Spanische Sprachentwicklung. Die Romanisierung der iberischen Halbinsel

Eine sprachwissenschaftliche Betrachtung der Entwicklungen vom Lateinischen zum Spanischen und der Einfluss des Arabischen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Eroberung der iberischen Halbinsel - Die Goten in Spanien
2.1 Einfluss durch Religion

3. Die Sprachgeschichte des Spanischen
3.1 Der Sprachwandel und seine Verbreitung
3.2 Der Sprachkontakt
3.3 Sprachliches Erbe durch die Westgoten
3.4 Die Entwicklung vom Lateinischen zum Vulgärlateinischen zum Spanischen
3.4.1 Grammatikalische Besonderheiten
3.5 Muslime und Christen im Konflikt
3.5.1 Das iberoromanische Mozarabisch
3.5.1.1 Grammatikalische Besonderheiten

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

Die Sprachgeschichte der Iberischen Halbinsel. Eine sprachwissenschaftliche Betrachtung der Ent- wicklungen vom Lateinischen zum Spanischen und der Einfluss des Arabischen.

1. Einleitung

Für viele Sprachwissenschaftler und Historiker ist die Verwendung von Sprache im mittelalterlichen Iberien besonders interessant, denn die Sprachvarietäten wa- ren bereits ab der Romanisierung in den ersten Jahrhunderten n. Chr. besonders ausgeprägt und auch der kulturelle Austausch brachte unterschiedliche Sprachen in Kontakt.1 Doch wie genau entstand nun die ursprüngliche spanische Sprache, aus der die uns heute bekannte Sprache entstand? Um diese Frage beantworten zu können muss zunächst ein Blick auf die historischen Ereignisse geworfen werden, um zu klären, welche Bevölkerungsgruppen zum Ende der Antike bzw. zu Beginn des Mittelalters auf welchem Territorium existierten. Grundlagenforschungen an dieser Stelle sind u.a. Ausführungen von Kampers (2008), Cano Aguilar (2008) und Zavadil (2015). Neben der territorialen Abgrenzung, ist auch der religiöse Einfluss nicht unbedeutend, wenn wir auf Sprache schauen, der in der Arbeit kurz beschrieben wird. Anknüpfend daran werden grundsätzliche Aspekte des Sprach- wandels- und kontakt und seiner Verbreitung vorgestellt, um anschließend die spezielle Sprachveränderung vom Lateinischen zum Spanischen vorzustellen, welche für die iberische Halbinsel durch die Romanisierung der wohl größte Schritt in der Sprachgeschichte darstellt. Ebenfalls wird in der vorliegenden Ar- beit die Entwicklung der Westgoten betrachtet, die ein germanisches Volk darstell- ten und besonders im Südwesten der Iberischen Halbinsel einen gewissen Einfluss ausübten. Einige Wortbeispiele werden an dieser Stelle vor Augen geführt, um einen direkten sprachwissenschaftlichen Bezug herzustellen. Es wird sich auf un- terschiedliche sprachwissenschaftliche Werke, wie von Cano Aguilar (2008) ge- stützt, die bereits grammatikalische Entwicklungen vom Vulgärlateinischen zum Altspanischen untersuchten. Eine Varietät, die in Verbindung mit der islamischen Eroberung Spaniens entstand, wird ebenfalls kurz vorgestellt, da wir von dieser Sprachvarietät im Hinblick auf Andalusien noch heute Hinterlassenschaften vor- finden. Dabei handelt es sich um das Mozarabische, das scheinbar als Mischform des Spanischen und Arabischen existierte und im Zuge der Conquista bzw. Re- conquista existenziell wurde. Denn der Konflikt zwischen Christen und Muslimen brachte ebenfalls verschiedene Sprachformen hervor, aus denen heutige Dialekte entstanden sind. Dazu werden einige Grundregeln der grammatikalischen Anwen- dungen bzw. der Änderung anhand von Beispielen vorgestellt.

Die verschiedenen Beispiele, die sprachwissenschaftlich betrachtet werden, sollen vor Augen führen, ob sprachliche Parallelen oder Unterschiede vorliegen, anhand denen dann eine gegenseitige Beeinflussung ausgemacht werden kann.

In einem abschließenden Fazit wird zusammen gefasst, ob und wie sich die ver- schiedenen Völker und Sprachen gegenseitig beeinflussten.

