Vergleich der Theaterstücke "Maria Stuart" und "Antigone". Wie werden Frauen in Machtpositionen dargestellt und inwiefern erfüllen sie die weiblichen Klischees ihrer Epoche?


Facharbeit (Schule), 2020

21 Seiten, Note: 1,33

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung
2.1. Historischer Hintergrund
2.2. Charakterzüge
2.3. Frauenbild
2.4. Elisabeth als weibliche Gegenspielerin
2.5 Vergleich mit Epochalem Frauenbild

3. Maria Stuart
3.1. Historischer Hintergrund
3.2 Charakterzüge
3.3 Frauenbild
3.4. Vergleich mit dem epochalen Frauenbild

4. Antigone

5. Abschließender Vergleich

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

2. Einleitung

Seit Anbeginn jeder gesellschaftlichen Ordnung sind Frau und Mann in klare Geschlechterrollen aufgeteilt. Der Mann ernährt die Familie, die Frau bleibt daheim und erfüllt ihre häuslichen Pflichten. Auch wenn sich diese Rollen im Laufe der Zeit gewandelt und immer wieder verändert haben und sich auch in den verschiedenen Kulturen unterscheiden, so blieb der Grundgedanke lange Zeit in großen Teilen der Welt bestehen. Ob nun im antiken Griechenland oder im 16. Jahrhundert, die Frau kümmerte sich um den Haushalt und die Kinder und verfügte über kein großes Mitspracherecht, weder zu Hause noch in der Öffentlichkeit. Auf der anderen Seite der Mann, welcher über mehr Kompetenz zu verfügen scheint, um seine Familie, genauso wie den Staat regieren zu können. Zwar sind Fälle bekannt, in denen Frauen selbst Machtpositionen innehatten oder indirekt ihren Mann beeinflussten, jedoch bilden diese eher die Ausnahme.

Parallel zu unserer Welt bietet die der Literatur jedoch völlig andere Möglichkeiten, Personen zu gestalten, unabhängig von gesellschaftlichen Zwängen und Normen. Doch nutzen Autoren diese Möglichkeit, ihren Figuren völlig andere Eigenschaften und Züge zu verleihen, als dies in der realen Welt möglich wäre, oder lassen sie sich von den Geschlechterrollen ihrer Zeit leiten und bewahren die Klischees? Werden Frauen in literarischen Werken anders dargestellt, als man es erwartet, oder zeigen sie womöglich unter einem Schleier der Stärke ihre wahre Zerbrechlichkeit, ihre weibliche Schwäche? Wie tiefgründig werden weibliche Figuren dargestellt? Ob gut oder schlecht sei dabei außer Acht gelassen. Und welchen Einfluss hat dabei ihre gesellschaftliche Position auf ihre Darstellung?

Ziel ist es, ein klares Verständnis über Frauenbilder in der Literatur zu erlangen im Vergleich mit dem gesellschaftlichen Frauenbild und der Epoche, besonders im Hinblick auf Frauen in Machtpositionen.

Eine umfassende Darstellung dieser Thematik würde den Rahmen der Arbeit sprengen. Es erfolgt daher eine Beschränkung auf die beiden Werke „Maria Stuart“ und „Antigone“ und die dazugehörigen Epochen.

3. Maria Stuart

2.1. Historischer Hintergrund

2.1.1. Die historische Maria Stuart

Um einen Überblick über den historischen Hintergrund und die reale Person Maria Stuart zu erlangen, wird im Folgenden kurz auf ihren Lebenslauf, mithilfe der Literatur „Maria Stuart – eine Biographie “ von Michel Duchein und weiterer eingegangen.

Maria Stuart, Tochter von Marie de Guise und Jakob V., wurde sechs Tage nach ihrer Geburt (*6. Dezember 1542) zur Königin von Schottland gekrönt und blieb dies bis zu ihrer Abdankung am 24. Juli 1567. Ihre Großmutter Margaret Tudor war die englische Prinzessin und ältere Schwester Heinrich des VIII., weshalb Maria später Ansprüche auf den englischen Thron erhob.1

Mit fünf Jahren wurde sie nach Frankreich gebracht und dort aufgezogen. Am 24. April 1558 heiratete sie Franz II. Ein Jahr später wurden sie und ihr Ehemann, aufgrund des Todes Heinrich des II., zu König und Königin von Frankreich gekrönt, jedoch endete ihre Regentschaft ein weiteres Jahr später, da Franz II. erkrankte und am 5. Dezember 1560 starb.

