Einblick in den Roman "Ève de ses décombres" von Ananda Devi. Ève und ihr Körper


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 2

Anonym


Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

1 Inhaltsverzeichnis

2 Einblick in den Roman « Eve de ses decombres »
2.1 DerfiktiveOrt«Troumaron »

3 Eve und ihr Korper als Waffe

4 Schlusswort

II Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Au fond, a la violence qui leur est faite, les personnages de la romanciere repondent par une forme de violence qui se revele autodestructrice. Meme si les formes de cette autodestruction sont diverses, la femme se dirige toujours vers la mort.1

Die folgende Arbeit beschaftigt sich mit der Figur der Eve in dem Roman „Eve de ses decombres" aus dem Jahre 2006, geschrieben von Ananda Devi. Im Hinblick auf das Zitat von Beniamino stellt sich die Frage, ob Eve auch selbstzerstorend handelt. Was ist im Fall von Eve unter Selbstzerstorung zu verstehen? Warum prostituiert sie sich und welchen Stellenwert hat ihr Korper fur sie? Weiterhin soil, ausgelost durch die Worte Kistnareddys, der Frage nachgegangen werden, in welcher Form sich die Rebellion der Frau in „Eve de ses decombres" zeigt:

Brimees, opprimees, vendues et stigmatisees, les femmes des recits d'Ananda Devi tentent de briser le carcan de la feminite, souvent en utilisant cette feminite meme afin de defier les hommes et la societe regie par les lois du patriarcat. Cantonnees aux roles secondaires de fills, epouse, mere et grand-mere et devant obeir aux hommes de la famille, ces femmes cherchent a echapper au joug masculin. Ainsi, la violence, la deviance et la rebellion des femmes s'expriment dans les recits d'Ananda Devi sous diverses formes.2

Zu Beginn wird die Arbeit einen Einblick in den Roman geben. Urn nicht von den zentralen Analyseaspekten abzuweichen, wird darauf verzichtet werden, die anderen drei Protagonisten des Romans separat zu charakterisieren. Stattdessen wird des Uberblicks halber ein Zitat von Ananda Devi selbst herangezogen, welches wesentliche Aspeke zusammenfasst. Urn die Zustande, Gefuhlslagen und Entscheidungen der Protagonisten, insbesondere die der Eve, besser deutlich zu machen, scheint es von Noten, anschlieftend, die im Roman dargestellte Atmosphare des fiktiven Wohnortes „Troumaron" zu beleuchten. Im Hauptteil folgt schliefilich eine Analyse der Hauptprotagonistin, welche ihre Entwicklung sowie die oben aufgestellten Fragen herausarbeiten wird.

2 Einblick in den Roman « Eve de ses decombres »

Ce sont les personnages qui sont au centre de I'histoire, leurs voix, leurs reves, leur desespoir, leurs regards: celui d'Eve, immobile, sans concessions, sans illusions, celui de Sad, illumine par I'amour d'Eve et des mots et quelque part conscient de I'absurdite de sa quete, celui de Clelio qui crie pour etre entendu comme un crapaud sur le toit et celui de Savita dont la revolte toute interieure ne sera pas entendue.3

„Eve de ses decombres" ist ein von Ananda Devi im Jahre 2006 verfasster Roman, fur den sie im selben Jahr den „Prix des Cinq Continents de la Francophonie" und den „Prix Television Suisse Romande" erhalt.4 Der Roman wurde ins Englische ubersetzt sowie im Jahre 2012 mit dem Titel „Les enfants de Troumaron" verfilmt. „Eve de ses decombres" thematisiert das konfliktreiche und gewaltvolle Leben von vier Jugendlichen in dem Ort „Troumaron", einem fiktiven Gebiet in der Hauptstadt Port-Luis auf Mauritius.

Die auf Mauritius geborene Autorin Ananda Devi zahlt zu den wichtigsten frankophonen Autorinnen der Gebiete im Indischen Ozean.

