Dynamik und Frequenz im Sounddesign am Beispiel der Dokumentation "Middle of the Moment". Sounddesign als Brücke zwischen zwei Lebenswelten?


Seminararbeit, 2018

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Informationen zu der Dokumentation „Middle of the Moment“

3. Theoretische Grundlagen des Sounds
3.1. Geräusch, Musik und Sprache
3.2. Dynamik
3.3. Frequenz
3.4. Bild Ton Beziehung

4. Werkanalyse
4.1. Kriterien für die Auswahl der Sequenzen
4.2. Charakterisierung der ausgewählten Ausschnitte
4.3. Kriterien für die Analyse der Szenen
4.4. Analyse

6. Fazit

7.Verzeichnisse

1. Einleitung

Mithilfe von Sounddesign kann die Tonebene eines Filmes komplex und facettenreich gestaltet werden. Es sind kaum Informationen in der bearbeiteten Fachliteratur darüber zu finden auf welche Arten Sounddesign verschiedene Erzählstränge miteinander verbinden kann. Auch zu Dynamik und Frequenz als Gestaltungsmittel des Sounddesigns gibt es wenige veröffentlichte Datenerhebungen in der ausgewählten Literatur.

Ziel der Arbeit ist es zu hinterfragen, ob das Sounddesign die beiden Lebenswelten in der Dokumentation „Middle of the Moment“ miteinander verknüpfen kann. Die Rolle von Dynamik und Frequenz innerhalb des Verbindungsprozesses soll anhand einer Datenerhebung untersucht werden. Hauptziel der Forschung ist es mehr Wissen über die Rolle von Dynamik und Frequenz im Sounddesign zu generieren.

Untersucht werden ausgewählte Sequenzen aus der Dokumentation „Middle of the Moment“, in denen ein Wechsel zwischen den beiden Erzählsträngen stattfindet. Innerhalb der Seminararbeit soll die Forschungsfrage beantwortet werden ob Dynamik und Frequenz als Teil des Sounddesigns dazu beitragen, dass die verschiedenen Lebenswelten miteinander verknüpft werden.

Die Seminararbeit gliedert sich in vier Kapitel. Zunächst werden Informationen zu der Dokumentation „Middle of the Moment“ dargelegt. Dafür wird der Film als DVD gesichtet. Anschließend erfolgt eine Herausarbeitung der theoretischen Grundlagen aus der Fachliteratur. Für die Werkanalyse werden zu analysierende Sequenzen anhand von festgelegten Kriterien ausgewählt und im Anschluss charakterisiert. Anhand von Analyse Kriterien, die aus der Literaturrecherche hervorgehen, erfolgt die Analyse des Sounddesigns innerhalb ausgewählter Sequenzen. Die Analyse wird pro Sequenz in zwei Abschnitte geteilt. Die Beobachtungen werden am Ende jedes Analyse Abschnittes kurz zusammengefasst. Die notwendige Datenerhebung zur Beantwortung der Forschungsfrage wird mithilfe der Software Adobe Audition CC durchgeführt. Bei der Analyse werden Zeitangaben mithilfe von Time Codes (TC) gemacht. Einen abschließenden Überblick über die Forschungsergebnisse soll ein Fazit am Ende der Seminararbeit geben.

2. Informationen zu der Dokumentation „Middle of the Moment“

Die Dokumentation „Middle of the Moment“ von Nicolas Humbert und Werner Penzel verbindet verschiedene Lebenswelten auf eine besondere Weise miteinander. Gefilmt werden die unterschiedlichen Lebenswelten im Alltag. Man sieht Tuareg Normaden, die durch die südliche Sahara ziehen, neben Artisten des Circus „Cirque O“ und dem amerikanischen Philosophen Robert Lax.1 Die aus verschiedenen Lebenswelten stammenden Menschen haben die Gemeinsamkeit, durch ihr Leben fernab von der Zivilisation, mental im Moment des Geschehens zu leben. Des weiteren führen die dargestellten Lebensgruppen ein Leben in Wanderschaft, welches geprägt ist durch immer wiederkehrenden Aufbruch. Die einzelnen Szenen der Dokumentation werden innerhalb des Filmes nicht miteinander in Verbindung gebracht. Der Zuschauer hat die Möglichkeit die einzelnen Lebenswelten nach individueller Wahrnehmung miteinander in Beziehung zu setzten. In der Dokumentation wird auf die Kommentierung der Bilder durch einen Erzähler verzichtet. Es wird viel mit Ton gearbeitet, der eine starke Wirkung erzeugt.