Maria kehrte im August 1561 nach Schottland zurück, um dort die Regentschaft, welche bis dahin ihr Halbbruder James Stewart ausübte, zu übernehmen. Sie praktizierte ihren katholischen Glauben trotz protestantischer Mehrheit im Land weiter, was Misstrauen ihrer Untertanen und auch der englischen Monarchin Elisabeth I. auslöste. Diese hatte weitere Gründe, sich vor Maria in Acht zu nehmen, da sie aus katholischer Sicht Maria einen höheren Anspruch auf den Thorn hatte als Elisabeth. Maria versuchte die Spannungen zwischen ihnen aus dem Weg zu räumen und lud Elisabeth nach Edinburgh ein, was diese jedoch ablehnte. Von Seiten Elisabeths kam es zu dem Vorschlag, dass Maria als englische Thronerbin eingesetzt würde, sollte sie einen Mann nach Elisabeths Wahl heiraten (gemeint ist Robert Dudley, 1. Earl of Leicester), was jedoch nie in die Tat umgesetzt wurde, nicht zuletzt aufgrund des heftigen Widerspruchs Dudleys selber.

Maria hatte nach Franz II. noch zwei weitere Ehepartner, zum einen Henry Stuart, Lord Darnley, ihr Cousin, Sohn des Earl of Lennox. Die Ehe zwischen den beiden verlief aufgrund der charakteristischen Eigenschaften Darnleys voller Spannungen. Darnley forderte königliche Machtbefugnisse, da Maria ihm zwar den königlichen Titeln (crown matrismonial), jedoch keine Mitsprache zugestand. In Folge diverser Ereignisse, wie dem Tod David Rizzios und der Erkrankung Darnleys, wurde dieser ermordet. Marias Teilhabe an diesem Mord wird zwar oft bestritten, ist jedoch letztlich nicht von der Hand zu weisen.

Nur drei Monate später heiratete sie den Mann, den viele für den Mörder Darnleys hielten, James Hepburn, Earl of Bothwell. Dies stellte sich als ein großer Fehler heraus, denn die ihr zuvor ergebenen Adligen versammelten sich zu einem Aufstand und forderten ihre Abdankung. Zugunsten ihres Sohns ergab sie sich und floh 1568 nach England, um Elisabeth I. um Hilfe zu bitten. Diese war prinzipiell nicht abgeneigt, forderte jedoch, dass Maria auf ihren Anspruch auf den englischen Thron verzichtete, wogegen diese sich jedoch weigerte.

Es folgten 18 Jahre Haft in teilweise angenehmen Umständen auf verschiedenen Burgen für Maria. Am 1. Februar 1587 unterzeichnete Elisabeth I. aber doch die Hinrichtungsurkunde, und am 18. Februar 1587 um 10 Uhr wurde Maria Stuart in der Großen Halle von Schloss Fotheringhay hingerichtet.

2.1.2. Epochale Frauenbilder

An dieser Stelle soll eine Übersicht über die Frauenbilder Englands im 16. Jahrhundert anhand der Präsentation „Roles of Women in 16th Century England“2 erstellt werden.

Frauen im 16. Jahrhundert in England hatten im Allgemeinen wenig Rechte und keinen Zugang zu Bildung, eine Ausnahme bildeten dabei Frauen höheren Standes, wie Maria Stuart, welche in ihrer Kindheit in Frankreich in mehreren Sprachen unterrichtet wurde. Des Weiteren wurden Frauen mit dem Ziel aufgezogen, dass sie sich dem Mann zu unterwerfen und ihm zu gehorchen hätten. Das Bild, dass man von ihnen hatte, war das eines schwachen, gebrechlichen Wesens, welches seine Emotionen nicht unter Kontrolle hat.

