Verlauf und Zielsetzung des Ayodhya-Konflikts. Liegen die Ursachen in der Religion oder in der Politik?


Hausarbeit, 2017

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ayodhya Konflikt
2.1 Zerstörung der Babur Moschee
2.2 Ursache der Zerstörung der Moschee

3. Kritische Beurteilung und Verlauf sowie Zielsetzung des Ayodhya Konflikts
3.1 Déjà-vu - der Konflikt wiederholt sich in Bombay
3.2 Shiv Sena - der Verursacher der Bombay Ausschreitungen

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Religion is a personal matter which should have no place in politics.

Mahatma Gandhi

Mit diesem religiösen Grundgedanken wollte Gandhi den Menschen deutlich machen, dass es möglich sei, mit Respekt und Toleranz mit mehreren unterschiedlichen Religionen in einem Land zu leben. Leider waren die Hindu-Nationalisten damit nie einverstanden und haben dies nie tolerierten. Deshalb kommt es immer wieder zu religiösen Ausschreitungen in Indien, durch die zahlreiche unschuldige Menschen ums Leben kommen.

Im Rahmen dieser Arbeit soll die Frage beantwortet werden, ob es bei den Ausschreitungen in Bombay eher um Religion oder um Politik geht?

Im ersten Teil gehe ich auf das Thema „Ayodhya Konflikt“ ein. Hierbei sollen primär die Fragen beantwortet werden, um was für einen Konflikt es sich hier handelt, wer die Verursacher sind und aus welchem Grund diese die Moschee zerstört haben? Hierfür verwende ich die Texte von Wolf und Thakur, die sich ausführlich mit dem Thema auseinandersetzen.

Im Hauptteil wird daraufhin der Verlauf des Ayodhya Konflikts näher betrachtet und auf die Unruhen in Bombay übergeleitet. Diese werden ausführlich erläutert, denn 1992 hatte Indien eine seiner gewalttätigsten Spannungen erlebt. Ich berichte hierfür detailliert über die Unruhen, um die Grausamkeit, die die Bevölkerung im Winter 1992/1993 erlebt hat, darzustellen. Im Folgenden analysiere ich die Partei Shiv Sena, um zu überprüfen, aus welchen Interessen die Partei die Unruhen animiert hat?

Anschließend im Schlussteil fasse ich die Ergebnisse meiner Analyse zusammen und stelle Gemeinsamkeiten und Differenzen heraus. Mit Hilfe dieser Ergebnisse formuliere ich daraufhin meinen persönlichen Standpunkt zur Ausgangsfrage dieser Arbeit.

2. Ayodhya Konflikt

Im vorliegenden Kapitel werde ich den Ayodhya Konflikt näher untersuchen und die Problematik hierbei erläutern.

Am 6. Dezember 1992 hat sich im Bundesland Uttar Pradesh in der Stadt Ayodhya ein radikaler Massenkonflikt entwickelt, dieser hat ganz Indien sowie die ganze Welt erschüttert. 150.000 Hindus marschierten zu der Babur Moschee und rissen diese mit Gewalt ab (Wolf 2009:168).

Wie der Konflikt genau aussah, wird im Folgenden ausführlich beschrieben.

2.1 Zerstörung der Babur Moschee

Die Stadt Ayodhya liegt im Bundesstaat Uttar Pradesh und ist ein höchst bedeutsamer religiöser Ort für die Hindus und für die Muslime. Ayodhya ist zum einem der Geburtsort des Gottes Rama und zum anderen hatte dort der muslimische Herrscher Babur, der im 16. Jahrhundert Indien regierte, eine Moschee erbauen lassen (Wolf 2009:167).

Allerdings wurde die Moschee von den Hindu-Nationalisten stark kritisiert. Es wurde behauptet, dass der Herrscher Babur einen der wichtigsten Tempel der Hindus, den Ram-Janmabhumi-Tempel, abreißen ließ und auf dessen Ruinen seine Moschee errichtete (Ler 2010). Diese Ansicht kann jedoch nicht mit eindeutigen Nachweisen belegt werden (Wolf 2009:167).

