Der vorliegende Unterrichtsentwurf ist für die neunte Klassenstufe an einem hessischen Gymnasium bestimmt. Das Thema "Woran du dein Herz hängst..." findet seien Ort in dem vom hessichen Kultusministerium vorgegebenen Lehrplan unter dem Lernschwerpunkt "Die Frage nach Gott". Die Gottesfrage gehört zu den klassischen Unterrichtsthemen und ist eine der wesentlichen Fragestellungen, mit denen sich Ev. Religionslehre und Theologie auseinandersetzen. Die Religionspädagogik versteht es mit ihren Mitteln, Räume für das Fragen und Antworten zu schaffen, um damit nicht nur zu unterrichten, sondern Lehren und Lernen zu ermöglichen. Mit ihren Inhalten richtet sie sich aus auf die Situation der Lehrenden und Lernenden. Gemeinsam mit der Homiletik scheut sich die Katechetik aber nicht, Antworten zu geben, dies aber immer in neuer und geeigneter Weise. Dieser Unterrichtsentwurf fühlt sich den genannten Zielen verpflichtet.
Als theoretische Grundlage verwende ich mit einigen Abänderungen das Modell von Rainer Lachmann. Beginnend mit der Beschreibung der Lerngruppe und ihrem Lernverhalten, fahre ich fort mit einer kurzen Einleitung in das Konzept der gesamten Unterrichtseinheit, in dem der Unterrichtsentwurf seinen Ort findet. Schritt zwei und drei verhandeln die fachwissenschaftliche und die fachdidaktische Analyse. Diese Schritte bedingen sich letztlich gegenseitig. Um aber das Abfärben der didaktischen Wünsche auf die wissenschaftlichen Ergebnisse zu verhindern, sollen diese zuerst dargestellt werden.
Die Fachdidaktik soll sich vornehmlich mit der Relevanz des Themas für die Schülerinnen und Schüler auseinander setzen, dessen Bedeutung für ihr Leben und Erleben aufzeigen. Sie wird also das Wesentliche der erarbeiteten Ergebnisse herausnehmen. Anschließend in geraffter Form die Stundenziele des Entwurfs, die Darstellung der verwendeten Methoden, Medien etc. und ein Verlaufsplan der konzipierten Stunde. Hier sei auch auf die Anlagen mit dem verwendeten Unterrichtsmaterial hingewiesen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Lerngruppe
I.1. Schüler/Innen
I.2. Das aktuelle Thema des Religionsunterrichts
II. Fachwissenschaftliche Analyse
II.1. Das Erste Gebot in der Bibel
II.2. „Woran du dein Herz hängst“ und „Was uns unbedingt angeht“ - das Erste Gebot bei Martin Luther und Paul Tillich
III. Fachdidaktische Analyse
III.1. Relevanz des Themas „Gott“ für die Lebenswelt der Schüler/Innen
III.2. Gegenwartsbedeutung des Ersten Gebotes
III.3. Zukunftsbedeutung des Ersten Gebotes
IV. Stundenziele
V. Methodische Überlegungen
V.1. Lernatmosphäre
V.2. Einstieg
V.3. Erarbeitungsphase I
V.4. Erarbeitungsphase II
V. 5. Ergebnissicherung
VI. Verlaufsplan der Unterrichtsstunde
VII. Literaturangaben
VIII. Anlagen
1. Folie zum Unterrichtsbeginn
2. Tafelanschrieb mit Hausaufgabe der vorigen Stunde
3. Arbeitsblatt zum Ersten Gebot
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit entwickelt einen katechetischen Unterrichtsentwurf für die neunte Klasse zum Thema „Woran du dein Herz hängst...“, basierend auf der Gottesfrage und dem Ersten Gebot. Ziel ist es, Jugendlichen eine Reflexionsmöglichkeit über ihre persönlichen Lebensausrichtungen zu bieten und den Unterschied zwischen dem christlichen Gottesverständnis und säkularen „Götzen“ zu verdeutlichen.
- Fachwissenschaftliche Fundierung des Ersten Gebots (Luther und Tillich)
- Analyse der Lebenswelt und Religiosität von Jugendlichen
- Didaktische Umsetzung der Gottesfrage als Sinnstiftung
- Förderung der Urteils- und Wahrnehmungskompetenz im Kontext von Konsum und Abhängigkeiten
- Verknüpfung von theologischen Inhalten mit der persönlichen Lebensrealität
Auszug aus dem Buch
II.1. Das Erste Gebot in der Bibel
„Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich herausgeführt hat aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus. Du sollst neben mir keine fremden Götter haben.“ (Ex 20,2f.)
Das Erste Gebot steht am Anfang des Dekalogs und der umfangreichen Gesetzesbestimmungen aus der Überlieferung des Ersten Testaments. Es ist damit nicht nur die bestimmende „Präambel“ der Zehn Gebote, sondern der Kern und das Scharnierstück des gesamten Gesetzes, und darüber hinaus der gesamten Theologie der beiden Testamente. Diese wesentliche Bedeutung des Ersten Gebots soll im Folgenden in einer kurzen Darstellung ihre Begründung finden.
