In den letzten Monaten wurde in der Öffentlichkeit viel über die Beibehaltung bzw. Abschaffung der Pendlerpauschale diskutiert. Besonders im Bundestagswahlkampf stritten Politiker verschiedenster Parteien über die zukünftige Behandlung der Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. So argumentieren Politiker der CDU/CSU, mit einer Reduzierung der Pauschale auf 25 Cent/km könnte teilweise eine Steuersatzsenkung gegenfinanziert werden. Andere Meinungen sehen eine Kürzung der Pauschale unter dem Mantel des Subventionsabbaus und zum Stopfen von Haushaltslöchern vor. Durch eine Abschaffung der Entfernungspauschale würde die Staatskasse um 6 Mrd. € entlastet. Bündnis 90/Die Grünen fordern eine schrittweise Abschaffung der Pauschale und plädieren dafür, ein Mobilitätsgeld für Geringverdiener einzuführen, während die FDP die Pauschale sofort komplett streichen will. Die Linke.PDS spricht sich dagegen für eine Erhöhung der Pauschale auf 0,40 €/km aus. Die Gegner einer Kürzung argumentieren u.a. damit, dass insbesondere im Osten Deutschlands, wo viele Arbeitnehmer täglich zur Arbeit in die alten Bundesländer fahren, bei einer Abschaffung bzw. Reduzierung eine Wohnungsverlagerung in den Westen stattfinden würde und so die Wirtschaft im Osten weiter geschwächt werde. In der folgenden Arbeit soll aufgezeigt werden, welche Auswirkungen die Entfernungspauschale auf das Verhalten der Arbeitnehmer hat. Dabei soll die rechtliche Frage, ob Fahrtkosten von der Wohnung zur Arbeitsstätte eine nicht zu rechtfertigende Subvention darstellen oder es sich um gesetzlich abziehbare Werbungskosten handelt, nur am Rande diskutiert werden. Zu diesem Thema haben sich bereits zahlreiche Wissenschaftler geäußert. Zunächst soll in Kapitel 2 ein allgemeiner Überblick über die Entfernungspauschale sowie aktuelle Regelungen und deren Auswirkungen gegeben werden. In Kapitel 3 wird kurz auf die deutsche Entfernungspauschale im internationalen Vergleich eingegangen, bevor in den Kapiteln 4 und 5 eine weitergehende Analyse erfolgt. Ein abschließendes Fazit soll Kapitel 6 enthalten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Aktuelle Regelungen zur Entfernungspauschale und deren Auswirkungen
2.1 Historische Entwicklung der Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte
2.2 Aktuelle Regelung
2.3 Die Entfernungspauschale bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel
2.3.1 Die Ermittlung der abzugsfähigen Kosten5
2.3.2 Auswirkungen
2.4 Die Entfernungspauschale bei Fahrgemeinschaften
2.5 Eine Fahrt pro Arbeitstag
3 Die Behandlung von Fahrtkosten im internationalen Vergleich
4 Analyse zur Wohnort-Arbeitsplatz Entscheidung
5 Entscheidungsneutralität bei der Wahl zwischen Pendeln und Umzug
5.1 Grundlagen
5.2 Die optimale Entscheidung in einer Welt ohne Steuern
5.3 Die optimale Entscheidung in einer Welt mit Steuern
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anreizwirkungen der deutschen Entfernungspauschale auf das Verhalten von Arbeitnehmern und bewertet kritisch, ob es sich dabei um eine gerechtfertigte steuerliche Absetzung von Werbungskosten oder um eine nicht zu rechtfertigende Subvention handelt.
- Historische Entwicklung und aktuelle gesetzliche Ausgestaltung der Entfernungspauschale
- Analyse der Auswirkungen auf die Verkehrsmittelwahl und die Steuergerechtigkeit
- Internationaler Vergleich der steuerlichen Behandlung von Arbeitsweg-Fahrtkosten
- Untersuchung der Wohnort-Arbeitsplatz-Entscheidung unter Berücksichtigung ökonomischer Anreize
- Diskussion der Entscheidungsneutralität zwischen Pendeln und Umzug in Abhängigkeit vom Steuersystem
Auszug aus dem Buch
2.2 Aktuelle Regelung
Nach § 9 Abs. 1 EStG sind Werbungskosten Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Hierzu zählen nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG auch Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Seit dem 1.1.2001 ist in Deutschland eine verkehrsmittelunabhängige Entfernungspauschale für Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte eingeführt worden.
Die damalige Bundesregierung begründete die Einführung damit, die sozialen Auswirkungen der starken Preissteigerungen für Mineralöl auf den Weltmärkten auszugleichen und die privaten Haushalte entlasten zu wollen. Zusätzlich sollte zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln Wettbewerbsgleichheit geschaffen werden und so die Umweltbelastung durch zunehmende Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel reduziert werden.