Äußerlich wurde Wert auf Merkmale gelegt, welche Reichtum und Reinheit symbolisieren sollten. So sollten die Haut weiß und Lippen und Wangen rot sein, jedoch durften nur adlige Frauen Schminke tragen. Die Farben und Materialien ihrer Kleidung, welche den Status der Person offenbarte, waren gesetzlich festgelegt.3

2.2. Charakterzüge

2.2.1. Maria Stuart

Schillers Werk spielt während der letzten Tage Marias, als sie im Kerker der englischen Königin Elisabeth I. in Fortheringhay gefangen ist. Da sie ihren Gatten Darnley hat ermorden lassen, floh sie aus Schottland auf einem Fischerboot (3. I.) und bat in England um Hilfe, wurde dort jedoch gefangen genommen.

Äußerlich wird sie an vielen Stellen als wunderschön beschrieben, so „[ ] überstrahlte [sie] blühend alle Weiber, Und durch Gestalt nicht minder als Geburt“ (V. 1396/1397, 2.3.). Zum Zeitpunkt des Stückes ist Maria 44 Jahre alt, jedoch wird sie nichtsdestotrotz mit jugendlicher Schönheit beschrieben und als eine Person, welche jeden Mann zu verzaubern mag.

Charakterlich wird Maria Stuart als eine auf den ersten Blick sehr starke und eigenwillige Frau dargestellt. Auch wenn die jahrelange Gefangenschaft ihr stark zusetzt (3.4.), zeigt sie sich die meiste Zeit ruhig und gelassen. Jedoch zeigt ihre leidenschaftliche Erregbarkeit und ihr teilweise unbesonnenes Handeln, dass sie zu Stimmungsschwankungen neigt (3.4.). Auch wurde ihr ein Priester ihrer Kirche versagt und es wurde mehrmals versucht, sie zu bekehren, sie hält jedoch am katholischen Glauben fest und legt kurz vor ihrer Hinrichtung ihre letzte Beichte ab. In dieser gesteht sie fast alle ihr vorgeworfenen Taten, einschließlich der Mitschuld an der Ermordung ihre Mannes Darnley. Was sie bis zuletzt von der Hand weist, ist, dass sie an einem Mordversuch an Elisabeth beteiligt gewesen sein soll, in diesem Fall wird nach ihrem Tod ihre Unschuld bewiesen.

Trotz ihres starken Charakters sagt Talbot im Zusammenhang mit der Frage, warum sie den mutmaßlichen Mörder ihres Mannes heiratete, folgendes über sie: „Wer weiß, durch welcher Künste Macht besiegt? Denn ein gebrechlich Wesen ist das Weib.“ (V.1372/1373, 2.3.). Was jedoch von Elisabeth unwillkürlich bestritten wird, denn ihrer Meinung nach sei „[ ] das Weib [ ] nicht schwach“. Des Weiteren wird sie von Mortimer unter anderem hoch geachtet, da sie schon „[ ] liebend einen Mann beglückt [hat]“ (V.1656, 2.7.). Somit wird sie daran gemessen, ob sie ihre weiblichen Pflichten erfüllt.

Da ihr die Gegenwart nichts zu bieten hat, hält sie stark an der Vergangenheit fest. Wobei sie auch reuevoll an ihre Taten zurückdenkt, wie an die Ermordung ihres Mannes, an dessen Todestag sie Buße tut und fastet. Maria hält jedoch wenig an ihrem materiellen Hab und Gut fest, wie sie selbst sagt: „Diese Flitter machen Die Königin nicht aus“ (V.154/155, 1.2.).

Sehr stark ist sie von ihrem königlichen Stolz geprägt. Sie drückt sich bedachtsam aus und achtet auf ihre Würde. Auch wenn sie durchgehend in einer schlechten Position ist, vermag sie sicher und selbstbewusst zu wirken. Selbst als sie vor Elisabeth niederkniet und erst den Anschein tiefer Ergebenheit erwecken lässt, zeigt sie kurz darauf ihre wahren Emotionen und schafft es selbst aus dieser Position, der anderen Königin auf Augenhöhe zu begegnen.

2.2.2. Elisabeth I.

Elisabeth I. stammt aus dem Hause Tudor und ist Königin Englands, sie folgte ihrem Vater Heinrich VIII. über Umwege auf den englischen Thron. Vor ihr regierte unter Anderem ihre Schwester Maria I., auch bekannt als „Bloody Mary“. Da Elisabeths Mutter Anne Boleyn in den Augen der katholischen Kirche nicht rechtmäßig mit Heinrich VIII. verheiratet war, gilt Elisabeth für manche als Bastard und wird auch von Maria als Bastard-Königin bezeichnet. Sie selbst zweifelt immer wieder an der Rechtmäßigkeit ihrer Thronfolge und bemüht sich darum, Maria unschädlich zu machen.

