Thema meiner Hausarbeit ist das Wahlsystems der Bundesrepublik Deutschland, mit dem Ziel, die Frage zu beantworten, was genau das Besondere am Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland ist? Zu Beginn der Hausarbeit möchte ich durch die Einleitung einen Einblick darüber schaffen, was Wahlsysteme sind und welche Funktionen sie haben. Um weiter auf das Thema hinzuarbeiten folgt eine Erläuterung der Wahlrechtsgrundsätze. Dann wird das Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland, die personalisierte Verhältniswahl, erläutert. Weiter wird erörtert, was die Besonderheiten des Wahlsystems der Bundesrepublik Deutschland sind. Zum Ende hin möchte ich häufig geäußerte Kritikpunkte wiedergegeben und diskutieren. Der Schluss soll die Antwort auf die Einleitungsfrage geben. Wahlsysteme stellen Verfahren dar, mit denen die Wähler1ihre Partei- bzw. Kandidatenpräferenz in Wählerstimmen ausdrücken. Die Anzahl der Stimmen werden dann in Mandate umgerechnet. Diese Funktionsumschreibung entspricht der Definition von Douglas W. Rae. Besonders in Wissenschaft und Politik herrscht keine Einigkeit darüber, wie wichtig Wahlsysteme für die Entwicklung des politischen Systems sind. Auf der einen Seite wird das Schicksal der Demokratie an die Frage des Wahlsystems geknüpft, auf der anderen Seite wird dem Wahlsystem nur eine geringe politische Bedeutung zugemessen. Bei der ersten Annahme wird vergessen, dass politische Entwicklungen in der Regel nicht monokausal zu klären sind. Sie werden von mehreren Faktoren unterschiedlicher Herkunft bestimmt. Bei der zweiten Annahme ist zu bemängeln, dass sich Wahlsysteme durchaus auf das Wählerverhalten auswirken können und somit die Wahlergebnisse gestalten können. Wahlsysteme haben bestimmte Funktionen, die im Folgenden erörtert werden: Repräsentation: Darunter fällt die Vertretung aller relevanten gesellschaftlichen Gruppen in den gewählten Vertretungsorganen. Des Weiteren ist darunter eine sogenannte faire Repräsentation zu verstehen, das bedeutet das Repräsentieren der gesellschaftlichen Interessen und politischen Meinungen im Parlament. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wahlrechtsgrundsätze
3. Personalisierte Verhältniswahl
3.1. Stimmverrechnung
3.1.1. Verfahren nach d´Hondt
3.1.2. Verfahren nach Hare/Niemeyer
3.2. Sperrklauseln
3.3. Überhangmandate
4. Kritikpunkte am Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland
5. Schluss
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland mit dem primären Ziel, dessen Besonderheiten im Vergleich zu anderen Systemen zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagen der Wahlrechtsgrundsätze gemäß Grundgesetz
- Funktionsweise der personalisierten Verhältniswahl
- Methoden der Stimmverrechnung und Mandatsverteilung
- Die Rolle von Sperrklauseln und Überhangmandaten
- Kritische Reflexion der Stabilität und Repräsentationsgerechtigkeit
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Verfahren nach d´Hondt
Die nach dem belgischen Mathematiker Viktor d´Hondt benannte Verrechungsmethode zählt zu dem Divisorverfahren bzw. Höchstzahlverfahren. Die Stimmanzahl jeder Partei wird nacheinander durch 1,2,3,4,5,6, etc. dividiert. Unter den resultierenden Zahlen wird die höchste herausgesucht. Die Partei erhält für diese Zahl ein Mandat. Unter den verbleibenden Zahlen wird wieder die Höchstzahl errechnet. So wird fortgefahren bis alle Mandate vergeben sind. Die Vorteile diese Verfahrens liegen klar auf der Hand: Es ist leicht anzuwenden und alle Mandate werden in einem Gang vergeben. Allerdings begünstigt die Divisorenreihe der Methode d`Hondt leicht die großen Parteien. Dies gilt vor allem, wenn insgesamt wenig Mandate zu vergeben sind. Bei einem großen Gremium wie dem Bundestag macht sich das nicht bemerkbar. Das Verfahren nach d´Hondt wurde in der Bundesrepublik Deutschland bei der Bundestagswahl 1983 zum letzten Mal verwendet. Ab diesem Zeitpunkt gilt das Verfahren nach Hare/Niemeyer.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, das deutsche Wahlsystem zu erklären und dessen spezifische Merkmale sowie Kritikpunkte aufzuzeigen.
2. Wahlrechtsgrundsätze: Dieses Kapitel erläutert die fünf verfassungsrechtlich verankerten Wahlgrundsätze, die die Basis für die Ausgestaltung der Wahlen in Deutschland bilden.
3. Personalisierte Verhältniswahl: Hier wird der Aufbau des kombinierten Wahlsystems detailliert erklärt, wobei die Aspekte Stimmverrechnung, Sperrklauseln und Überhangmandate zentral stehen.
4. Kritikpunkte am Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland: Dieses Kapitel diskutiert die Auswirkungen des Systems auf Regierungsstabilität, Wählerstimmengewichtung und gesellschaftliche Repräsentation.
5. Schluss: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Beständigkeit des aktuellen Wahlsystems trotz bestehender Kritikpunkte.
Schlüsselwörter
Wahlsystem, Personalisierte Verhältniswahl, Bundestagswahl, Wahlrechtsgrundsätze, Stimmverrechnung, Verfahren nach d´Hondt, Hare/Niemeyer, Sperrklausel, Fünfprozentklausel, Überhangmandate, Repräsentation, Regierungsstabilität, Direktmandate, Zweitstimme, Erststimme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Struktur und Funktionsweise des Wahlsystems der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere der personalisierten Verhältniswahl.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Wahlrechtsgrundsätze, die Umrechnung von Stimmen in Mandate sowie die Auswirkungen von Sperrklauseln und Überhangmandaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu beantworten, was das Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland auszeichnet und welche kritischen Aspekte in der wissenschaftlichen Debatte dazu existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Aufarbeitung, die auf der Auswertung von Fachliteratur und wahlsystemtheoretischen Definitionen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen, die Verrechnungsverfahren, die Bedeutung der Fünfprozentklausel und die Problematik von Überhangmandaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Personalisierte Verhältniswahl, Überhangmandate, Sperrklausel und Stimmverrechnung geprägt.
Warum spielt die Fünfprozentklausel eine so wichtige Rolle für das System?
Die Klausel soll eine Zersplitterung des Parlaments verhindern, wie sie in der Weimarer Republik auftrat, und somit zur Bildung stabiler Regierungsmehrheiten beitragen.
Inwiefern beeinflussen Überhangmandate die Erfolgswertgleichheit?
Sie können zu einer Abweichung vom Grundsatz der Erfolgswertgleichheit führen, da eine Partei mehr Sitze erhalten kann, als ihr nach dem Zweitstimmenanteil rechnerisch zustünden.
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- Nicole Böhmer (Author), 2004, Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58829