3. Theoretische Grundlagen des Sounds

„Sounddesign“ als Begriff taucht immer wieder in verschiedenen Kontexten auf. „Sound Designer“ wurde als Berufsbezeichnung erstmalig in Filmen wie „Star Wars“ (1977) und „Apocalypse Now" (1979) im Titel verwendet.2

„Die Tätigkeit des Sound Designers umfasst die Erarbeitung eines tonästhetischen Gesamtkonzepts für die Bereiche Sprache und Geräusch, die Kommunikation mit dem Komponisten, die Kreation von einzelnen Klängen und ihre Montage sowie die Koordination von Arbeitsprozessen und -zielen der verschiedenen Abteilungen inklusive Geräuschemacher und Nachsynchronisation.“3 Äquivalente Bezeichnungen wären zum Beispiel Supervising Sound Editor oder Sound Effects.4 Unter dem Begriff „Sounddesign“ versteht man kurz gesagt die Gestaltung der Tonebene bei verschiedenen Medien.5

In der Vergangenheit wurde die auditive Analyse in der Filmtheorie vernachlässigt. Der Ton wurde nicht als separate Instanz wahrgenommen, die den Film und seine Wirkung eigenständig beeinflussen kann. Dem Ton wurde oftmals keine größere Rolle als die reine Wiedergabe eines akustischen Ereignisses, das in der Wirklichkeit stattgefunden hat zugeschrieben.6

Visuelle Bilder wirken ohne Ton schnell leblos. Setzt man im Film Ton ein entsteht dadurch ein Hörraum. Dieser bereichert visuelle Bilder und lässt eine Raumatmosphäre entstehen.7 Das Bild wirkt lebendiger und kann vom Zuschauer in Raum und Zeit besser eingeordnet werden.

Geräusch, Musik und Sprache gelten als drei Schallformen zwischen denen klar differenziert werden kann. In der Filmanalyse können sie als „unterscheidbare Sphären der Tongestaltung“ bezeichnet werden.8 Die akustischen Mittel hängen miteinander zusammen und können als „Sound“ bezeichnet werden.9 Schallereignisse können durch Tonhöhe, Lautstärke und Klangfarbe beschrieben werden. Die drei Schallformen unterscheiden sich hinsichtlich Wellenform und Frequenz. Bei Geräuschen und Sprache verlaufen die Wellenformen unregelmäßig. Bei Musik hingegen können die Wellenformen periodisch verlaufen. Neben den Grundtönen schwingen außerdem sogenannte Obertöne mit.10

3.1. Geräusch, Musik und Sprache

Geräusche erhöhen den Realitätseindruck im Film. Durch andauernde Hintergrundgeräusche entsteht die Raumatmosphäre, die jeden Film realistischer wirken lässt. Menschen wenden sich reflexartig der Schallquelle zu, sobald sie ein Geräusch wahrnehmen.11 Jede Art von Geräusch löst eine Emotion aus. Beispielsweise lösen Geräusche, die nicht zugeordnet werden können, Beunruhigung und Unsicherheit aus. Besonders Stille kann gut als dramaturgisches Mittel genutzt werden um zum Beispiel Spannung zu erzeugen.

Man unterscheidet zwischen dem synchronen Einsatz von Geräuschen, bei dem die Geräusche im Bild lokalisiert werden können, und dem asynchronen Einsatz von Geräuschen.12 Durch den Schall, der sich durch Festkörper hindurch ausbreiten kann, können Rückschlüsse über die Entfernung der Geräuschquelle und deren Umgebung getroffen werden.13

Geräusche können durch Bewegung von Objekten entstehen oder vom Menschen selbst erzeugt werden. Außerdem gibt es Geräusche die im Film aus dramaturgischen Gründen angewendet werden, aber in der Realität nicht existieren.14 Geräusche die nachsynchronisiert werden, dass heißt im Studio aufgenommen werden, bezeichnet man als „Foley“. Der Geräuschemacher, auch „Foleyartist“ genannt, bedient sich vieler verschiedener Requisiten, um die gewünschten Geräusche bestmöglich zu reproduzieren.15

Geräusche, die nicht durch einen Foleyartist reproduziert werden können, werden als Effekte bezeichnet. Effekte müssen separat aufgenommen werden oder können aus einer der zahlreichen Sounddatenbanken genutzt werden. Die Suche nach dem passenden Effekt ist meist mit viel Zeit und Mühe verbunden.16

Eine Atmosphäre, kurz „Atmo" genannt, ist meist vielschichtig und setzt sich aus Geräuschen, Soundeffekten und gegebenenfalls Sprache zusammen. Ziel der Atmo ist es Ort und Zeit der Umgebung zu vermitteln. Die Atmo hält sich soweit im Hintergrund das gesprochene Texte innerhalb einer Szene problemlos verstanden werden können.17 Sie trägt dazu bei das ein Raum belebt wirkt.

