Ökologische Probleme des zentralafrikanischen Raumes


Hausarbeit, 2005

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutung und Besonderheit des zentralafrikanischen Regenwaldes

3. Ursachen der Zerstörung des zentralafrikanischen Regenwaldes
3.1 Bushmeat

4. Folgen der Regenwaldzerstörung

5. Naturschutz versus Profitdenken – Status quo und Aussichten
5.1 Möglichkeiten und Schutzmaßnahmen
5.1.1 Demokratische Republik Kongo

6. Fazit

7. Tabellen

8. Karten
8.1 Satellitenbild von Afrika – Vegetationszonen
8.2 Zerstörung des tropischen Regenwaldes von 1940 bis heute

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Sich auf die Brust klopfende Gorillas, Schimpansen, die ohrenbetäubende Laute von sich geben und von Liane zu Liane schwingen, Waldelefanten, die sich ihren Weg durchs saftig grüne Dickicht bahnen, wunderschöne Pflanzen, einzigartige Kleintiere und auch etwas mystisches und die Angst vor dem Unbekannten, prägen unsere romantische Vorstellung vom Urwald. Übermittelt durch Abenteurer, Forscher und nicht zuletzt bildlich durch die Filme „Tarzan“ und „Das Dschungelbuch“. Doch leider sieht die Realität düster aus. Wo sich einst die Tiere des Waldes versammelten, steht heute kein Baum mehr, wo früher Tiere waren, sind sie kaum noch zu finden. Nicht die natürlichen Feinde sind dafür verantwortlich, sondern wir Menschen. Durch Abholzung nehmen wir den Tieren und Pflanzen den nötigen Lebensraum und gierige Wilderer sorgen dafür, dass immer mehr Tiere gejagt, getötet und gegessen werden und deren Einzelteile bei Trophäensammlern die Vitrine oder den Kamin schmücken.

Über die Bedeutung des Regenwaldes, die Ursachen des Wald- und Tiersterbens, die lokalen und globalen Folgen sowie bereits unternommene und noch folgende Schutzmaßnahmen, soll diese Arbeit Aufschluss geben.

2. Bedeutung und Besonderheit des zentralafrikanischen Regenwaldes

Der zentralafrikanische Regenwald, das Kongobecken, erstreckt sich vorwiegend über Kamerun, die Zentralafrikanische Republik, die Demokratische Republik Kongo, Äquatorialguinea, Gabun und die Republik Kongo[1]. Kleine Randflächen sind auch in Uganda, Ruanda, Burundi und selbst noch in Tansania zu finden. Mit einer Fläche von

2,28 Millionen km² ist es nach dem Amazonas das zweitgrößte tropische Urwaldgebiet der Erde[2], wobei allein die Demokratische Republik Kongo am gesamten afrikanischen Regenwald einen Anteil von 1,3 Millionen km² hat[3].

Schon in der Schule lernt man, dass der tropische Regenwald ein sehr komplexes, für das globale Klima wichtiges Ökosystem ist und daher empfindlicher als alle anderen Wälder. Dennoch werden jährlich ca. 90 000 km² allein im Kongobecken zerstört[4]. Die kontinuierliche und zunehmende Abholzung und der dadurch verursachte Waldschwund werden in den Tabellen 1 und 2, deren Ergebnisse zeitlich nur fünf Jahre auseinander liegen, deutlich gemacht.

Der zentralafrikanische Regenwald hat einen hohen und einzigartigen Artenreichtum mit mehr als 10 000 teils sehr seltenen Tierarten[5], von denen es oftmals nur wenige Individuen einer Art pro Flächeneinheit gibt. So sind z. B. Bonobos, Gorillas und Waldelefanten nur hier zu finden. Doch auch die Flora ist mit über 600 Baumarten einzigartig. Am Beispiel der DRK soll der Artenreichtum einmal verdeutlicht werden, denn dort gibt es 409 Säugetierarten, 1086 Vogelarten, 216 Amphibienarten, 280 Reptilien, 48 Schmetterlingsarten, 10 000 Farngewächse (davon 3000 endemisch) und 414 epiphytische Orchideenarten[6]. Trotz allem gibt es bis heute noch unbekannte Pflanzen- und Tierarten, die erforscht werden müssen. Allerdings ist der Regenwald nicht nur Lebensgrundlage für die Tiere und Pflanzen, sondern auch für die dort lebenden Menschen, die sich den Gegebenheiten des Waldes angepasst haben. Sie beziehen von ihm Nüsse, Öle, Rattan, Beeren, Fische, Wild, Honig, Fasern, Süßstoffe, Harze, Arzneien und Trinkwasser[7].