Bis zum 31.12.2003 sah die Pauschale für die ersten 10 Entfernungskilometer 0,36 €/km und ab dem 11. Kilometer 0,40 €/km vor. Die Arbeitnehmer konnten diese Pauschale unabhängig davon geltend machen, ob sie einen Pkw, Motorrad, Mofa, Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel für den Weg zu ihrer Arbeitsstätte benutzten. Auch Fußgänger und Mitfahrer bei Fahrgemeinschaften können diese Pauschale für sich beanspruchen. Für Flüge dagegen gilt die Pauschale nicht. Hier können die tatsächlichen Kosten angesetzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die politische Debatte um die Pendlerpauschale und steckt den Rahmen der Untersuchung ab, welche Auswirkungen die Pauschale auf das Arbeitnehmerverhalten und die Steuergerechtigkeit hat.
2 Aktuelle Regelungen zur Entfernungspauschale und deren Auswirkungen: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung, die heutige gesetzliche Basis sowie spezifische Anwendungsfälle wie öffentliche Verkehrsmittel, Fahrgemeinschaften und die Begrenzung auf eine Fahrt pro Arbeitstag.
3 Die Behandlung von Fahrtkosten im internationalen Vergleich: Hier wird aufgezeigt, dass Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern eine eher begünstigende Behandlung der Fahrtkosten vorsieht, während in anderen Staaten diese oft dem privaten Bereich zugeordnet werden.
4 Analyse zur Wohnort-Arbeitsplatz Entscheidung: Das Kapitel beleuchtet, wie die Wahl des Wohnortes durch steuerliche Anreize beeinflusst wird und diskutiert die sozioökonomischen Gründe, die gegen eine reine Betrachtung der Fahrtkosten als Subvention sprechen.
5 Entscheidungsneutralität bei der Wahl zwischen Pendeln und Umzug: Dieser Abschnitt analysiert modelltheoretisch, wie das Steuersystem die Entscheidung des Arbeitnehmers zwischen Umzug und täglichem Pendeln verzerrt.
6 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Pro- und Contra-Argumente zusammen und regt an, ob eine Rückkehr zur sachgerechteren Kostenerstattung statt der pauschalen Subvention zu mehr Steuergerechtigkeit führen würde.
Schlüsselwörter
Pendlerpauschale, Entfernungspauschale, Werbungskosten, Steuergerechtigkeit, Arbeitsweg, Mobilität, Verkehrsmittelwahl, Subventionsabbau, Steuerprogression, Wohnortentscheidung, Entscheidungsneutralität, Haushaltspolitik, Pendlergeld, Mobilitätsgeld
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit untersucht die steuerliche Behandlung der Kosten für den Arbeitsweg in Deutschland und analysiert die Anreizwirkungen, die sich aus der aktuellen Entfernungspauschale für Arbeitnehmer ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Pendlerpauschale, ihr Einfluss auf das Pendlerverhalten, die steuersystematische Einordnung der Abzugsfähigkeit und die Frage der Wettbewerbsneutralität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, welche Auswirkungen die Entfernungspauschale auf das Verhalten der Arbeitnehmer hat und ob diese steuerlich als notwendige Werbungskosten oder als ungerechtfertigte Subvention zu werten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive Analyse rechtlicher Rahmenbedingungen sowie ein ökonomisches Modell zur Untersuchung der Entscheidungsneutralität bei der Wahl zwischen Pendeln und Umzug.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine historische Einordnung, die detaillierte Darstellung aktueller Regelungen für verschiedene Verkehrsmittel, einen internationalen Vergleich sowie eine theoretische Analyse der Wohnortentscheidung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Entfernungspauschale, Werbungskosten, Steuergerechtigkeit, Entscheidungsneutralität, Mobilität und Subvention.
Warum wird die Pendlerpauschale steuersystematisch oft als „Sündenfall“ bezeichnet?
Da insbesondere bei der Förderung von Fahrgemeinschaften Aufwendungen angesetzt werden können, die tatsächlich gar nicht entstanden sind, widerspricht dies dem objektiven Nettoprinzip und der leistungsfähigkeitskonformen Besteuerung.
Welchen Einfluss hat die Entfernungspauschale auf die Wohnortwahl?
Die Arbeit diskutiert, dass die Pauschale zwar Anreize setzt, aber nicht allein entscheidend ist, da Faktoren wie Mietpreise, familiäre Bindungen und die soziale Infrastruktur bei der Standortentscheidung eine wesentliche Rolle spielen.
Welche Alternative schlagen Richter und Theile vor?
Sie schlagen eine grundsätzliche Abzugsfähigkeit der Mobilitätskosten vor, bei der private Pendelkosten pauschaliert ermittelt werden, um die steuerliche Belastung für Pendler zu berücksichtigen und gleichzeitig ökologische Anreize zu setzen.
- Citar trabajo
- Christian Körte (Autor), 2005, Untersuchung der Anreizwirkungen der Pendlerpauschale, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58782