Norbert Elias - Der unendliche Prozess der Zivilisation


Seminararbeit, 2000

19 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung:

2 Kurzbiographie des Autors:

3 Der Prozess der Zivilisation:
3.1 Der Monopolmechanismus:

4 Humana Conditio – Das Los der Menschheit
4.1 Vorüberlegungen:
4.2 USA versus Sowjetunion:
4.3 Szenarien nach Ende des Machtkampfes:

5 Interpretation des „Prozesses der Zivilisation“ in bezug zu „Humana Conditio“
5.1 Das bipolare System:
5.2 Kritik der Arbeit Elias:

6 Fazit:

7 Literatur:

1 Einleitung:

Im Laufe der Geschichte ist es immer wieder zur Entstehung von Großmächten gekommen, die in ihrer Zeit, aus den verschiedensten Gründen, mächtiger und stärker waren als Andere. Beispiele hierfür gibt es zu Genüge, wie etwa das Römische Reich. Allerdings folgte in allen Fällen dem Aufstieg zur Großmacht irgendwann der Fall.

Viele Sozialwissenschaftler beschäftigen daher sich mit dem Thema, wie es zum Aufstieg und zum Niedergang von Hegemonien kommt. Einer von ihnen war Norbert Elias.

Norbert Elias setzte sich in seinem Hauptwerk, dem „Prozess der Zivilisation“ u.a. damit auseinander, wie es dazu kommen kann, das sich ein Staat, bzw. ein paar wenige Staaten, ein Machtmonopol gegenüber anderen Staaten verschaffen konnte. In einem anderen Werk, „Humana Conditio“ beschreibt Elias dies erneut und versucht es anhand von Beispielen aus der Geschichte zu verdeutlichen.

In dieser Arbeit soll das Schaffen von Norbert Elias analysiert und interpretiert werden. Genauer gesagt es soll versucht werden inwieweit sich die, eher theoretisch gehaltenen, Ausführungen im „Prozess der Zivilisation“ mit seinen Ideen zur Entwicklung der Situation im „Kalten Krieg“ vereinbaren lassen.

Hierzu wird, nach einer Kurzbiographie von Norbert Elias, zunächst einmal das Essentielle des „Prozesses der Zivilisation“, genauer des Monopolmechanismus, kurz dargestellt. Im Anschluss daran erfolgt eine kurze Analyse von „Humana Conditio“.

In einem dritten Schritt werde ich versuchen einen Vergleich der beiden Hauptwerke von Elias vorzunehmen, insbesondere ob und inwiefern sich seine Thesen aus dem „Prozess der Zivilisation“ mit seine Ausführungen in „Humana Conditio“ vereinbaren lassen.

Zum Abschluss dieser Hausarbeit werden eine Kritik der Arbeit von Elias und ein Fazit folgen.

2 Kurzbiographie des Autors:

Norbert Elias lebte von 1897 bis 1991. Er war als Soziologe ein Assistent Karl Mannheims.

1933 emigrierte er aus Deutschland; zunächst nach Frankreich und später dann nach England, wo er seine Theorien zum Zivilisationsprozess entwickelte.

Das Besondere an der Theorie von Elias war, dass er versuchte über einen Untersuchungszeitraum von mehreren Jahrhunderten eine Zusammenhang zwischen Veränderung im Verhalten von Individuen (Psychostruktur) und Veränderungen der Gesellschaft (Soziostruktur) aufzuzeigen. Konkreter lässt sich die Arbeit von Elias in drei Hauptpunkte gliedern:

1. Er versucht im historischen Prozess der Zivilisation langfristige Veränderungen des Individualverhaltens zu ergründen.
2. Er fragt in Bezug auf die Ausbildung von Verhaltensstandards und sozialer Kontrolle nach langfristigen Veränderungen der Gesellschaft, vor allem in der europäischen Oberschicht.
3. Er deckt einen Wirkungszusammenhang zwischen 1.) und 2.) auf bzw. anders formuliert, er stellt eine Beziehung zwischen Individualstruktur und Gesellschaftsstruktur her.

Elias weist in seiner Arbeit weiterhin nach, dass die Gesellschaftsentwicklung in Europa nicht nur Resultat von politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen, sondern auch von grundlegenden Veränderungen des menschlichen Individualverhaltens war.

Sein Hauptwerk , der „Prozess der Zivilisation“ wurde von ihm im Jahre 1939 im Exil verfasst. Es blieb allerdings über Jahre hinweg unbeachtet. Erst die Neuerscheinung im Jahre 1969 wurde in Fachkreisen anerkannt.

3 Der Prozess der Zivilisation:

„Der Prozess der Zivilisation“ ist als das Hauptwerk des Schaffens von Norbert Elias anzusehen. Es basiert auf einigen mittelalterlichen Manier- und Zuchtbüchern. Nach Schwerhoff ist die Schrift „De civilitate morum puerilium“ von Erasmus von Rotterdam (1530) als „historischer Angelpunkt des Prozesses der Zivilisation“[1] zu betrachten. In diesen Büchern wurden bestimmte Verhaltensnormen beschrieben, welche von den Menschen der spätmittelalterlichen Gesellschaft, insbesondere an den Höfen, als verpflichtend angesehen wurden. So gab es beispielsweise Normen über das Essen mit Messer und Gabel usw..

