Ganztagsschule Chancen und Risiken für die Gesundheit


Hausarbeit, 2005

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Modell der Ganztagsschule
2.1 Schule, ein Erklärungsversuch
2.2 Das Bildungswesen der BRD, ein Überblick
2.3 Ernährung
2.3.1 Die Ernährungsbildung
2.3.2 Verpflegungsangebot
2.4 Bewegung und Schulsport als Chance für die Gesundheit
2.5 Schluss mit dem Hausaufgabenstress oder was Freizeit auch sein kann
2.6 Genussmittelmissbrauch und andere Drogen

3. Chancen für die Eltern und die ganze Familie

4. Zusammenfassung und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Bildungsreform ist seit der Abwicklung der DDR ein gesamtdeutsches Anliegen. Diese ist notwendig, um mit der neuen Zeit der Hochtechnologie und dem Wandel der Gesellschaft mitzuhalten. Die Notwendigkeit dieser Neuorientierung ist ein noch immer dauernder Prozess, der mehr oder weniger in zeitgemäßen Bahnen abläuft.

Eine wesentliche „Reformmotivation“, die die Politik zum Handeln befähigte, war die erste PISA Studie (Programme for International Student Assessment). Aber auch die Ergebnisse der aktuellen Studie lassen keine wirklichen (messbaren) Veränderungen unserer Bildungs- und Schulpolitik erkennen. Wir sind immer noch Mittelmaß.

Es wird die Notwendigkeit laut, die Strukturen unserer Bildungseinrichtungen von „Kopf bis Fuß“ neu zu gestalten. Einer ganzheitlichen Betrachtung von Schule sei besonderer Bedeutung zuzuweisen. (Achim Leschinsky, Kai S. Cortina, S.20ff.)

Die Institution Schule, in ihrer derzeitigen Organisationsstruktur, scheint ihrer pädagogischen Aufgabe nicht mehr gewachsen. Der vorrangigen Bildungs- und Erziehungsfunktionen kann sie nur unzureichend gerecht werden. (Holtappels, Heinz Günter, S.9f) Die Forderung nach Chancengleichheit „innerhalb des Bildungssystems“ konnte von und durch die Politik nicht erfüllt werden. Der Amoklauf 2002 des Erfurter Gymnasiasten Robert Steinhäusers zeigt einen formal schrecklichen Zusammenhang unserer Schulen mit der Wirklichkeit.

Hartmut von Hentig formuliert „Wer in der Schule nicht den Generator der Gesellschaft sieht und in der Gesellschaft nicht den alleinigen Auftraggeber der Schule sieht, weil er vielmehr die Schule für ein notwendiges, aber begrenztes Mittel hält, Kindern beim Erwachsenwerden in der Welt zu helfen, wie sie ist, der wird der Schule nicht empfehlen, sich dabei an Ausnahmeerscheinungen zu orientieren.“ (Henting von, Hartmut, S.V47f.) Die Lehrer stehen im Mittelpunkt dieser breiten Diskussion und sind besonders ge- aber auch überfordert, nicht nur um den angesprochenen Bildungsauftrag sondern auch ein Stück Erziehung zu erfüllen.

Der Gesundheitsstatus von Kindern und Jugendlichen ist trotz der allgemein verbesserten Lebensverhältnisse stark gefährdet. Die Ursachen liegen in den gesellschaftlichen Veränderungen aber auch im Bereich der Lebensbedingungen der Jugendlichen. Die körperlichen Defizite reichen von Ausdauer- und Konzentrationsschwäche bis hin zu Krankheiten des Bewegungs- und Stützapparates. Falsche Ernährung, chronische Krankheiten und der Drogenkonsum sind weitere Punkte einer unvollständigen Liste. So rücken die Gesundheitserziehung und Förderung auf die vorderen Ränge der bildungspolitischen aber auch gesellschaftlichen Forderungen. Es gibt aktuell immer noch große Lücken bei der praktischen Umsetzung von Gesundheitsförderung und Erziehung in unseren Schulen. (BzgA, S.6)

Die Lehrer, die im Bereich von Gesundheit tätig sind, können nicht alleinige Adressaten für diese komplexe Aufgabe bleiben. Hier sind die Eltern, die Politik, Gesundheitsexperten, die Wirtschaft, die ganze Gesellschaft gefragt und in die Pflicht zu nehmen. (Priebe et al, S.7ff.)

