Stressreduktion beim Kaugummikauen? Replikation der Scholey et al. Studie


Projektarbeit, 2019

24 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Abstract

2. Einleitung

3. Theoretische Hintergriinde

4. Methoden
4.1 Stichprobe
4.2 Materialienund Tasks
4.2.1 Computeraufgaben zur Stressinduktion
4.3Prozedur
4.3.1 Ablauf.
4.4 Auswertung der Speichelproben
4.5 Datenanalyse

5. Ergebnisse
5.1 UberpriifungderVoraussetzungen
5.2 Effekte der Reihenfolge
5.3 Effekte des Kaugummi-Kauens auf Stressempfinden und Cortisohverte

6. Diskussion
6.1 Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
6.2 Limitationen der Studie
6.3 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Abstract

Stress ist in unserer aktuellen Zeit und Gesellschaft ein Thema mit besonderer Brisanz. Entsprechend relevant ist die Suche nach stressreduzierenden MaBnahmen. Die vorliegende Studie lenkt den Blick auf eine alltagsnahe, niedrigschwellige Moglichkeit: das Kaugummi-kauen. Als Replikationsstudie greift sie in vereinfachter Form eine Untersuchung von Scholey und Kollegen aus dem Jahre 2009 auf.

An der aktuellen Studie nahmen 65 studentische Probanden teil. Sie mussten in einem Multitasking-Framework vier Aufgaben bearbeiten. Der Speichelcortisol-Gehalt wurde als biologischer Stressmarker genutzt, das State-Trait-Anxiety Inventory (STAI) und die Stress Visual Analogue Scale (VAS) als psychologische Mafie. Jeder Proband durchlief zwei verschiedene Bedingungen wahrend zwei aufeinanderfolgenden Durchgangen. Dabei waren die Aufgaben entweder mit oder ohne Kaugummikauen zu bearbeiten. Zuerst fullten die Probanden STAI und SVAS aus, danach erfolgte die erste Speichelprobe. Nach einem Ubungsdurchlauf erhielten die Probanden je nach Gruppenzuordnung ein Kaugummi oder nicht. Nach dem ersten Aufgabenzyklus mussten erneut STAI und SVAS ausgefullt und die zweite Speichelprobe abgegeben werden. Nach einer zehnminutigen Pause wurde der Ablauf wiederholt. Je nach Gruppe erhielten die Probanden nun erst den Kaugummi. Zum Abschluss wurde die letzte Speichelprobe genommen.

Es zeigte sich eine signifikante Stressinduktion durch das Multitasking-Framework. Beim Kaugummikauen sank der Wert der State Angst hypothesenkonform, der Wert der Trait Angst veranderte sich nicht signifikant. Entgegen der Untersuchungshypothese zeigte sich bei der VAS und den Cortisolwerten keine signifikante Stressverminderung. Wahrend Kaugummikauen also wie erwartet die Strate Angst reduzierte, konnten die Hypothesen in Bezug auf die VAS und den Cortisolspiegel nicht bestatigt werden.

2. Einleitung

Stress ist ein Thema mit besonderer Schwere und Verbreitung: Allein in der Europaischen Union leidet mehr als jeder Vierte Arbeitnehmer an arbeitsbedingtem Stress, wie eine Unter-suchung der Europaischen Agentur fur Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zeigte (Klippstein, o.D.). Zudem werden die negativen Auswirkungen von Stress immer umfassender. Immer haufiger treten stressbedingte Erkrankungen auf. Eine Studie der AOK zeigte beispielsweise, dass die Zahl von Fehltagen wegen psychischer Erkrankungen von 1999 bis 2010 urn 80% stiegen (Klippstein, o.D.). Gerade in Deutschland hat Stress eine iiberdurchschnittliche Prasenz: Hier geben 80% der deutschen Bevolkerung an, unter Stress zu leiden - unabhangig vom Alter oder der sozialen Schicht (Klippstein, o.D.). Dieser Anteil liegt laut Klippstein (o.D.) iiber dem Durchschnitt in der EU.

Diese Zahlen verdeutlichen die Brisanz des Themas Stress. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie dem begegnet und Stress gemindert werden kann. Es gibt verschiedene Ansatze, von beispielsweise Arbeits- und Organisationsdesigns bis Achtsamkeitskursen. Die vorliegende Studie hingegen beschaftigt sich mit einem weitaus alltagsnaheren, niedrigschwelligen Zugang. Sie betrachtet die Auswirkungen des Kaugummikauens auf das subjektive Befinden und den Stressparameter Cortisol.