Trotz dessen brachte diese Ansicht die Hindu-Nationalisten in Unruhe und verursachte so viel Zorn, dass die Nacht des 6. Dezembers 1992 zum Schrecken wurde. Die Babur Moschee wurde von 300.000 Hindu-Nationalisten vollständig abgerissen. Dabei kamen 1.700 Menschen ums Leben und 5.500 Menschen wurden verletzt (Thakur 1993: 645). Am folgenden Tag bauten die Hindu-Nationalisten am selben Ort einen Tempel für den Gott Rama, dies führte im In- und Ausland zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Religionsgruppen. Diese Auseinandersetzungen wurden immer brutaler und auch sexuelle Gewalt blieb nicht aus. Die muslimischen Frauen wurden vergewaltigt und die muslimischen Männer kastriert (Bacchetta 2000: 257). Zudem wurden die Muslimen mittels Gewalt gezwungen religiöse Aussagen zu treffen, an die sie nicht glaubten. In Seelampur, in Süd Delhi, wurden zum Beispiel in einigen Bezirken muslimische Männer bewusst attackiert und so lange körperlich misshandelt, bis diese den Namen des Gottes Rama „Jai Shri Ram“ aussprachen (Sarkar 1993: 163). Anhand dieser Brutalitäten sollte den Muslimen demonstriert werden, dass nur die Hindus (und keine weitere Religion) die Macht über das Land haben.

Zusätzlich sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es auch in England zu zahlreichen Ausschreitungen zwischen diesen beiden Religionsgruppen kam. Ebenso wurden in Pakistan einige Hindu-Tempel attackiert (Bacchetta 2000: 257).

Nun ist deutlich geworden, wie der Konflikt ausbrach, aber die Fragen, wer die Hindu-Nationalisten tatsächlich waren und warum der Konflikt mit solcher Brutalität einherging, bleibt immer noch unbeantwortet?

2.2 Ursache der Zerstörung der Moschee

Der Konflikt wurde vom Vishwa Hindu Parishad (VHP, Weltrat der Hindus) mobilisiert. Es handelt sich hierbei um eine kultur- und religionspolitische Nebenorganisation, die im Jahre 1964 von der RSS gegründet wurde. Der Zweck der Gründung der VHP war den Hindus ein Fundament zu offerieren, mit dem alle die Möglichkeit erhalten ihre gemeinsamen Interessen zu pflegen (bpb 2008: 4). Dabei ist es Aufgabe der VHP der Hindu-Gemeinschaft ein Gefühl der Stabilisierung zu bieten und die hinduistischen Lebenswerte zu schützen und zu fördern. Zusätzlich sollten Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel die Unberührbaren und die Stammesgesellschaft, für die Organisation gewonnen werden, um die Machtstellung zu erhöhen (ebd).

Die VHP erfüllte seine Aufgaben, indem diese mehrere Schulen und Sekten für die Hindu-Gemeinschaft aufbaute, sowohl für die Unberührbaren als auch für die Stammesgesellschaften. Des Weiteren bietet die VHP besondere Dienstleistungen für bestimmte Parteien und anderen Organisationen an. Derzeitig wird VHP als eine politisch einflussreiche Organisation wahrgenommen, die von der RSS etabliert wurde, nun aber eigenständig arbeitet (ebd).

Wie bereits erwähnt wurde, war die VHP eine Nebenorganisation, die sich aber im Laufe der Jahre zu einer eigenständigen Organisation entwickelt hat. Im Grunde gehört die VHP ebenfalls einem großen Verband, nämlich der Sangh Parivar (Familie), an. Diese ist eine Organisation die sehr stark die Hindutva- Ideologie vertritt und die Mitglieder dieser werden als Hindu-Nationalisten betrachtet (ebd). Der Sangh Parivar besteht allerdings nicht nur aus der VHP, sondern es gehören zwei weitere einflussreiche Mitglieder dazu, die Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) und die Partei Bharatiya Janata Party (BJP). Die RSS trägt die Verantwortung für die Organisation und die BJP befasst sich mit politischen Fragen (ebd).

Nun zurück zu der Frage, was war die Ursache der Zerstörung. Wie bereits untersucht wurde, sind die Verursacher des Ayodhya Konflikts die Träger der Sangh Parivar und die Ursache dafür ist die Hindutva Ideologie.

