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Peter Weiss: Die Ermittlung - Zur Struktur des dokumentarischen Theaters

Title: Peter Weiss: Die Ermittlung - Zur Struktur des dokumentarischen Theaters

Seminar Paper , 2005 , 32 Pages , Grade: 1,9

Autor:in: Juliane Hartmann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Neben Rolf Hochhuth und Heinar Kipphardt gilt Peter Weiss heute als einer der wichtigsten deutschen Vertreter des Dokumentartheaters der sechziger und siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Mit seinem 1965 uraufgeführten Drama „Die Ermittlung“ wagte er sich an einen damals hochaktuellen und gleichzeitig sehr umstrittenen Stoff heran. Hochaktuell zum einen, da von 1963 bis 1965 der dem Drama zugrunde liegende „Frankfurter Auschwitz - Prozess“ stattfand, der damals große Diskussionen in Deutschland über die Verjährung von Nazi-Verbrechen hervorrief. Zum anderen, da die „Ermittlung“ „eineAuseinandersetzung mit der jüngsten Vergangenheit Deutschlands wie auch mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit der BRD“ verlangt, die man zu diesem Zeitpunkt versuchte zu verdrängen. Umstritten, da der Holocaust gemeinhin als nicht darstellbar galt. Im Folgenden wird vorwiegend untersucht, inwiefern das Drama „Die Ermittlung“ Merkmale des dokumentarischen Theaters in sich trägt. Zunächst wird versucht, den Begriff des dokumentarischen Theaters durch die von Weiss selbst verfassten „Notizen zum dokumentarischen Drama“ genauer zu charakterisieren. Im Hauptteil wird das Drama in Inhalt, Aufbau und Sprache vorgestellt, um dann auf die Merkmale des dokumentarischen Theaters hin untersucht zu werden. Dabei ist zu erwähnen, dass der Begriff „Zuschauer“ in der Arbeit verkürzt für Leser und Zuschauer verwendet wird.
Im Anhang finden sich abschließend die genaue Anklage und die Urteile des Frankfurter Auschwitz - Prozesses wieder.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Dokumentartheater bei Peter Weiss

3. Das Drama „Die Ermittlung“

3.1 Der reale Hintergrund

3.2 Inhalt

3.3 Aufbau

3.4 Sprache

4. Untersuchung des Dramas anhand der von Weiss aufgestellten Thesen zum dokumentarischen Theater

5. Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das 1965 uraufgeführte Drama „Die Ermittlung“ von Peter Weiss auf seine Merkmale als dokumentarisches Theater. Dabei wird analysiert, inwieweit der Autor durch die Verwendung authentischer Prozessprotokolle, eine spezifische sprachliche Bearbeitung und eine bewusste Modellierung der Wirklichkeit das Stück zu einem Mittel des öffentlichen Protests und der Vergangenheitsbewältigung macht.

  • Analyse der theoretischen Grundlagen des Dokumentartheaters nach Peter Weiss
  • Aufarbeitung des historischen Kontextes des Frankfurter Auschwitz-Prozesses
  • Untersuchung der strukturellen und sprachlichen Gestaltung des Dramas
  • Herausarbeitung der kritischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verdrängungsmechanismen
  • Reflexion über die Rolle des Theaters als Instrument politischer Meinungsbildung

Auszug aus dem Buch

3.4 Sprache

Erst einmal fällt auf, dass in der „Ermittlung“ jegliche Interpunktion und sonstige Satzzeichen fehlen, lediglich die Satzanfänge sind durch Großbuchstaben gekennzeichnet. Es reihen sich Hauptsätze aneinander, die allenfalls durch einfache Nebensätze durchbrochen werden. Die Syntax ist gegliedert im Rhythmus von Verszeilen, die pro Zeile von einem bis etwa neun Worten reichen. Die Sprache ist nüchtern, sachlich, emotionslos und stark vereinfacht. Es tauchen keine Metaphern, Bilder, Alliterationen oder ähnliche Stilmittel und nur sehr wenige Adjektive auf. Die Zitate sind nicht wortgetreu, die Sprache im Stück ist fiktiv: Zum einen sind die Aussagen stark versachlicht und entemotionalisiert. Zum anderen sprechen alle Figuren das gleiche reine Hochdeutsch.

„Ich habe den Text so karg gemacht wie nur irgendwie möglich. Ich habe fast alle Adjektive herausgestrichen und in den Zäsuren noch mehr auf die Kühle und Klarheit im Text hingewiesen“. So Weiss über seine Verfahrenstechnik.