Sie ist während des Stückes 53 Jahre alt und somit älter ihre Gegenspielerin Maria Stuart. Folglich reagiert sie empfindlich auf Kommentare bezüglich Marias Schönheit (2.3.). Wenn sie jedoch Komplimente von Leicester bekommt, hört sie diese mit Wohlgefallen.

Charakterlich wird Elisabeth als eine zwar sehr selbstbewusste, aber auch als eine heuchlerische Person dargestellt. Ihr Talent in der Verstellung wird im Stück hervorgehoben, beispielsweise als sie dem französischen Gesandten geschickt vorgaukelt, eine Ehe mit dem Dauphin würde für sie ernsthaft in Frage kommen. Auch hebt sie mehrmals hervor, es wäre der Wunsch ihres Volkes, Maria Stuart hinrichten zu lassen und sie sähe sich diesem verpflichtet, weniger als dass es ihr persönlicher Wunsch wäre. Gleichzeitig will sie Maria im Geheimen ermorden lassen, damit nicht die Folgen, die die Hinrichtung einer gesalbten Königin haben würde, an ihr haften und womöglich an ihrem Ansehen kratzen würde.

Auch der Status als jungfräuliche Königin ist nicht mehr als ein Status und kein Fakt. So pflegt sie mehr oder weniger öffentlich eine Beziehung mit Leicester, welchem sie zu einer hohen Position am Hof verhalf. Dieser hatte jedoch ein relativ leichtes Spiel, sie zu hintergehen, genauso wir Mortimer. Beide haben ein ähnliches Naturell wie sie selbst, und sie scheint eher ihnen zu vertrauen als ehrlichen Beratern.

Auffällig ist, dass ihr keine einzige weitere weibliche Figur zur Seite gestellt wurde. Sie ist die einzige Frau in ihrem Kreis. Und auch wenn sie nicht frei ist von typischen „weiblichen“ Eigenschaften, wie Eifersucht und Wankelmut, so meint sie selbst „[ ] regiert zu haben wie Mann und wie ein König“ (V.1170/1171, 2.2.).

In Bezug auf Religion ist Elisabeth eher pragmatisch eingestellt. So schützt sie den Protestantismus in ihrem Land und zeigt Abneigung gegenüber der katholischen Kirche. Dies tut sie jedoch eher, um die Stimmen des Volkes für sich zu gewinnen, als aus ihrem eigenen Glauben heraus. Hat sie doch keine Wahl, da sie in den Augen der katholischen Kirche zu Unrecht auf dem englischen Thron sitzt.

Als sie das Urteil unterschreibt, weigert Elisabeth sich zu entscheiden, ob es vollzogen werden soll oder nicht. Rein formal hat sie der Hinrichtung zugestimmt, jedoch muss das Papier erst überbracht werden, ehe diese vollzogen werden kann, und diese Entscheidung überlässt sie einem anderen und sagt: „Das werdet ihr nach eurer Klugheit [ermessen]“ (V.3288, 4.11.). Sie weigert sich, eine Entscheidung zu treffen, und als diese ihr abgenommen wurde und Maria, zumindest im Sinne der Anklage womöglich zu Unrecht hingerichtet wurde, ist es für sie zu spät.

2.3. Frauenbild

2.3.1. Allgemein

Mehr als einmal wird in Schillers Werk auf die Tatsache eingegangen, dass es sich bei den beiden Monarchinnen um Frauen handelt und darauf wie diese gesehen werden, was wohl auch den historischen Figuren deutlich bewusst gewesen sein dürfte.

So sind sich beide über ihr schlechtes Los bezüglich des Geschlechts bewusst und Maria erwidert ironisch auf eine Ansprache Burleighs: „Wie werd ich mich, ein ungelehrtes Weib, Mit so kunstfertigem Redner messen können!“ (V.764/765, 1.7.). Daraufhin fährt sie allerdings fort und misst sich auf demselben Niveau mit Burleigh, was bestätigt, dass sie sich dem allgemeinen Frauenbild nicht fügen will.

