Die Bildungsreform ist seit der Abwicklung der DDR ein gesamtdeutsches Anliegen. Diese ist notwendig, um mit der neuen Zeit der Hochtechnologie und dem Wandel der Gesellschaft mitzuhalten. Die Notwendigkeit dieser Neuorientierung ist ein noch immer dauernder Prozess, der mehr oder weniger in zeitgemäßen Bahnen abläuft. Eine wesentliche „Reformmotivation“, die die Politik zum Handeln befähigte, war die erste PISA Studie (Programme for International Student Assessment). Aber auch die Ergebnisse der aktuellen Studie lassen keine wirklichen (messbaren) Veränderungen unserer Bildungs- und Schulpolitik erkennen. Wir sind immer noch Mittelmaß. Es wird die Notwendigkeit laut, die Strukturen unserer Bildungseinrichtungen von „Kopf bis Fuß“ neu zu gestalten. Einer ganzheitlichen Betrachtung von Schule sei besonderer Bedeutung zuzuweisen. (Achim Leschinsky, Kai S. Cortina, S.20ff.) Die Institution Schule, in ihrer derzeitigen Organisationsstruktur, scheint ihrer pädagogischen Aufgabe nicht mehr gewachsen. Der vorrangigen Bildungs- und Erziehungsfunktionen kann sie nur unzureichend gerecht werden. (Holtappels, Heinz Günter, S.9f) Die Forderung nach Chancengleichheit „innerhalb des Bildungssystems“ konnte von und durch die Politik nicht erfüllt werden. Der Amoklauf 2002 des Erfurter Gymnasiasten Robert Steinhäusers zeigt einen formal schrecklichen Zusammenhang unserer Schulen mit der Wirklichkeit. Hartmut von Hentig formuliert„Wer in der Schule nicht den Generator der Gesellschaft sieht und in der Gesellschaft nicht den alleinigen Auftraggeber der Schule sieht, weil er vielmehr die Schule für ein notwendiges, aber begrenztes Mittel hält, Kindern beim Erwachsenwerden in der Welt zu helfen, wie sie ist, der wird der Schule nicht empfehlen, sich dabei an Ausnahmeerscheinungen zu orientieren.“(Henting von, Hartmut, S.V47f.) Die Lehrer stehen im Mittelpunkt dieser breiten Diskussion und sind besonders ge- aber auch überfordert, nicht nur um den angesprochenen Bildungsauftrag sondern auch ein Stück Erziehung zu erfüllen. Der Gesundheitsstatus von Kindern und Jugendlichen ist trotz der allgemein verbesserten Lebensverhältnisse stark gefährdet. Die Ursachen liegen in den gesellschaftlichen Veränderungen aber auch im Bereich der Lebensbedingungen der Jugendlichen. Die körperlichen Defizite reichen von Ausdauer- und Konzentrationsschwäche bis hin zu Krankheiten des Bewegungs- und Stützapparates. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Modell der Ganztagsschule
2.1 Schule, ein Erklärungsversuch
2.2 Das Bildungswesen der BRD, ein Überblick
2.3 Ernährung
2.3.1 Die Ernährungsbildung
2.3.2 Verpflegungsangebot
2.4 Bewegung und Schulsport als Chance für die Gesundheit
2.5 Schluss mit dem Hausaufgabenstress oder was Freizeit auch sein kann
2.6 Genussmittelmissbrauch und andere Drogen
3. Chancen für die Eltern und die ganze Familie
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Modell der Ganztagsschule im Hinblick auf seine Chancen und Risiken für die gesundheitliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Ganztagsschule durch ihren strukturellen Ansatz zur Gesundheitsförderung beitragen und bisherige Defizite des Halbtagsschulsystems kompensieren kann.
- Bedeutung der Ganztagsschule für die Ernährungsbildung und das Verpflegungsangebot.
- Bewegung und Schulsport als präventive Gesundheitsfaktoren.
- Reduktion von familiärem Stress durch die schulische Hausaufgabenbetreuung.
- Suchtprävention und Förderung eines gesunden Lebensstils im schulischen Kontext.
- Die Rolle der Schule bei der Einbindung von Eltern und Familien.
