„It is my function as an artist to act (if possible) for good on the emotions and conceptions of my fellow-men"
“If Art does not enlarge men’s sympathies, it does nothing morally“
Aussagen wie diese sowie einer Vielzahl weiterer Reflektionen sich selbst und ihre Arbeit als Autorin betreffend, machen deutlich, auf welche Weise George Eliot die Funktionen und Aufgaben nicht nur des Künstlers im Allgemeinen sondern auch und gerade ihres eigenen Schaffens begreift.
George Eliots Wirkungskonzeption, die im Rahmen der Arbeit noch näher betrachtet werden soll, ist Grundlage des Themas dieser Arbeit, in der anhand eines ausgesuchten Werkes die Verwirklichung dieser Konzeption in Beschränkung auf die Formen und Funktionen der Erzählinstanz untersucht werden soll. Nach überwiegender Meinung der Kritikgehört Middlemarch zu den Romanen, in denen George Eliot nicht nur ihre Zielsetzung in Hinblick auf „aesthetic teaching“ am effizientesten und ausgefeiltesten verwirklichen konnte sondern auch die Erzählinstanz im Vergleich zu ihren vorangegangenen Werken weitere Formen und Funktionen hinzugewinnen lässt.
Diese Formen und Funtionen der Erzählinstanz sollen, soweit sie für die Erzeugung von „sympathy“ auf Seiten des Rezipienten als relevant zu betrachten sind, im folgenden beschrieben und anhand von Textbeispielen aus Middlemarch näher betrachtet werden. Ziel soll es sein, die Formen der Erzählinstanz, mit Hinblick auf ihre Funktionen als „Sympathieerzeuger“ in verschiedenen Ausprägungen zu erfassen und einen zumindest oberflächlichen Eindruck von deren Wirkungsmechanismus zu erlangen. Dabei liegt es auf der Hand, dass die Präferenzen mehr auf der Begutachtung einzelner, prägnanter Beispiele, denn auf der quantitativen Erfassung liegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. George Eliots Wirkungskonzeption
3. Formen und Funktionen der Erzählinstanz in Middlemarch als Medium der Sympathielenkung
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie George Eliot in ihrem Roman Middlemarch die Erzählinstanz gezielt einsetzt, um beim Rezipienten ein tieferes Verständnis und Mitgefühl (Sympathie) für die verschiedenen Romanfiguren zu erwecken. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie durch narrative Techniken eine Brücke zwischen der fiktiven Welt und der Perspektive des Lesers geschlagen wird.
- Analyse der narrativen Wirkungskonzeption von George Eliot.
- Untersuchung von Erzählerkommentaren und Fokalisierung als Mittel der Sympathielenkung.
- Die Rolle der Perspektivenübernahme für das humanistische Anliegen der Autorin.
- Interaktion zwischen Erzählinstanz, fiktivem Leser und der Konstruktion von Bedeutung.
- Bedeutung von epistemologischer Skepsis in der Darstellung multiperspektivischer Welten.
Auszug aus dem Buch
3. Formen und Funktionen der Erzählinstanz in Middlemarch als Medium der Sympathielenkung
Die Funktionen der Erzählinstanz in Middlemarch werden anders als in George Eliots vorangegangenen Werken nicht durch die durchgängige Verwendung eines bestimmten Typus von Erzählerkommentaren dominiert sondern weisen ein hohes Maß an Kombination von Äußerungen auf, die sich entweder unmittelbar auf das Geschehen der Figurenebene beziehen oder spezielle Ereignisse der fiktionalen Welt abstrahieren. Nahezu alle dieser (in den meisten Fällen kombinierten) Erzählerkommentare sind in Verbindung zu George Eliots ästhetischem Konzept zu bringen, denn die Autorin vertrat die Ansicht, dass durch die Beobachtung des Partikularen, des einzelnen Schicksals, die Emotionen des Rezipienten angesprochen werden, wohingegen Generalisierungen und Abstraktionen sich an den Intellekt desselben wenden. Auf diese Art und Weise wird der ganze Mensch, sein Fühlen und sein Denken, angesprochen – und nur so kann wahre „sympathy“ erweckt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Aufgabenstellung ein, das Konzept von George Eliots „sympathy“ durch die Untersuchung der Erzählinstanz in Middlemarch zu beleuchten.
2. George Eliots Wirkungskonzeption: Hier wird der theoretische Rahmen um Feuerbachs Philosophie und Eliots ästhetisches Konzept des „aesthetic teaching“ dargelegt.
3. Formen und Funktionen der Erzählinstanz in Middlemarch als Medium der Sympathielenkung: Dieser Hauptteil analysiert konkrete Erzähltechniken wie Kommentare, Metaphern und Perspektivwechsel zur Steuerung der Leserempathie.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, wie durch die Erzählinstanz ein epistemologischer Skeptizismus vermittelt wird, der den Leser zur aktiven Sinnstiftung und Perspektivenübernahme auffordert.
Schlüsselwörter
Middlemarch, George Eliot, Erzählinstanz, Sympathielenkung, Empathie, Literaturtheorie, Perspektivwechsel, fiktiver Leser, Wirkungsästhetik, Humanismus, Erzählerkommentar, Fokalisierung, epistemologische Skepsis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie George Eliot in ihrem Roman Middlemarch die Erzählinstanz nutzt, um beim Leser Empathie für die Romanfiguren zu erzeugen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind George Eliots Wirkungskonzeption, die narrative Struktur in Middlemarch sowie das Spannungsfeld zwischen ästhetischem Anspruch und moralischer Didaktik.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, mit welchen Mitteln und in welcher Form die Erzählinstanz als Medium zur Sympathielenkung fungiert, um die Perspektive des Lesers zu beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf einer Untersuchung ausgewählter Textpassagen basiert und narratologische sowie literaturtheoretische Konzepte einbezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie durch die Kombination von Figurenfokalisierung, Erzählerkommentaren und der bewussten Adressierung des Lesers Empathie und ein tieferes Verständnis für die Figuren geweckt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Middlemarch, George Eliot, Sympathielenkung, Erzählinstanz und Perspektivwechsel.
Wie unterscheidet sich die Erzählweise in Middlemarch von Eliots früheren Werken?
In Middlemarch dominiert nicht mehr ein einzelner Typus von Erzählerkommentar; vielmehr gibt es eine komplexere Kombination von Äußerungen, die zwischen dem Partikularen und dem Allgemeinen vermitteln.
Welche Rolle spielt das Wort „poor“ für das Konzept der Sympathiewerbung?
Das Wort wird häufig als expressive Äußerung genutzt, um eine direkte emotionale Verbindung zum Leser aufzubauen und Verständnis für charakterliche Schwächen der Figuren zu wecken.
Warum spielt die epistemologische Skepsis eine Rolle?
Sie unterstreicht, dass die Erzählinstanz keine absolute Wahrheit beansprucht, sondern den Leser mit einer Vielzahl von Perspektiven konfrontiert, was ein wesentliches Ziel des Romans ist.
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- Tanja Hain (Author), 2005, Form und Funktion der Erzählinstanz als Medium der Sympathielenkung in George Eliots Middlemarch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58764