Elisabeth auf der anderen Seite äußert sich unterschiedlich zu ihrer Rolle als Frau. Das Bild der Frau als das schöne Geschlecht wird auch in „Maria Stuart“ erwähnt, Graf Aubespine sagt gegenüber Elisabeth: „Was an dem reizenden Geschlecht entzückt, Stellt sich versammelt dar in dieser einen.“ (V.1132/1133, 2.2.). Bezüglich der Heirat äußert sie sich dann folglich über ihr Geschlecht: „[Ich bin] Ein Weib [ ] und meinte ich regiert zu haben wie ein Mann und wie ein König. Wohl weiß ich, dass man Gott nicht dient, wenn man Die Ordnung der Natur verlässt [ ]“ (V.1170-1173, 2.2.).

Gleichzeitig bestreitet sie, Frauen seien schwach „Das Weib ist nicht schwach [ ]“ (1374, 2.3.). Somit unterstützt sie das eine und bestreitet das andere typisch Weibliche.

Das Frauenbild der Epoche unterstützt vor allem Leicester. In Maria sieht er eine hilflose Frau, welche er zu retten vermag, solange es ihm nicht schadet. Zudem will er sie besitzen, „[ ] ob ich Sie jetzt noch retten könnte und besitzen“ (V.1817, 2.8.). Nach seinem Verständnis scheinen Frauen Besitztum oder höchstens Mittel zum Zweck zu sein, wenn man bedenkt wie er mit Elisabeth verfahren hat. Jedoch zeigt er am Tag von Marias Hinrichtung wahre Emotionen und es fällt ihm schwer, sich zu kontrollieren, als er hört wie das Beil hinabfällt. Es hat den Anschein als würde er sich zwar rational immer für sein eigenes Wohl entscheiden, egal wer dabei zu Schaden kommt, jedoch machen ihm seine Gefühle für Maria ab und an einen Strich durch die Rechnung.

Mortimer auf der anderen Seite zeigt zu Beginn tiefste Bewunderung für Maria und will sich aufopfern um sie zu retten. Erst scheint es, als hätte er ein vergleichsweise sehr modernes Frauenbild, er kritisiert sogar Leicesters Einstellung: „[es ist nicht möglich sie zu retten] nicht für euch, der sie besitzen will!“ (V.1867, 2.8.). Doch als zu Ende des Stückes der Wahnsinn von Mortimer Besitz ergreift, sagt auch er: „Ich schwör’s, ich will dich auch besitzen“ (V.2548, 3.6.).

Des Öfteren wird Weichheit in Verbindung mit Frauen gebracht. So merkt Talbot an „Nicht Strenge legte Gott in das weiche Herz des Weibes“ (V.1343/1344, 2.3.) und auch Elisabeth behauptet von sich selbst: „Der Herrscher muss hart sein, und mein Herz ist weich.“ (V.3160/3161, 4.9.). Naheliegend ist, dass vieles andere was von Frauen behauptet wird, auf diesem Grundsatz aufbaut. So lässt sich Weichheit mit Verletzlichkeit, Schönheit und Schwäche gut in Verbindung bringen. Im Gegensatz zu den eben genannten ist es allerdings weder positiv noch negativ, ein weiches Herz zu haben. Diese Eigenschaft formt einen Charakter, ohne ihn zwingend besser oder schlechter zu machen und gibt so dem Autor die Möglichkeit, seine Figur weiblich darzustellen.

Das Bild der Frau in Schillers Werk ist sehr differenziert und variiert auch zwischen den verschiedenen Figuren Maria und Elisabeth. Er hat ihnen sowohl typisch weibliche Eigenschaften als auch eher männliche verliehen, was wohl in Hinblick auf deren Machtpositionen unumgänglich ist. Denn vom epochalen Frauenbild ausgehend kann eine „typische Frau“ kein Herrscher sein und muss zwingend männliche Eigenschaften aufzeigen, um sich als solcher zu qualifizieren.

