Die offene Volkswirtschaft: Geldpolitik als Wechselkurspolitik


Hausarbeit, 2002
10 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Die offene Volkswirtschaft

Geldpolitik unter Wechselkursbindung

Geldpolitik ohne Wechselkursbindung

Fazit

Literaturliste

Die offene Volkswirtschaft

Die klassischen Ziele der Wirtschaftspolitik in einer offenen Volkswirtswirtschaft sind internes und externes Gleichgewicht. Beide Ziele können nicht unabhängig voneinander erreicht werden. Zwischen externer Stabilisierung (Zahlungsbilanzgleichgewicht) und interner Stabilisierung (Aufrechterhaltung von Vollbeschäftigung) können Zielkonflikte auftreten.

Modelltheoretisch lassen sich Konflikte lösen, sofern die Ziele unabhängig sind und für jedes Ziel ein Instrument zur Verfügung steht (Tinbergens Theorem). Demgemäß hat die Wirtschaftspolitik ein zusätzliches Instrument einzusetzen und die Instrumente den Zielen effizient zuzuordnen.

Ausgehend von dieser These wurde von Robert A. Mundell in seiner Arbeit „The Appropriate Use of Monetary and Fiscal Policy for Internal and External Stability“ die Idee vorgeschlagen, neben der Geldpolitik auch die Fiskalpolitik in die Betrachtung einzubeziehen und in einem „Policy Mix“ beide Instrumente jeweils in solchen Kombinationen einzusetzen, daß gleichzeitig binnen- und außenwirtschaftliches Gleichgewicht erreicht werden. Er liefert hierzu ein einfaches makroökonomisches Modell und zeigt allgemein, daß die Rollenverteilung zwischen Geldpolitik und Fiskalpolitik dabei vom Währungsregime (feste oder flexible Wechselkurse) und den Annahmen über die Kapitalmobilität determiniert wird.

In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, daß mit der Wechselkurspolitik, die eine auf Wechselkursziele ausgerichtete Geldpolitik ist, ein weiteres Instrument zur Verfügung steht, um Zielkonflikte der genannten Art zu lösen.

Die Wechselkurspolitik kann die Geldpolitik wesentlich entlasten bzw. überhaupt erst die Voraussetzungen für einen zielgerechten Einsatz ihres Instrumentariums schaffen.

Indes hat die Wirtschaftspolitik zur Lösung von Zielkonflikten faktisch nicht den Freiheitsgrad, ein zusätzliches Instrument einzusetzen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Neben den politökonomischen Aspekten, die einer Rollenverteilung entgegenstehen und den Nebenwirkungen, die der Einsatz eines zusätzlichen Instruments hat, sind es vor allem die stabilitätspolitischen Bedingungen, die den wirtschaftspolitischen Handlungsspielraum einschränken.

Der erste Bereich sind die partikulären Verteilungsinteressen. Insbesondere die durch das Grundrecht der Koalitionsfreiheit geschützten Tarifparteien am Arbeitsmarkt setzen der Stabilitätspolitik eine besonders wirksame Grenze.

Der zweite Bereich, der den stabilitätspolitischen Handlungsspielraum begrenzt, sind die „außenwirtschaftlichen Zwänge“, unter denen die Wirtschaftspolitik steht. In einer offenen Volkswirtschaft kann die nationale Wirtschaftspolitik ihre Entscheidungen nicht ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen Vorgänge in anderen Ländern treffen. Volkswirtschaften weisen außenwirtschaftliche Beziehungen auf, sind also offen.

Die außenwirtschaftlichen Beziehungen (internationaler Handels- und Kapitalverkehr) führen nun zu einer entsprechenden Verflechtung einer Volkswirtschaft mit dem Rest der Welt, d.h. die Märkte im Inland werden mit denen im Ausland verbunden.

Ein Land von der Art der Bundesrepublik Deutschland mit außenwirtschaftlichen Beziehungen und währungspolitischem Gewicht, dessen Geldpolitik in erster Linie für den europäischen Teil der Welt eine dominante Rolle spielt und dessen unabhängige Notenbank eine stabilitätsorientierte Geldpolitik (Geldmengenkonzept) verfolgt, hat außenwirtschaftliche Einflüsse und Probleme ihrer Geldpolitik zu beachten.

Eine neue Konzeption der Wirtschaftspolitik wies der Geldpolitik und damit der Bundesbank die Führungsrolle in der Stabilitätspolitik zu („Reassignment“).1

In zunehmenden Maße gewann die Außenwirtschaft für die Geldpolitik neben ihrer binnenwirtschaftlichen Grundorientierung an Bedeutung.