Es gibt verschiedene Erklarungsansatze fur Wirkung des Kaugummikauens. Ihnen gemeinsam ist, dass von einer Stressreduktion ausgegangen wird. Eine erste Studie von Scholey und Kollegen (2009) hatte diesen Effekt auch bereits nachgewiesen. In der vorliegenden Untersuchung sollten diese Befunde iiberpriift werden. In der Durchfiihrung wurden einige Aspekte angepasst, der Grundgedanke der urspriinglichen Studie blieb aber erhalten. Diese Uberpriifung war auch dadurch motiviert, der von der Zeitschrift „Lacet" angestoBenen Diskussion iiber eine Replikationskrise (DFG, 2017) begegnen zu konnen und die bisherigen Ergebnisse an einer anderen Stichprobe zu validieren. Durch die Alltagsrelevanz sind zudem praktische Implikationen moglich: Je nach Befund kann sofort fur oder gegen das Kaugummikauen zum Stressabbau argumentiert werden. Diese Alltagsnahe ist es auch, die der vorliegenden Studie eine besondere Relevanz sowie Praxisnahe verleiht und sie damit nicht nur fur den wissenschaftlichen Kontext allein interessant macht.

Aus Griinden der besseren Lesbarkeit wird im Text verallgemeinernd das generische Maskulinum verwendet. Diese Formulierungen umfassen gleichermafien weibliche, mannliche und diverse Personen; alle sind damit selbstverstandlich gleichberechtigt angesprochen.

3. Theoretische Hintergrunde

Die vorliegende Studie fuBt auf der Arbeit „Chewing gum alleviates negative mood and reduces Cortisol during acute laboratory psychological stress" von Scholey und Kollegen (2009). Ihre Studie wurde in den Grundziigen, allerdings vereinfacht und verkiirzt, repliziert.

Die ersten Betrachtungen zur Stressreduktion durch Kaugummikauen sind schon relativ alt: Bereits in den 1930ern beschrieb Hollingworth (1939) eine Reihe von Studien zu Stimmungs- und Performanzeffekten des Kaugummikauens. In seinem Werk „Chewing as a technique of relaxation" (1939) lieB Hollingworth Probanden ihr Befinden auf einer linearen 20-Punkte-Skala zwischen extremer Belastung und extremer Entspannung einschatzen. Die Teilnehmenden berichteten zwischen zehn und 15 Prozent mehr Entspannung in der Kau-Bedingung. Zusatzlich reduzierte das Kauen die Muskelspannung urn zehn Prozent (Hollingworth, 1939).

Nach diesen klassischen Studien erhielt das Forschungsfeld lange Zeit wenig Beachtung. In der jiingeren Vergangenheit erst wuchs das Interesse erneut. Verschiedene Laborunter-suchungen zeigten einen positiven Einfluss des Kaugummikauens auf das Gedachtnis (Moss et al., 2002). Obwohl es Belege fur kortikale Aktivierung wahrend des Kauens gibt (Takada & Miyamoto, 2004), ist die Beziehung zur kognitiven Verarbeitung aber derzeit nicht geklart.

Wahrend es wie vorangegangen erwahnt vielfaltige Hinweise auf einen positiven Effekt des Kaugummikauens auf beispielsweise Kognition und Performanz gibt sind Belege speziell fur die Auswirkungen auf die Stimmung noch rar. Und das, obwohl das Kauen eines aromatisierten Kaugummis ein Muster im Elektroenzephalogramm (EEG) erzeugen kann, das einem Zustand der Entspannung entspricht (Morinushi et al., 2001).