2.3.2. Rationalität der Handlungen

Eine Eigenschaft, die mit Frauen schon immer in Verbindung gebracht wurde und auch in „Maria Stuart“ Erwähnung findet, ist ihre Emotionalität. Die Forschung hat noch keine allumfassende Antwort auf die Frage nach dem biologischen Unterschied bei Männern und Frauen gefunden, auch wenn viele Thesen behaupten, die Hormone würden bei der Emotionalität der Frauen eine große Rolle spielen. Jedoch zeigen Forschungen auch, dass unsere Gesellschaft die Geschlechter nach ihrem Rollenbild formt und Frauen deswegen emotionaler sind und weniger aus biologischen Gründen4.

Anknüpfend an die bereits erwähnte „Weichheit“ der Frauen hat auch Schiller diese Eigenschaft, die Emotionalität, in sein Werk mit eingebunden. So behautet Burleigh: „Es darf kein Weib die Stufen des Gerüstes Mit euch besteigen – Ihr Geschrei und Jammern –“ (V.3807/3808, 5.9.). Er geht eindeutig darauf ein, dass Frauen ihre Emotionen nicht unter Kontrolle haben und in Extremsituationen unbedacht handeln. Allerdings ist dies die Behauptung eines Mannes und als später Leicester der Hinrichtung zuhört, findet angebliches „Geschrei und Jammer“ keinerlei Erwähnung. Auch an anderen Stellen zeigen die Frauen des Werkes, dass sie durchaus in der Lage sind, Situationen rational zu beurteilen. Elisabeth sagt beispielsweise: „Mit Gottes Beistand, der die Könige Erleuchtet, will ich eure Gründe prüfen Und wählen, was das Bessere mir dünkt.“ (V.1457-1459, 2.4.). So will sie die verschiedenen Optionen abwägen und sich für die objektiv beste entscheiden.

Es finden sich also durchaus Stellen im Stück, die die Frauen als sehr rational darstellen und vom Klischee der unbedachten und emotionalen Frau abweichen. Jedoch gibt es wieder andere Stellen, die beschreiben, wie überstürzt und aus dem Gefühl heraus Maria und Elisabeth handeln können. Eine sehr prominente Situation ist die, als sich beide begegnen. Maria handelt erst sehr bedacht, geht es doch um ihr Leben, das auf dem Spiel steht. Sie begegnet Elisabeth mit Respekt und weist die Schuld von ihnen beiden: „Ihr seid nicht schuldig, ich bin auch nicht schuldig [ ]“ (V.2308, 3.4.). Als diese jedoch Maria immer weiter provoziert, kann sie ihre Emotionen nicht länger kontrollieren und zeigt ihren Zorn. So wirft sie Elisabeth vor, den Thron von England, als Bastard, entweiht zu haben ((Vgl. 2447/2448, 3.4.). Dies ist ein klarer Punkt für die Emotionalität der Frauen und gegen ihre Rationalität.

[...]


1 Siehe Stammbaum Maria Stuart, S. 164/165 Maria Stuart, Verlag Schönigh

2 Crowe, Alyssa (o. J.): Roles of Women in 16th Century England, in: prezi.com, [online] https://prezi.com/d2w8-ir8ff0z/roles-of-women-in-16th-century-england/ [16.04.2020].

3 Crowe, Alyssa (o. J.): Roles of Women in 16th Century England, in: prezi.com, [online] https://prezi.com/d2w8-ir8ff0z/roles-of-women-in-16th-century-england/ [16.04.2020].

4 Elizabeth Debold: Rationale Männer, emotionale Frauen (o. J.): in: Evolve Magazin, [online] https://www.evolve-magazin.de/archiv/ausgabe-02-2014/elizabeth-debold-rationale-maenner-emotionale-frauen/ [18.04.2020].

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Details

Titel
Vergleich der Theaterstücke "Maria Stuart" und "Antigone". Wie werden Frauen in Machtpositionen dargestellt und inwiefern erfüllen sie die weiblichen Klischees ihrer Epoche?
Note
1,33
Jahr
2020
Seiten
21
Katalognummer
V590568
ISBN (eBook)
9783346213310
Sprache
Deutsch
Schlagworte
antigone, epoche, frauen, klischees, machtpositionen, maria, stuart, theaterstücke, vergleich
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Vergleich der Theaterstücke "Maria Stuart" und "Antigone". Wie werden Frauen in Machtpositionen dargestellt und inwiefern erfüllen sie die weiblichen Klischees ihrer Epoche?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/590568

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