Determinanten grenzüberschreitender Fusionen und Akquisitionen zwischen Deutschland und Frankreich


Diplomarbeit, 2005

85 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Entwicklungen der grenzüberschreitenden Direktinvestitionen
1.2. Gang der Untersuchung und Begriffsabgrenzung

2. Aktueller Literaturstand zu den grenzüberschreitenden F&A
2.1. Theoretische Fundierung
2.1.1. Theorie der Internalisierung
2.1.2. Standortwahltheorien
2.1.3. Theorien über die Fusionen und Akquisitionen
2.2. Empirische Befunde
2.2.1. Determinanten der auswärtigen Direktinvestitionsflüsse der EU- Länder
2.2.2. Determinanten der inwärtigen Direktinvestitionsflüsse in die EU-Länder
2.2.3. Determinanten der F&A-Flüsse

3. Gegebenheiten von Deutschland und Frankreich im Vergleich mit anderen EU- Ländern
3.1. Marktgröße und Marktpotential
3.2. Absolute und komparative Vorteile
3.2.1. Arbeitskosten und Produktivität
3.2.2. Komparative Vorteile
3.3. Gesetzlicher Rahmen
3.3.1. Steuerlicher Rahmen
3.3.2. F&A-spezifische Regelungen
3.4. Sonstige Gegebenheiten
3.4.1. Agglomerationsaktivitäten
3.4.2. Entwicklung der Aktienkursindizien
3.4.3. Kulturelle und sozialpolitische Differenzen

4. Empirische Untersuchung
4.1. Entwicklungen auf dem deutsch-französischen F&A-Markt
4.2. Ökonometrische Untersuchung
4.2.1. Darstellung des Modells
4.2.2. Beschreibung der Variablen
4.2.3. Ablauf der Studie und Ergebnisse
4.3. Auswertung der Ergebnisse und Diskussion

5. Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Bibliographie

Anhangsverzeichnis

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Annahmen der Modelle der neuen Außenhandelstheorie über die

Lokalisierung von multinationalen Unternehmen

Tabelle 2: Einordnung der Theorien über die grenzüberschreitenden F&A

Tabelle 3: Zusammenfassung der Studien über die auswärtigen Direktinvestitionen der europäischen Länder

Tabelle 4: Teilergebnisse der Fixed Effects-Regression für die Direktinvestitionen der OECD Länder in Frankreich

Tabelle 5: Systematisierung der empirischen Studien zu den F&A-Transaktionen.

Tabelle 6: Indikatoren der Marktgröße 9 europäischer Länder, 2000

Tabelle 7: Gehaltsausgaben in sekundären und tertiären Sektoren in europäischen Ländern im Jahr 2000

Tabelle 8: Körperschaftssteuersatz in europäischen Ländern 2000, 2003

Tabelle 9: Beschreibung der Variablen des Regressionsmodells

Tabelle 10: Ergebnisse der Regressionsanalyse für Deutschland und Frankreich

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Entwicklung der grenzüberschreitenden F&A und der ausländischen

Direktinvestitionen, 1987-1999 (in Mrd. Dollars)

Abbildung 2: Klassifizierung der Begriffe zur Beschreibung der ausländischen Direktinvestitionen

Abbildung 3: Paradigma OLI und Formen der Auslandmarktsdurchdringung

Abbildung 4: Umfang der Auslandsproduktion im vertikalen und horizontalen Modell

Abbildung 5: Akquisitionsanreize in Abhängigkeit von Kostenvorteilen der Länder .

Abbildung 6: Zusammensetzung des internationalen Handels nach dem Sektortyp

Abbildung 7: Entwicklung des jährlichen BNP-Wachstums, 1999-2003

Abbildung 8: Entwicklung des Stundenlohns in europäischen Ländern, 1998-2002

Abbildung 9: Anzahl der deutschen und französischen MNU im Zielland, 2001

Abbildung 10: Entwicklung der Aktienkursindizien europäischer Länder 1998-2003...

Abbildung 11: Anzahl von deutschen und französischen Akquisitionen in europäischen Ländern 1998-2003

Abbildung 12: BIP-basierter Attraktivitätsindex in Bezug auf die deutschen und

französischen F&A

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. EINLEITUNG

Wirtschaft ist eine soziale Wissenschaft und im Gegenteil zu den Naturwissenschaften wird ihre Entwicklung durch die Entwicklung wirtschaftssozialer Phänomene bestimmt. Die Außenhandelstheorie ist davon keine Ausnahme. So hat zum Beispiel der Aufstieg des intra-industriellen Handels zur Entstehung der neuen Außenhandelstheorie geführt, die auf die traditionell angenommenen konstanten Skalenerträge und die vollständige Konkurrenz verzichtet. Die zunehmenden ausländischen Direktinvestitionsflüsse liegen ihrerseits der Theorie des multinationalen Unternehmens zu Grunde, die auf weitere Annahmen der traditionellen Außenhandelstheorie verzichten muss.

Die zwei Fusionswellen, die die letzten Jahrzehnte gekennzeichnet haben, stellen ein solches soziales Phänomen dar. Die grenzüberschreitenden Fusionen und Akquisitionen wurden jedoch bis zum heutigen Tag nur selten als untersuchungswürdiger Gegenstand der Außenhandelstheorie angesehen.

Das Ziel dieser Arbeit ist, den Stand der jüngsten Literatur zu den grenzüberschreitenden Fusionen und Akquisitionen zusammenzufassen und die theoretischen Erkenntnisse am Beispiel von zwei europäischen Ländern (Deutschland und Frankreich) empirisch zu überprüfen. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen daher zwei Fragenstellungen: einer- seits die Determinanten, welche die Standortwahl bei den ausländischen Direktinvesti- tionen bestimmen, andererseits die Faktoren, die auf die Form dieser Investitionen Einfluss haben können.

Hingegen ist es nicht das Ziel, irgendeine Art Stellungnahme über die Rentabilität oder die volkswirtschaftliche Vorteilhaftigkeit der F&A-Transaktionen zu äußern. Die Wohlfahrts- effekte, die durch diese Transaktionen hervorgerufen werden, sind daher nicht Gegenstand der Untersuchung.

