilt diese in verschiedene Kategorien und führt eine umfassende empirische Studie durch, die in einer alphabetischen Liste englischer Entlehnungen mündet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Sprachkontakt, Anglizismen, Internet, Computersprache, Lehnübersetzung, Diglossie und Code-Switching.
Wie bewertet der Autor die "Cyber Spanglish List" von Yolanda Rivas?
Der Autor stellt fest, dass die meisten der in dieser Liste aufgeführten "Spanglish"-Begriffe in seinem professionellen Korpus (LaRed/El País) nicht nachweisbar sind und somit eher auf inoffizielle Konversationen im Süden der USA zurückzuführen sind.
Welches Ergebnis erzielt die Studie bezüglich des Anglizismus-Anteils?
Die Studie zeigt überraschend, dass der Anteil echter Anglizismen (äußeres Lehngut) in den untersuchten fachspezifischen Texten sehr gering ist (zwischen 0,5 % und 1 %), weshalb der Autor die häufige Sorge vor einer Überfremdung des Spanischen für übertrieben hält.
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- Mag. Jens Kettwig (Author), 1998, Der Einfluss des Englischen auf die spanische Computersprache am Beispiel des Internet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58636