Zu den besonderen Leistungen des Regenwaldes zählt vor allem die Kohlenstoffdioxid-umwandlung, die rund ⅔ beträgt und für das regionale als auch das globale Klima von außerordentlicher Wichtigkeit ist. Weiterhin zählen dazu der Wasserscheideschutz, der Erhalt der Wasserqualität und –versorgung, die Regulierung lokaler Klimaschwankungen, der Schutz vor Bodenerosion sowie die Bereitstellung von Holz und Holzmaterialien[8]. Die Zerstörung des Regenwaldes hat somit weit reichende Folgen.

3. Ursachen der Zerstörung des zentralafrikanischen Regenwaldes

Der Beginn der Ausbeutung und Zerstörung der kostbaren Regenwälder begann nach der Berliner Konferenz 1885. Die Kolonialmächte, allen voran Belgien, erbeuteten alles was Geld brachte, ohne Rücksicht auf Verluste. Im Fall Belgisch-Kongo waren das zunächst Elfenbein und Gummi[10], später kamen dann weitere Rohstoffe, Holz und andere Waldprodukte hinzu. Dass dies der Anfang einer bis heute andauernden Tropenwaldvernichtung sein sollte, hätte damals sicherlich niemand gedacht. In Anbetracht dessen und der gravierenden Geschehnisse in den letzten 40 Jahren, kann man vier Hauptgründe für die Vernichtung oder Dezimierung anführen:[9]

1.) Kommerzielle Holzernte
2.) Umwandlung von Waldflächen in Agrarplantagen
3.) Ausbeutung von Bodenschätzen
4.) Jagd auf Urwaldfleisch („Bushmeat“)

Hauptgründe sind sie aufgrund ihres direkten Einfluss auf den Regenwald, hinzu kommen weitere, globale Ursachen. Da sich die Tropenwälder vorwiegend in Entwicklungsländern befinden, sind sie allgemein gültig für alle Tropenwälder der Erde. Politische und wirtschaftliche Instabilität haben Auswirkungen auf den Regenwald, dazu gehören eine verfehlte Agrarpolitik, die Verelendung der Kleinbauern, unterlassene Landreformen, Massenarmut, Korruption sowie eine hohe Staatsverschuldung und Inflation[11]. Außerdem gibt es ein exponentielles Bevölkerungswachstum in vielen Entwicklungsländern, das den Bedarf an zusätzlicher landwirtschaftlicher Produktionsfläche und weiteren Waldprodukten steigen lässt. Ein in den Industrie- und Entwicklungsländern unterschiedlich ausgeprägtes Problembewusstsein führt dann auch dazu, dass - meist kurzfristige - wirtschaftliche Aspekte/Erfolge dem Naturschutz vorangestellt werden und die verfügbare Zeit zur Problemlösung zu kurz ist. So kommt es, dass man Mineralvorkommen in Waldgebieten schonungslos erschließt, die tropischen Hölzer für den internationalen Handel nutzt und versucht, die Infrastruktur durch Straßen zu verbessern. Diese führen dann quer durch den Wald, machen bisher geschlossene Gebiete zugänglich und ziehen dadurch unkontrollierten Wanderfeldbau, Siedler und Jäger nach sich. Was als Hilfe zum wirtschaftlichen Aufschwung gedacht, entpuppte sich oftmals als arge Fehlinvestition und hinterließ nichts als Schaden. So wurden durch Gesetze, Steuersysteme und ökologisch falsche Projekte Anreize zum Bau von Wasserkraftwerken geschaffen, bei denen es mangels Gefälle zu riesigen Überstauungen kam, zu Anlegungen agroindustrieller Rinderfarmen, Grundstücksspekulationen großen Ausmaßes und Brandrodung. Ein weiterer Grund für den Waldflächenrückgang ist ein wahres Relikt aus der Kolonialzeit: Der Plantagenanbau[12]. Die zunehmende Ausbreitung von Dauerkulturen wie Kaffee, Kakao, Ananas, Banane und Ölpalme erfordert Platz, der durch Abholzung oder Rodung geschaffen wird. Für den bereits genannten Bevölkerungszuwachs und der daraus resultierenden Zuwanderung in den Regenwald, wurden schon einige Gründe genannt. Am meisten sticht dabei das exportorientierte Handeln heraus, welches eng mit den Interessen internationaler Firmen verflochten ist und dazu führt, das Landeigentum in Großgrundbesitz konzentriert wird, die Abholzung zur Tilgung der Schuldenlast dient und demzufolge die nachhaltige Nutzung und Erhaltung hindert. Auch die als „selektive Holznutzung“ gepriesene kommerzielle Abholzung führt nicht zum Erhalt, sondern zur Zerstörung. Unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit werden maximal bis zu drei Bäume pro Hektar geschlagen. Was dabei jedoch nicht gesagt wird, ist das durch die Anlegung von Straßen und Verladeplätzen sowie dem Einsatz von schweren Kettenfahrzeugen zum Transport weitere 70% Schaden im Einschlagsgebiet angerichtet werden, als bei der „normalen“ Abholzung[13]. Dadurch wurden 1990 78% der jährlich in Afrika verschwindenden Regenwaldgebiete vorher holzwirtschaftlich ausgebeutet