1.1.Entwicklungen der grenzüberschreitenden Direktinvestitionen

Im Laufe der neunziger Jahre ist der Begriff von Fusionen und Akquisitionen zum unerheblichen Attribut des finanzwirtschaftlichen Lexikons geworden. Die Fusionen und Akquisition spielen eine immer wichtigere Rolle in der binnenwirtschaftlichen Restruk- turierung von Sektoren innerhalb der Industrieländer. Ihre Bedeutung für die Außenwirt schaft soll aber auch nicht unterschätzt werden, denn die grenzüberschreitenden F&A sind

ebenfalls eine Form von ausländischen Direktinvestitionen, die immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Seit Mitte der achtziger Jahre ist in allen OECD-Ländern ein starkes Wachstum der ausländischen Direktinvestitionsflüsse zu verzeichnen. Die Zuflüsse von ausländischen Direktinvestitionen sind von 58 Mrd. $ 1982 bis auf 865 Mrd. $ im Jahr 1999 angestiegen. Die durchschnittliche Wachstumsrate betrug dabei 20 % pro Jahr Anfang der neunziger Jahre und etwa 32 % gegen Ende des letzten Jahrzehnts. Die ausländische Produktion spielt eine bedeutende Rolle in der Zusammensetzung der außenwirtschaftlichen Beziehungen. Zum Beispiel, überstieg im Jahr 1999 der Handel zwischen ausländischen Tochterunternehmen mehr als zweimal die globalen Exporte (vgl. UNCTAD (2000), S. 3).

Die grenzüberschreitenden Fusionen und Akquisitionen weisen einen ähnlichen Verlauf wie die ausländischen Direktinvestitionen auf. Seit 1987 ist ihr Anteil an den gesamten Direktinvestitionsflüssen nie unter die 77 % - Schwelle gesunken (vgl. Abbildung 1, UNCTAD (2000), S. 113).

Abbildung 1: Entwicklung der grenzüberschreitenden F&A und der ausländischen Direktinvestitionen, 1987-1999 (in Mrd. Dollars)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: UNCTAD in Anlehnung an FDI/TNC Datenbank für die grenzüberschreitenden F&A.

Eine Besonderheit von Fusionen-Akquisitionen ist, dass sie in Wellen aufkommen. Die let- zten zwei F&A-Wellen fanden von 1987 bis 1990 und von 1996 bis 2000 statt. Die Anzahl von grenzüberschreitenden Transaktionen ist dabei verhältnismäßig konstant geblieben, und stellte 25 % der gesamten F&A-Transaktionen dar (vgl. Evenett (2003), S. 4) Die letzte F&A-Welle hat sich durch einen wesentlich größeren Maßstab als die erste aus gezeichnet (1.144 Mrd. $ im Jahr 2000 gegen 135 Mrd. $ im Jahr 1990) und wies außerdem folgende Besonderheiten auf:

ƒ -Der Transaktionswert der F&A mit Teilnahme von EU- Ländern ist zwischen 1990 und 2000 von 52% auf 82% der gesamten F&A-Flüsse gestiegen.
ƒ -Zwischen den beiden Fusionswellen haben die horizontalen F&A an Bedeutung gewonnen. So stellten sie 1999 70 % von den grenzüberschreitenden F&A, gegenüber 59 % vor zehn Jahren, dar. Dagegen hat die Popularität von konglomeraten F&A stark abgenommen, von 42 % auf 27 %.
ƒ -Bei der neuen Fusionswelle ist die Anzahl von F&A zwischen den Dienstleistungsunternehmen stark angestiegen (von 30 % auf 60 %), der Anteil von Industrieunternehmen ist dagegen zurückgegangen (vgl. UNCTAD 2000, S. 123).

Anfang des neuen Jahrhunderts hat sich das Ende der zweiten Fusionswelle angekündigt. Schon 2001 ist der Wert der grenzüberschreitenden Fusionen und Akquisitionen um 48 % zurückgegangen. Die nachfolgenden Jahre haben einen weiteren Rückgang der F&A erlebt, bis sie im Jahr 2003 mit 297 Mrd. $ das Niveau von 1997 erreichten. Ein ähnlicher Verlauf wurde bei den ausländischen Direktinvestitionen festgestellt, deren Rückgang jedoch prozentmäßig schwächer ausgefallen ist. Der Anteil der F&A an den Direktinvesti- tionen ist dabei auf 53 % gesunken.

1.2. Gang der Untersuchung und Begriffsabgrenzung

Die Begriffe zur Beschreibung der Direktinvestitionsaktivitäten werden in der Literatur nicht einheitlich benutzt. Um eine Verwirrung zu vermeiden sollte daher eine Begriffsabgrenzung vorgenommen werden.

Unter einem multinationalen Unternehmen (MNU) wird ein Unternehmen verstanden, das in mehr als zwei Ländern nachhaltig mit eigenen Produktionsstätten tätig ist (vgl. Eilenberger (1987), S.1). Mit dieser Definition werden die ausländischen Niederlassungen aus der Analyse herausgehalten, deren alleiniger Zweck die Vermarktung der im Herkunftsland produzierten Erzeugnisse ist.

Unter einer ausländischen Direktinvestition (DI) ist jede Investition zu verstehen, die dem Investor einen bedeutenden Einfluss auf die Führung eines Unternehmens verleiht, das außerhalb seines Landes tätig ist. Die ausländischen Direktinvestitionsflüsse beinhalten die Anfangsinvestition, sowie alle nachfolgenden Kapitalflüsse zwischen dem Mutterunter- nehmen und dem ausländischen Tochterunternehmen, wie Kapitalerhöhungen, reinvestier- te Gewinne und konzerninterne Anleihen (UNCTAD (2001), S. 267). Eine ausländische Direktinvestition ist daher ein Prozess, der zur Entstehung bzw. Entwicklung des MNU führt. Die Begriffe MNU und DI werden im Weiteren synonym verwendet.

