Das Verhältnis von Glauben und Werken in Martin Luthers "Sermon von den guten Werken"


Hausarbeit, 2005

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung und Inhalt

I. Definition von »Glaube« und »gutem Werk«

II. Lebensvollzug und Erfüllung des ersten Gebotes

II.1. Der Glaube als Hauptmann und Werkmeister im Lebensvollzug

II.2. Die Stufen des Glaubens im Leben

II.3. Glaube, ein rechtfertigender Gottesdienst

III. Die Werke als Übung des Glaubens

III.1. Ausübung und Einübung

III.2. Das zweite Gebot als Übung des Glaubens

III.3. Die anderen Gebote und ihre Konkretionen

IV. Abschluss

Literaturangaben

Quelle

Hilfsmittel

Sekundärliteratur

Einführung und Inhalt

Diese kirchengeschichtliche Proseminararbeit behandelt das Verhältnis von Glauben und menschlichen Werken nach Martin Luthers Verständnis in dessen Sermon »Von den guten Werken«. Es wurde Anfang 1520 geschrieben, und Herzog Johann, dem Bruder des sächsischen Kurfürsten Friedrich gewidmet. Die Schrift erzielte einen derart großen Erfolg, dass im gleichen Jahr sieben weitere Ausgaben gedruckt wurden.

Hier soll nun v.a. auf den Zusammenhang zwischen Theologie (Glaube) und Ethik (Werke) eingegangen werden. Wie der Titel schon andeutet, wird deren Verhältnis zueinander erläutert, und anhand der zehn Gebote, insbesondere des ersten, so wie Luthers Schrift es vorgibt, deutlich gemacht. Das genaue Vorgehen lässt sich an der nachfolgenden Inhaltsangabe ablesen.

Die für die Erarbeitung entscheidende Band sechs der Weimarer Ausgabe wurde ohne weitere Vermerke nach Seite und Zeile zitiert. Die Zitate selbst wurden behutsam an heutiges Deutsch angepasst und übertragen, die Genauigkeit der Zitate dabei nicht beeinträchtigt.

I. Definition von »Glaube« und »gutem Werk«

Mit dem Begriff »Werke« bezeichnet Luther das gesamte Handeln und Tun des Menschen, dessen „Wesen und Natur kein Augenblick sein kann ohne Tun oder Lassen, Leiden oder Fliehen (denn das Leben ruhet nimmer, wie wir sehen)“ [1]. Durch die Zehn Gebote Gottes wird nun dieses Leben und Weben geregelt, und die Werke in gute und schlechte unterteilt, also in gottesfürchtiges und sündiges Leben.

Zudem „ist zu wissen, dass keine guten Werke sind, denn allein die Gott geboten hat, gleichwie keine Sünde ist, denn allein die Gott verboten hat“ [2]. Der Rahmen ethischen Handelns ist damit schon zu Beginn des Sermons abgesteckt, und wird im Laufe der Schrift mit ausführlichen Erläuterungen zu Gebot und Verbot konkretisiert werden.

Sind nun die „guten Werke“ eindeutig mit der Erfüllung der Werke gleichgesetzt, die sich aus den Geboten ergeben, so hat dies zweierlei zur Folge. Zum einen wird jedem Gesetzestreuen, der die Gebote gänzlich beachtet, Seligkeit zugesprochen. [3] Zum anderen werden aber auch menschliche Gesetze, Vorschriften und Ordnungen, welche nicht in den Geboten eine Entsprechung finden, zu irrigen Gedankenkonstrukten, die keineswegs ein gottgefälliges Lebens ermöglichen. [4]

Aus dem ersten Gebot erschließt sich für Luther die Definition von Glauben. In ihm offenbart sich Gott als „unser Gott“, neben dem kein anderer im Leben bestehen soll. Glaube ist, wenn „du herzlich ihm [und nur ihm] trauest und alles Gute, Gnade und Wohlgefallen von ihm erwartest, es sei in Werken oder Leiden, in Leben oder Sterben, in Liebe oder Leid [...] und dieser Glaube, Treue, Zuversicht des Herzensgrundes ist wahrhaftige Erfüllung dieses ersten Gebotes“ [5]. Solch ein Glaube kann nur durch Christus entstehen, [6] der ein lebendiger Beweis für Gottes Gnade und Barmherzigkeit ist, indem er als sein einziger Sohn für die Menschen gestorben ist, ohne je an Zuversicht und Hoffnung verloren zu haben. Hat nun der Mensch dieses Wort von Christus aus der Schrift vor Augen oder in den Ohren, so kann er „schöpfen den Glauben und die Zuversicht“[7], die ihm geboten sind.

II. Lebensvollzug und Erfüllung des ersten Gebotes

Luther baut seine Ausführungen, wie schon gesagt, am Raster der zehn Gebote auf, reiht diese aber, ihrer Bedeutung nach, nicht wahllos aneinander. Er gliedert die Gebote zunächst in zwei Hälften, entsprechend den beiden Gesetzestafeln des Mose. Die erste Tafel mit den ersten drei Geboten regelt das rechte Gottesverhältnis, d.h. sie unterweist den Menschen „in den Dingen, die Gott anlangen, und in welchen Gott mit ihm und er mit Gott zu tun hat“[8]. Die zweite Tafel mit den anderen sieben Geboten regelt das Verhältnis unter den Menschen, sie „lehren uns [...], wie wir uns gegen den Menschen in guten Werken üben sollen“[9].

Allen Geboten voran steht jedoch „das erste und höchste, alleredelste gute Werk“[10], nämlich die Erfüllung des ersten Gebots, „dass immer das erste Gebot in allen Geboten der Hauptmann und der Glaube das Hauptwerk und Leben aller anderen Werke sei, ohne welchen [...] sie nicht gut mögen sein“ [11]. Diese beiden Zitate sind von zentraler Bedeutung für Luthers Glaubens- und Rechtfertigungsverständnis, die nun im Folgenden erläutert werden sollen.