Die Ganztagsschule mit ihrer unterrichtsübergreifenden Schülerbetreuung gilt als eine Alternative zu den herkömmlichen Schulsystemen. Dies soll hier im Bereich der Chancen und Risiken für die Gesundheit näher untersucht werden. Im Mittelpunkt dieser Betrachtung stehen die Ernährung, die Bewegung, der Genussmittelmissbrauch, die Freizeitgestaltung und die Reduktion des Stresses durch Hausaufgaben. Die Bearbeitungen der Themen AIDS, Angst als Ursache für Entwicklungsstörungen und die Lehrergesundheit können hier aufgrund ihrer Komplexität nur angesprochen werden. Eine Vertiefung diesbezüglich bedarf einer weiteren Bearbeitung.

In dieser Bearbeitung, soll der Begriff der Gesundheit umfassender, als die allgemeingültige Definition der WHO ("Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur des Freiseins von Krankheiten und Gebrechen.") verstanden sein. (www.who.int)

Ist jemand krank oder nicht? Oftmals lässt sich diese Frage über eindeutige Krankheitszeichen klären. Welchen Zustand nimmt man aber ein, wenn sich keine bzw. nicht eindeutige Symptome zeigen? Ob jemand krank ist, kann z.B. durch die Messung von Vitalparametern bestimmt werden. Doch nicht alle Vorboten einer Krankheit lassen sich so erkennen. Wann und in welchem Ausmaß können Essstörungen, Nervosität, Drogenkonsum, etc. zu Krankheiten avancieren bzw. erkannt werden? Aufgrund dieser und noch weiterer Betrachtungsmöglichkeiten von Gesundheit, ist Krankheit weit mehr, als nur die Abwesenheit von Krankheit.

2. Das Modell der Ganztagsschule

Die Bezeichnung der Ganztagsschule hat in Deutschland, gegenüber anderen fortschrittlichen Ländern wie Frankreich, den skandinavischen Ländern, den USA und Großbritannien noch immer ihre Berechtigung. In den genannten Ländern gibt es nur diesen Schultypus, der synonym mit dem Begriff Schule verwand wird. Allgemeines Merkmal der Ganztagsschule ist die Betreuung der Kinder über den Unterrichtsschluss hinaus. In der BRD haben lediglich 5 Prozent der allgemein bildenden Schulen dieses Angebot. Die Bundesregierung ist durch das schlechte Abschneiden bei PISA im Vergleich mit seinen Nachbarländern in Handlungsbedrängnis geraten. Das Modell der Ganztagsschule hat sich in diesen Ländern bewährt und soll nun auch in Deutschland schrittweise eingeführt werden. Die Bundesregierung fördert die Länder mit 4 Milliarden Euro für die nächsten 5 Jahre.

Es werden in Deutschland zwei Modelle verfolgt, die offene und die gebundene Ganztagsschule. Die offene Ganztagsschule ist der Unterrichtsstruktur der Halbtagsschule gleich, jedoch mit einem freiwilligen Angebot der Nachmittagsbetreuung durch Lehrer, Sozialpädagogen und Erzieher. Die Gebundene hat ihr Unterrichtskonzept auf den ganzen Tag ausgeweitet, die Einteilung der 45-minütigen Unterrichtsstunde fällt in der Regel weg und es finden „Phasen der Konzentration und der Entspannung“ statt. Diese verpflichtende Form wird auch als „rhythmischer Tagesablauf“ bezeichnet.

In keinem Industrieland ist die Schulbildung im besonderen Maße von der sozialen Herkunft so abhängig, wie in Deutschland. Eine Möglichkeit, um Schülern bei ihren Schwächen zu helfen und bei ihren Stärken individuell zu fördern, bietet die Ganztagsschule (BMBF, S. 4ff.). Wenn in der weiteren Bearbeitung nicht explizit auf die Bezeichnung Ganztagsschule hingewiesen wird, wird der Begriff Schule verwand.

„Gute Bildung braucht Zeit. An der Ganztagsschule ist Zeit – Zeit für mehr Qualität im Unterricht, individuelle Förderung, kreative Freizeitgestaltung und familienfreundliche Betreuung.“ (Bulmahn, Edelgard In: BMBF, S.2, Bildungsministerin)

Dieses neue Bildungsverständnis der Politik lässt auf eine ganzheitliche Betrachtung der Kinder und Jugendlichen einschließlich ihrer Eltern hoffen. Ganzheitlich im Sinne, dass nicht nur der Geist, also Intellekt gefordert und gefördert werden, sondern dass die Seele und der Körper gleichermaßen Wahrnehmung erfährt.