Es wird generell zwischen zwei Hauptformen von ausländischen Direktinvestition unterschieden: die sogenannte Investition „greenfield“1 und eine Unternehmensübernahme oder die grenzüberschreitende Fusion-Akquisition2. Im ersten Fall werden die unternehmensspezifischen Kapazitäten neu geschöpft, im zweiten werden die bereits existierenden Kapazitäten von einem inländischen Besitzer an einen ausländischen überführt.

Von einer grenzüberschreitenden Fusion wird gesprochen, wenn das Kapital und die Aktivitäten zweier Unternehmen aus zwei verschiedenen Ländern zusammengeführt wer- den, mit dem Zweck eine neue rechtliche Einheit zu bilden (vgl. UNCTAD (2001), S. 99).

Unter der grenzüberschreitenden Akquisition wird der Erwerb des unmittelbaren oder mittelbaren bedeutenden Einflusses auf ein ausländisches Unternehmen verstanden, wobei das letzte zu einem Tochterunternehmen des Käufers wird. Unter dem Begriff Fusion- Akquisition wird häufig in der Literatur grundsätzlich eine Akquisition verstanden (vgl. UNCTAD (2001), S. 99). In der vorliegenden Arbeit werden des Weiteren die Begriffe „Fusion-Akquisition“, „Akquisition“ und „Unternehmensübernahme“ als Synonyme ver- wendet.

Ein bedeutender Einfluss bei einer Akquisition wird dann unterstellt, wenn eine 10-prozen- tige Beteiligung am Kapital der übernommenen Firma gegeben ist. Weiterhin wird zwischen einer vollen Akquisition (100 % Beteiligung), einer majoritären Akquisition (50 bis 99 %) und einer minoritären Akquisition (10 bis 49 %) unterschieden (vgl. UNCTAD 2000, s. 99). Da bei den minoritären Akquisitionen nicht unbedingt außenwirtschaftliche Ziele verfolgt werden, wird in dieser Arbeit grundsätzlich auf die Untersuchung von vollen und majoritären Akquisitionen beschränkt.

In der Abbildung 2 werden die oben aufgeführten Begriffe zusammengefasst. Im Schatten-

bereich befinden sich die Formen der DI, die den Gegenstand dieser Arbeit darstellen.

Abbildung 2: Klassifizierung der Begriffe zur Beschreibung der ausländischen Direktinvestitionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

Der Gang der Untersuchung enthält folgende Schritte. Im Teil 2 werden die gegenwärtigen Theorien über die Entstehung von multinationalen Unternehmen, die Standortwahl bei den ausländischen Direktinvestitionen im Allgemeinen und den Fusionen und Akquisitionen im Einzelnen dargestellt. Daraufhin werden die empirischen Studien zur Überprüfung dieser Theorien zusammengefasst, wobei eine besondere Aufmerksamkeit den Studien über die deutschen und französischen auswärtigen Direktinvestitionsflüsse geschenkt wird. Im Teil 3 dieser Arbeit werden die markt- und sozialpolitischen Eigenschaften von Deut- schland und Frankreich, die auf das Direktinvestitionsmuster Einfluss haben können, mit denen der anderen europäischen Ländern verglichen. Im Teil 4 wird anhand einer ökono- metrischen Untersuchung überprüft, inwieweit die im Teil 2 gewonnenen Erkenntnisse die F&A-Aktivitäten von Deutschland und Frankreich erklären können und ob sich das Direkt- investitionsverhalten dieser zwei Länder untereinander unterscheidet. Im Teil 5 werden die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst und Vorschläge für die zukünftige For- schung im Bereich der grenzüberschreitenden Fusionen-Akquisitionen formuliert.

2. AKTUELLER LITERATURSTAND ZU DEN GRENZÜBER- SCHREITENDEN F&A

2.1.Theoretische Fundierung

In der traditionellen Außenhandelstheorie wird die Zusammensetzung des internationalen Handels durch absolute bzw. komparative Vorteile der Länder bestimmt. Wenn die Fakto- ren vollständig mobil sind, kann das Gleichgewicht mit dem Faktorpreisausgleich durch die Faktorbewegungen erreicht werden. Die reichlich vorhandenen Produktionsfaktoren eines Landes wandern in ein Land, wo sie knapp und daher relativ besser entlohnt sind. Die ausländischen Direktinvestitionen und der internationale Handel sind dabei perfekte Substituten. Mit den Kapitalbewegungen nimmt der internationale Handel entsprechend ab, bis es im Gleichgewicht mit Faktorausstattungsausgleich keinen internationalen Handel mehr gibt (vgl. Markusen (1983), S. 341).

Die traditionelle Handelstheorie kann jedoch weder die Existenz von multinationalen Unternehmen mit den Produktionsstätten in verschiedenen Ländern, noch die gegenseitigen Direktinvestitionsflüsse zwischen Ländern mit ähnlichen Faktorausstattungen erklären (vgl. Helpman (1985), S. 4). Um diesen Unzulänglichkeiten nachzukommen, mussten grundsätzliche Annahmen der traditionellen Außenhandelstheorie, wie die Abwesenheit von Transaktionskosten, der vollständige Wettbewerb und die konstanten Skalenerträge, aufgegeben werden. Die im Folgenden dargelegten Theorien unterscheiden sich durch die jeweils aufgegebenen Annahmen der traditionellen Theorie.

2.1.1. Theorie der Internalisierung

Die ersten Ansätze zur Erklärung der multinationalen Unternehmen nehmen ihren Ur- sprung aus der Arbeit von Coase3. Coase (1988) untersucht die Gründe für die Entstehung eines Unternehmens, das den Preismechanismus, der für die Ressourcenallokation sorgen soll, durch Hierarchie ersetzt (vgl. Coase (1998), S. 37). Seine Erklärung dafür ist, dass die Nutzung von Preismechanismen mit Transaktionskosten verbunden wird. Das Ziel einer Firma ist daher, diese Transaktionen innerhalb einer Organisation zu verinnerlichen. Die Transaktionskosten, die durch die Organisation vermieden werden sollen, können durch mehrere Faktoren verursacht werden, so die Unsicherheiten, staatliche Intervention in Form von Steuern, Verhandlungskosten, Transportkosten und die Kosten der Informations suche (vgl. Coase (1937), S. 41).