Tahara und Kollegen (2007) zeigten, dass allein das Kauen eines neutralen Mediums - in ihrem Beispiel Paraffinwachs - nach einem akuten psychologischen Stressor die Menge des Speichelcortisols reduziert. Bei akutem Stress wird iiber die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA) in der Nebennierenrinde Cortisol freigesetzt (Weber et al., 2003). Dieses lasst sich durch Speichelproben noninvasiv messen (Weber et al., 2003). Die Cortisolgehalte im Speichel und im Serum korrelieren positiv (Euler et al., 2005). Folglich kann eine Erfassung des Speichelcortisols als ausreichend zur Abbildung des Serumwerts angesehen werden. Diese Methode kann wegen ihres nicht-invasiven Charakters als Stressmarker sowohl in der Feld-, als auch in der Laborforschung angewendet werden (Weber et al., 2003). Messungen des Cortisolspiegels sind zudem recht reliabel (Euler et al., 2005) und daher ein recht verlassliches Instrument fur die Forschung. Da die Cortisolausschiittung individuell variiert (Weber et al., 2003) wurden in der vorliegenden Untersuchung fur jede Versuchsperson nachjedem Aufgabenblock Messungen durchgefuhrt. So konnten statt absoluter Werten die Differenzen zwischen den Aufgaben betrachtet und ausgewertet werden. Die oben genannten, bisherigen Ergebnisse erhohen die Wahrscheinlichkeit dafiir, dass Kaugummi tatsachlich stressmindernde Eigenschaften aufweist, welche unter besser kontrollierten Bedingungen getestet werden sollten.

Eine weitere Studie fokussierte auf schwere Kaugummi-Kauer (> 10 Stuck Kaugummi pro Woche). Dazu wurde eine Online-Befragung an 280 Teilnehmenden durchgefuhrt, urn die Auswirkungen einer Kaugummi-Abstinenz zu untersuchen. Nach einer dreitagigen Enthaltung zeigten sich deutlich hohere Werten im Spielberger State-Trait Fragebogen (Scholey et al., 2009). Dieses Verfahren erfasst laut Testzentrale (o.D.) Angst als Zustand (State-Angst) bzw. als Eigenschaft (Trait-Angst). Am Ende des Untersuchungszeitraums berichteten 54% der Befragten, dass das Kauen von Kaugummi Stress reduziere (Scholey et al., 2009).

Diese Befunde zeigen, dass es vielversprechende Studienergebnisse gibt. Sie indizieren, dass das Kauen von Kaugummi tatsachlich das Stresserleben verandern und sogar Auswirkungen auf Biomarker haben kann. Nach Strimbu und Tavel (2010) bezeichnen Biomarker objektive Indikatoren iiber den Gesundheitszustand einer Person. Diese konnen genau und reproduzier-bar von auBen gemessen werden (Strimbu & Tavel, 2010). Damit stehen sie im Gegensatz zu subjektiv wahrgenommenen Symptomen (Strimbu & Tavel, 2010). Die Zahl bisheriger Untersuchungen in diese konkrete Richtung ist allerdings noch beschrankt. Weitere Studien sind also notwendig, urn profundes Wissen iiber die Wirkung und Zusammenhange gewinnen zu konnen. Des Weiteren ist es, wie in der Forschung im Allgemeinen, wichtig, bereits erlangtes Wissen aus voran gegangenen Studien zu iiberpriifen. Durch solche Replikationen kann gesichertes Wissen gewonnen werden. Eine 2014 in der Zeitschrift „Lacet" erschienene Serie zur Replizierbarkeit von Forschungsergebnissen loste eine aktive Diskussion iiber dieses Thema aus (DFG, 2017). Urn der sogenannten Replikationskrise entgegenwirken zu konnen, wird daher im Folgenden die anfangs erwahnte Studie von Scholey und Kollegen (2009) unter leicht veranderten Bedingungen wiederholt.

Die Original-Studie von Scholey und Kollegen (2009) stellte einen Briickenschluss dar: Sie untersuchte, ob Kaugummikauen sowohl selbstbewertete affektive Zustande als auch hormonelle Veranderungen im Zusammenhang mit akutem, laborinduziertem psychischem Stress verbessern kann. Aus einer Vielzahl von Moglichkeiten, im Labor Stress zu induzieren, wurde von den Forschern die Ausfiihrung von Multitasking-Aktivitaten ausgewahlt. Konkret mussten vier verschiedene Tasks gelost werden. Dies waren Mentalarithmetik, Stroop Task, Memory Search Task und der Visual Monitoring Task. Jede dieser Aufgaben fur sich verbraucht schon einige Ressourcen fur die Aufmerksamkeit und Konzentration. Alle vier Aufgaben zudem noch parallel und unter Druck zu erledigen bedeutet fur die Versuchsperson Stress.

