Der Zufall - unter besonderer Berücksichtigung bei Friedrich Dürrenmatt


Seminararbeit, 2004
13 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Hauptteil
1. Allgemeines zum Zufall
1.1 Zur Begriffsgeschichte des Zufalls
1.2 Der Zufall im Alltag
1.3 Der Zufall in der Erzählkunst
2. Über den Zufall bei Friedrich Dürrenmatt
2.1 Dürrenmatts Idee vom Zufall
2.2 Der Zufall in „die Physiker“
2.3 Der Zufall in „der Meteor“

Schlussteil

Bibliographie

Einleitung

Thema dieser Hausarbeit ist der Zufall. In der Wissenschaft geht es immer noch um die Frage, ob es echten Zufall gibt oder ob der Mensch doch in einer determinierten Welt lebt, und man nur vom Zufall spricht, weil es noch nicht genügend Daten zu einem scheinbar zufälligen Ereignis gibt. Doch mittlerweile ist sogar erwiesen, dass in theoretisch absolut deterministischen Systemen unvorhersagbares Verhalten auftritt. Dieses Problem wird in der Chaostheorie untersucht.

In der Mathematik findet sich in der Wahrscheinlichkeitstheorie der Zufall wieder. Zum Beispiel ist es unmöglich, auch bei einem exakt verarbeiteten Würfel, vor dem Wurf das Ergebnis vorauszusagen. Scheinbar ist das Ergebnis zufällig. Trotzdem ergibt sich ein so ausgeglicheneres Bild der verschiedenen Zahlen je öfter der Würfel geworfen wurde.

Das sind nur zwei Gebiete in denen der Zufall zu finden ist. Den Zufall gibt es im alltäglichen Leben, in der Natur, in den theoretischen Wissenschaften, wie der Physik, der Philosophie und der Literatur.

Meine Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil werde ich zuerst mit der Begriffsgeschichte des Zufalles beginnen. Da der naturwissenschaftliche Zufall für eine Arbeit unter literaturwissenschaftlichen Aspekt nicht absolut relevant ist, fahre ich mit einigen Beispielen aus dem alltäglichen Leben fort, die zu einem auf Grund ihrer geringeren Komplexität leichter zu verstehen sind, und die auch auf Grund ihres Inhaltes, da dieser lebensnahe Szenarien darstellt, für den Leser leichter zugänglich sind. Abschließen werde ich den ersten Teil mit einer Erläuterung des Zufalls in der Erzählkunst.

Im zweiten Teil der Arbeit werde ich dann den Zufall unter besonderer Berücksichtigung von Friedrich Dürrenmatt behandeln. Zuerst gebe ich einen Einblick in Dürrenmatts Konzeption vom Zufall. Dann werde ich anhand zweier Werke die Wirkungsweise des Zufalls darlegen.

Ich habe diesen Aufbau gewählt um von der zuerst allgemeinen Darstellung des Zufalls zur speziellen Darstellung des Zufalls bei Dürrenmatt überzugehen, damit der Leser langsam in dieses Thema eingeführt wird.

Die Fragestellung im ersten Teil meiner Arbeit ist, welche Arten von Zufällen es gibt. Im zweiten Teil soll die Frage beantwortet werden, in welcher Weise der Zufall bei Friedrich Dürrenmatts Werken auftritt und was er bewirkt.

1.1 Zur Begriffsgeschichte des Zufalls

Während man in der Scholastik für diesen Terminus das lateinische Wort „accidens[1] “ benutzte, hat sich das deutsche Wort „Zufall“ erst im 13/14 Jahrhundert vom mittelhochdeutschen Wort „zuoval“ abgeleitet.

Am Anfang des 17. Jahrhunderts änderte sich die semantische Bedeutung des Wortes „Zufall“. Es wurde nun als Übersetzung der lateinischen Wörter „fors, fortuna, casus“[2] verwendet. Durch die Symbiose von einerseits „accidens“ und andrerseits „fors, fortuna, casus“, die alle mit „Zufall“ übersetzt wurden, sprach man damals, wenn man vom Zufall sprach, von einer nicht notwendigen und unberechenbaren Macht.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde alles, was einer sittlichen-ethischen und logischen Begründung entbehrte als „zufällig“ bezeichnet.