Aus diesen Überlegungen ist eine Theorie der Internalisierung entstanden. Nach dieser Theorie kann abgeleitet werden, dass ein multinationales Unternehmen immer dann ent- steht, wenn die zu internalisierenden Märkte internationale Märkte sind. Die hohen Tran- saktionskosten können daher ein Unternehmen dazu veranlassen, die internationalen Märk- te eher durch eigene Produktion mit Hilfe ausländischer Filialen zu bedienen, als diese an andere Marktakteure, z. B. in Form von Lizenzen anzuvertrauen (vgl. Mucchielli (1998), S.222ff.).

Die Internalisierungsvorteile reichen jedoch nicht aus, um eine Produktionseinheit im Aus- land niederzulassen, da ausländische Märkte auch durch Exporte durchdrungen werden können. In seinem Paradigma OLI behauptet Dunning (1993), dass für die Entstehung eines multinationalen Unternehmens die Verbindung von drei Arten von Vorteilen notwen- dig ist:

ƒ -Firmenspezifische Vorteile (Ownership advantages) wie Marktstruktur, firmenspezifische Technologie, Markennamen.
ƒ -Standortvorteile (Location advantages) wie die Größe des ausländischen Marktes, niedrige Transport- und Kommunikationskosten, staatliche Politik. ƒ -Internalisierungsvorteile (Internalization advantages) wie Transaktionskosten, die durch die Produktion im Ausland gespart werden können (vgl. Dunning (1993), S.153).

Wenn nur die firmenspezifischen und Internalisierungsvorteile bestehen, wird für die Marktbedienung durch Exporte entschieden. Wenn dagegen zu diesen zwei Vorteilen der Standortvorteil hinzu addiert wird, lohnt es sich, eine Produktionsstätte im Ausland aufzumachen (vgl. Abbildung 3).

Abbildung 3: Paradigma OLI und Formen der Auslandmarktsdurchdringung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Dunning (1993), S. 160.

2.1.2. Standortwahltheorien

Zur Erklärung der Standortentscheidungen von Unternhemen sind in den letzten Jahrzehn- ten zwei theoretische Richtungen entstanden: die „neue Handelstheorie“, die die Ent- stehung und das Lokalisierungsmuster von multinationalen Unternehmen untersucht, und die „ökonomische Geographie“, die sich mit den Delokalisierungen und Agglomerations- aktivitäten beschäftigt.

™ Neue Außenhandelstheorie

Die Allgemeingleichgewichtsmodelle der neuen Außenhandelstheorie über die ausländischen Direktinvestitionen lassen sich nach drei Typen klassifizieren:

ƒ -„Vertikales“ Modell (Helpman (1984), Helpman und Krugmann (1985)).
ƒ -„Horizontales“ Modell (Horstmann&Markusen (1992), Markusen&Venables (1997)).
ƒ -„Knowledge-Kapital“- Modell (Markusen (1997), Brainard (1993)).

Die Annahmen der drei Modelltypen werden in der Tabelle 1 zusammengefasst.

Tabelle 1: Annahmen der Modelle der neuen Außenhandelstheorie über die Lokalisierung von multinationalen Unternehmen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach Markusen (1999), S.3-4.

Das vertikale Modell von Helpman (1984) erklärt die Entstehung von multinationalen Un ternehmen durch die Faktorpreisunterschiede zwischen den Ländern. Helpman (1984) berücksichtigt absichtlich keine Handelskosten, um die Vermeidung von Handelsbarrieren als Motivation für die ausländischen Direktinvestitionen aus der Analyse herauszuhalten (vgl. Helpman (1984), S.452). Die Annahme des mobilen Inputs „Wissen“, der durch „Headquarters“ produziert wird, erlaubt es, die Produktion nach Phasen zu trennen: die kapitalintensiven „Headquarter“-Dienstleistungen und die arbeitsintensive Produktion. Folglich entstehen die multinationalen Unternehmen dadurch, dass die „Headquarter“- Dienstleistungen im kapitalreichen und die Produktion im arbeitsreichen Land niedergelas- sen werden (vgl. Helpman (1985), S.233).

Im Modell von Helpman (1984) stellen unterschiedliche Faktorentlohnungen die notwen- dige Bedingung für die Entstehung von multinationalen Unternehmen dar. Die Faktorpreis- unterschiede zwischen den Ländern werden aber durch den internationalen Handel erst dann nicht beseitigt, wenn die Länder sehr ungleichmäßig mit Faktoren ausgestattet sind4 (vgl. Helpman (1985), S.232). Das Ausmaß der internationalen Produktion hängt seinerseits von den relativen Ländergrößen ab. Ist das kapitalreiche Land groß, wird darin neben den „Headquarter“-Dienstleistungen auch ein Teil der Produktion niedergelassen. Wenn das kapitalreiche Land relativ klein ist, wird die ganze Produktion des multinationalen Unternehmens im arbeitsintensiven Land mit niedrigen Arbeitskosten stattfinden und die fertigen Erzeugnisse in ein kleines kapitalreiches Land „zurück“-expor- tiert (vgl. Helpman (1984), S. 463).

Das horizontale Modell von Markusen&Venables (1997), im Gegensatz zu den Arbeiten von Helpman (1984) und Helpman&Krugman (1985), erklärt die Entstehung von multina- tionalen Unternehmen zwischen den Ländern, die in ihren Faktorausstattungen und Größen sehr ähnlich sind. Dabei revidiert Markusen (2001) folgende Annahmen von Helpman (1984):

ƒ -Abwesenheit von Transportkosten. Nach der Ansicht von Markusen (2001) ist die Rolle der Transportkosten für die Investitionsentscheidungen entscheidend und empirisch nachgewiesen.
-ƒ Mobilität von „Wissen“. Laut Markusen (2001) ist der Inputfaktor „Wissen“, der durch „Headquarters“ produziert wird, immobil.
ƒ- Wesen von steigenden Skalenerträgen. Markusen (2001) unterstellt, dass die steigenden Skalenerträge sowohl auf Firmen-, als auch auf der Produktionsstättenebene entstehen können (vgl. Markusen (2001), S.5ff.).