II.1. Der Glaube als Hauptmann und Werkmeister im Lebensvollzug

Vor allen anderen menschlichen Tätigkeiten und Werken muss zuerst immer der Glaube stehen, der als „Hauptmann“ die anderen Werke lenkt und diesen die richtige Richtung zu befehlen weiß. Denn ohne ihn ist jedem Werk „der Kopf ab“[12], d.h. es ist umsonst geschehen und ohne das Wohlwollen Gottes, mag das Werk auch noch so groß sein. Denn im Vergleich mit Gott muss jegliches menschliche Tun als nichtig und sündig erscheinen. Der Mensch kann „niemals ein gutes Werk [verrichten], dass Gott genügte und recht wäre“ [13], da es dem Menschen nicht möglich ist, alle Gesetze fortwährend vollständig in seinem Dasein umzusetzen[14].

Verrichtet der Mensch aber seine Werke in der Gewissheit, dass Gott sie annimmt, glaubt und hofft er auf Gottes guten Willen, so wird ihm die Gerechtigkeit Gottes zuteil. Trotz Fehlerhaftigkeit und Unzulänglichkeit werden seine Werke durch diesen Glauben dennoch von Gott angenommen, sie können ihren Wert „wie ein Lehen von ihm empfangen“ [15]. „Dabei ist die Erfüllung des Glaubens in den Werken keine zeitliche oder psychologische, sondern eine sachlogische Folge“ [16], d.h. unmittelbar durch den Glauben werden die Werke „gut“ und vor Gott etwas wert.

Der Glaube ist demnach der „Werkmeister“ [17], also ein Meister, der lehrt, wie die Werke richtig zu tun sind. Zu diesen Werken zählen jedoch nicht nur die kirchlich-frommen, wie Beten, Fasten, Gottesdienst etc., sondern auch die schlichten Tätigkeiten des Alltags und Berufslebens. Luther kritisiert energisch, dass nur die von der Kirche vorgeschriebenen Werke als gut eingeschätzt werden. Er verlangt eine ganzheitliche Ausrichtung allen Wirkens und Tuns des Menschen, ja seines gesamten Lebens, auf den Glauben, da nach Luthers Verständnis, Gott „alles dienet, was im Glauben geschehen, geredet, gedacht werden mag“ [18]. Dazu gehören folglich auch die profanen und allzu weltlichen Dinge, wie „gehen, stehen, essen, trinken, schlafen, und allerlei Werk [...] zu des Leibs Nahrung“ [19].

Hegt der Mensch allerdings Zweifel und Unglaube, vertraut er nicht darauf, dass Gott alle Werke im Glauben wohlgefallen, so ist dies gemäß Röm 14,23 Sünde[20]. Im Misstrauen gegen Gott ist jedes „Werk nicht gut, selbst wenn es alle Toten auferweckte und sich der Mensch verbrennen ließe“ [21]. Schließlich kann jeder Werke tun, auch Pagane, Atheisten und Sünder, doch ohne das Hauptwerk ist alles nichts vor Gott.

Gleichzeitig warnt Luther vor scholastischen Hypothesen [22]: Zum einen sei der Glaube ein Habitus, also eine, neben anderen, erworbene Qualität der Seele. Für Luther aber ist der Glaube ein Werk im Sinne der Erfüllung des Ersten Gebotes. Damit ist es freilich ein besonderes, von Jesus Christus ermöglichtes (siehe hierfür unter I), und nicht eine Einstellung oder eine Eigenschaft der Seele.

Zum andern ging die scholastische Lehrmeinung um, der Glaube sei eine der sieben Tugenden (bestehend aus den drei christlichen aus 1.Kor 13,13, und den vier Kardinaltugenden der Antike). Jede Tugend würde ihre eigenen Werke schaffen, und das unabhängig vom Glauben. Dies widerspricht eindeutig der Vorrangigkeit des Glaubens und lässt sein Werke eines unter vielen sein, wo doch der Glaube die einzige Tugend ist, die die andern Tugenden und deren Werke hervorruft.

[...]

[1] Weimarer Ausgabe, Band 6, Seite 212, Zeile 32f. Im Folgenden nur noch mit Seiten- und Zeilenangeben zitiert.

[2] 204,13-15.

[3] Vgl. 204,17-19.

[4] Vgl. 204,15f.19-24.

[5] 209,29-31.33f.

[6] Vgl. 216,12-39.

[7] 216,28f.

[8] 229,26f.

[9] 250,30f.

[10] 204,25.

[11] 234,1-3.

[12] 205,10; vgl. Althaus: Ethik, S. 12.

[13] Althaus: Ethik, S. 13.

[14] Vgl. 212,32-213,14; 218,14-28.

[15] 204,32.

[16] Bayer: Theologie, S. 260.

[17] 263,27f.

[18] 205,21f.

[19] 205,15f.

[20] Lutherübersetzung: „Was aber nicht aus dem Glauben kommt, ist Sünde.“ Vgl. 206,8-18; Lau: Erstes Gebot, Sp. 721 unten.

[21] 206,12f.

[22] Vgl. 206,18-32.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis von Glauben und Werken in Martin Luthers "Sermon von den guten Werken"
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Ev. Theologie)
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V588315
ISBN (eBook)
9783346170071
ISBN (Buch)
9783346170088
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Luther, Glaube, Werke, Sermon, 10 Gebote, erstes gebot
Arbeit zitieren
Christian Elias (Autor), 2005, Das Verhältnis von Glauben und Werken in Martin Luthers "Sermon von den guten Werken", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/588315

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