Zu Beginn entsteht Ananda Devis Schreiben in dem Entschluss ein Gedicht zu verfassen; mit derZeit jedoch entwickelt sie immer mehr Fragen bezuglich der Protagonisten, die sie erschaffen hat, so dass aus dem Gedicht nach und nach ein Roman entsteht, welcher die poetischen Elemente beibehalt.5

So I retained the poetry of their voices, which was the voice of their thoughts, the voice that no one ever hears from them because there is no one to listen.6

Ihr geht es darum, Minderheiten zu Wort kommen zu lassen und die Leserschaft bewusst und manchmal sehr brutal mit Tabuthemen zu konfrontieren. Dies wird aufterdem durch die Erzahlperspektive unterstutzt, denn die Protagonisten erzahlen abwechselnd aus eigener Sicht von ihrem Leben. Durch die poetischen Elemente dieser wird der Leserschaft ein tieferer Einblick in deren Gedankenwelt gewahrt, wodurch bei ihnen eine stark mitfuhlende Wirkung hervorgerufen wird. Abada Medjo bestatigt: „La quadrivocalite sur laquelle se fonde tout le texte a un effet emphatique dans I'expression du tragique de ses personnages.7

2.1 DerfiktiveOrt « Troumaron »

[...], dans un pays multiracial et multicultural, la situation de la femme y est plus complexe qu'ailleurs. La double colonisation fait que la femme se trouve confrontee a une agregation d'interdits provenant des differentes cultures presentes dans Tile.8

Troumaron befindet sich in der Hauptstadt Port Louis auf der Insel Mauritius.

Ein traumhafter Ort konnte man meinen, denn mit Mauritius verbinden Touristen meist einen warmen Urlaubsort mit turkisfarbenem Meer und weiften Sandstranden. Mauritius war jedoch lange Zeit ein Ort der Sklaverei und hat unter anderem infolge ihres kolonialen Hintergrunds auch eine Seite, die die Reisenden auf den ersten Blick nicht zu Gesicht bekommen.9 „Ce roman depeint une Tie Maurice dont le developpement industriel et touristique laisse a I'abandon des quartiers pauvres toujours plus appauvris."10 Das Aufdecken dieser „anderen Seite" von Mauritius kennzeichnet Devis Werke, so auch „Eve de ses decombres".

The places that drew me most strongly were those that were beautiful but dangerous — not the usual vistas of the tropical island but everything that was hidden and secret, that held the whiff of death and the promise of rebirth.11

Hinzugezogen sei noch die Beschreibung von Jean-Frangois, welche auch auf den Ort Troumaron zutrifft: „[...], une zone sombre qui condamne ses habitants a vivre dans la penombre, dans I'obscurite."12 Ein Ort, in dem sich Exkremente, Abscheulichkeiten und geplatzte Hoffnungen sammeln.13

Der Protagonist Sad erklart bereits zu Beginn des Romans, warum sein Wohnort so klingt, wie ein braunes Loch:

Je suis dans un lieu gris. Ou plutot brun jaunatre, qui merite bien son nom: Troumaron. Troumaron, c'est une sorte d'entonnoir; le dernier goulet ou viennent se deverser les eaux usees de tout un pays.14

Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und Gewalt sind Bestandteile des alltaglichen Lebens.15 16 Besonders die Frauen leiden unter dem dort herrschenden Patriarchalismus, wie Kistnareddy erklart: „L'Tle Maurice est le fond d'une vie de domination, de persecution et d'oppression pour les femmes qui y resident [...]."« Dies finden wir auch in dem Roman von Eve bestatigt:

„Les mains des hommes prennent possession de vous avant meme de vous avoir touchee. Des que leur pensee se dirige vers vous, ils vous ont deja possedee. Dire non est une insulte, puisque vous leur enlevez ce qu'ils ont deja pris."17

