Der fundamentaltheologische Ansatz von F.D.E. Schleiermacher und R. Bultmann


Seminararbeit, 2006
37 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
1. Vorwort: Ansatzpunkt Mensch
2. Aufbau: Fundamentaltheologie, Ansatz von, Schleiermacher, Bultmann

II. Hauptteil
1. Fundamentaltheologie
1.1 wortwörtlich: Grundlagen der Lehre von Gott & grundlegende Lehre von Gott
1.2 historisch: Neu und doch alt - mehr katholisch als evangelisch
1.3 inhaltlich: Verhältnis Glaube und Vernunft
1.4 systematisch: Dogmatik vor der Dogmatik
1.5 Ergebnis: Apologetik+
2. Ansatz von
2.1 Ansatz: Unvollständigkeit
2.2 Person: Theologie und Biographie
3. Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
3.1 Grundlagen der Lehre
3.1.1 Erkenntnistheorie: Religiöses Bewußtsein als Grundelement der Vernunft
3.1.2 Quellen: Personalinspiration durch das Gottesbewußtsein Jesu
3.1.3 Auslegung: zeitgemäße Formulierung des Gottesbewußtseins Jesu
3.1.4 Wissenschaft: Theologie = Darstellung des christl.-relig. Bewußtseins
3.2 Grundlegende Lehre
3.2.1 Botschaft: Christlich-religiöses Selbstbewußtsein in Joh 1,14
3.2.2 Ziel: Entwickl. rel. Bewußtsein, Theol. = Ausbild. Kirchenleit
4. Rudolf Bultmann
4.1 Grundlagen der Lehre
4.1.1 Erkenntnistheorie: Menschen – Sinnfrage – (Ant-)Wort Gottes
4.1.2 Quellen: Kerygma statt Bibel – die Predigt als das gegenw. Wort G.
4.1.3 Auslegung: „Entmythologisierung“ des antiken Weltbildes
4.1.4 Wissenschaft: Theologie als paradoxe Wissenschaft – Ja und Nein!
4.2 Grundlegende Lehre ...
4.2.1 Botschaft: Kreuz und Auferstehung - für eine eschatolog. Existenz
4.2.2 Ziel: Entscheidung - zu sich selbst!

III. Schluß

Anhang:
- Anlage 1: Fundamentaltheologie – Überblick der historischen Entwicklung
- Anlage 2: Fundamentaltheologie – eine Auswahl neuzeitl. u. moderner Konzeptionen
- Anlage 3: Literaturverzeichnis
- Anlage 4: Endnotenverzeichnis

I. Einleitung

1. Vorwort: Ansatzpunkt Mensch

Der Mensch. Das Ich. Für Bultmanns „existentiale Interpretation“ und für Schleiermachers „Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit“ der gemeinsame Ansatzpunkt. Dies möchte ich in dieser Arbeit aufnehmen: Neben dem Heidegger‘schen „man“ auch das in der Wissenschaft nicht gern gesehene „ich“ sprechen lassen, selbst wenn ich mich damit dem Verdacht der Subjektivität preisgebe.

Beide Theologen haben sich auch mit dem Problem des Verstehens und des Verständlichmachens beschäftigt.

Auch das möchte ich aufnehmen und gleichzeitig der Kritik Wittgensteins an der babylonischen Sprachverwirrung in der Theologie entgegenkommen: wenig Fachausdrücke und kurze Sätze, dafür Übersichtlichkeit, Bilder und Tabellen.

2. Aufbau: Fundamentaltheologie, Ansatz von, Schleiermacher, Bultmann

Zum Thema „Der fundamentaltheologische Ansatz von Schleiermacher und Bultmann“ möchte ich folgende Fragen in dieser Reihenfolge behandeln:

- Was ist Fundamentaltheologie? Was hatte ich mir darunter vorgestellt? Was ist es tatsächlich?
Die Entwicklung des Begriffes Fundamentaltheologie ist nicht abgeschlossen. Ich muß ihn deshalb ausführlicher betrachten und dann eingrenzen.
- Was ist ein fundamentaltheologischer Ansatz? Welche Bedeutung hat es, daß er von jemanden ist?

Ich werde den Begriff Ansatz definieren und - bevor ich mich dann den beiden Theologen zuwende - noch kurz auf den Zusammenhang von Theologie und Biographie eingehen.

- Was haben Schleiermacher und Bultmann für fundamentaltheologische Ansätze?