Diese Merkmale verleihen dem Stück einen eher monotonen Charakter und geben ihm eine nüchterne Wirkung. Außerdem entsteht ein innerer Abstand zwischen den geschilderten Vorgängen und ihren Berichterstattern wie z.B. die folgende Schilderung zeigt:

Zeugin 5: Da war draußen ein Lastwagen vorgefahren
mit einer Fracht von Kindern
Ich sah es durch das Fenster der Schreibstube
Ein kleiner Junge sprang herunter
er hielt einen Apfel in der Hand
Da kam Boger aus der Tür
Das Kind stand da mit dem Apfel
Boger ist zu dem Kind gegangen
und hat es bei den Füßen gepackt
und mit dem Kopf an die Baracke geschmettert
Dann hat er den Apfel aufgehoben
und mich geholt und gesagt
Wischen Sie das da ab an der Wand
Und als ich später bei einem Verhör dabei war
sah ich
wie er den Apfel aß.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Autor Peter Weiss als wichtigen Vertreter des Dokumentartheaters vor und umreißt die Relevanz des Dramas „Die Ermittlung“ in Bezug auf den Frankfurter Auschwitz-Prozess.

2. Das Dokumentartheater bei Peter Weiss: Dieses Kapitel definiert die Merkmale des Dokumentartheaters anhand von Weiss’ 14 Thesen, wobei der Fokus auf der authentischen Berichterstattung und der Montage von Originalmaterial liegt.

3. Das Drama „Die Ermittlung“: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse des historischen Hintergrunds, des Inhalts, der formalen Struktur und der spezifischen Sprache des Werkes.

4. Untersuchung des Dramas anhand der von Weiss aufgestellten Thesen zum dokumentarischen Theater: In diesem Kapitel wird das Drama systematisch auf die Übereinstimmung mit den theoretischen Forderungen des Autors überprüft.

5. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Wirksamkeit des Stücks als Beitrag zur deutschen Vergangenheitsbewältigung.

Schlüsselwörter

Peter Weiss, Die Ermittlung, Dokumentartheater, Auschwitz-Prozess, Vergangenheitsbewältigung, Dokumentarliteratur, Holocaust, NS-Verbrechen, Oratorium, Montage, Zeugenaussagen, politisches Theater, Erinnerungskultur, Frankfurter Auschwitz-Prozess, Gesellschaftskritik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Drama „Die Ermittlung“ von Peter Weiss als ein herausragendes Beispiel des dokumentarischen Theaters der 1960er Jahre.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung des Dokumentartheaters, die Darstellung des Holocaust auf der Bühne sowie die kritische Reflexion über Verdrängungsprozesse in der frühen Bundesrepublik.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Peter Weiss durch den Einsatz von Prozessmaterialien ein Modell schafft, das die Unmenschlichkeit des Systems Auschwitz für ein Publikum erfahrbar und verständlich macht.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine werkanalytische Methode, indem sie den Dramentext mit den theoretischen Schriften des Autors („Notizen zum dokumentarischen Drama“) vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung von Inhalt, Aufbau und Sprache des Dramas sowie eine anschließende Prüfung dieser Elemente anhand der Weiss’schen Thesen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Dokumentartheater, Auschwitz-Prozess, Vergangenheitsbewältigung, Authentizität, Montage und politisches Engagement.

Warum wählt Weiss die Form des „Oratoriums“?

Weiss wählt diese Form, um dem feierlich erhabenen Charakter des Leidens der Häftlinge gerecht zu werden und die Tragweite des Themas über die bloße Prozessdarstellung hinaus zu heben.

Welche Rolle spielt die Sprache im Drama?

Die Sprache ist karg, schmucklos und hochdeutsch, um eine größtmögliche Sachlichkeit zu erzeugen und die Distanz zwischen Geschehnissen und Berichterstattern zu verdeutlichen.

Wie geht das Stück mit dem „Vergessen“ um?

Das Stück dient als Mittel des öffentlichen Protests gegen die Verdrängung des Holocausts und mahnt eindringlich davor, dass die geschilderten Strukturen unter anderen Vorzeichen jederzeit wieder entstehen könnten.

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Details

Title
Peter Weiss: Die Ermittlung - Zur Struktur des dokumentarischen Theaters
College
University of Kassel
Course
Seminar: Dokumentarliteratur
Grade
1,9
Author
Juliane Hartmann (Author)
Publication Year
2005
Pages
32
Catalog Number
V58799
ISBN (eBook)
9783638528986
ISBN (Book)
9783656800422
Language
German
Tags
Peter Weiss Ermittlung Struktur Theaters Seminar Dokumentarliteratur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Juliane Hartmann (Author), 2005, Peter Weiss: Die Ermittlung - Zur Struktur des dokumentarischen Theaters, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58799
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