2. Die Eroberung der iberischen Halbinsel - Die Goten in Spanien

Ausgehend von einer iberischen Kultur gab es auch eine iberische Sprache, die vor der Romanisierung auf der Halbinsel praktiziert wurde. Gouda (2011) unter- teilt drei unterschiedliche Kulturzonen, in denen sich die iberische Schrift ver- schieden verbreitete. Dazu gehört die Levante-Schrift, die sich vom Nordosten bis ins französische Languedoc verbreitete. Dann gab es die südiberische Schrift, die im Südosten zwischen Murcia und Valencia bis ins obere Guadalquivir verwendet wurde und zuletzt das griechisch-iberische Alphabet im Gebiet der Contestania.2

Durch eine wechselnde Führungspersönlichkeit innerhalb des römischen Reiches durch Athaulf erlangten die sogenannten Westgoten die Königswürde und breite- ten sich in Italien aus.3 Erst 412 führten sie ihren Zug nach Gallien weiter fort, um über die eingefallenen Wandalen, Sueben und Alanen weiter nach Spanien vorzu- dringen.4 Die Goten wendeten einige Jahrzehnte dazu auf, eine neue Heimat zu finden, doch erst nach Problemen mit der überseeischen Lebensmittelzufuhr nach Gallien, wichen sie letztendlich von Gallien nach Spanien, Toledo aus5. Die römi- sche Herrschaft brach kurze Zeit später aufgrund turbulenter Ereignisse durch Machthaber Gerontius ein.6 Nach dem Ende der Existenz römischer Truppen in Spanien geriet es, bis auf die Provinz Tarraconensis, erneut an die Wandalen, Sue- ben und Alanen. Die Westgoten versuchten somit in der noch nicht von den Bar- baren besetzte Provinz Tarraconensis Fuß zu fassen.7 Ab 418 siedeten sich die Westgoten vor allem in Gallien an, auf dessen Grundlage später erste germanische Reiche entstanden.8 Durch die Erosion der westlichen Imperienmacht wurde ein immer eigenständigeres westgotisches Staatswesen innerhalb des weströmischen Reiches begünstigt.9 Nach Jahren, in denen die Machthaber des Öfteren wechsel- ten zerfiel das Westreich immer rasanter, sodass den Westgoten enorme Expansi- onsmöglichkeiten geboten wurden.10 Ab 464 leiteten sie, die in der Galaeccia wichtigen Verbindungslinien zwischen Aquitanien und dem spanischen Nordwes- ten.11 Ab 460 stellten die Westgoten letztendlich die stärkste politische Kraft auf spanischem Boden dar und konnten sich bis ins 8. Jh. behaupten.12 Auch das westgotische, Tolosanische Reich (frz. Toulouse) verlagerte sich nach der Nieder- lage gegen die Franken im Jahr 507 auf die Iberische Halbinsel.13 Dort wurde die neue Hauptstadt Toledo.14 Trotz aller Eroberungen verschiedener barbarischer oder römischer Herrscher gab es eine umfangreiche Besiedlung der Goten auf spanischen Gebieten.15 Forscher gehen im 19. Jh. sogar so weit, dass die sagen, dass die Westgoten die Stellung als größte ungeteilte, politische Einheit im Europa des siebten Jahrhunderts einnahmen. Das bedeutet, das westgotische Spanien hat eine politisch-administrative Struktur aufgebaut und erreichte allgemein ein höhe- res Lern- und Kulturniveau.16 Zusammenfassend kann festgehalten werden, das der Süden und Osten Spaniens stärker romanisiert war, aber das westgotische, nördliche Land dafür eine komplexere Sozialstruktur mit einer größeren christli- chen Identität aufwies. Das lag nicht zuletzt auch an der Lage, die weniger An- greifer indizierte, als dies im Süden durch muslimische Angreifer aus Afrika der Fall war. Im Norden waren es also Galizien, Asturien und Kantabrien, die als westgotische Herzogtümer fungierten.17 Dennoch waren die Westgoten ebenfalls stark romanisiert, weshalb man davon ausgeht, dass sie eine Mischform der Spra- che aus Latein und ihrer nativen Sprache mitbrachten. Letztere war eine Form des orientalischen germanisch.18 Außerdem gingen diese nachher zum Katholizismus über, sodass ein gemeinsames Gesetzbuch für Romanen und Westgoten in lateinischer Sprache geschrieben wurde. Die gotische Sprache ging nach und nach durch die starke Integration verloren.19