Nach einer kurzen biographischen Einleitung werde ich ausgewählte Aussagen der beiden Theologen in den Fragenkatalog einordnen. Ich möchte dabei die beiden Theologen möglichst selbst, d.h. in Zitaten sprechen lassen.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede werde ich im Rahmen der Untersuchung von Bultmann abhandeln, weil dann auch der fundamentaltheologische Ansatz Schleiermachers schon bekannt ist.

Randthemen und keine Themen sind:

- Erkenntnistheorie, Objektivität und Subjektivität

werden nur im Rahmen der fundamentaltheologischen Ansätze angerissen, aber nicht ausführlicher behandelt.

- Begriffe

Die anfängliche Unklarheit und anschließende Definition von Begriffen nimmt in dieser Arbeit einigen Raum ein. Was sind eigentlich Begriffe?

Diese Frage muß im Rahmen dieser Arbeit unbeantwortet bleiben.

II. Hauptteil

1. Fundamentaltheologie

1.1 wortwörtlich: Grundlagen der Lehre von Gott & grundlegende Lehre von Gott

Fundamental = grundlegend, Theologie = Lehre von Gott.

Was bedeutet aber der zusammengesetzte Begriff Fundamentaltheologie?

- Ist fundamental nun ein Adjektiv zu Theologie?
- Oder ist Theologie ein Genitiv zu Fundament?

Naheliegend war es für mich zuerst, fundamental adjektivisch zu verstehen. Also: „Fundamentaltheologie“ als grundlegende Lehre von Gott.

Die „theologischen Basics“, Kernaussagen des Glaubens, originelle theologische Ideen ganzer Kirchen oder einzelner TheologInnen.

Eine Lehre innerhalb der Theologie, eine Summe der Dogmatik.

Andererseits wird – wie sich zeigen wird – der Begriff in der theologischen Wissenschaft auch so verstanden: Theologie als Genitiv zum Fundament.

„Fundamentaltheologie“ als Grundlage der Lehre von Gott.

Die „Prolegomena“. Die Dinge, von denen vorher gesprochen werden muß. Die Problemstellungen, die allen Dogmatiken gemeinsam sind.

Eine Lehre zum Außenverhältnis der Theologie. Das Verhältnis zwischen Theologie und der Wissenschaft, insbesondere der Philosophie.

In dieser einfachen grammatikalischen Betrachtung ist die Bandbreite des Begriffs Fundamentaltheologie bereits enthalten.

1.2 historisch: Neu und doch alt - mehr katholisch als evangelisch

Der Begriff Fundamentaltheologie wird - wie auch die Bezeichnung für die gleichnamige wissenschaftliche Disziplin - erst ab dem 19. Jahrhundert und hauptsächlich in der katholischen Theologie verwendet.

Für einen Überblick der historischen Entwicklung: siehe Anlage 1

Die Kirchenväter hatten sich dem Thema Apologetik gewidmet, d.h. die christliche Religion verständlich darzustellen und als (einzige) vernunftgemäß gegenüber den Heiden zu beweisen. Nicht aus Spaß an der Freude - in den Christenverfolgungen des 2. Jahrhunderts wurden sie dazu gezwungen. Denn Christen wurden verfolgt und verklagt. Es spitzte sich sogar soweit zu, daß schon allein die bloße Bezeichnung „Christ“ für die Verhängung der Todesstrafe ausreichte. Sie weigerten sich, dem römischen Kaiser zu opfern und die römischen Götter zu verehren. Damit verstießen sie gegen das geltende römische Recht. Christen mußten sich politisch verteidigen. Außerdem war die Lehre von einer göttlich offenbarten Wahrheit und dem schmählichen Kreuzestod des Gottessohnes für den antiken, philosophisch geprägten Mitmenschen ebenso schwer verstehbar wie die Versammlungen, in denen Standes- und Geschlechterunterschiede keine Rolle zu spielen schienen. Christen mußten sich religiös verteidigen. Die Verteidigung, die Apologie vor Gericht, konnte nur darin bestehen aufzuzeigen, daß die römischen Götter in Wirklichkeit gar keine Götter waren, der christliche Gott hingegen der Wahre und das Christentum vernünftig. Damit war die Verbindung zwischen politischer und religiöser Verteidigung geboren, zwischen Grundlage der Lehre und grundlegenden Lehren. Verbindungsglied in diesem Unternehmen war die antike Philosophie, die sowohl Überlegungen zum Staat und Staatsrecht wie auch metaphysische Gedanken umfaßte.