Als Folge von Immobilität des Inputs „Wissen“, kann die Produktion nicht nach Produk- tionsstufen in verschiedenen Ländern aufgeteilt werden. In jedem Land, wo die „Head- quarters“ eines Unternehmens niedergelassen werden, muss daher auch die Produktion stattfinden. Betrachtet wird zuerst eine Situation in der zwei Länder eine sehr unterschied- liche Größe aufweisen. Aufgrund von steigenden Skalenerträgen wird ein Unternehmen, das eine Produktionsstätte im kleinen Zielland aufrichtet, gegenüber einem Unternehmen, das im großen Heimatland die steigenden Skalenerträge ausnutzt und seine Produktion ins Zielland exportiert, benachteiligt. Es sei nun vorgestellt, dass die zwei Länder zwar eine ähnliche Größe haben, jedoch unterschiedlich mit Produktionsfaktoren ausgestattet sind. Da die qualifizierte Arbeit mit der gleichen Intensität in die „Headquarter“-Dienstleistun- gen sowie in die Produktion hineinfließt, wird ein Unternehmen, das eine Produktionsstätte in einem mit der qualifizierten Arbeit armen Land aufgebaut hat, gegenüber dem Unter- nehmen, das in dem mit der qualifizierten Arbeit reichen Land produziert, benachteiligt, da es mit höheren Arbeitskosten rechnen muss (vgl. Markusen (2001), S.7).

Die ausländische Produktion ist daher dann am vorteilhaftesten, wenn zwei Länder ähnliche Größen und Faktorausstattungen aufweisen. Die Anwesenheit von Transportkos- ten ist für dieses Ergebnis unabdingbar, da andernfalls die beiden Firmen sich jeweils im Heimatland niederlassen und ihre Produktion ins Ausland exportieren würden, um die stei- genden Skalenerträge auf der Produktionsstättenebene maximal auszunutzen (vgl. Mar- kusen (2001), S.8).

In der Abbildung 4 wird das Ausmaß der bilateralen Direktinvestitionsflüsse, bemessen an der ausländischen Produktion, im Zusammenhang mit den Faktorausstattungen und Län- dergrößen abgebildet. Die untere Fläche stellt eine Edgeworth-Box dar, wo die untere linke Ecke (SW) den Faktorausstattungsursprung des ersten Landes und die obere rechte Ecke (NE) den Faktorausstattungsursprung des zweiten Landes darstellt.

Der Abbildung 4 kann entnommen werden, dass der Umfang der ausländischen Produktion im horizontalen Modell dann am höchsten ist, wenn die Länder ähnliche Größen und Fak torausstattungen aufweisen. Die ausländische Produktion entlang des SW-NE-Diagonals hat dabei einen invertierten U-förmigen Verlauf (vgl. Abbildung 4, rechts).

Abbildung 4: Umfang der Auslandsproduktion im vertikalen und horizontalen Modell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Markusen (1999), S. 22.

Im vertikalen Modell finden zwischen den Ländern mit ähnlichen Faktorausstattungen (entlang des SW-NE-Diagonals) keine ausländischen Direktinvestitionen statt (vgl. Abbildung 4, links). Entlang des NW-SE-Diagonals hingegen hat die ausländische Produk- tion im vertikalen Modell einen U-förmigen Verlauf: sie steigt mit dem zunehmenden Unterschied in den Faktorausstattungen beider Länder. Dabei haben die ausländischen Direktinvestitionsflüsse zwischen den Ländern mit unterschiedlichen Faktorausstattungen einen ausschließlich unilateralen Charakter, wobei das kapitalreiche bzw. das mit der qua- lifizierten Arbeit reiche Land als Investor und das arbeitsreiche Land als Empfänger der ausländischen DI auftritt. Die einzige Überreinstimmung zwischen dem vertikalen und horizontalen Modell besteht lediglich in der Feststellung, dass zwischen den Ländern von sehr unterschiedlichen Größen keine ausländischen Direktinvestitionen entstehen.

Ein Verbindungsglied zwischen dem vertikalen und horizontalen Modell stellt das „Know- ledge-Kapital“-Modell5 dar (vgl. Markusen (1997), Brainard (1993)). Dieses Modell wird ebenfalls unter dem Namen „Nähe-Konzentration-Trade-Off“ bekannt (vgl. (Brainard (1993)). Das „Knowledge-Kapital“-Modell nimmt die Annahmen des mobilen „Wissens“ und der unterschiedlichen Faktorintensitäten der Inputs- und Endproduktion wieder auf. Die unterschiedlichen Faktorintensitäten erlauben, dass die Faktorpreisunterschiede zwi- schen den Ländern ausgenutzt werden, indem die Produktion von „Wissen“ im mit der qualifizierten Arbeit reichen Land und die Endproduktion in dem mit der unqualifizierten Arbeit reichen Land niedergelassen werden. Das mobile Input „Wissen“ kann dann sowohl durch die Produktionsstätte im Inland als auch im Ausland benutzt werden.

Der Unterschied zum vertikalen Modell von Helpman (1984) besteht darin, dass die Faktorausstattungsunterschiede keine notwendige Bedingung für die Entstehung von aus- ländischen Direktinvestitionen darstellen. Bei einer Standortentscheidung spielt neben den Faktorpreisunterschieden auch der Unterschied zwischen den firmen- und den produktions- stättenspezifischen steigenden Skalenerträgen eine Rolle. Sind die firmenspezifischen Ska- lenerträge verhältnismäßig hoch, so wird ein multinationales Unternehmen mit zwei Pro- duktionsstätten (im In- und Ausland) entstehen. Der Nähe-Vorteil überwiegt in diesem Fall den Konzentrationsvorteil. Im umgekehrten Fall hat das Unternehmen eine Produktions- stätte im Inland und exportiert seine Produktion ins Ausland (vgl. Brainard (1993), S. 39).