Multitasking-Frameworks, also Oberflachen mit mehreren zu erledigenden Aufgaben, sind ein leistungsbasierter, kognitiv anspruchsvoller Stressor (Wetherell & Carter, 2014). Sie reprasentieren Umgebungen, in denen Einzelpersonen mehrere verschiedene Reize gleich-zeitig mit unterschiedlicher Arbeitsbelastung bedienen und auf sie reagieren miissen (Wetherell & Carter, 2014). Wetherell und Carter (2014) zeigten bereits, dass Multitasking-Stress zu einem Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks fiihrt. Da sich Einzelpersonen im wirklichen Leben selten einzelnen Aufgaben isoliert widmen, bietet das Multitasking-Framework zudem eine alternative Technik zur Modellierung von akutem Stress und Arbeitsbelastung im Labor (Wetherell & Carter, 2014).

Multitasking-Frameworks bieten gegeniiber anderen stressinduzierenden Methoden den Vorteil, dass ein wiederholtes Testen desselben Teilnehmers moglich ist. Zusatzlich sind die Leistungskennzahlen der Aufgabe direkt inharent. Die Schwierigkeit der Aufgaben, aus denen sich das Multitasking-Framework zusammensetzt, kann angepasst werden. Dadurch lassen sich zusatzlich verschieden starke Belastungsintensitaten oder Stressniveaus einstellen. Baseline-Messungen von Scholey und Kollegen (2009) selbst zeigten, dass das von ihnen verwendete Multitasking-Frameworks wirksam die Aufmerksamkeit, Gelassenheit und Zufriedenheit der Probanden signifikant reduzierte und gleichzeitig den selbstberichteten Stress und die State-Angst erhohte.

Hohere Cortisolwerte werden mit erhohtem Stress assoziiert. Deswegen wurde Speichel-cortisol als physiologischer Stressmarker gemessen. Dies ist eine gangige Erhebungsmethode in der (Stress-) Forschung. Durch die Messung von Cortisol im Speichel kann laut Kirschbaum und Hellhammer (1989) die Aktivitat der Hypothalamus-Hypophysen- Nebennierenrinden-Achse untersucht werden. Besonders geeignet fur die Nutzung in psychologischen Studien ist das Speichelcortisol zudem dadurch, dass die Proben stressfrei und unabhangig von medizinisch geschultem Personal entnommen werden konnen (Kirschbaum & Hellhammer, 1989).

Als psychologische Messinstrumente kamen zwei Skalen zum Einsatz: eine Kurzform des State-Trait-Anxiety Inventory (Laux, Glanzmann, Schaffner & Spielberger, 1981) (STAI) und die Stress Visual Analogue Scale (VAS). Letztere bezeichnet eine Skala, auf der Teilnehmende ihren selbstbewerteten Stress antragen sollen (Lesage et al., 2012). Diese Skala wurde sowohl fur klinische Anwendungen als auch fur Forschungssettings entworfen (Lesage et al., 2012). Die VAS bietet eine Reihe von Vorzugen, wie Lesage und Kollegen (2012) zeigten: So sei es ein schnelles und einfaches Mittel zur Beurteilung des wahrgenommenen Stresses. Missverstandnisse aufgrund von Kommunikationsschwierigkeiten wurden vermieden. Mehrere Umfragen hatten zudem eine zufriedenstellende Stabilitat und eine hohe Interrater-Reliabilitat ergeben. Lesage und Kollegen (2012) erwahnten weiterhin, dass es eine gute Korrelation zwischen der VAS und anderen Instrumenten zur Beurteilung von Stress gibt. Zudem hatten experimented Studien auch auf eine gute Sensitivitat fur akut belastende Ereignisse und signifikante Zusammenhange mit kardiovaskularen Parameters wie Herzfrequenz und Blutdruck sowie Speichelcortisolwerten hingewiesen. In der vorliegenden Studie wurden sowohl der STAI als auch die VAS von den Teilnehmenden wiederholt zwischen den Aufgabenblocken am PC ausgefullt.