Frauen werden unterdruckt und sexuell genotigt. Die Szene, in der Clelio vor den Augen der Fahrerin ihr Auto zerkratzt und sie anschlieftend beangstigt und einschuchtert, ist beispielhaft fur die alltaglichen Leidenssituationen der Frauen in dem Ort. Mouhamadou Cisse stellt einen Vergleich mit einem Gefangnis an:

„L'Tle et ses espaces interieurs constituent les endroits ou s'exerce la violence feminine; elle est la metaphore de la prison sociale qui enferme les personnages feminins: [...]."18

Abada Medjo widerum spricht von einem „[...] espacetemps sans horizon qui anesthesie la volonte des personnages."19

Die Wunsche der Menschen werden betaubt, ihre Seelen werden gestohlen und sie werden zu Robotern gemacht.20 Troumaron verurteile all diejenigen, die dort geboren werden, sagt Eve.21

3 Eve und ihr Korper als Waffe

Eine besondere Bedeutung kommt in Ananda Devis Werken dem Korper der Frau zu. In „Eve de ses decombres" ist diese besonders anhand der Figur der Eve deutlich zu machen, welche sich bereits in jungen Jahren prostituiert. Die folgende Analyse soil die Bedeutung ihres Korpers in dem Roman und die dahintersteckende scheinbare Wirksamkeit dieser Prostitution fur Eve herausarbeiten.

Eve ist 17 Jahre alt, besucht die Schule und lebt mit ihren Eltern zusammen in dem kleinen Ort Troumaron. Ihre Schulmaterialien bekommt sie eine Zeitlang ohne jegliche Gegenleistung von ihren Mitschulern, den alteren Jungs, welche sie haufig beschutzen. „Un crayon. Une gomme. Une regie. Du papier. Des chewing-gums."22 Eines Tages aber erwarten sie etwas im Gegenzug und Eve erkennt schnell, dass es ein Stuck ihrer Selbst ist, was sie einfordern: „Ce qu'il voulait, s'etait un bout de moi."23 Sie stellt fest, dass sie etwas zu geben hat, wovon sie bisher nichts wusste. Der erste sexuelle Ubergriff durch einen Mitschuler, in dem Eve dem Leser mitteilt, dass sie dabei fast nichts fuhlt, zeigt das erste Mai in dem Roman, ein Bewusstsein au&erhalb des Korpers: J'existais en dehors de mon corps."24 Nachdem er ihr anschlieftend Materialien fur die Schule gibt und sie sieht, welch eine Wirkung sie auf ihn hat, versteht sie, dass sie ihren Korper als Tauschmittel einsetzen kann. „Je pouvais acheter." Dabei spricht sie nicht von ihrem Korper als Ganzes, sondern von ihren Einzelteilen: „Mes pieces detachees."25 Obwohl sie sich selbst nicht als das sieht, was die Gesellschaft als „weiblich" erachtet, lernt sie eine Seite von sich kennen, die die Manner zu verfuhren weift. „Je savais le faire. Je faisais couler dans mes yeux le liquide d'une autre personne, qui n'avait rien a voir avec mon corps squelettique."26 Eve kann selbst nicht verstehen, wie sie diese Macht uber die Manner haben kann, denn in ihren Augen sieht sie aus wie eine Maus aus einem Comic27 und sie beschreibt ihren Korper als „frele", „maigre" und „cassable".28 Eve verabscheut das klassische Bild der Frau, welches in der patriarchalischen Gesellschaft, in der sie lebt, herrscht.

Rile a marier, fille a prendre et a jeter. Ce sont les deux seules categories qu'ils connaissent. Mais je n'appartiens ni a I'une ni a I'autre. Cela les depasse et les exaspere.29

Nicht so zu sein, wie es von ihr erwartet wird, scheint ihr zu gefallen. Sie sieht sich selbst nicht als typische Frau: „[Je] ne ressemble pas a une femme. Seulement au reflet d'une femme. Seulement a I'echo d'une femme.