2.1 Einfluss durch Religion

Ab dem 6. Jh. gab es eine enge Verbindung zwischen Staat und Kirche, in der so- gar eine Art Verfassungsrecht, durch die Kirche mitbestimmt, verfasst wurde. Be- sonders der heilige Isidor von Sevilla gilt als der größte westliche, einflussreichste Universalgelehrte seiner Zeit, der maßgeblich dazu beitrug, dass eine christliche Monarchie in Unabhängigkeit vom alten Rom und dem oströmischen Reich, durchgesetzt wurde.20 Die westgotische Monarchie suchte nach einer Art westli- chem Christentum und klassischer Kultur, um eine hispano-gotische Ideologie zu erreichen.21 Die Westgoten spalteten sich jedoch in die germanischen Westgoten auf der einen Seite und die Hispanoromanischen und Einheimischen auf der ande- ren Seite.22 Obwohl das Königreich von Toledo versucht, eine solche Idealform des Staats zu entwickeln, ist auffällig, dass die gotische Sprache auch im 7. Jh. bereits in den höchsten westgotischen Eliten nicht mehr praktiziert wurde, obwohl gotische Namen noch immer gerne vergeben wurden.23 Nur langsam entwickelte sich die gewünschten Ideologie nach Isidor in den Eliten von Asturien, León und Kastilien. Es fanden Kriege zwischen der christlichen und muslimischen Gesell- schaft statt, die ihre Territorien ausbreiten wollten, auch wenn man hier noch nicht von Kreuzzügen, sondern von Religionskriegen spricht. Die islamische Eroberung konnte erst im Jahr 1492 bekämpft und das Gebiet zurück erobert werden. Während die Römer oder auch, wie sie später genannt wurden, Romanen, überwiegend aus katholischen Christen oder Heiden bestanden, waren die germanischen Völker den arianischen Christen oder den Heiden zugeordnet.24 Innerhalb der Religion waren es besonders Gebete, die in lateinsicher Sprache auf der Halbinsel ausgeführt und verschriftlicht wurden.25

3. Die Sprachgeschichte des Spanischen

Neben den direkten gegenseitigen, sprachlichen Beeinflussungen sind es ebenfalls Dinge, wie soziale Strukturen oder eine sich ändernde Psychologie, die einen sprachlichen Wandel verursachen. Aber auch äußere Faktoren, wie die Emotiona- lität und Ausdruck der Bevölkerung, ökonomische Veränderungen oder das Sys- tem zur Gleichberechtigung bestimmter Herrschaftsstrukturen haben Einfluss auf eine bestehende Sprache.26 Das bedeutet, dass eine sprachliche Veränderung im- mer durch mehrere Faktoren bestimmt ist.

3.1 Der Sprachwandel und seine Verbreitung

Nach Zavadil existieren drei Theorien darüber, wie sich ein Sprachwandel aus- breitet. Dazu benennt er die Theorie des ‚Stammbaums’, was bedeutet, dass sich verschiedene Sprachen genau so ausbreiten, wie auch lebendige Organismen sich verbreiten. In der zweiten Theorie benennt er die Ausbreitung als Welle, die sich von einem bestimmten Zentrum aus weiter verteilt und somit im Zentrum selber stärker ist, als in den Randgebieten. Die dritte Theorie beschreibt die Verbreitung durch soziale Aspekte, bei denen der eine Sprecher den anderen imitiert.27 Es stellt sich die Frage, wie man gesprochene Sprachen nachweisen kann. Doch auch diese sind durch schriftliche Überlieferungen vermittelt worden.28 Das Lateinische, welches zur antiken Zeit im indogermanischen Raum, welcher einen großen Teil des Westens einnimmt, manifestierte, beschränkte sich sich somit also nicht nur auf den italienischen Raum, sondern ging weit darüber hinaus. Es entwickelten sich verschiedene Dialekte, aus denen dann neue Sprachen, wie auch das Spani- sche, entstanden.29 Das römische Imperium bestimmte somit gewissermaßen die Entwicklung einzelner Sprachen durch ihren enormen Einfluss. Mittlerweile weiß die Forschung, dass das Spanische aus dem gesprochenen, dem Vulgärlatein ent- standen ist.30 Ein Beispiel ist das Wort caballo, welches im klassischen Latein