Gesundheitsförderung und Erhaltung scheinen angesichts der alarmierenden Zahlen von übergewichtigen Schülern aller Altersgruppen mehr als notwendig. Kinder und Jugendliche verbringen erhebliche Zeit in der Schule. Dies ist neben dem Elternhaus ein sehr entscheidender und prägender Ort des Erwachsenwerdens. Die Ganztagsschule hat hier die Möglichkeit auf den gesundheitlichen Lebensstil der Schüler förderlich einzuwirken. (www.ernaerungs-umschau.de, S.1)

Ein neues Bildungsverständnis, was auch die Erziehung und besonders die Gesundheitserziehung mit einschließt, muss als notwendiger Gegenstand dieser Diskussion betrachtet werden. Schulen müssen sich den „außerschulischen Erziehungsfeldern und sozialen Lebensbereichen“ ihrer Schüler schnell mit offenem Blick nähern. (Priebe, Botho et al, S. 76f.)

2.1 Schule, ein Erklärungsversuch

Schule, als Sammelbegriff aller Bildungseinrichtungen steht mehr denn je unter dem Druck der Neugestaltung. Diese Notwendigkeit hat sich über die Zeitenwende ins neue Jahrtausend exorbitant erhöht. Die steigende Gewalt in der Gesellschaft, die wieder zunehmenden Gefahren durch AIDS, der steigende Drogenmissbrauch und die zunehmende Verarmung sind nur wenige Punkte einer unvollständigen Liste von denen Kinder und Jugendliche immer mehr betroffen bzw. deren „Täter“ sind.

Welche Rolle spielt die Schule in diesem Zusammenhang? Diese Frage scheint berechtigt und eine Beziehung der genannten Tatbestände mit der Schule ist möglicherweise in deren gesellschaftlichen Auftrag zu finden. (Priebe, Botho et al, S.7f.)

Der Vergleich mit einem Generator aus dem vorangestellten Text scheint als trefflich.

Hier beschreibt von Henting, dass die Energie einer Gesellschaft aus seinen „gebildeten“ Kindern entstammt. (Henting von, Hartmut, S.V47f.)

In der Beschreibung was Schule zu leisten hat, nimmt Deutschland gegenüber seinen Nachbarländern einen Sonderstatus in Anspruch. Die Schule ist nach unserem Verständnis eine Bildungsstätte. Die Erziehung ist die vorrangige Aufgabe des Elternhauses. Diese strikte Trennung findet so in Frankreich und England nicht statt. Dort gibt es für diese beiden Begriffe nur eine Bezeichnung: „Education“.

„Schule ist entstanden, weil das Lernen im und durch das Leben nicht mehr als ausreichend empfunden wurde.“ (Rubner, Jeanne) Über die Zeit entstand bis dato in ihr eine eigene Welt des Lernens, die sich von der „Wirklichen“ doch sehr unterscheidet. Das vorrangige Ziel der rein theoretischen Wissensvermittlung wie Formelwissen mit gleichzeitiger Vernachlässigung der sozialen Kompetenz, z.B. das Auftreten und Bewerben für eine Ausbildung, begründet zum Teil den aktuellen Bildungsstand unserer Bildungsempfänger. (Rubner, Jeanne, S.36-50)

2.1.1 Das Bildungswesen der BRD, ein Überblick

In der Bundesrepublik ist das Bildungswesen über „die ständige Konferenz der Kultusminister (KMK) der Länder“ organisiert. Die Bundesregierung hat gegenüber den Bundesländern eine eher untergeordnete Position in dieser politischen Frage. Der überwiegende Teil der Bildung findet in Deutschland in staatlichen Halbtagsschulen statt. In der DDR war dieses auch die gängige Schulform, aber die ganztägige Betreuung in Hort und Kindergarten über die Schule hinaus, hatte eine sehr große Bedeutung. (Achim Leschinsky, Kai S. Cortina, S.23-27)

Diese aktuelle Diskussion um die Ganztagsschule wurde in der BRD auch schon seit dem Ende der 60er Jahre geführt. Finanzielle Engpässe ließen ihr aber keine reelle Chance. Die vorherrschenden Schularten teilen sich in den Primärbereich, wie vorschulische Einrichtungen (Kindergarten) und Grundschule ein. Die Grundschule hat die Vermittlung der Bildungsgrundlagen über 4 Schuljahre als Lehrauftrag. Der Sekundärbereich I beginnt in der 5. bzw. 6. Klasse mit der Orientierungsstufe, die als Entscheidungszeitraum für die abschließende Schulausbildung dient. Ihr folgt dann die Hauptschule, Realschule oder das Gymnasium. Die Bildungsaufträge sollen hier nur in Kurzform und Reihenfolge genannt werden: grundlegende- gehobene- und anspruchsvolle Allgemeinbildung. (Zacharias, Thomas, S. 21-48)