Dadurch dass das Gehör eines Menschen immer aktiv ist kennen wir keine wirkliche Stille. Würde man die Atmo im Film weglassen könnte keine glaubwürdige mediale Wirklichkeit erzeugt werden.

Melodik, Harmonik, Dynamik und Tempo ergeben zusammen den Gesamteindruck der Musik.18 Musik kann im Film synchron oder asynchron eingesetzt werden. Durch ihren Einsatz werden bereits durch das Bild erzeugte Stimmungen verstärkt. Musik kann Spannung erzeugen, Emotionen auslösen und Wendepunkte in der Handlung betonen. Besonders gut wirkt Filmmusik an Stellen an denen Sie nicht als separate Einheit wahrgenommen wird, sondern mit Bild und Handlung verschmilzt.19

Bei der Sprache handelt es sich um ein symbolisches Zeichensystem, welches es möglich macht im Film Dinge zu vermitteln, die nicht visuell darstellbar sind. Unter „Automatic Dialog Replacement“, abgekürzt ARD, versteht man im Filmton die Aufnahme von Sprache.20 Man kann zwischen gesprochener Sprache und Schrift im Bild als verschiedene Dimensionen des Einsatzes von Sprache im Film unterscheiden.21 Sprache wird häufig lippensynchron im Film eingesetzt. Eine weitere Möglichkeit ist es durch Montage Figuren aus dem Off sprechen zu lassen.22

3.2. Dynamik

Menschen können Lautstärke nur verarbeiten, weil sie Lautstärke durch das Gehör in Verhältnissen wahrnehmen und nicht in absoluten Intensitäten.23 Aus diesem Grund wird für die Abmessung der akustischen Information der Schalldruckpegel genutzt.

Der Schalldruckpegel wird in dem relativen Wert Dezibel (dB) angegeben und bezeichnet das Verhältnis des Schalldrucks p zum Bezugsschalldruck p0. In einer Formel wird der Schalldruckpegel (Lp) folgender Maßen beschrieben Lp= 10*log (p/p0)².24 Bei dem Bezugsschalldruck p0 handelt es sich um die Hörschwelle für die international der Wert 20 µPa festgelegt wurde.

Ein Schallereignis löst ein Hörereignis innerhalb eines sogenannten Hörfelds aus.25 Die Hörschwelle von 20 µPa, dass heißt 0dB und die Schmerzschwelle von 120-130dB grenzen das Hörfeld ein.26

Das quadratische Abstandsgesetzt beschreibt die Abnahme oder Zunahme der Lautstärke bei Verdopplung oder Halbierung der Entfernung zur Schallquelle. Ein Klang hat nur noch ein Viertel seiner Lautstärke bei Verdopplung der Entfernung.27

Das menschliche Gehör passt seine Sensibilität an den herrschenden Schallpegel an. Deswegen können Geräusche im Hintergrund aus dem Bewusstsein zurückgedrängt werden.28 Wirkt ein Reiz langwierig auf das Gehör ein, gewöhnt sich dieses an den Dauerton. Das Gehör beginnt zu ermüden und der Ton wird zunehmend als leiser wahrgenommen.29

Um die Einheit Dezibel richtig verwenden zu können muss der Einheit eine Referenz zugewiesen werden. Benutzt man die Angabe Dezibel ohne dazugehörige Referenz kann damit nur angegeben werden, wie stark ein Klang verstärkt oder gedämpft wird. Die Bezeichnung dB SPL (Sound Pressure Level) wird beispielsweise für Klänge an der Luft genutzt.30

Mittels Lautstärke können im Film Akzente gesetzt werden. „Die Lautstärke wird dann zum expressiven Stilmittel, wenn sie sich in den beiden Extremen Lärm und Stille bewegt oder durch plötzlichen Wechsel gekennzeichnet ist“.31 Durch die Komplexität des menschlichen Gehörs sollte man sich bewusst sein, das Lautstärke immer zu einem gewissen Grad subjektiv wahrgenommen wird. Die subjektiv wahrgenommen Lautstärke wird in Phon gemessen.32