Ziel der vorliegenden Studie war zu testen, ob das Kauen von Kaugummi zu einer tatsachlich signifikant verminderten Stressreaktion fuhrt. Dazu wurden sowohl das selbstberichtete Empfinden als auch der Cortisolwert als Marker verwendet. Die Performanz in den einzelnen Aufgaben wurde weder mit erfasst noch ausgewertet. Die Aufgaben dienten also allein der Stressinduktion iiber das Multitasking-Framework.

In dieser Studie wurde untersucht, inwiefern sich die unabhangigen Variablen der beiden Bedingungen „mit Kaugummi" und „ohne Kaugummi" auf die abhangigen Variablen des physiologischen Stressmarkers „Cortisol" und auf die Ergebnisse im STAI und der VAS auswirken. Es wurden gerichtete Hypothesen aufgestellt. Wegen der allgemeinen stress-induzierenden Eigenschaft von Multitasking-Frameworks wurde davon ausgegangen, dass sich in der „Ohne-Kaugummi"-Bedingung die Werte der State Angst im STAI und die Angaben auf der VAS nach der Aufgabenbearbeitung erhoht haben sollten. Zudem sollten zwischen den Probanden keine Reihenfolgeeffekte gefunden werden. Grund dafur war, dass die gefundenen Effekte allein auf das Kaugummi-Kauen zuriickzufuhren sein sollten. Eine weitere Hypothese war, dass das Kaugummi-Kauen zu einem verminderten Stressempfinden und zu geringeren Cortisolwerten fuhre. Durch das Kauen sollten die Werte fur die State Angst also geringer sein als in der Bedingung ohne Kauen. Die Trait Angst sollte sich dagegen durch die Kaugummi-Bedingung nicht signifikant verandern, da es sich hierbei urn eine recht stabile Personlichkeitseigenschaft handelt.

4. Methoden

4.1 Stichprobe

Die Studie wurde an 65 Probanden durchgefuhrt. Auf demografische und gesundheitliche Angaben wurde aus okonomischen Griinden verzichtet. Die Teilnahme an der Studie war Voraussetzung fur das erfolgreiche Absolvieren des Moduls experimentalpsychologisches Arbeiten (M4). Eine Vergutung wurde nicht bereitgestellt. Ausgeschlossen werden mussten neun Probanden, da das Programm absturzte und somit Daten fehlten. Weitere sechs Probanden mussten wegen fehlender Daten ausgeschlossen werden. Aufgrund doppelter Daten bzw. zu vieler Daten mussten weitere sechs Probanden ausgeschlossen werden. Ein weiterer Proband wurde aufgrund eines Fehlers im Ablauf der Untersuchung ausgeschlossen, sowie vier weitere aus nicht dokumentierten Griinden. Insgesamt wurden 26 Probanden ausgeschlossen. In die Analyse gingen Daten von 39 Probanden ein. Da keine ethisch bedenklichen Interventionen durchgefuhrt wurden, wurde auf eine Uberpriifung durch ein Ethikkomitee verzichtet. Die Probanden waren hinsichtlich der experimentellen Hypothese naiv. Zu Beginn des Experiments musste eine Einverstandniserklarung von jedem Teilnehmer unterschrieben werden. AuBerdem wurden alle iiber die Vertraulichkeit und Anonymitat der Daten aufgeklart. Die Probanden wurden angehalten, eine halbe Stunde vor Beginn der Studie nicht zu essen, nicht zu rauchen und keinen Kaffee oder alkoholische oder saurehaltige Getranke zu trinken.

4.2 Materialien und Tasks

Die Studie wurde in einer reizarmen Testkabine, bei verschlossenem und verdunkeltem Fenster und zu schlieBender Tiir, in den Raumen der TU Dresden durchgefuhrt. Es befand sich immer nur ein Proband in einer Kabine. Zur Stressinduktion wurden vier verschiedene Tasks eingesetzt, welche den Probanden auf einem Computerbildschirm prasentiert wurden. Alle Tasks wurden mit OpenSesame, Version 3.2.7 (Kafkaesque Koffka, 2018) programmiert. Die Probanden saBen wahrend der Bearbeitung der Tasks auf einem Stuhl, der Versuchsleiter war als zusatzlicher Stressor anwesend, da verschiedene Untersuchungen zeigten, dass besonders soziale Faktoren die HPA-Achse aktivieren (Weber et al., 2003) und damit zu einem Anstieg des Cortisolspiegels fiihren. Es wurden keine MaBe iiber die Performanz der Probanden erhoben. Zur Messung der biologischen Stressmarker wurden Salivetten fur Speichelproben eingesetzt. Die Entnahme von Cortisol aus Salivetten gilt als reliable und valide Messung des freien, bioverfugbaren Cortisols (Kirschbaum & Hellhammer, 1994). Urn eine moglichst gute Ubereinstimmung mit der Originalstudie zu erzielen, wurden wie dort, als psychologische Messinstrumente zur Erhebung von State und Trait Angst, folgende Fragebogen genutzt: der STAI und die VAS. Der STAI befindet sich ebenso im Anhang (Anhang A) wie die VAS (Anhang B). Alle Fragebogen wurden von den Probanden am PC beantwortet.