Zur gleichen Zeit taucht das Wort „contigens[3] “ auf, welches seit Kant dann auch allgemein mit „Zufall“ übersetzt wird. Doch während man beim Zufall heute entweder von einem unvorhersehbaren oder unbeabsichtigten Ereignis spricht, entspricht „contigens“ eigentlich dem Gegensatz zur Seinsnotwendigkeit. Auch Aristoteles verwendete für Kontingenz das Wort „symbebekos“ und für Zufall das Wort „tyche“.

Trotz allem werden beiden Wörtern, Zufall und Kontingenz, in den meisten Fällen die gleiche Bedeutung zugemessen.[4]

1.2 Der Zufall im Alltag

Der Zufall im Alltag ist der am häufigsten auftretende Zufall. Entweder als Einzelereignis oder als Verkettung von vielen Ereignissen begegnet der Zufall uns jeden Tag.

Ganz allgemein formuliert ist der Zufall ein Ereignis für das keine Notwendigkeit besteht und das ohne erkennbaren Grund oder unbeabsichtigt auftritt. Das Wort „Zufall“ wird hierzulande in den verschiedensten Situationen des Alltages gebraucht. Anhand einiger Beispiele wird deutlich, wie der Zufall auftreten kann und wann man vom „Zufall“ spricht:

1. Treffen sich zwei Bekannte in einer Kneipe, von denen mindestens einer nicht das Motiv hatte den anderen zu treffen, dann spricht man von einem unbeabsichtigten Zufall. Zufällig auch deswegen, weil jeder von beiden auch eine andere Kneipe hätte besuchen können.
2. Die Heilung eines HIV infizierten Menschen wäre ein Zufall o hne erkennbaren Grund. Da bei HIV infizierten Menschen die Todeswahrscheinlichkeit bei nahezu 100% liegt muss man bei einer Heilung von solch einem Zufall sprechen. Der Zufall ist ohne erkennbaren Grund und nicht ohne Grund eingetreten, weil jede Wirkung, in dem Falle die Heilung des Patienten, eine Ursache braucht. Und diese Ursache ist wiederum wieder die Wirkung einer anderen Ursache. Aber ohne Grund geschieht nichts.
3. Das dritte Beispiel ist sicherlich das interessanteste im Alltag. Es betrifft den Zufall wenn zwei unabhängige Kausalketten aufeinander treffen. Zufälle dieser Art passieren sekündlich. Jede Sekunde treffen beliebig viele unabhängige Kausalketten aufeinander. Bei unabhängigen Kausalketten, die aufeinandertreffen und als Produkt ein Unglück haben, spricht man von nicht „notwendigen Zufällen“.

Geht zum Beispiel Person A, weil sie heute Abend kochen will, in den Supermarkt und kommt an einem Haus vorbei, auf dem Person B als Dachdecker arbeitet, und sie kommt aufgrund eines herabfallenden Stein zu Tode, dann ist das ein nicht notwendiger Zufall zweier unabhängiger Kausalketten.[5] Nicht Notwendig ist er deshalb, weil es erstens nicht in der Natur von Dachdeckern liegt Steine fallen zu lassen und auch nicht in der Natur von Personen liegt, die Absicht zu haben, sich von herabfallenden Steinen töten zu lassen. Auch ist dieses Unglück deswegen ein Zufall, weil beide Kausalketten unabhängig voneinander ihren Lauf genommen hätten. Person A wäre einkaufen gegangen, vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt, und Person B hätte das Dach gedeckt.

[...]


[1] deutsch: Unwesentlichkeit, Zufälligkeit

[2] deutsch: Geschick, Zufall; Schicksal, Glück, Fall, Untergang, Schicksalsschlag

[3] deutsch: zufällig, unwesentlich

[4] Vgl. Johannes Seifen, Der Zufall – eine Chimäre, Sankt Augustin, Academia Verlag, 1992, S. 15-17

[5] Paul Erbrich, Zufall – eine naturwissenschaftliche Untersuchung Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz, Kohlhammer, 1988

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Zufall - unter besonderer Berücksichtigung bei Friedrich Dürrenmatt
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1.0
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V58914
ISBN (eBook)
9783638529822
ISBN (Buch)
9783640865529
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hausarbeit zum Thema Zufall, Zufall in der Literatur und speziell in Dürrenmatts Werken.
Schlagworte
Zufall, Berücksichtigung, Friedrich, Dürrenmatt
Arbeit zitieren
Ernst Rieger (Autor), 2004, Der Zufall - unter besonderer Berücksichtigung bei Friedrich Dürrenmatt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58914

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