In den 70er Jahren versuchte man über die Bildung der Gesamtschule das Schulwesen zu vereinfachen. Es wurden die Schulformen des I. Sekundärbereichs gebündelt. Wenn dann setzte sich die Gesamtschule in den sozialdemokratischen oder sozialliberal regierten Ländern als Regelschule durch und in den konservativen Ländern lediglich als Versuchsschulen. Die Sekundärstufe II ist durch das Gymnasium ab der 10. Klasse, der berufsbildenden Schulen und den Bildungseinrichtungen des zweiten Bildungsweges gekennzeichnet. Der letzte Bereich, der tertiäre Bereich, beinhaltet die Hochschulausbildung. (Zacharias, Thomas, S. 53-66)

2.2 Ernährung

Jedes 5. Kind zwischen 6 und 17 Jahren ist übergewichtig und die Tendenz ist steigend.

Dies ist nicht mehr nur ein amerikanisches Problem, sondern nach Feststellung der Kinder- und Jugendärzte eine deutsche Wahrheit.

Adipositas und die damit einhergehenden hohen Cholesterinwerte sind wesentliche Ursachen der Hypertonie (Bluthochdruck) und Risiken weiterer Regulationsstörungen wie der Diabetes Melitus Typ II (nicht Insulin abhängig). Dies sind in der Regel Erkrankungen, die mit zunehmendem Alter durch Fehl- bzw. Mangelernährung und noch weitere Faktoren wie der Immobilität erworben werden.

Gleichsam nehmen Essstörungen wie Fresssucht sowie Ess- und Brechsucht bei Jugendlichen stetig zu (Anorexie, Bulimie). Diese Erkrankungen sollen im Rahmen der Ernährungsbetrachtung nicht weiter berücksichtigt werden, da sie der Gruppe der psychischen Erkrankungen zuzuordnen sind.

Nach der Studie von NVS (nationale Verzehrstudie, 1985-1989) und EVS (Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, 1993) liegt die „mittlere Tagesenergiezufuhr“ im Normal- oder Unterbereich der geforderten Menge. Die Übergewichtigkeit resultiert demnach aus dem zunehmenden Bewegungsmangel der Kinder und Jugendlichen. (www.hage.de, S. 2f)

Auf den Punkt der Mobilität soll im weiteren Verlauf dieser Arbeit näher eingegangen werden.

Welchen Einfluss kann die Schule auf Fehl- oder Mangelernährung und den daraus möglich resultierenden Erkrankungen oder Mangelerscheinungen nehmen?

Es sollen hier zwei mögliche Antworten dargestellt werden: die Ernährungsbildung und das schulische Verpflegungsangebot.

2.2.1 Die Ernährungsbildung

Die Universität Padaborn hat für das Verbraucherministerium ein Forschungsprojekt zur Ernährungsbildung in allgemein bildenden Schulen durchgeführt.

Die Ernährungsbildung ist in den Bundesländern in unterschiedlicher Art und Weise im Lehrplan verankert. In der Sekundarstufe steht der ernährungsbezogene Unterricht als Wahl- bzw. Abwahlmöglichkeit zur Verfügung, in der Regel als Hauswirtschaftsfach.

In acht Bundesländern wird gar kein hauswirtschaftlicher Unterricht angeboten. Auch über den Biologieunterricht findet keine kontinuierliche Ernährungsbildung statt.

Zusammenfassend kann man das „Lernfeld Ernährung“ im Lehrplan der Schulen als unterrepräsentiert bezeichnen.

Die mangelnde Qualität der Schulbücher unterstützt dieses Defizit noch zusätzlich. Sind sie im Bereich der Ernährungspsychologie weitestgehend fachlich richtig, so treten auf der Ebene der Ernährungswissenschaft erhebliche Mängel auf. Die oftmals vereinfachten Darstellungen lassen Zusammenhänge von Gesundheit und Ernährung nur schwer oder mangelhaft erklären.

Es zeigt sich ein weiterer Mangel. Es ist der Mangel an Fachpersonal für den hauswirtschaftlichen Unterricht. So wird dieser Teil von nur 50 Prozent „berechtigtem“ Personal unterrichtet.

