Diese Arbeit zeigt einen Weg auf, um kulturelle Erbschaften der DDR mittels eines qualitativen Forschungsdesigns zu untersuchen. Im Zentrum steht die Frage; welche Faktoren dazu geführt haben, dass die Schüler_innen aus den neuen Bundesländern heutzutage tendenziell besser abschneiden als selbige aus den alten Bundesländern.
Seit einiger Zeit beschäftigen sich unterschiedlichste Institute mit der Erhebung und dem Vergleich von Daten im Bereich der deutschen Schulbildung. In meiner Forschung interessiere ich mich dafür, wie die überdurchschnittlichen Ergebnisse der neuen Bundesländer, in den Trendstudien des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), aufgrund deren Historie zustande kommen konnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Einleitung
3. Phänomen
4. Theoretische Rahmung
5. Vorannahmen
6. Methodisches Vorgehen
a. Qualitative Verfahren
b. Leitfadeninterview
c. Feldzugang
7. Datenauswertung
a. Transkription
b. Grounded Theory
c. Typenbildung
8. Auswertung und Analyse des Datenmaterials
9. Mögliche Ergebnisse
Zielsetzung und Forschungsgegenstand
Die Forschungsarbeit untersucht die historisch begründeten Voraussetzungen für die Bildungsleistungen von Schülern in den neuen Bundesländern. Das Ziel ist es, durch eine qualitative Analyse zu ergründen, ob und wie kulturelle Erbschaften aus der DDR-Zeit die Leistungsstärke in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern beeinflussen.
- Analyse des Einflusses historischer Erbschaften auf heutige Bildungsergebnisse.
- Anwendung des Konzepts "kultureller Erbschaften" nach Jason Wittenberg.
- Erforschung von Zusammenhängen zwischen Erziehungsstilen und schulischen Leistungen.
- Untersuchung der Bedeutung der DDR-Sozialisation für die Elterngeneration.
- Methodische Nutzung von Leitfadeninterviews zur Erfassung individueller Bedeutungsgehalte.
Auszug aus dem Buch
4. Theoretische Rahmung
Im Folgenden wird die theoretische Rahmung für den zu untersuchenden Gegenstand und die theoretische Grundlage zur Interpretation potentieller Ergebnisse gelegt. Sie setzt sich aus den Erläuterungen in Conzeptualizing Historical Legacys von Jason Wittenberg Erläuterungen bezüglich historischen Erbschaften und den beschriebenen Wechselwirkungen ähnlicher Kategorien in dem Buch Soziologische Zeitdiagnostik von Oliver Dimbath zusammen.
Wittenberg kategorisiert drei Arten von historischen Erbschaften; kulturelle, materielle und institutionelle Erbschaften. Besonders ist bei den von ihm definierten Erbschaftsformen, dass sie sich explizit auf die postkommunistische Zeit beziehen, weshalb sie sich für mein Forschungsvorhaben ideal eigenen. Zu den kulturellen zählt er im Allgemeinen Faktoren wie Haltungen, Überzeugungen und Wissen aus der kommunistischen Zeit. (Vgl. Wittenberg 2015: 367)
“Examples include a “ghetto” political culture, where the population views politics as dangerous and something to avoid;1 the skills to successfully navigate politics;2 the hybrid of nationalism and socialism that proved inimical to liberal values;3 economic beliefs;4 and trust in political parties.5 Others might be termed material, such as the lack of infrastructure, the destruction of the environment, the dominance of the state sector, and excessive focus on heavy industry.” (Wittenberg 2015: 367)
Institutionelle Erbschaften umfassen das Fortbestehen von Institutionen, Organisationen und Eliten des alten Regimes in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Als Beispiele nennt er aufgeblähte Wohlfahrtssysteme, schwache Parteiensysteme, Verfassungen und das Fortbestehen der Art und Weise, wie die Wirtschaft funktioniert. Unter der dritten und letzten Erbschaftsform, dem materiellen Erbe, versteht Wittenberg beispielsweise, die fehlende Infrastruktur oder die Zerstörung der Umwelt. (Vgl. Wittenberg 2015: 367)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitende Worte zur Entstehung des Textes im Rahmen eines universitären Seminars.
2. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich des Zusammenhangs zwischen kulturellem Erbe der DDR und schulischen Leistungen.
3. Phänomen: Darlegung der empirischen Beobachtung, dass Schüler in den neuen Bundesländern in MINT-Fächern häufig überdurchschnittlich abschneiden.
4. Theoretische Rahmung: Definition zentraler Begriffe wie historischer Erbschaften nach Wittenberg und soziologische Zeitdiagnostik nach Dimbath.
5. Vorannahmen: Aufstellung von Hypothesen zu Synergieeffekten und der generationenübergreifenden Wertevermittlung.
6. Methodisches Vorgehen: Begründung für das qualitative Forschungsdesign mittels Leitfadeninterviews und Feldzugang.
7. Datenauswertung: Beschreibung der angewandten Methoden, darunter Transkription, Grounded Theory und Typenbildung.
8. Auswertung und Analyse des Datenmaterials: Erläuterung des zweistufigen Vorgehens zur Identifikation von Korrelationen zwischen Erbschaftstypen und Schulleistung.
9. Mögliche Ergebnisse: Diskussion zweier Szenarien über die Relevanz kultureller Erbschaften für das schulische Abschneiden.
Schlüsselwörter
Bildungsforschung, DDR-Erbe, Historische Erbschaften, Schulische Leistungen, Qualitative Sozialforschung, Leitfadeninterview, Typenbildung, Kulturelles Erbe, Soziologische Zeitdiagnostik, Bildungsstandards, IQB-Trendstudie, Wertevermittlung, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit?
Die Arbeit untersucht, ob das kulturelle Erbe der ehemaligen DDR einen Einfluss auf die heute überdurchschnittlichen schulischen Leistungen von Schülern in den neuen Bundesländern hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Felder umfassen die Bildungssoziologie, die Erforschung historischer Legacy-Effekte (Erbschaften) und die Analyse von Werten und Überzeugungen, die von der Elterngeneration an ihre Kinder weitergegeben werden.
Welches primäre Ziel verfolgt das Forschungsvorhaben?
Ziel ist es, die Leistungsstärke von Schülern der Sekundarstufe I in Ostdeutschland besser zu verstehen und diese mittels des theoretischen Konzepts historischer Erbschaften zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein qualitatives Design genutzt, das auf Leitfadeninterviews mit Eltern basiert. Die Daten werden mittels Grounded Theory ausgewertet und durch Typenbildung strukturiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die methodische Vorgehensweise, die Datenauswertung sowie die Analyse und Interpretation möglicher Ergebnisse hinsichtlich der Korrelation von Erbschaftstypen und Schulleistung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind insbesondere "kulturelles Erbe", "historische Erbschaften", "IQB-Bildungstrend" und "qualitative Typenbildung".
Warum wurde die Grounded Theory als Methode gewählt?
Die Grounded Theory erlaubt es, aus dem erhobenen empirischen Material induktiv Kategorien zu bilden, um so eine Theorie zu entwickeln, die eng mit den realen Aussagen der Interviewpartner verknüpft ist.
Wie definiert der Autor ein "kulturelles Erbe" in diesem Kontext?
In Anlehnung an Jason Wittenberg bezieht sich das kulturelle Erbe auf Faktoren wie Haltungen, Überzeugungen und Wissen, die aus der Zeit vor der Wiedervereinigung stammen und im heutigen Alltag der Menschen fortwirken.
Welche Bedeutung hat das IQB für die Forschung?
Das IQB liefert mit seinen Trendstudien die empirische Basis, die das Ausgangs-Phänomen – die überdurchschnittlichen Leistungen der Schüler in den neuen Bundesländern – belegt und den Rahmen für die Auswahl der Stichprobe bildet.
Was unterscheidet das Szenario 1 vom Szenario 2 bei den Ergebnissen?
Szenario 1 postuliert eine nachweisbare Korrelation zwischen bestimmten Typen des kulturellen Erbes und dem schulischen Erfolg, während Szenario 2 die Relevanz des kulturellen Erbes als eher gering einschätzt und andere Faktoren oder Erbschaftsformen stärker in den Fokus rückt.
- Arbeit zitieren
- Nelson Jung (Autor:in), 2020, Kulturelle Erbschaften der DDR. Ein Forschungsdesign, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/590535