Die Antwortmoglichkeiten zu den 40 Fragen des STAI wurden im Multiple Choice Format dargeboten. Dabei bestand die Moglichkeit zwischen den Zahlen eins bis acht zu wahlen, wobei eins als „fast immer" und acht als „fast nie" definiert waren. Die Auswahl erfolgte mit der Maus. Erst nach der Auswahl einer Antwort wurde die nachste Frage dargeboten. Die VAS bestand aus einem Item: „Bitte markieren Sie entlang der folgenden Linie, wie gestresst sie sich in diesem Moment fiihlen." Die Linie reichte horizontal iiber den Bildschirm. Das linke Ende war mit „uberhaupt nicht" und das rechte Ende mit „voll und ganz" beschriftet. Die Daten wurden in Millimetern erhoben und lagen zwischen 1mm und 100mm. Fur die Mit-Kaugummi-Bedingung wurde jedem Probanden ein Kaugummi zur Verfugung gestellt. Wir beschrankten uns dabei auf eine Sorte, Pfefferminz. AuBerdem verwendete jeder Versuchsleiter ein Handy oder eine Uhr, urn die Zeit fur die Pause zu stoppen.

4.2.1 Computeraufgaben zur Stressinduktion.

Taskl:Mentalarithmetik

Der erste Task bestand aus einfachen Grundrechenaufgaben und wurde selbst programmiert. Die Probanden erhielten Instruktionen (Anhang C). Im Folgenden wurden die Aufgaben prasentiert. Es wurden alle vier Grundrechenarten, also Addition, Subtraktion, Division und Multiplikation verwendet. Dabei wurden links vom Operator die Zahlen 11 bis 20 und rechts die Zahlen 1 bis 10 verwendet. Insgesamt ergaben sich 329 Aufgaben, die in zufalliger Reihenfolge prasentiert wurden. Das Ergebnis konnte mit dem Ziffernblock eingegeben und mit der Back-Space-Taste korrigiert werden. Nach Betatigung der Enter Taste bekam der Proband ein Feedback. Bei richtiger Antwort erschien ein grimes, bei falscher Antwort ein rotes Quadrat. Der Proband hatte fur die Antwort 5s Zeit, nach Ablauf der Zeit gab es ein negatives Feedback. Nach dem Feedback erschien direkt die nachste Aufgabe.

Task 2: Stroop Task

Auf die Rechenaufgaben folgte eine Version des Stroop Tasks, adaptiert nach Stroop (1992). Auch hier erhielten die Probanden Instruktionen (Anhang D). Nach einem Ubungsdurchgang wurden die Aufgaben prasentiert. Genutzt wurden die Worter „Blau", „Gelb", „WeiB" und „Rot", wobei jeder Buchstabe groBgeschrieben wurde. In diesen Farben wurden die Worter auch prasentiert, wobei die Kombination aus Wort und Farbe zufallig war. Insgesamt ergaben sich 16 verschiedene Kombinationen. Wenn das Wort in blau geschrieben war, musste die Taste K gedriickt werden, fur weiB A, fur gelb S und fur rot L. Die Tasten waren durch Aufkleber der jeweiligen Farbe markiert. Der Proband hatte 1,5s Zeit fur seine Antwort. Wenn zu langsam reagiert wurde, erhielt der Proband ein negatives Feedback. Hier folgte auf eine korrekte Antwort das Wort „Richtig" und auf eine falsche bzw. keine Antwort das Wort „Falsch". Nach dem Feedback erschien direkt die nachste Aufgabe.

