Die Perikope Mk 13,9-13 soll hier im Rahmen einer neutestamentlichen Proseminararbeit exegetisiert werden. Gleich zu Beginn findet sich eine Arbeitsübersetzung, die schon zum Teil die erarbeiteten Ergebnisse vorwegnimmt. Es folgen zwei ausgewählte textkritische Probleme und anschließend die klassischen Arbeitsschritte einer Exegese, die sich jedoch nicht strikt voneinander trennen lassen, sondern sich gegenseitig, wie Schnittmengen eines Ganzen, vervollständigen. Dabei wird auf Kontext und Kohärenz als auch linguistische Analysen in Bezug auf Grammatik, Semantik, Syntax und Stil eingegangen. Auf eine abschließende Betrachtung dieses Ganzen soll nicht verzichtet werden.
Inhaltsverzeichnis
Einführung und Inhalt
Teil I: Arbeitsübersetzung
Teil II: Zwei textkritische Probleme
II. 1. Problem in Vers 9b
II. 2. Problem in Vers 10
Teil III: Literarische Analyse
III.1. Kontext und Kohärenz
III.2. Linguistische Analysen (Grammatik, Semantik, Syntax, Stil)
Teil IV: Literarkritik
IV.1. Aufnahme durch Matthäus 10,17-22 und 24,9-14
IV.2. Aufnahme durch Lukas in 12,11f. und 21,12-19
Teil V: Formgeschichte
V.1. Gattungskritik
V.2. „Sitz im Leben“
V.3. Genese der Perikope
Teil VI: Redaktionsgeschichte
VI.1. Komposition durch Markus
VI.2. Aufnahme durch Matthäus
VI.3. Aufnahme durch Lukas
Teil VII: Abschluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel dieser Proseminararbeit ist eine tiefgehende exegetische Untersuchung der Perikope Markus 13,9-13. Dabei wird analysiert, wie der Evangelist Markus die Ankündigung von Verfolgung und Verrat in den eschatologischen Kontext seiner Zeit einbettet und wie diese Thematik durch Matthäus und Lukas in deren jeweiligen Evangelien unterschiedlich rezipiert und redaktionell angepasst wurde.
- Textkritische Analyse ausgewählter Problemstellen in Vers 9b und 10.
- Literarische und formgeschichtliche Untersuchung zur Einordnung der Perikope.
- Vergleichende Analyse der Aufnahme bei Matthäus und Lukas (Literarkritik).
- Bestimmung des „Sitz im Leben“ innerhalb der urchristlichen Gemeinde.
- Redaktionsgeschichtliche Auslegung der markinischen Komposition.
Auszug aus dem Buch
V.1. Gattungskritik
Gemäß Bultmann ist unsere Perikope der Gattung ‚Herrenworte’ zuzuordnen, genauer den prophetischen und apokalyptischen Worten. In der Ölbergrede (13,3-37) lässt der Evangelist, Jesus von den zukünftigen Ereignissen sprechen, die bis zu seiner Wiederkunft geschehen sollen, wobei die Verse 9-13 speziell vom Schicksal der Jünger, also der Gemeindeglieder selbst, künden, die sich zum Wiederkehrenden bekennen.
Die Literarische Analyse zeigte bereits die Komposition aus Futur- und Passivformen, einem unbestreitbaren Kennzeichen apokalyptischer Weissagung, doch sie bietet auch den Nachweis von Imperativen und Begründungen. Die Perikope enthält demzufolge Merkmale verschiedener Gattungen, zum einen die apokalyptischen Verfolgungsankündigungen, zum anderen paränetisches Material, denn es „ist eine gewisse Tendenz zu "normierenden Logien" im Sinn von "Gemeinderegeln" unverkennbar“, die Anweisungen oder Aufforderungen zur Bewältigung der kommenden Übel geben. Die Begrifflichkeit „apokalyptisch-paränetisches Logion“ ist demnach zutreffend und genauer.
Zusammenfassung der Kapitel
Teil I: Arbeitsübersetzung: Präsentation des biblischen Textes der Perikope Mk 13,9-13 in deutscher Übersetzung.
Teil II: Zwei textkritische Probleme: Detaillierte Untersuchung der Varianten in den Versen 9b und 10 zur Bestimmung des wahrscheinlichsten Urtextes.
Teil III: Literarische Analyse: Untersuchung von Kontext, Kohärenz, Sprache und Stil der Perikope im Rahmen des Markusevangeliums.
Teil IV: Literarkritik: Vergleich der Rezeption der Perikope bei Matthäus und Lukas unter Voraussetzung der Zwei-Quellen-Theorie.
Teil V: Formgeschichte: Bestimmung der Gattung, des „Sitz im Leben“ und Rekonstruktion der Genese der Traditionseinheit.
Teil VI: Redaktionsgeschichte: Analyse der theologischen Intention des Markus bei der Komposition des Textes sowie der Umdeutungen bei Matthäus und Lukas.
Teil VII: Abschluss: Zusammenfassende Reflexion über die Kraft des Martyriums anhand eines Beispiels aus dem 20. Jahrhundert als Gegenwartsbezug.
Schlüsselwörter
Markusevangelium, Exegese, Mk 13,9-13, Verfolgung, Verrat, Eschatologie, Martyrium, Redaktionsgeschichte, Formgeschichte, Zwei-Quellen-Theorie, Gemeinde, Nachfolge, Naherwartung, Textkritik, Zeugnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit widmet sich der exegetischen Analyse der Perikope Markus 13,9-13, welche die Ankündigung von Verfolgung und Verrat an die Jünger Jesu thematisiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Verfolgung der christlichen Gemeinde, das Verhalten im Kontext von Anklagen und Gericht sowie die Bedeutung des Bekenntnisses und der Standhaftigkeit bis zum Ende.
Was ist das primäre Ziel der Exegese?
Ziel ist es, die Eigenart der markinischen Darstellung gegenüber den Parallelstellen bei Matthäus und Lukas herauszuarbeiten und die theologische Intention des Autors zu verstehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zur Anwendung?
Es werden klassische Methoden der neutestamentlichen Exegese angewandt: Textkritik, literarische Analyse, Literarkritik, Formgeschichte und Redaktionsgeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die textkritische Untersuchung, die Einordnung des Kontextes, den Vergleich mit den Parallel-Evangelien sowie die form- und redaktionsgeschichtliche Analyse der Perikope.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Eschatologie, Naherwartung, Martyrium, Zeugnis, Jüngerverfolgung und redaktionelle Bearbeitung.
Wie unterscheidet sich die Darstellung bei Lukas von der bei Markus?
Lukas entfernt die Perikope weitgehend aus dem eschatologischen Kontext und deutet die Verfolgung als Teil des alltäglichen christlichen Lebens, wobei der Beistand nicht mehr primär vom Geist, sondern von Jesus selbst kommt.
Welchen Bezug stellt der Autor am Ende der Arbeit her?
Der Autor stellt einen Bezug zum Martyrium von Dietrich Bonhoeffer her, um die existenzielle Kraft des Zeugnisses und die Mahnung zur standhaften Nachfolge auch in schwersten Situationen zu verdeutlichen.
- Arbeit zitieren
- Christian Elias (Autor:in), 2004, Die Perikope Mk 13,9-13. Eine neutestamentliche Exegese, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/588422