und jährlich 600 000 ha unberührter Tropenwald für den Holzschlag erschlossen[14].

Interessant dabei ist, dass die Feuerholzernte 30mal höher als die industrielle Holzproduktion ist (18%), da aufgrund der teuren und seltenen Elektrizität, die nur in Städten üblich ist, die Energie zu 82% durch Holz erzeugt wird[15]. Ein weiterer Aspekt ist der illegale Holzeinschlag. Es wird vermutet, dass jede in Zentralafrika tätige Holzfirma auch illegal einschlägt. Nach Schätzung des WWF waren es im Jahr 2002 in Äquatorialguinea und Kamerun 50% und in Gabun 70%[16].

Bergbauprodukte sind wichtig für die Exporteinnahmen, vor allem in der DRK, wo sie 75-80% betragen. Da sich die Abbaustellen zu fast 100% mit biologisch reichen Gebieten überlappen, ist der Wald immer der Verlierer.

Auf einen der Hauptgründe für die Zerstörung des Tropischen Regenwalds, der Jagd nach dem Urwaldfleisch, wird im folgenden Punkt näher eingegangen.

[...]


[1] siehe Karte 8.1

[2] http://www.regenwald.org/new/presseberichte/presscut_dr.php?show=71 (30.07.2005)

[3] http://www.jungewelt.de/2004/03-16/009.php (30.07.2005)

[4] http://www.regenwald.org/new/presseberichte/presscut_dr.php?show=71 (30.07.2005)

[5] a.a.O.

[6] Global Forest Watch: Wolfire, Deanna M./Brunner, Jake/Sizer, Nigel: Forests and the Democratic

Republic of Congo. Opportunity in a Time of Crisis. Juni 1998

[7] http://www.regenwaldschutz.de/hlz_ze4.shtml (04.08.2005)

[8] World Resources Institut: Minnemeyer, Susan: An Analysis of Access into Central Africa’s

Rainforests. 2002

[9] siehe Karte 8.2

[10] Global Forest Watch: Wolfire, Deanna M./Brunner, Jake/Sizer, Nigel: Forests and the Democratic

Republic of Congo. Opportunity in a Time of Crisis. Juni 1998

[11] Meyer-Peters; Henning: Schutz für den Regenwald. Ursachen der Zerstörung und Konzepte zur

Rettung. Göttingen: Verlag Die Werkstatt, 1990, Seite 6-7

[12] Bollig, Michael; Bünnagel, Doris: Der zentralafrikanische Regenwald. Ökologie, Geschichte,

Gesellschaft, Wirtschaft. Hamburg: Lit Verlag, 1992 (Afrikanische Studien; Band 3), Seite 157

[13] http://www.greenpeace.de/themen/waelder/urwaelder_afrikas/artikel/urwaelder_afrikas/(04.08.2005)

[14] Meyer-Peters; Henning: Schutz für den Regenwald. Ursachen der Zerstörung und Konzepte zur

Rettung. Göttingen: Verlag Die Werkstatt, 1990, Seite 20

[15] http://www.klett-verlag.de/klett-perthes/sixcms/klett-perthes/terra-extra/sixcms/detail.php?id=18133

(30.07.2005)

[16] http://www.regenwald.org/new/presseberichte/presscut_dr.php?show=71 (30.07.2005)

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Ökologische Probleme des zentralafrikanischen Raumes
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Afrikanistik)
Veranstaltung
Seminar: Geschichte Zentralafrikas nach 1900
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V58659
ISBN (eBook)
9783638527934
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Probleme, Raumes, Seminar, Geschichte, Zentralafrikas
Arbeit zitieren
Astrid Gruner (Autor), 2005, Ökologische Probleme des zentralafrikanischen Raumes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58659

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