In Zuge dessen entwickelte sich bei den Menschen ein ausgeprägteres Verlangen nach Intimität. Diesen Prozess bezeichnet Schwerhoff als Trend vom Fremd- zum Selbstzwang und wird von zwei weiteren Prozessen begleitet[2]:

1. Mit dem Trend zur zunehmenden sozialen Funktionsteilung und Differenzierung
2. Mit dem Trend zur Integration kleiner sozialer Einheiten in größere

Den zweiten Prozess bezeichnet Elias als „Monopolmechanismus“.

Für das weitere Verständnis dieser Arbeit ist der Monopolmechanismus genauer zu betrachten.

3.1 Der Monopolmechanismus:

Neben den angesprochenen Manierbüchern des Mittelalters ist vor allem die sich ausprägende Transformation von der Natural- zur Geldwirtschaft als Auslöser des „Prozesses der Zivilisation“ zu bezeichnen[3].

Für Elias beginnt dies im 11. Jahrhundert. Zu dieser Zeit gab es eine Reihe kleinerer Gutsherren, die für ihr Gebiet, über ein Gewaltmonopol verfügten. Diese Gutsherren führten untereinander Kriege, um neue Ländereien zu erobern und damit ihre persönliche Macht zu vergrößern, da sie, im Falle eines erfolgreichen Krieges, den Besitz und somit auch die Herrschaftsfunktionen des Besiegten an sich reißen konnten.[4]

Elias konkretisiert diese Annahme, anhand eines Beispiels. Er geht davon aus, dass in einem bestimmten Raum von Menschen Einer gegen Einen kämpft. Da es sich um mehrere solcher Auseinandersetzungen handelt, gibt es nach einer gewissen Zeit eine Reihe von Siegern und eine Reihe von Verlierern. Die Sieger treten nun ihrerseits wieder untereinander in Konkurrenzkampf, während die Verlierer ausscheiden.

„Wenn in einer größeren, gesellschaftlichen Einheitviele der kleineren, gesellschaftlichen Einheiten, die die größere durch ihre Interdependenz bilden, relativ gleiche , gesellschaftliche Stärke haben und dementsprechend freimiteinander um Chancen der gesellschaftlichen Stärke konkurrieren können, also vor allem um Subsistenz- und Produktionsmittel, dann besteht eine sehr große Wahrscheinlichkeit dafür, dass einige siegen, andere unterliegen und dass als Folge davon nach und nach immer weniger über immer mehr Chancen verfügen, dass immer mehr aus dem Konkurrenzkampf ausscheiden müssen und in direkte oder indirekte Abhängigkeit von einer immer kleineren Anzahl geraten.[5]

Nach Meinung von Elias kann es bei diesen Prozessen eine Vielzahl von Variationen geben. So könnte es beispielsweise der Fall sein, dass sich mehrere kleinere Akteure zusammenschließen, um kollektiv gegen einen, zu mächtig gewordenen, Kontrahenten vorzugehen. Wäre dieses Unterfangen erfolgreich, so stünden diese kleineren Akteure allerdings ihrerseits wieder in Konkurrenz untereinander und der Prozess würde aufs Neue beginnen.[6]

Wie bereits erwähnt ist die, sich ausbreitende, Geldwirtschaft teilweise Auslöser für diese Entwicklung. Sie, die sich ausbreitende Geldwirtschaft, führte zu einer zunehmenden Konkurrenzsituation und verstärkten Interdependenzen zwischen den Feudalherren des Mittelalters. Als Konsequenz dieser Entwicklung entstand das Bedürfnis einer zentralen Institution, die als Regulierungsinstanz fungieren sollte.

[...]


[1] Schwerhoff, Gerd 1998: Zivilisationsprozess und Geschichtswissenschaft. Norbert Elias` Forschungsparadigma aus historischer Sicht, S. 568, in: Historische Zeitschrift, Band 266 (1998), S. 561-605.

[2] Vgl.: Schwerhoff, Gerd 1998: Zivilisationsprozess und Geschichtswissenschaft. Norbert Elias` Forschungsparadigma aus historischer Sicht, S. 569, in: Historische Zeitschrift, Band 266 (1998), S. 561-605.

[3] Unter Naturalwirtschaft ist nach Hermann Korte eine „enge Koppelung der Gütergewinnung und Konsumtion ohne Zwischenhandel und vor allem ohne Geld“ zu verstehen. Vgl.: Korte, Hermann 1988: Über Norbert Elias – Das Werden eines Menschenwissenschaftlers, S. 152.

[4] Vgl.: Elias, Norbert 1969: Über den Prozess der Zivilisation, S. 143.

[5] Ebenda S. 144.

[6] Ebenda S. 146.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Norbert Elias - Der unendliche Prozess der Zivilisation
Hochschule
Hochschule Darmstadt  (Fachbereich Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Seminar Zwischen Mittelalter und Millennium
Note
2
Autor
Jahr
2000
Seiten
19
Katalognummer
V589
ISBN (eBook)
9783638103923
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Norbert, Elias, Prozess, Zivilisation, Seminar, Zwischen, Mittelalter, Millennium
Arbeit zitieren
Christoph Ohl (Autor), 2000, Norbert Elias - Der unendliche Prozess der Zivilisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/589

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