Das „Volk Israel“ ist auf seinem langen Exodus aus Ägypten (Ex 12-18) am Sinai angekommen. Hier erscheint Gott den Israeliten in einer gewaltigen Epiphanie (Ex 19). Doch nur Mose darf sich Gott nahen und Gott spricht die Zehn Gebote aus (Ex 20,1-17). Später kommen weitere Gebote hinzu, ein Bund mit den Israeliten wird geschlossen und Mose erhält die steinernen Tafeln (Ex 24). Daran schließen sich die großen Gesetzessammlungen an (Ex 25-Num 10).
Die Zehn Gebote sind im apodiktischen Stil geschrieben und allgemein gehalten, sie sind also nicht spezielle Gebote für bestimmte Rechtsfälle, wie sie in den Gesetzessammlungen enthalten sind. Dies unterstreicht ihre Grundsätzlichkeit und ihren universellen Charakter, wie sie in der Tradition bis heute gesehen werden. Gott selbst spricht die Gebote aus, ohne dass hier die Mittlerschaft des Mose betont wird, und gibt ihnen dadurch ihre herausragende Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Unterrichtsentwurfs für eine neunte Gymnasialklasse im Rahmen des Themas „Die Frage nach Gott“.
I. Lerngruppe: Analyse des Lernverhaltens, der Gruppendynamik und der spezifischen Voraussetzungen der neunten Klasse.
II. Fachwissenschaftliche Analyse: Theologische Herleitung des Ersten Gebots bei Luther und Tillich sowie biblische Verankerung.
III. Fachdidaktische Analyse: Erörterung der Relevanz des Themas für die Lebenswelt Jugendlicher, inklusive Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung.
IV. Stundenziele: Formulierung der angestrebten Lernziele für die unterrichtspraktische Umsetzung.
V. Methodische Überlegungen: Darlegung der didaktischen Methoden von der Lernatmosphäre bis zur Ergebnissicherung.
VI. Verlaufsplan der Unterrichtsstunde: Tabellarische Übersicht des 45-minütigen Unterrichtsverlaufs.
VII. Literaturangaben: Auflistung der für die Arbeit herangezogenen Fachliteratur.
VIII. Anlagen: Dokumentation der Unterrichtsmaterialien, inklusive Folien, Tafelbildern und Arbeitsblättern.
Schlüsselwörter
Erstes Gebot, Gottesfrage, Religionspädagogik, Martin Luther, Paul Tillich, Unterrichtsentwurf, Lebenswelt, Jugendliche, Götzen, Abgötter, Sinnsuche, Dekalog, Freiheit, Abhängigkeit, Glaubensbekenntnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit stellt einen detaillierten Unterrichtsentwurf für den evangelischen Religionsunterricht einer neunten Gymnasialklasse zum Thema „Woran du dein Herz hängst...“ vor.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Zentral sind die biblische Bedeutung des Ersten Gebots, dessen Interpretation durch Martin Luther und Paul Tillich sowie die Anwendung auf die Lebensrealität und die Sinnsuche Jugendlicher.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, Schülern zu vermitteln, wie sie eigene Lebensausrichtungen kritisch hinterfragen und das Erste Gebot als Orientierungshilfe für ein freies und verantwortungsbewusstes Leben verstehen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fachwissenschaftliche Analyse der biblischen und reformatorischen Grundlagen sowie eine fachdidaktische Reflexion, die durch pädagogische Ansätze zur Wahrnehmungsschulung ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Lerngruppenanalyse, die theologische Fundierung des Ersten Gebots, eine didaktische Einordnung sowie eine methodisch präzise Planung einer 45-minütigen Unterrichtsstunde.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gottesfrage, Götzendienst, Sinnstiftung, Lebenswelt, Wahrnehmungskompetenz und die Unterscheidung zwischen bedingten und unbedingten Lebensinhalten.
Wie beziehen Luther und Tillich das Erste Gebot auf den Alltag?
Beide betonen, dass das, woran man sein Herz hängt, den Status eines Gottes einnimmt; während Luther dies bildlich als Vertrauenssache beschreibt, nutzt Tillich den Begriff des „Unbedingten“, um zwischen täglichen Abhängigkeiten und dem wahren Schöpfer zu unterscheiden.
Warum wird im Unterricht mit kreativem Schreiben gearbeitet?
Die Methode des kreativen Schreibens dient als „Prinzip der Irritation“, um bei Schülern tiefere Reflexionsprozesse über ihre persönlichen Werte und Abhängigkeiten auszulösen, statt lediglich automatische Standardantworten abzurufen.
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- Christian Elias (Author), 2008, Unterrichtsentwurf "Woran du dein Herz hängst" nach dem Modell von Rainer Lachmann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/588671