Das Verhältnis zwischen Theologie und Philosophie, zwischen Glaube und Vernunft, war von Anfang an umstritten. Für Clemens von Alexandria war die Philosophie gottgewollt und ihr vernünftiger Gebrauch heilsam – die christliche Gnosis war geboren. Tertullian dagegen lehnte eine Verbindung von Theologie und Philosophie energisch ab – „was hat Jerusalem mit Athen zu schaffen!“.

Die Philosophie lieferte Schützenhilfe in der Apologetik, v.a. die Philosophien des Sokrates, des Platon und der griechisch-römische Stoa.

Letztere lieferte mit der „logos spermatikos“-Lehre einen Anknüpfungspunkt für Origines und seine christliche Logos-Lehre.

Nach der konstantinischen Wende, der Einführung des Christentums 391 n. Chr. als Staatsreligion im römischen Reich, wurde es ruhiger um die Apologetik und die Theologie allgemein - bis zum Zerfall des römischen Reiches.

Augustinus versuchte gegenüber den Heiden und für die Christen selbst in seinem Werk „de civitate dei" eine Begründung zu geben, warum Gott die Eroberung Roms zulassen konnte.

Mit dem politischen Erstarken des Islams ab dem 8. Jahrhundert kam die Apologetik wieder auf den Plan. Nun gegenüber dem Islam.

Thomas von Aquin verteidigt das Christentum in seinem Werk „summa contra gentiles“ gegenüber dem Islam (und Judentum). Dabei zieht er die Vernunft heran. Er geht methodisch rational vor und argumentiert ohne Schrift und Tradition.

Die Vernunft liefert auch hier als Philosophie Schützenhilfe - trotzdem bleibt das Verhältnis zwischen Theologie und Philosophie umstritten.

Anselm von Canterbury glaubt, damit er versteht („credo ut intelligam“). Er räumt der Vernunft zwar ein, daß sich aus ihr die Inhalte der christlichen Lehre auch ohne der Autoritäten (Bibel, Kirchenväter) entwickeln lassen. Ja er will in seinem Werk „Proslogion“ sogar Gott mit Hilfe der Vernunft beweisen – der ontologische Gottesbeweis ist geboren. Für ihn aber steht zu Beginn der Glaube, der selbst nach rationalem Verstehen drängt („fides quaerens intellectum“).

Für Peter Abaelard hingegen ist nichts zu glauben, wenn es nicht (zuerst) verstanden ist („nihil credendum, nisi prius intellectum“). Daneben weist er in seinem Werk „Sic et non“ auf Widersprüche in der Bibel hin.

Im Zeitalter der Reformation ist das Christentum mit sich selber beschäftigt. Die Anklagen und die Verteidigungen verlaufen innerhalb des Christentums: Welche Konfession ist die wahre Kirche?

Erst ab dem späten 16. und 17. Jahrhundert wenden sich die konfessionellen Theologien in ihrer Apologetik wieder nach außen - gegenüber dem Atheismus.

Schleiermacher spricht in seinem Werk „Reden über die Religion. An die Gebildeten unter ihren Verächtern“ genau diese Zielgruppe an - und appelliert an ihre Vernunft. Für ihn wird die „Philosophische Theologie“ Grundlage der Theologie.

Von Drey nimmt dieses Konzept auf und führt es als „Apologetik + Wissenschaftstheorie“ für die katholische Theologie fort - und gilt in Folge als Begründer der wissenschaftlichen Disziplin Fundamentaltheologie.

Das I. Vaticanum schließt sich an und erklärt das Verhältnis zwischen Theologie und Philosophie für legitim. Denn: Glaube und Vernunft widersprächen sich nie. Die Theologie wurde dauerhaft um einen Teil der Philosophie erweitert.

Folgende Textstelle fasst dies nicht nur bündig zusammen, sondern sie dürfte auch zugleich für die Namensgebung Pate gestanden haben:

„Die richtig gebrauchte Vernunft beweist die Grundlagen des Glaubens [fidei fundamenta] und bildet, vom Glauben erleuchtet, die Wissenschaft von den göttlichen Dingen aus, während der Glaube die Vernunft vom Irrtum befreit, sie vor ihm schützt und ihr vielfache Erkenntnis mitteilt“.

Allerdings wurde die so eingeführte Fundamentaltheologie noch spezifisch gefüllt. Nämlich objektiv und katholisch: Die (objektive) Apologetik wurde geführt in Form von „Beweisen“ - den drei „demonstrationes“: religiosa, christiana, catholica. Dabei wurde besonders die „demonstratio catholica“ betont. Die katholische Kirche als die eine und wahre.