EQUUS hieß, im gesprochenen Latein allerdings durch die literarische Bedeutung

„caballo de carga“ zu CABALLUS wurde.31 In mittelalterlichen Zeiten waren es dann besonders die verschiedenen Vulgärsprachen, die versucht wurden zu be- schreiben, wobei hier der Zusammenhang zwischen Sprache und Denken in den Fokus gerückt wurde. Das bedeutet, zu dieser Zeit gab es große Bemühungen dar- um, eine Linguistik zu begründen und der Grammatik durch Regeln eine Gültig- keit zu geben. Auf der Iberischen Halbinsel wurde die Grammatik jedoch eher li- teraturorientiert betrachtet.32 Alfons X.33 trug letztendlich zu einer Durchsetzung des Kastilischen bei, indem er historische, juristische oder wissenschaftliche Texte ins Kastilische übersetzte und ihm somit eine neue Form der Leistungsfähigkeit zuschrieb. Somit etablierte sich das Kastilische als Amts- und Kanzlersprache, sodass Latein fast ausschließlich innerhalb der Kontakte mit dem Ausland ver- wendet wurde.34 Dieser erkannte bereits auch, dass Sprache wandelbar ist und kein starres Konstrukt in seinen Eigenheiten darstellt und berichtet sogar vom Einfluss der Goten auf das Spanische:

[...]


1 Thomas D. Cravens: Perils of Speaking of Orígenes de la lengua, S.153-165, in: Ernst, Gerhard: Romanische Sprachgeschichte 3, in: Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, 2008, S. 153.

2 Gouda, Tanja: Der Romanisierungsprozess auf der Iberischen Halbinsel aus der Perspektive der iberischen Kulturen, Hamburg 2011, S. 107.

3 Gerd Kampers: Geschichte der Westgoten, Paderborn 2008, S.105.

4 Ebd.

5 Anhang, Bild 1.

6 Ebd. S. 107.

7 Ebd. S. 108.

8 Ebd. S. 124. Ebd. S. 125.

10 Ebd. S. 129.

11 Ebd. S. 131.

12 Ebd.

13 Ebd. S. 133.

14 Bollée, A - Neumann - Holzschuh, I, 2003, S. 41.

15 Ebd. S. 168.

16 Stanley G. Payne: Visigoths and Asturians Reinterpretend. The Spanish Grand Narrative Resto- res?, S. 47-56, in: Corfis, Ivy A.: Medieval Iberia, Suffolk 2007, S. 49.

17 Ebd. S. 52.

18 Penny, 2010, S. 29.

19 Bolte, A. - Neumann-Holzschuh, I, 2003, S. 42.

20 Ebd. S. 50.

21 Ebd.

22 Ebd.

23 Ebd.

24 Ebd. S. 54f.

25 Sälzer, 2016, S. 32.

26 Zavadil Bohumil: Historia de la lengua española. Introducción a la etimología, Prag 2015.

27 Ebd. S. 16f.

28 Rafael Cano Aguilar, Historia de la lengua oral en la Romania: español. Geschichte der gespro- chenen Sprache in der Romania: Spanisch, S. 2439- 2446, in: Ernst, Gerhard: Romanische Sprachgeschichte 3, in: Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, 2008, S. 2440.

29 Penny, Ralph: Gramática histórica del español, Barcelona 2010, S. 18.

30 Ebd. S. 19.

31 Ebd. S. 20.

32 Sälzer, Sonja: Der Sprachwandel im metasprachlichen Diskurs auf der Iberischen Halbinsel im 16. und 17. Jahrhundert, Heidelberg, 2016, S. 151f.

33 Regierungszeit 1252-1282.

34 Sälzer, 2016, S. 33f.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Spanische Sprachentwicklung. Die Romanisierung der iberischen Halbinsel
Untertitel
Eine sprachwissenschaftliche Betrachtung der Entwicklungen vom Lateinischen zum Spanischen und der Einfluss des Arabischen
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
22
Katalognummer
V590216
ISBN (eBook)
9783346163929
ISBN (Buch)
9783346163936
Sprache
Deutsch
Schlagworte
arabischen, spanischen, spanische, romanisierung, lateinischen, halbinsel, entwicklungen, einfluss, eine, betrachtung, sprachentwicklung
Arbeit zitieren
Natalie Becker (Autor), 2019, Spanische Sprachentwicklung. Die Romanisierung der iberischen Halbinsel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/590216

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