In der Arbeit von Brainard (1993) ist weiterhin eine Präzision hinsichtlich des Begriffs „Handelskosten“ zu finden, die über die Grenzen der traditionell angenommenen tarifären Handelshemmnisse und Transportkosten hinausgeht. So können die Handelskosten ebenfalls durch solche Vorteile kundennaher Produktion, wie die gezielten Marketingstrategien und ein besserer Kundenservice gesenkt werden (vgl. Brainard (1993), S.4).

™ Ökonomische Geographie

Die ökonomische Geographie untersucht das Lokalisierungsmuster von Unternehmensaktivitäten in Abhängigkeit von der Höhe der steigenden Skalenerträge, Transportkosten und Marktgröße. Die unterstellte Wettbewerbsform ist ein monopolistischer Wettbewerb. Weiterhin wird im Gegensatz zu der neuen Handelstheorie die Mobilität der Arbeitsfaktoren im Industriesektor unterstellt.

Bereits 1920 hat Marschall6 festgestellt, dass die Lokalisierung von Unternehmen über die Jahre hinweg durch eine Konzentrationstendenz gekennzeichnet wird (vgl. Marschall (1994), S. 225). Der Autor weist darauf hin, dass die Konzentrationserscheinungen durch drei Phänomene entstehen:

ƒ -Existenz eines Marktes von spezialisierten Arbeitskräften ƒ -Existenz der nicht-handelbaren kostengünstigen Inputs ƒ -Technologische „Spill-Overs“

Krugman (1991) demonstriert, wie bei steigenden Skalenerträgen und einer Unsicherheit über den Bedarf an Arbeitnehmern, die Unternehmen und Arbeitskräfte von einer geographischen Konzentration profitieren können. Weiterhin ruft das Zusammenführen von Unternehmen eine Konzentration der Lieferanten hervor und umgekehrt. Schließlich fördert eine Lokalisierung in der Nähe von anderen Firmen den Informationsfluss zwischen den Unternehmen, obwohl dies keinen entscheidenden Grund für die Konzentration darstellen soll (vgl. Krugman (1991), S.35-54).

Im Core-Periphery Modell von Krugman wird der Konzentrationsprozess durch zwei zentripetale Kräfte verstärkt: der Wunsch der Unternehmen sich neben einem großen Markt (Core) niederzulassen und der Wunsch der Arbeiter von einem diversifizierten Güterangebot zu profitieren. Eine zentrifugale Kraft, die gegen die Konzentration wirkt, ist der Wunsch der Unternehmen, auch in der agrarwirtschaftlichen Peripherie seine Produktion abzusetzen (vgl. Krugman (1991), S.105).

Das Ausmaß an Konzentration wird also dann am höchsten, wenn die Transportkosten niedrig sind und die Skalenerträge sowie der Teil des Einkommens, der für die Industriegü- ter aufgewandt wird, hoch (vgl. Krugmann (1991), S. 85-86). Die Agglomeration stellt da- bei ab einem kritischen Wert der Handelsliberalisierung einen selbstverstärkenden monoto- nen Prozess dar.

Das Modell von Krugman geht jedoch nicht explizit auf die Lokalisierungsentscheidungen zwischen den Ländern ein. Nach Krugman stellt ein Land deswegen keine Agglomera- tionseinheit dar, weil diese Einheit genügend klein sein muss, damit die Arbeiter Arbeits- plätze wechseln können, ohne den Wohnsitz zu wechseln, die nichthandelbaren Inputfakto- ren zu den Abnehmern transportiert, und die Informationen frei ausgetauscht werden können (vgl. Krugman (1991), S.70). Die Ländergrenzen haben also nur dann Bedeutung, wenn die Transportkosten durch staatliche Handelsbarrieren künstlich erhöht werden. Mit dem Wegfall dieser Barrieren, wie es bei der europäischen Integration der Fall ist, würden die Agglomerationsaktivitäten einer Gebiets- statt Länderlogik folgen7. Das Gebiet mit dem höchsten „home market effect“ muss dabei nicht unbedingt innerhalb eines großen Landes liegen (vgl. Krugman (1991), S.84). Ausgehend von der ökonomischen Geographie, soll der Wegfall der Handelsbarrieren zu einer Konzentration der Produktion des Sektors mit steigenden Skalenerträgen im Zentrum der europäischen Handelszone führen. Die Produktion des traditionellen Sektors wird da gegen in die Peripherie verlegt. Dieser Agglomerationsprozess soll eine Verschärfung der Unterschiede zwischen den Ländern der Europäischen Union nach sich ziehen (vgl. Krugmann (1991), S. 96).

2.1.3. Theorien über die Fusionen und Akquisitionen

Zwei klassische Begründungen für die Entstehung von Fusionen und Akquisitionen sind Erhöhung der Marktmacht und die Effizienzsteigerung durch Synergieeffekte.

Einerseits führt eine F&A-Transaktion, im Gegensatz zu der Einrichtung einer neuen Produktionseinheit im Ausland, zu einer Minderung der Wettbewerbsintensität im gegebenen Wirtschaftssektor. So kann eine Fusion durch strategische Überlegungen motiviert werden, da nach der Absorption eines Unternehmens der Gewinn aller verbleibenden Unternehmen steigt (vgl. Bühner (1991), S. 12).

Andererseits kann eine Unternehmensübernahme durch die Synergieeffekten zwischen den Wettbewerbsvorteilen des Käufers und diesen des Zielunternehmens begründet werden. So kann die Wettbewerbsfähigkeit durch einen Technologietransfer, die Ausnutzung des Marketing-„know-hows“ ebenso wie Synergieeffekte in der Unternehmensverwaltung, erhöht werden (vgl. Jansen (2000), S.64).