Seulement a I'idee deformee que I'on se fait d'une femme"30 Sie konne sich vor den Mannern schutzen. Nicht sie seien die Raubtiere, sondern sie selbst: „Le predateur, c'est moi."31

Mehrmals erfahrt der Leser, dass sie nicht so werden mochte wie ihre Mutter, welche vergessen habe Frau zu sein.32 „Elle s'est deliberement insonorisee la chair pour ne pas avoir a ressentir la vie".33 Tagtaglich erlebt sie Gewalt, nicht nur drauften, auch zuhause. Ihr Vater ist der Mutter gegenuber gewalttatig: „Demain, elle aura des bleus aux bras. Demain, elle marchera comme un canard."34 Liebe und Fursorge erlebt sie auch zuhause nicht, denn ihre Mutter unterwirft sich ihrem dominanten Vater und ihr Vater kritisiert und misshandelt sie regelmaftig. Die folgende Szene unterstreicht ihr gestortes Verhaltnis zu ihrem gewaltbereiten Vater: Wahrend sie im Bett liegt und scheinbar schlaft, beobachtet er sie langere Zeit, was bei Eve fur Verwunderung sorgt und sie fragt sich: „Est- il encore un pere?". Der einzige Mensch, der Eve Warme und das Gefuhl der Geborgenheit bietet, ist ihre beste Freundin Savita.

Dans ce monde inebranlable de violence et de perdition qu'est Troumaron, seule Savita, la meilleure amie d'Eve, est source de joie, et lui donne un sentiment d'appartenance.35

[...]


1 Beniamino (2008), S151. 2Kistnareddy(2013), S116.

2 lssur(2012), S77.

3 lssur(2012), S77.

4 Kistnareddy(2013), S115.

5 Zuckerman (2015): https://lareviewofbooksorg/contributor/jeffrey-zuckerman.

6 https://lareviewofbooksorg/contributor/jeffrey-zuckerman

7 Abada Medjo (2012): „Utopie identitaire et traversee des genres dans I'oeuvre d'Ananda Devi", S153.

8 Beniamino (2008), S150.

9 Angemerkt sei an dieser Stelle, dass es den Rahmen dieser Arbeit sprengen wurde, naher auf die

10 historischen Hintergrunde und politischen Entwicklungen von Mauritius einzugehen. 10Kistnareddy(2013), S121. " Zuckerman (2015)' https://lareviewofbooksorg/contributor/jeffrey-zuckerman.

11 Jean- Franoois (2010), S516.

12 Jean- Franoois (2010), S516.

13 Jean- Franoois (2010), S516.

14 Devi (2006), S13.

15 Devi (2006), S14.

16 Kistnareddy (2013), S115.

17 Devi (2006), S51.

18 Cisse (2012), S72.

19 Abada Medjo (2012): „Poetique de la ville dans I'oeuvre d'Ananda Devi".

20 Devi (2006), S21.

21 Devi (2006), S29.

22 Devi (2006), S18.

23 Devi (2006), S19.

24 Devi (2006), S19.

25 Devi (2006), S20.

26 Devi (2006), S20.

27 Devi (2006), S50.

28 Devi (2006), S61.

29 Devi (2006), S21.

30 Devi (2006), S60.

31 Devi (2006), S22.

32 Devi (2006), S42.

33 Devi (2006), S41.

34 Devi (2006), S43. 35Kistnareddy(2013), S123.

35 Devi (2006), S43. 35Kistnareddy(2013), S123.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Einblick in den Roman "Ève de ses décombres" von Ananda Devi. Ève und ihr Körper
Note
2
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V589400
ISBN (eBook)
9783346175342
ISBN (Buch)
9783346175359
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ananda, devi, einblick, körper, roman
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Einblick in den Roman "Ève de ses décombres" von Ananda Devi. Ève und ihr Körper, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/589400

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