Die sich immer schneller verändernden Anforderungen an das Gesundheitswesen erfordern eine Auseinandersetzung mit Leitgedanken und Grundkonzepten der Qualitätsförderung. „Systematische Qualitätsförderung in Praxis und Klinik ist eine Herausforderung, deren erfolgreiche Bewältigung uns allen - Patienten wie Beschäftigten im Gesundheitswesen - nutzen kann“ (F. M. Gerlach, 2001, S V). Zu den in der Diskussion stehenden Entwicklungen gehören neben Leitlinien, evidenzbasierter Medizin und anderen Themen auch Qualitätsmanagementsysteme, z. B. das TQM (Total Quality Management). Nach Kopp (2002, S. 223) sei der zunehmende ökonomische Druck, ein sich immer rascher erneuendes Wissen, extreme Variationen klinischer Praxis und auch die verändernde Rolle des Patienten, Grund für tiefgreifende Reformen des Gesundheitswesens. Ziele dieser Reformen seien Verbesserung von Qualität und (Kosten-) Effektivität der Versorgung unterstützt von Leitlinienprogrammen. Für die Ärzte sind schon allerhand Leitlinien entwickelt worden, während die Physiotherapie noch am Anfang steht. Die Diskussion um Leitlinien ist durchaus auch unter Ärzten kontrovers. Die Problematik medizinischer Leitlinien, die Begrifflichkeit und praktische Umsetzung wird Gegenstand folgender Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Leitlinien Chancen und Grenzen
2.1 Abgrenzung der Begriffe
2.2 Ziele von Leitlinien
2.3 Kritische Faktoren
2.4 Motive unterschiedlicher Interessensgruppen
2.5 Welche Organisationen erstellen Leitlinien?
2.6 Systematik der Entwicklung von Leitlinien
2.6.1 Prozess der Leitlinienerstellung
2.6.2 Qualität von Leitlinien
2.6.3 Akzeptanz
3 Systematik der Umsetzung von Leitlinien
3.1 TQM (Total Quality Management)
3.2 Anforderungen
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Leitlinien als zentrales Instrument der Qualitätssicherung innerhalb des Total Quality Managements (TQM) im Gesundheitswesen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Synergien zwischen der systematischen Entwicklung von Leitlinien und der praktischen Umsetzung innerhalb einer qualitätsorientierten Unternehmenskultur, insbesondere unter Berücksichtigung der speziellen Anforderungen in der Physiotherapie.
- Grundlagen und Definitionen medizinischer Leitlinien
- Analyse der Interessenslagen von Leistungserbringern, Patienten und Kostenträgern
- Systematik der Leitlinienentwicklung und Qualitätskriterien (Evidenzbasierung)
- Herausforderungen bei der Implementierung von Innovationen
- Optimierungspotenziale durch TQM im physiotherapeutischen Bereich
Auszug aus dem Buch
2.4 Motive unterschiedlicher Interessensgruppen
Leistungserbringer
Von Seiten der Leistungserbringer bestehen erhebliche Bedenken, die Therapiefreiheit sei bedroht, das Arzt - Patienten - Verhältnis erheblich gestört, die Versorgungsqualität im Individualfall unzumutbar eingeschränkt. Eine weitere Gefahr sei die Verrechtlichung der Medizin, eine Außensteuerung durch Politik, Krankenkassen und Gerichte, einer Schematisierung ärztlichen Handelns unter Zurückdrängung der persönlichen Intuition und Verantwortung des Arztes, sowie auch die Gefahr einer übertriebenen Defensivmedizin. Auf der anderen Seite hat sich durchgesetzt, dass Leitlinien als Orientierungspunkte für eine qualitätsgesicherte Medizin durchaus sinnvoll seien. So werden bei anhaltender Knappheit der Mittel, Leitlinien heute geradezu als Hoffnungsträger gesehen. Sie sollen der vermeintlichen Beliebigkeit der Versorgung ein Ende setzen, diese auf hohem Niveau stabilisieren. Für unbestritten hält Bauer (in Eichhorn 1998, S.161), dass Leitlinien eine Grundlage für rationales ärztliches Handeln legen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigenden Anforderungen an das Gesundheitswesen und führt Leitlinien sowie TQM als zentrale Lösungsansätze zur Qualitätssteigerung ein.
2 Leitlinien Chancen und Grenzen: Dieses Kapitel definiert den Begriff Leitlinie, diskutiert deren Ziele, kritische Faktoren sowie die unterschiedlichen Motive der verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen.
3 Systematik der Umsetzung von Leitlinien: Hier wird der Implementierungsprozess von Leitlinien detailliert beschrieben und in den Kontext der TQM-Philosophie gestellt.
4 Fazit: Das Fazit resümiert die optimale Verzahnung von TQM und Leitlinien und gibt Handlungsempfehlungen für den Bereich der Physiotherapie.
Schlüsselwörter
Leitlinien, Total Quality Management, TQM, Qualitätssicherung, Gesundheitswesen, Physiotherapie, Implementierung, Evidenzbasierung, Leistungserbringer, Patientenwohl, Prozesssteuerung, AWMF, Versorgungsqualität, Innovationsmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Rolle von Leitlinien als Instrument zur Qualitätssicherung im Rahmen des Total Quality Management im Gesundheitssektor.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Leitlinien, den Erwartungshaltungen verschiedener Interessensgruppen, der Systematik ihrer Entwicklung sowie der Implementierung innerhalb von Gesundheitseinrichtungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Leitlinien als strukturgebendes Element im TQM dazu beitragen können, die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit medizinischer sowie therapeutischer Leistungen zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die auf Basis aktueller Qualitätsmanagement-Modelle und gesundheitsökonomischer Literatur erarbeitet wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Leitlinien, ihre Entwicklungsprozesse unter Berücksichtigung von Evidenzgraden und die spezifischen Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung in der Physiotherapie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Total Quality Management, Leitlinien, Qualitätssicherung, Evidenzbasierung und interdisziplinäre Versorgungsansätze.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise der Leistungserbringer von der der Kostenträger?
Während Leistungserbringer oft eine Bedrohung ihrer Therapiefreiheit fürchten, streben Kostenträger vor allem nach einem einheitlichen, ökonomischen Versorgungsraster und der Vermeidung von Überversorgung.
Welche Rolle spielt die Physiotherapie im Kontext der Leitlinienarbeit?
Die Arbeit stellt fest, dass die Physiotherapie in der systematischen Entwicklung eigener Leitlinien noch am Anfang steht und empfiehlt eine stärkere Anbindung an die Strukturen der AWMF, um von deren Erfahrungen und interdisziplinären Ansätzen zu profitieren.
- Quote paper
- Master Science Kirsten Herrmann (Author), 2006, Leitlinien - ein Instrument zur Qualitätssicherung im Total Quality Management, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58965