Diese Ansätze, obwohl sie heute noch relevant sind, reichen jedoch nicht aus, um die grenzüberschreitenden Fusionen-Akquisitionen und die Entstehung von Fusionswellen zu erklären (vgl. Gugler (2004), S.3).

™ Literatur über die Fusionen und Akquisitionen im Allgemeinen

In der finanzökonomischen Literatur über die F&A-Transaktionen, die mittlerweile ent- standen ist, sind unter Anderem folgende Begründungen für die Fusionswellen zu finden:

ƒ- Hypothese der industriellen Schocks8. Durch die Erfindung eines neuen technologischen Prozesses wird die Anforderung auf die minimale Unternehmensgröße erhöht. Dieser Anforderung wird dann durch die massiven F&A-Transaktionen nachgekommen (vgl. Mitchell&Mulherin (1996)).
ƒ- Q-Theorie der Fusionen. F&A stellt eine Form der realen Investition dar, auf die die Tobins Q-Theorie der Investitionen angewandt werden kann. Laut dieser Theorie bedeutet ein Tobins Q, das größer als Eins ist , dass die Erträge aus den Firmenassets die Kapitalkosten übersteigen und es daher profitabel sein kann in die neuen Anlagen zu in- vestieren. Generell wird festgestellt, dass die übernehmenden Firmen ein höheres Q aufweisen, als die übernommenen, wobei Q durch das Verhältnis zwischen dem Markt- wert und dem Buchwert eines Unternehmens approximiert werden kann (vgl. Jovanovic& Rousseau (2002), S. 6).

Gonzalez (1998) überträgt die auf Tobins Q basierte Theorie der Fusionen und Akquisitio- nen auf die grenzüberschreitenden F&A-Transaktionen. So erklärt der Autor diese Aktivitäten dadurch, dass die überbewerteten inländischen Unternehmen im Rahmen ihrer Wachstumsstrategien nach den unterbewerteten Unternehmen im Ausland suchen (vgl. Gonzalez (1998), S. 25).

™ Literatur über die grenzüberschreitenden Fusionen und Akquisitionen

Die außenhandelstheoretische Literatur, die die grenzüberschreitenden Fusionen und Akquisitionen als selbständiges Phänomen und nicht nur als eine Sonderform der ausländi- schen Direktinvestitionen behandelt, befindet sich immer noch im Entwicklungsstadium.

Ein Versuch grenzüberschreitende Fusionen und Akquisitionen im Allgemeingleichgewichtsmodell zu analysieren wird in der Arbeit von Neary (2004) vorgenommen. Dabei wird im Partialmodell ein Cournot-Oligopol mit wenigen Firmen unterstellt, deren Kostenstruktur ähnlich für die Firmen eines Landes und unterschiedlich zwischen den Ländern ist. Das Totalmodell wird als Kontinuum an oligopolistischen Sektoren vorgestellt, wobei zwei Länder von ähnlicher Größe und Faktorausstattungen Technologievorsprünge gegenüber einander in jeweils unterschiedlichen Sektoren aufwiesen. Die Bedingungen des partiellen Gleichgewichts für die Entstehung von F&A sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In den Ungleichungen steht c (c*) für inländische (ausländische) Kosten; a’ für den Axen- schnitt der Weltnachfragefunktion und n (n*) für die Anzahl der in- bzw. ausländischen Firmen. Die erste Ungleichung stellt eine notwendige Bedingung für die Existenz von in ländischen Firmen dar, die aus der Bedingung der Gewinnmaximierung im internationalen

Oligopol abgeleitet wird. Die zweite Ungleichung enthält die Rentabilitätsbedingung für die Übernahme einer inländischen Firma durch eine ausländische Firma. Diese Bedingung erfordert, dass der Gewinn des übernehmenden Unternehmens nach der Fusion die Summe seines Gewinns und des Gewinns des Zielunternehmens vor der Fusion übersteigt (vgl. Neary (2004), S.30ff.). Der Gewinn des Zielunternehmens vor der Fusion könnte daher als Unternehmenskaufpreis interpretiert werden.

Anhand dieser Ungleichungen kann ein Zusammenhang zwischen den Produktionskosten der Länder und dem Akquisitionsanreiz abgeleitet werden (vgl. Neary(2004), S.6-10).

Abbildung 5: Akquisitionsanreize in Abhängigkeit von Kostenvorteilen der Länder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Neary (2004), S. 41.

In der Abbildung 5 finden in den Bereichen mit sehr unterschiedlichen Kosten der Länder (F und H) keine Akquisitionen statt, da dabei nur aus- bzw. inländische Firmen im gege- benen Sektor tätig sind. Im Bereich mit sehr ähnlichen Kosten (HF) kommt es ebenfalls zu keinen F&A, da die Rentabilitätsbedingung für eine Fusion nicht erfüllt werden kann. Wenn in der Ausgangssituation die relativen Kosten sich in einem der Fusionsbereiche be- finden, kommt es zu einer grenzüberschreitenden Akquisition. Durch eine solche Akquisi tion geht die Anzahl von inländischen Firmen zurück, der Koeffizient ξ erhöht sich, so dass es für die restlichen Firmen noch mehr Anreize für die grenzüberschreitenden Fusio- nen gibt. Auf diese Weise können die selbstverstärkenden Fusionswellen über die Grenzen hinweg entstehen. Weiterhin merkt der Autor an, dass es selbst im Bereich mit ähnlichen Kosten (HF) zu einer Akquisitionswelle kommen kann, wenn die erste (nichtprofitable) Akquisition stattgefunden hätte (vgl. Neary (2004), S.12).

So werden im Modell von Neary (2004) das Ausmaß und die Richtung der grenzüberschreitenden Fusionen und Akquisitionen durch die komparativen Technologievorteile der Länder bestimmt (vgl. Neary (2004), S.40). Dabei treten die grenzüberschreitenden F&A, ebenso wie im horizontalen Modell von Markusen (1997) (vgl. Abschnitt 2.1.2.), als Exportsubstituten auf, da sie in die gleiche Richtung wie die Exporte getätigt werden.9 An Stelle der steigenden Skalenerträge im horizontalen DI-Modell von Markusen (1997), spielt im F&A-Modell von Neary (2004) die Erhöhung der Marktmacht, selbst bei geringen Kostenunterschieden, die investitionsfördernde Rolle.