Task 3: Visual Search Task

Im selbst programmierten Visual Search Task wurden bei jeder Aufgabe drei Kreise und ein Quadrat dargeboten. Die vier Symbole waren an den Eckpunkten eines Vierecks positioniert, wobei die Punkte oben, unten, links und rechts lagen (Anhang E). Das Quadrat, das Target, konnte an alien vier Positionen erscheinen. Zusatzlich gab es einen Distraktor, der sich durch die Farbe vom Target unterscheiden konnte. Das heiBt, einer der Kreise konnte entweder gelb oder blau sein, unabhangig von der Farbe des Targets. Die anderen beiden Kreise nahmen immer die Farbe des Quadrats an, welches auch blau oder gelb sein konnte. Auch der Distraktor konnte an jeder beliebigen Position erscheinen. Insgesamt ergaben sich hieraus 48 verschiedene Kombinationen. Die Probanden bekamen erneut eine Instruktion (Anhang F). AuBerdem wurde ein Beispiel prasentiert. Vor jeder Aufgabe wurde ein Fixationskreuz dargeboten. Fur diese Task hatte der Proband jeweils 2 Sekunden Zeit. Bei einer richtigen Antwort farbte sich das Target griin, bei einer falschen oder wenn zu langsam geantwortet wurde, wurde das Target rot.

Task 4: Lexical Decision Task

Der letzte Task wurde nach einem Beispielexperiment von OpenSesame, Version 3.2.7 (Kafkaesque Koffka, 2018) adaptiert. Hierbei mussten die Probanden bei dargebotenen Buchstabenreihungen entscheiden, ob die Reihung ein Wort oder Nicht-Wort war. Zunachst erhielten die Probanden die Instruktion (Anhang G) und es wurde ein Beispiel prasentiert. Insgesamt gab es 50 Worter und 50 Nicht-Worter, also insgesamt 100 Aufgaben, die in zufalliger Reihenfolge dargeboten wurden. Der Proband hatte 2s Zeit urn zu reagieren. Bei einer richtigen Antwort erschien eine griine und bei einer falschen eine rote Umrandung. Auch bei einer zu langsamen Antwort wurde die Umrandung rot.

4.3 Prozedur

Jeder Proband erschien nur zu einem Testzeitpunkt. Die Testdauer betrug etwa eine Stunde. Die Testungen fanden von 8:00 Uhr bis 13:00 Uhr und von 14:00 bis 16:30 Uhr statt. Alle Probanden wurden zwei verschiedenen Bedingungen wahrend zwei aufeinanderfolgenden Durchgangen, in denen sie die genannten Aufgaben bewaltigen mussten, ausgesetzt. Sie absolvierten die verschiedenen Aufgaben entweder ohne einen Kaugummi zu kauen (Kontrollbedingung) oder wahrend des Kaugummikauens (Experimentalbedingung). Urn eine Randomisierung zu realisieren wurden die beiden Bedingungen gewahlt, welche zum Ausschluss von Reihenfolgeeffekten in der Reihenfolge variierten. D.h. Probanden mit gerader Versuchspersonennummer kauten wahrend des ersten Durchganges den Kaugummi und absolvierten den zweiten Durchgang ohne Kaugummi. Hingegen absolvierten Probanden mit ungerader Versuchspersonennummer den ersten Aufgabendurchgang ohne Kaugummi und den zweiten Durchgang dann mit Kaugummi. Es handelte sich daher urn einen 2x2-Versuchsplan mit balanced-cross-over-Design, welches kontrolliert und randomisiert wurde.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Stressreduktion beim Kaugummikauen? Replikation der Scholey et al. Studie
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Psychologie)
Veranstaltung
Experimentalpsychologisches Arbeiten
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
24
Katalognummer
V589407
ISBN (eBook)
9783346193834
ISBN (Buch)
9783346193841
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Verfasser: Dana Noack, Judith Zuber, Julia Lutzkendorf, Ulrike Janssen, Virginia Reinheldt
Schlagworte
stress, kaugummi, kauen, stressabbau, studie, scholey, Dresden, Forschung, Stressforschung, Cortisol, Amylase
Arbeit zitieren
Virginia Reinheldt (Autor), 2019, Stressreduktion beim Kaugummikauen? Replikation der Scholey et al. Studie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/589407

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