3.3. Frequenz

Die Frequenz, in Hertz (Hz) gemessen gibt die Anzahl der Schwingungen einer Schallwelle pro Sekunde an.33 Das menschliche Ohr ist in der Lage Schall in einem Frequenzbereich von 20Hz bis 20kHz zu verarbeiten.34 Das Gehör ist in dem Frequenzbereich zwischen 3 und 5 kHz am empfindlichsten. Dieser Frequenzbereich ist für die Sprachverarbeitung besonders wichtig.35

Sinustöne mit einer einzelnen Frequenz kommen in der Realität nicht vor.36 Natürliche Klänge, die sich aus Grund- und Obertönen zusammensetzten, haben mehrere Eigenfrequenzen. Die Tonhöhe wird vom Grundton bestimmt. Ist der Grundton nicht vorhanden oder leiser als andere Obertöne wird er vom Gehör verursacht.37

Zwischen dem Schalldruckpegel und der Frequenz herrscht ein Zusammenhang. Sinustöne mit gleichbleibendem Schalldruckpegel und wechselnder Frequenz werden von Rezipienten als verschieden laut wahrgenommen. Ebenso wird eine technische Pegelveränderung vom Rezipienten als Veränderungen des Klanges wahrgenommen.38 Die empfundene Tonhöhe wird als „virtuelle Tonhöhe“ bezeichnet und stimmt nicht mit der Frequenz überein.39 Gemessen wird die wahrgenommene Tonhöhe in der Größeneinheit Mel.40

[...]


1 vgl.van Leer, M., (1995)

2 vgl. Flückiger, B., (2007), S.13.

3 Flückiger, B., (2007), S.18.

4 vgl. Flückiger, B., (2007), S.18.

5 vgl. Hickethier, K., (2007), S.89.

6 vgl. Flückiger, B., (2007), S.69.

7 vgl. Hickethier, K., (2007), S.90.

8 vgl. Keutzer, et al. (2014), S.115.

9 vgl. Hickethier, K., (2007), S.89.

10 vgl. Keutzer, et al. (2014), S.114. f.

11 vgl. Müller, A., (2010), S.223.

12 vgl. Hickethier, K., (2007), S.92.

13 vgl. Keutzer, et al. (2014), S.128.

14 vgl. Hickethier, K., (2007), S.92.

15 vgl. Lensing, J., (2009), S.129.

16 vgl. Lensing, J., (2009), S.110.

17 vgl. Lensing, J., (2009), S.104.

18 vgl. Keutzer, et al. (2014), S.121.

19 vgl. Hickethier, K., (2007), S.94.

20 vgl. Lensing, J., (2009), S.142.

21 vgl. Hickethier, K., (2007), S.97.

22 vgl. Keutzer, et al. (2014), S.134.

23 vgl. Rose, J., (2004), S.41.

24 vgl. Flückiger, B., (2007), S.225.

25 vgl. Dickreiter, et al. (2008), S.99.

26 vgl. Flückiger, B., (2007), S.226.

27 vgl. Rose, J., (2004), S.43.

28 vgl. Dickreiter, et al. (2008), S.100.

29 vgl. Flückiger, B., (2007), S.226.

30 vgl. Rose, J., (2004), S.43.

31 Flückiger, B., (2007), S.237.

32 vgl. Müller, G. / Möser, M., (2017), S.7.

33 vgl. Flückiger, B., (2007), S.199.

34 vgl. Rose, J., (2004), S.35.

35 vgl. Flückiger, B., (2007), S.200.

36 vgl. Flückiger, B., (2007), S.201.

37 vgl. Dickreiter, et al. (2008), S.102. f.

38 vgl. Flückiger, B., (2007), S.200. f.

39 vgl. Dickreiter, et al. (2008), S.103.

40 vgl. Flückiger, B., (2007), S.199.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Dynamik und Frequenz im Sounddesign am Beispiel der Dokumentation "Middle of the Moment". Sounddesign als Brücke zwischen zwei Lebenswelten?
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
26
Katalognummer
V589355
ISBN (eBook)
9783346180186
ISBN (Buch)
9783346180193
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beispiel, brücke, dokumentation, dynamik, frequenz, lebenswelten, middle, moment, sounddesign
Arbeit zitieren
Nada Soukup (Autor), 2018, Dynamik und Frequenz im Sounddesign am Beispiel der Dokumentation "Middle of the Moment". Sounddesign als Brücke zwischen zwei Lebenswelten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/589355

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