Bei der Lektüre des Märe des „Gänslein“ und der vorausgegangenen Überlegung, dramatische Strukturen und dramatisierende Elemente dieser mittelalterlichen Versnovelle, mit dem Hintergrund einer dem Satz als solches immanenten Dramatik herauszuarbeiten, wurden zunächst dramentypische Züge erkennbar, indem eine szenische Unterteilung des Märe bereits in diesem angelegt waren. Durch die, einem jeden Märe eigene, Instanz des Erzählers und durch eine mehr oder weniger dichte Dialogizität der handelnden Personen, wäre eine weitere Grundlage der Theatralität geschaffen. In dieser Arbeit stelle ich mir die Aufgabe, das Märe des „Gänslein“ in eine dramatische Struktur, bis hin zu einem dramatischen Text mitsamt Regieanweisungen, Bühnengestaltung und Dialogen der Akteure zu überführen, wobei sich mir die Frage einer tatsächlichen Aufführbarkeit dieser Versnovelle stellt. Neben der Überlieferungsgeschichte, der literarhistorischen Einordnung des Märe und seiner Motivgeschichte, werde ich das Hauptaugenmerk auf die Theatralität dessen richten und vor allem auf eine dramatische Umsetzung, welche im Anhang dieser Arbeit ausgeführt ist.
Inhaltsverzeichnis
Überlieferung
Literarhistorische Einordnung
Motivgeschichte
Zum Gänslein und dessen immanenter Motivik
Dispositionsschema
Dramenschema nach Gustav Freytag
Überführung des Märe in eine dramatische Struktur
Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das mittelalterliche Märe "Das Gänslein" hinsichtlich seiner theatralen Potenziale und entwickelt einen konkreten Entwurf für dessen dramatisierte Umsetzung. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die epische Versnovelle durch eine dramatische Struktur, inklusive Regieanweisungen und Bühnengestaltung, für eine Aufführung adaptiert werden kann.
- Analyse der Überlieferungsgeschichte und literarhistorischen Einordnung des Stoffes.
- Untersuchung der Motivgeschichte der "erotischen Naivität" im Vergleich zu anderen Werken.
- Anwendung rhetorischer und dramentheoretischer Schemata auf den epischen Text.
- Entwicklung eines Regie- und Inszenierungskonzepts für die theatrale Realisierung.
Auszug aus dem Buch
Zum Gänslein und dessen immanenter Motivik
Gleich zu Anfang wird das Augenmerk auf ein prächtig gebautes Kloster gelenkt, welches sehr gastfreundlich ausgestattet ist und zu allen Zeiten den Gästen ein gutes Mahl bereitet. Folgend wird jedoch darauf hingewiesen, in welcher Abgeschiedenheit dasselbe sich befindet und so nur selten von Fremden besucht wird. Augenfällig ist mir die Erwähnung des Essens, einmal zu Beginn des Märe und ausführlicher am Ende, als ob der Genuss und die Körperlichkeit einmal die Erzählung einleitet, in geschlechtlicher Liebe ihren Höhepunkt findet, und zum Schluss hin ausklingen lässt.
Vom Bericht des Klosters und gewissen Mönchen, die nie aus ihren Mauern kamen, wird die Erzählung konkret, indem sie sich auf den einen Mönch beschränkt, vom Allgemeinen ins Bestimmte, und somit die Haupthandlung einführt. Als weltfremd, naiv und unwissend, „einveltig“, wird der junge Mönch beschrieben, der sich seiner Unwissenheit bewusst ist. Dennoch sieht der Abt Vorteile darin, seinem Schützling Land und Leute zu zeigen, da er, so gelehrt, im Kloster gut zu brauchen sei. Es stellt sich die Frage, ob der Mönch bislang nicht in der Klostergemeinde zu gebrauchen war.
Zusammenfassung der Kapitel
Überlieferung: Ein Überblick über die anonyme Autorschaft und die verschiedenen Handschriften, in denen das Werk überliefert ist.
Literarhistorische Einordnung: Verortung der Versnovelle in der Tradition der mittelalterlichen Schwankliteratur und der damaligen Standesgesellschaft.
Motivgeschichte: Untersuchung des Motivs der erotischen Naivität in historischen Texten von Boccaccio bis hin zum Gänslein.
Zum Gänslein und dessen immanenter Motivik: Analyse der zentralen Handlungselemente und der Bedeutung des Mönchs als naiver Hauptfigur.
Dispositionsschema: Anwendung rhetorischer Gliederungskategorien zur Strukturierung der Erzählung für eine theatrale Form.
Dramenschema nach Gustav Freytag: Analyse des Märe anhand des klassischen Dramenaufbaus von der Exposition bis zur Katastrophe.
Überführung des Märe in eine dramatische Struktur: Erörterung der spielerischen Adaption und der szenischen Umsetzungsmöglichkeiten.
Schlussfolgerung: Zusammenfassende Bejahung der Theatralität des Textes und Ausblick auf die Herausforderung der modernen Inszenierung.
Schlüsselwörter
Das Gänslein, Märe, mittelalterliche Versnovelle, Dramaturgie, Theatralität, erotische Naivität, Gustav Freytag, Schwankliteratur, Aufführbarkeit, Motivgeschichte, Literaturadaption, Mittelalter, Regiekonzept, Mönch, Erzählstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der dramatischen Analyse und der geplanten theatralen Umsetzung der mittelalterlichen Versnovelle "Das Gänslein".
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die literarische Einordnung der Versnovelle, die historische Motivgeschichte der erotischen Naivität sowie die praktische Inszenierung mittelalterlicher Stoffe.
Was ist das primäre Ziel?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass ein epischer Text des Mittelalters in eine dramatische Struktur überführt und auf einer Bühne aufgeführt werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Verfasserin nutzt literaturhistorische Analysen, rhetorische Dispositionsmodelle sowie das Dramenschema von Gustav Freytag zur Strukturierung der Untersuchung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine motivgeschichtliche Einordnung, eine Untersuchung der Binnenmotivik des Werkes und eine detaillierte Ausarbeitung zur dramatischen Umsetzung in Form eines Theaterstücks.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Theatralität, erotische Naivität, Versnovelle, Dramatisierung, Schwankliteratur und die Analyse nach Gustav Freytag.
Wie deutet die Arbeit die Rolle der "Gänse" im Text?
Die Gänse dienen als Metapher des Abtes, um den weltfremden Mönch über das Wesen der Frauen zu täuschen, wobei der Begriff gleichzeitig Symbolik für Fruchtbarkeit und Sündhaftigkeit trägt.
Warum wird der Dramenaufbau nach Gustav Freytag angewandt?
Das Schema dient dazu, die epische Handlung in die für ein Theaterstück notwendigen Phasen wie Exposition, Steigerung, Höhepunkt und Fallhandlung zu gliedern.
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- Jessica Draper (Author), 2005, Das Gänslein - Versuch einer Dramatisierung der mittelhochdeutschen Versnovelle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58927