Die oben aufgeführte Studie weist zwar darauf hin, dass bei einer Akquisition ein Kauf- preis bezahlt werden muss, der den entgangenen Gewinn des Zielunternehmens übersteigt, doch wurde darin kein F&A-Markt mit einer Räumungsbedingung modelliert. Das Beste- hen eines Marktes für Zielunternehmen soll jedoch eine Besonderheit der Fusionen-Akqui- sitionen im Vergleich zu den Neuinvestitionen darstellen (vgl. Nocke (2004), S. 1). Weiter- hin wird nur die marktmachtfördernde Eigenschaft der F&A berücksichtigt, die möglichen Synergieeffekte werden dabei vernachlässigt (vgl. Neary (2004), S. 31). Diesen Aspekten wird im Modell von Nocke (2004) Aufmerksamkeit geschenkt (vgl. Tabelle 2 für die Einordnung der Modelle).

Tabelle 2: Einordnung der Theorien über die grenzüberschreitenden F&A

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Quelle: Eigene Darstellung.

In seiner Arbeit unterstellt Nocke (2004), dass die Firmen innerhalb eines Landes und eines Sektors in ihren Fähigkeiten heterogen sind10. Die firmeninternen Fähigkeiten können weiterhin international mobil (z.B. Forschung und Entwicklung) und immobil (z.B. Marke- ting) sein. Das Hauptziel der ausländischen Direktinvestitionen ist daher die länderspezifi- schen immobilen Fähigkeiten der Zielunternehmen mit den mobilen Fähigkeiten des Käu- fers zu verbinden (vgl. Nocke (2004), S. 3). Der F&A-Markt wird seinerseits als der Markt für die immobilen Fähigkeiten modelliert (vgl. Nocke (2004), S. 10). Des Weiteren werden zwei Sektoren unterstellt. Im ersten Sektor sind die mobilen Fähigkeiten heterogen. Die immobilen Fähigkeiten sind dagegen homogen und zwischen den Firmen mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit verteilt. Im zweiten Sektor sind es die immobilen Fähig- keiten, die heterogen sind. Nocke (2004) behauptet, dass die Zusammensetzung der Firmen, die sich für verschiedene Formen des internationalen Handels entscheiden, in ver- schiedenen Sektoren unterschiedlich ist (vgl. Abbildung 6).

Abbildung 6: Zusammensetzung des internationalen Handels nach dem Sektortyp

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Nocke&Yeaple (2004), S. 4.

In der Abbildung 6 wird durch m2 der Schwellwert der mobilen Fähigkeit (n0k - der Schwellwert der immobilen Fähigkeit) des Investors bezeichnet, ab denen es sich für ihn lohnt, eine grenzüberschreitende F&A zu tätigen.11 Aus der Abbildung wird ersichtlich, dass im Sektor, in dem die mobilen Fähigkeiten heterogen, d.h. von unterschiedlicher Qualität, sind, nur die Firmen mit den besten Fähigkeiten den ausländischen Markt durch

[...]


1 Dt., „Investition auf dem grünen Feld“.

2 Engl. „Mergers&Acquisitions“.

3 Originalquelle: Coase (1937) The Nature of the Firm, Economica (4) 1937, S. 386-405.

4 Sehr unterschiedliche Faktorausstattungen sind dann gegeben, wenn der Faktorausstattungspunkt in der Edgeworth-Box außerhalb vom Faktorpreisausgleichsparallelogramm liegt. In diesem Fall führt der Außenhandel zu keinem Faktorpreisausgleich, da der Anpassungsbedarf zu hoch und die Anpassungsmög- lichkeit zu niedrig ist.

5 Der Name „Knowledge-Kapital“ stammt aus Markusen (1997).

6 Originalquelle: Marchall, A. (1920), Priciplaes of Economics, The Macmillan Press Ltd.,London.

7 Ein kuriöses Beispiel einer grenzüberschreitenden Agglomeration wird im Anhang 1 dargestellt.

8 Engl. „industry shocks hypothesis“.

9

In seiner Arbeit beschreibt der Autor die Beziehung zwischen F&A und Exporte als komplementäre in dem Sinne, dass die Unternehmen aus dem Exportsektoren als Käufer und nicht als Ziel in F&A- Transaktionen auftretten (vgl. (Neary (2004), S.1).

10 Die Arbeit von Nocke&Yeaple (2004) schreibt sich in die Reihe der außenhandelstheoretischen Arbeiten über die ausländischen Direktinvestitionen hinein, die Heterogeneität der Firmen innerhalb eines Sektors in Kauf nehmen (vgl. Helpmann et al. (2004), Yeaple (2005)).

11 Vgl. Anhang 2 für die Bestimmung der Werte mi und ni.

Ende der Leseprobe aus 85 Seiten

Details

Titel
Determinanten grenzüberschreitender Fusionen und Akquisitionen zwischen Deutschland und Frankreich
Hochschule
Universität Rostock
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
85
Katalognummer
V58751
ISBN (eBook)
9783638528566
Dateigröße
1203 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Auszug aus der Beurteilung: Alles in Allem handelt es sich hier um eine sehr gelungene Arbeit, in der die Autorin ihre Kenntnisse und Fähigkeiten überzeugend unter Beweis stellt. Dies gilt sowohl für die Recherche und Aufarbeitung von Daten als auch für die Darstellung theoretischer und empirischer Literatur zum Thema.
Schlagworte
Determinanten, Fusionen, Akquisitionen, Deutschland, Frankreich
Arbeit zitieren
Olena Reznik (Autor), 2005, Determinanten grenzüberschreitender Fusionen und Akquisitionen zwischen Deutschland und Frankreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58751

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