Die Bundesrepublik Deutschland ist eine offene Volkswirtschaft mit internationaler Verflechtung. Das Ausmaß außenwirtschaftlicher Interdependenzen hat mit dem Europäischen Binnenmarkt sowie der verstärkten Integration der Kapitalmärkte zugenommen. Eine bedeutende Stufe wirtschaftlicher Integration wird jetzt durch die europäische Währungsunion erreicht. Mit der Einführung der einheitlichen Währung ist die Verantwortung für die Geldpolitik der gemeinschaftlichen Europäischen Zentralbank übertragen worden. Unter diesen Bedingungen ist die Geldpolitik auf das Ziel der externen Stabilisierung (Stabilisierung des Außenwerts der Währung) auszurichten und sie steht damit vor der Aufgabe, den souverän geführten geldpolitischen Kurs der Bundesbank beizubehalten.

Geldpolitik unter Wechselkursbindung

Mit dem Begriff der internationalen Währungsordnung wird die Gesamtheit der existierenden Wechselkurssysteme, angefangen von flexiblen Wechselkursen zwischen einzelnen Währungen bis hin zu regionalen Festkurssystemen wie dem Europäischen

Währungssystem (EWS) bezeichnet.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Wechselkurssystemen: flexible und feste (oder fixe) Wechselkurse. Innerhalb der Europäischen Union (EU) waren bis Ende 1998 die Währungen der meisten Länder in das Festkurssystem des EWS eingebunden.

Die währungspolitischen Erfahrungen der 70er Jahre, die zur Entstehung und Fortentwicklung des EWS beitrugen, bestanden in der Enttäuschung darüber, daß sich selbst überlassene Devisenmärkte immer wieder Wechselkursänderungen hervorrufen, die eine störende Unstetigkeit und Unsicherheit in die Bedingungen des internationalen Handels und nicht zuletzt für auf ihn bezogene Investitionsentscheidungen der Unternehmen bringen.

Als reale Wechselkursänderungen sind sie nicht nur Ausdruck eines realwirtschaftlichen Anpassungsbedarfs der beteiligten Volkswirtschaften, sondern können auch effizienz-

schädigend, wettbewerbsverzerrend und integrationshemmend wirken.

Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Integration in Europa ist die Bedeutung eines stabilen Außenwerts der Währung gewachsen.

Kernstück des EWS waren feste, aber anpassungsfähige Wechselkurse, die durch unbeschränkte Interventionsverpflichtungen der beteiligten Notenbanken abgesichert waren. Faktisch fungierte die D-Mark als Ankerwährung, ihrer langfristigen Stabilität und der Größe der Volkswirtschaft wegen, zu der sie gehörte, an der sich die anderen beteiligten Notenbanken orientierten.

Dabei kommt die Geldpolitik der Mitglieder eines Festkurssystems wie des EWS

um so weniger in Schwierigkeiten (1) je größer die Konvergenz der wirtschaftlichen Entwicklung der beteiligten Länder ist, (2) je größer und respektierter der Stabilisierungszwang zur Korrektur eines Mangels an Konvergenz vor einer akuten Krise ist, (3) je loyaler die Spielregeln von allen Beteiligten in Fällen einer akuten Krise eingehalten werden und (4) je weniger die Rolle der Leitwährung in Frage steht.

Als Reaktion auf Krisen im System fester, aber anpassungsfähiger Wechselkurse stehen der Geldpolitik prinzipiell drei Möglichkeiten zur Verfügung:

[...]


1 Nach Vorstellung des Sachverständigenrates sollten die wirtschaftspolitischen Rollen neu verteilt werden. Entscheidend ist, dass der Staat keine aktive stabilisierungspolitische Verantwortung mehr

zu übernehmen hat. Der Rat wies der Geldpolitik die Führungsrolle zu.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die offene Volkswirtschaft: Geldpolitik als Wechselkurspolitik
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Volkswirtschaftslehre)
Veranstaltung
Stabilitätspolitik
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
10
Katalognummer
V5881
ISBN (eBook)
9783638136099
ISBN (Buch)
9783656620914
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Volkswirtschaft, Geldpolitik, Wechselkurspolitik, Stabilitätspolitik
Arbeit zitieren
Roman Damm (Autor), 2002, Die offene Volkswirtschaft: Geldpolitik als Wechselkurspolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5881

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