Der Begriff Hindutva definiert das Denken und das Handeln eines Hindus und beruht auf die Anschauung von Vinayak Damodar Savarkar. Er war der Überzeugung, dass das Vaterland (Pitribhumi) zugleich das Heilige Land (Punyabhumi) ist. Demnach sei Indien nicht das Heilige Land der Christen und der Muslime, sondern nur das Heilige Land der Hindus (Savarkar 1989: 95-96). Nach Savarkars Ansicht ist man nur ein Hindu, wenn die Herkunft, Rasse und Kultur (Savarkar 1989:86) dem Hinduismus entspricht. Deshalb wurde die Babur Moschee, wie Hansen beschreibt, als eine Wunde in der Nation sowie in der Hindu Gesellschaft angesehen und konnte nur durch den Abriss der Moschee und durch den Wiederaufbau des alten Ram Tempels bereinigt werden (1999:173). Daraus folgt, dass nach Hindutva das Land nur den Hindus und dem Hinduismus gehört und nur diese einen Anspruch auf einen geografischen Raum haben und keine anderen Religionen.

Nach dem Wiederaufbau des Ram Tempels hätte der Konflikt demnach ein Ende nehmen müssen. Dies ist jedoch nicht passiert. Die Ausschreitungen wegen der Babur Moschee setzten sich in Bombay fort.

3. Kritische Beurteilung und Verlauf sowie Zielsetzung des Ayodhya Konflikts

Der Ayodhya Konflikt hat auch in Bombay für massive Unruhen gesorgt und die Zahl der Opfer lag noch höher als in Ayodhya. Das folgende Kapitel soll sich mit der Frage beschäftigen, warum es in Bombay ebenfalls zu gewaltsamen Unruhen kam und wer für diese verantwortlich war.

3.1 Déjà-vu - der Konflikt wiederholt sich in Bombay

Einen Tag nach den Ausschreitungen in Ayodhya, am 7. Dezember 1992, kam es in Bombay ebenfalls zu gewalttätigen Unruhen. Diese hielten bis zum Januar 1993 an. Auch hier war der ausschlaggebende Grund die Zerstörung der Babur Moschee. Allerdings unterscheiden sich die Aufruhre in Bombay massiv von denen in Ayodhya. Es wurden 150.000 Menschen verletzt und tausende Menschen starben. Damals gehörten 17% der Bevölkerung dem Islam an und ein Großteil dieser Bevölkerungsgruppe fiel den Unruhen zum Opfer (Hansen 2001: 222f). Die Polizisten und die Hindu-Nationalisten trugen gewaltige Wut in sich und machten sich zur Aufgabe, Muslime zu überfallen und zu töten. Diese Ausschreitungen dauerten mehrere Wochen an und hatten zur Folge, dass die Muslimen politisch ausgegrenzt wurden und ihnen das alltägliche Leben erschwert wurde (ebd).

Ähnlich formuliert David Davidar in seinem weltbekannten Roman The Solitude of Emporers, wie einzelne Muslime in jeder Ecke, Moscheen, Wohngebieten, Slums und Massentransporten gesucht und getötet wurden. Junge Frauen wurden vergewaltigt und ältere wurden niedergeschlagen und danach ermordet. Es war gleichgültig, welchen Beruf, Geschlecht oder Alter diese hatten, keiner wurde verschont (2007: S. 41-43).

Auch Hansen machte deutlich, dass es in der indischen Geschichte mehrfach zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen kam, welche stets von der Hindu-Nationalistische Organisation „Shiv Sena“ („Shivaji`s Armee“) rekrutiert wurden. Die Organisation vertritt die Grundeinstellung, dass die Heimat der Muslime nicht Indien sei, sondern Pakistan und Muslime werden demnach stark diskriminiert (2001: 222).

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Verlauf und Zielsetzung des Ayodhya-Konflikts. Liegen die Ursachen in der Religion oder in der Politik?
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Center for Modern Indian)
Veranstaltung
Vertiefungsmodul Moderne Geschichte Indiens
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
11
Katalognummer
V590704
ISBN (eBook)
9783346167477
ISBN (Buch)
9783346167484
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ayodhya-konflikts, liegen, politik, religion, ursachen, verlauf, zielsetzung
Arbeit zitieren
Mira Khanna (Autor), 2017, Verlauf und Zielsetzung des Ayodhya-Konflikts. Liegen die Ursachen in der Religion oder in der Politik?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/590704

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