Auszug aus dem Buch
2.3 Bewegung und Schulsport als Chance für die Gesundheit
Bewegung und der vorab besprochene Punkt der Ernährung sind zwei sich stark bedingende Faktoren für Gesundheit. Die ausreichende Bewegung in entsprechender Qualität ist mindestens von gleicher entscheidender Bedeutung für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wie ein bestimmtes Maß von Ernährung. Durch die Bewegungsreize werden neben der Optimierung der Organfunktionen, der Schulung von Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer und koordinativen Fähigkeiten auch soziale Erfahrungen erworben. Es geht weiter um die Erfahrung der eigenen Körperwahrnehmung durch Bewegungsaktivitäten. Die Schüler „erwerben schließlich elementare soziale Kompetenzen beim Aushandeln von Verabredungen und Regeln im Bewegungsspiel. Dieser Zusammenhang von Gesundheit und Bewegung scheint allgemein als selbstverständlich, findet aber dennoch zu wenig Beachtung in den schulischen Konzepten zur Gesundheitserziehung. (Kottmann, Lutz et al In: Priebe, Botho et al, S. 250f)
Die Aufgabe des Schulsportes ist es, allen Schülern ein ausreichendes Maß an Bewegung zu geben. (Priebe, Botho et al, S. 250f) Nach einer Studie des Deutschen Sportbundes fällt jede vierte Sportstunde in unseren Schulen aus und die Sportlehrer sind im Durchschnitt viel zu alt. (Radio Antenne M/V) Der Unterricht ist in seiner Gestaltung nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Obligatorischer Rundenlauf und Seilklettern lassen Trendsportarten wie Skaten oder Freeclimbing keinen Raum.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit einer Bildungsreform und den Zusammenhang zwischen mangelnden Strukturen im Schulwesen und dem gefährdeten Gesundheitsstatus von Kindern.
2. Das Modell der Ganztagsschule: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise der Ganztagsschule und ihren ganzheitlichen Erziehungsansatz im Vergleich zum klassischen Halbtagsschulmodell.
2.1 Schule, ein Erklärungsversuch: Hier wird der gesellschaftliche Auftrag der Schule unter dem Druck zunehmender Verarmung, Gewalt und Drogenproblematiken kritisch hinterfragt.
2.2 Das Bildungswesen der BRD, ein Überblick: Ein historischer und struktureller Abriss über das deutsche Bildungssystem und die politische Organisation der Schulformen.
2.3 Ernährung: Die Problematik von Übergewicht, Essstörungen und Mangelernährung bei Schülern wird analysiert, wobei die Schule als präventiver Einflussfaktor hervorgehoben wird.
2.3.1 Die Ernährungsbildung: Untersuchung der fachlichen Defizite im hauswirtschaftlichen Unterricht und Forderungen nach einer verstärkten Integration der Gesundheitsbildung.
2.3.2 Verpflegungsangebot: Es wird die Bedeutung einer gesunden Schulverpflegung sowie einer positiven Tischkultur für das Schulklima und das Wohlbefinden diskutiert.
2.4 Bewegung und Schulsport als Chance für die Gesundheit: Fokus auf die Kompensation von Bewegungsmangel und die Förderung sozialer Kompetenzen durch sportliche Aktivitäten.
2.5 Schluss mit dem Hausaufgabenstress oder was Freizeit auch sein kann: Darstellung, wie die Ganztagsschule durch Hausaufgabenbetreuung familiären Stress reduzieren und Freiräume sinnvoll gestalten kann.
2.6 Genussmittelmissbrauch und andere Drogen: Analyse des jugendlichen Konsumverhaltens bei Alkohol und Tabak sowie die Rolle der Schule als Ort der Suchtprävention.
3. Chancen für die Eltern und die ganze Familie: Diskussion darüber, wie die Ganztagsschule durch Entlastung der Eltern und verbesserte soziale Förderung die ganze Familie unterstützen kann.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Fazit zur Rolle der Eltern als entscheidender Motor für Bildungserfolge und ein Plädoyer für die verstärkte finanzielle Förderung der Ganztagsschule als Zukunftsmodell.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, Gesundheitsförderung, Ernährungsbildung, Schulsport, Bildungsreform, Familienentlastung, Suchtprävention, Gesundheitsstatus, Chancengleichheit, Hausaufgabenbetreuung, Gesundheitswissenschaften, Lebensstil, Sozialkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Analyse der Ganztagsschule als Instrument zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen Ernährung, körperliche Bewegung, Freizeitgestaltung, den Umgang mit Stress sowie die Suchtprävention im schulischen Alltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Mehrwert der Ganztagsschule gegenüber dem klassischen Schulsystem in Bezug auf die Gesundheitsförderung und die familiäre Entlastung wissenschaftlich zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die verschiedene Studien und bildungspolitische Ansätze zur Ganztagsschule zusammenführt und bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Gesundheitsaspekte, angefangen bei strukturellen Rahmenbedingungen über Ernährung und Sport bis hin zur Entlastung von Familien durch Ganztagsbetreuung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ganztagsschule, Gesundheitsförderung, Chancengleichheit, Ernährungsbildung und Stressreduktion.
Wie unterscheidet sich die offene von der gebundenen Ganztagsschule?
Die offene Ganztagsschule bietet freiwillige Nachmittagsangebote, während die gebundene Form ein verbindliches ganztägiges Unterrichtskonzept mit rhythmisiertem Tagesablauf verfolgt.
Welche Rolle spielen die Eltern bei der Ganztagsschule laut der Arbeit?
Eltern werden als zentraler Motor für die Annahme der Ganztagsschule identifiziert; die Schule kann ihnen familiäre Lasten abnehmen, benötigt aber deren aktives Engagement für den Erfolg.
- Quote paper
- Rajko Pflügel (Author), 2005, Ganztagsschule Chancen und Risiken für die Gesundheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58954