Der evangelischen Theologie wurde folglich dieses Konzept und damit auch der Begriff der Fundamentaltheologie lange Zeit suspekt.

Erst ab dem 20. Jahrhunderts kam auch der Mensch in den Blickpunkt der (subjektiven) Apologetik.

Die brüske Beweisführung der drei demonstrationes an dem Menschen vorbei wurde von M. Blondel nicht nur kritisiert, sondern auch korrigiert - mit seiner Immanenzapologetik. Ein anthropologisches Konzept - ausgehend vom Menschen.

Mit dem II. Vaticanum wurden diese und weitere philosophische Strömungen (z. B. Hermeneutik) sowie der Wert der Philosophie grundsätzlich anerkannt.

Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts konnte sich auch die evangelische Theologie (wieder) mit der Fundamentaltheologie anfreunden - eine lange Zeit der Abstinenz nach Schleiermacher.

1.3 inhaltlich: Verhältnis Glaube und Vernunft

Daß der Begriff Fundamentaltheologie unterschiedlich gefüllt wird, war bereits wortwörtlich wie an der historischen Entwicklung zu sehen. Die Konzeptionen von Fundamentaltheologie sind eine Mischung von grundlegenden Lehren und Grundlagen der Lehre.

Die verschiedenen Konzeptionen von Fundamentaltheologie haben eine weitere gemeinsame Schnittmenge: Die Frage nach dem Verhältnis zwischen Glaube und Vernunft. Diese Frage ist Teil eines umfangreicheren Horizontes: Der Frage nach der Position des Glaubens zwischen Gefühl und Vernunft. Und diese Frage wiederum ist Teil einer universaleren Betrachtung: Der Erkenntnistheorie.

In Anlage 2 gebe ich zur Veranschaulichung einen Überblick von ausgewählten Konzeptionen der Neuzeit und Moderne.

Daß ein Verhältnis zwischen Glaube und Vernunft besteht, ist den Konzeptionen auf allen konfessionellen Seiten gemeinsam.

Und ich wage sogar zu behaupten allen (mono)theistischen Religionen. Denn auch Glaubensaussagen sind vor der Frage nach dem „Warum“ nicht sicher.

Wie das Verhältnis zwischen Glaube und Vernunft aussieht, dies wird unterschiedlich beantwortet.

Es sind alle Positionen möglich zwischen den Polen.

Sowohl auf katholischer wie auf evangelischer Seite gibt es Konzeptionen, die das eine oder andere Extrem mehr betonen.

Die katholische Fundamentaltheologie allgemein setzt den Schwerpunkt auf die vernunftmäßige Begründung der im Glauben anerkannten Offenbarungswahrheit.

Die evangelische Theologie schwankt allgemein zwischen einer Grundlagen- und Methodenlehre (z. B. Joest) und einer religionsphilosophischen Grunddisziplin unter dem Gesichtspunkt einer grundlegenden „Sinnerfahrung“ (Pannenberg).

Die orthodoxen Kirchen hingegen lehnen ein Eingehen auf die Vernunft ab - kein Verhältnis ist auch ein Verhältnis.

In den verschiedenen Konzeptionen besteht ein Dissens über:

- Schwerpunkt (bzw. Ansatzpunkt für die Grundlage der Lehre von Gott)
- Gewichtung (der theologischen Aussagen zur Bestimmung der grundlegenden Lehre von Gott).
- Umfang (allumfassende „Pantheologie“ oder nur Vorwort zur Dogmatik?)

Ein Konsens besteht weitestgehend darin, daß Fundamentaltheologie (wie Theologie allgemein) von gläubigen TheologInnen betrieben werden muß.

Oder wie Tillich es ausdrückt: Als das „was uns unbedingt angeht“.

[...]

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Der fundamentaltheologische Ansatz von F.D.E. Schleiermacher und R. Bultmann
Hochschule
Augustana-Hochschule Neuendettelsau
Veranstaltung
Systematisches Proseminar Fundamentaltheologie
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
37
Katalognummer
V58692
ISBN (eBook)
9783638528214
ISBN (Buch)
9783638680486
Dateigröße
1249 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ansatz, Schleiermacher, Bultmann, Systematisches, Proseminar, Fundamentaltheologie, Apologetik, Philosophie, Glaube, Vernunft, katholisch, evangelisch, Dogmatik, Theologie und Biographie, Wissenschaft, Dialog
Arbeit zitieren
Diplom-Verwaltungswirt (FH) Peter Schmidt (Autor), 2006, Der fundamentaltheologische Ansatz von F.D.E. Schleiermacher und R. Bultmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58692

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