Allgemein und abschließend lässt sich feststellen, dass neben den schulischen Defiziten im Bereich der Ernährungsbildung insgesamt ein Kompetenzverlust in den Haushalten stattgefunden hat, also bei den Familien der Kinder und Jugendlichen. Es ist ein Kompetenzverlust in der Beurteilung der Lebensmittelqualität und der lebensmittelgerechten Zubereitungs- sowie Verarbeitungskompetenz.

Es werden drei zentrale Forderungen gestellt:

1. Förderung der Schüler durch ein generalisiertes Angebot von Ernährungsbildung mit praktischem Unterricht in der Lebensmittelverarbeitung
2. Ernährungsbildung als Bestandteil von Gesundheitsbildung, ins Besondere die Gesundheitsförderung (Gegenwartsaufgabe)
3. Übernahme des Bildungsauftrages neben den Lehrern durch Fachkräfte, vor allem durch Gesundheitsexperten

Es gibt in den Sozialwissenschaften Einigkeit darüber, dass das Ernährungsverhalten je nach gesellschaftlicher Gruppe und sozialer Lage variiert. Frauen (Mütter) ernähren sich gesünder und das „Ernährungsverhalten nimmt Bezug auf das verfügbare Gesundheits- bzw. Ernährungswissen“. Mit zunehmendem Bildungsstand nimmt auch die Vollwerternährung zu und der Fleischverzehr ab. Ebenso zeigt sich ein Zusammenhang von höherem Einkommen und dem zunehmenden Verzehr von frischem Obst und Gemüse“. Einen weiteren Unterschied zeigt sich in der Größe des Haushaltes. Kleinere Haushalte zeigen eher ein gesünderes Essverhalten als Größere, in weiterer Abhängigkeit zu den genannten sozialen Komponenten wie Einkommen und Schicht. Es zeigte sich in diversen Untersuchungen, dass es einen wesentlichen Anteilsunterschied von übergewichtigen Schülern an Hauptschulen gegenüber Gymnasien gibt. Diese Ergebnisse wurden als „schichtbedingt interpretiert“. „Mütter zeigen, dass deren Einfluss auf das Ernährungsverhalten ihrer Kinder vor allem von ihren Gesundheits- und Geschmackseinstellungen abhängt und diese wiederum sind bildungs- bzw. klassenspezifisch“.

Der jugendliche Lebensstil ist über das Vorangestellte der Faktor, der eine Aussage zum Ernährungsverhalten von Jugendlichen zulässt. Er ist weniger von der sozialen Herkunft abhängig, sondern oftmals über die Medien geprägt. Durch die Vielfalt von Medienformaten ist es fast unmöglich, für die Kinder und Jugendlichen eine Wertung des Inhaltes vorzunehmen. Dieses würde auch eine Medienkompetenz im Sinne von „Abschalten“ voraussetzen, die in der Regel auch viele Erwachsene bedingt durch ihren Lebensstil nicht besitzen. Eltern sind oftmals unwissend über die Inhalte und Mengen des Medienkonsums ihrer Kinder. Hier kann und muss die Schule Hilfe und Alternative sein. Hilfe in der Frage der Medienverwahrlosung bis hin zur Computersucht ist notwendig.

Diese Sucht hat viele Folgen von Abhängigkeiten wie Persönlichkeitsveränderung, Ernährungsstörungen und die Vereinsamung. Hier soll und kann die Schule nicht als Therapeut fungieren, aber sie muss diese Auffälligkeiten erkennen und an die Eltern sowie an Profis weiterleiten. Alternativen, wie z.B. Angebote von Bewegung, Sport und Spiel können hier die passive Zeit des „Computerns“ reduzieren, was in der Regel auch den Konsum von „Fastfood“ impliziert. (Frontal 21) Auf diesen Punkt soll im Abschnitt Bewegung näher eingegangen werden.

Eine entscheidende Größe der außerelterlichen Ernährung spielt der Rahmen des Taschengeldes, der in der Regel nicht in gesundheitsspezifische Lebensmittel investiert wird. (BzgA, Bd. 20, S.16-23)

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Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Ganztagsschule Chancen und Risiken für die Gesundheit
Hochschule
Hochschule Neubrandenburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
26
Katalognummer
V58954
ISBN (eBook)
9783638530118
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ganztagsschule, Chancen, Risiken, Gesundheit
Arbeit zitieren
Rajko Pflügel (Autor), 2005, Ganztagsschule Chancen und Risiken für die Gesundheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58954

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