Europäische Globalisierung im Mittelalter und die Verbreitung des Schwarzen Todes


Seminararbeit, 2017

25 Seiten, Note: 1

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Biologische Grundlagen der Pest
1.1 Erscheinungsformen und Symptome
1.1.1 Beulenpest (= Bubonenpest)
1.1.2 Lungenpest
1.1.3 Pestsepsis (= Pestseptikamie)
1.1.4 Zusammenfassung
1.2 Ubertragung
1.2.1 Ubertragung durch Flohbisse
1.2.2 Ubertragung durch Ratten
1.3 Prophylaxe und Therapie
1.3.1 Heute
1.3.2 Mittelalter

2. Globalisierungsprozesse
2.1 Der Begriff „Globalisierung“
2.2 Globalisierungsprozesse im Mittelalter

3. Schwarzer Tod
3.1 Ursprung und der Weg nach Europa
3.2 Ausbreitung der Pandemie

Resumee

Abstract

Literaturverzeichnis
Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Mehr als 650 Jahre ist es her, da eroffnete eine Krankheit einen Totentanz ungeheuren AusmaBes in Europa. Eine Seuche breitete sich aus und loschte in wenigen Jahren rund ein Drittel der europaischen Bevolkerung aus - von der Pest ist die Rede. Heutzutage ist die Pest jedermann ein Begriff, was aber viele nicht wissen: Die Pest kommt auch heute noch vor. Madagaskar kampft beispielsweise momentan mit einer verheerenden Pest- Epidemie, laut Gesundheitsamt seien insgesamt schon 127 Menschen gestorben. Obwohl in Madagaskar in der Regenzeit immer wieder Pestfalle auftreten, ist der jungste Ausbruch besonders heftig und birgt zwei Formen der Krankheit: Beulenpest und Lungenpest (siehe 1.1)1

In dieser Arbeit geht es wie eingangs besprochen um die Pestpandemie, die Europa im Mittelalter uberwalzte, der so genannte „Schwarzer Tod“. Forscher sind sich weitgehend einig, dass der Erreger dieser Krankheit aus Asien nach Europa kam - vermutlich uber Handelsschiffe. Aus diesem Fakt stelle ich die Hypothese auf, dass es einen Zusammenhang zwischen der Globalisierung im Mittelalter und der Ausbreitung der Pest in Europa gab. Daher lautet auch das Thema dieser Arbeit „Der Zusammenhang zwischen der europaischen Globalisierung im Mittelalter und der Verbreitung des Schwarzen Todes“.

Im ersten Teil dieser Arbeit werden einfuhrend die biologischen Aspekte der Pest erlautert, d.h. die Erscheinungsformen und ihre Symptome sowie die Wege der Ubertragung, welche eine wichtige Rolle beim Verstandnis der Entstehung der Pestpandemie in Europa spielen. Verschiedene Faktoren haben gunstig zueinander gefunden fur die Verbreitung des Pestbakteriums.

Im zweiten Teil werden die Globalisierungsprozesse im Mittelalter beschrieben. Anhand einer Begriffsdefinition von Globalisierung werde ich der Frage nachgehen, ob man auch im Mittelalter von einer Globalisierung sprechen kann und darf. Denn die Frage, ab welchem Zeitpunkt man von Globalisierung sprechen kann, ist umstritten.

Im dritten, finalen Teil der Seminararbeit werde ich auf die Pestpandemie im Mittelalter, den Schwarzen Tod, eingehen. Mit einer historisch-wissenschaftlichen Darlegung der Geschichte des Schwarzen Todes, unter anderem mit dem Ursprung der Pest, ihrem Weg nach Europa und ihrer Ausbreitung uber den ganzen Kontinent, werde ich versuchen, einen Zusammenhang zwischen der Pest und Globalisierung herzustellen.

Ob meine Hypothesen bestatigt werden, werden im abschlieBenden Resumee diskutiert.

1. Biologische Grundlagen der Pest

Die Pest kann sowohl beim Menschen als auch bei Tieren ausbrechen. Ausgelost wird diese Infektionskrankheit durch ein Bakterium namens „Yersinia pestis“, eine Anthropozoonose. Anthropozoonosen sind Krankheiten, die von Tieren zu Menschen, aber auch umgekehrt ubertragen werden. Y. pestis zahlt als gramnegatives Stabchenbakterium aus der Familie der Enterobacteriaceae und wird entweder durch Nagetierkontakt oder durch Floharten ubertragen (siehe 1.2). Heute zahlen als Naturpestherde „Asien, Sudafrika, Kenia, Madagaskar, nordliches Afrika, Vereinigte Staaten und Sudamerika“ (Seite 476). In den letzten Jahren wurden etwa 100 - 200 Todesfalle pro Jahr durch die Pest verzeichnet.2

1.1 Erscheinungsformen und Symptome

Man unterscheidet bei der Pest drei klinische Erscheinungsformen: Die Beulenpest (= Bubonenpest), die Pestsepsis (=Pestseptikamie) und die Lungenpest.

1.1.1 Beulenpest (= Bubonenpest)

Die Beulenpest, auch Bubonenpest genannt, ist die haufigste Form der Pest und macht etwa 80 - 90% aller Pestfalle aus. Die Inkubationszeit liegt bei zwei bis zehn Tagen. Die Beulenpest beginnt schlagartig mit hohem Fieber (40°C), Schuttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen und einem schweren Krankheitsgefuhl. AnschlieBend kommt es nach rund 24 Stunden zu einer plotzlich auftretenden Schwellung der Lymphknoten, welche den/der Einstichstelle/n am nachsten liegt/en. Von hier stammt auch der Name „Beulenpest“, da die Lymphknoten wie Beulen anschwellen. Die Beulen konnen sehr schmerzhaft sein und einen Durchmesser von bis zu zehn Zentimetern erreichen. Die Beule ist von einem schwarzen Odem umgeben, die daruber liegende Haut ist adharent, warm und gerotet. Anfangs ist die Beule sehr hart, was sich aber durch zunehmende Eiteransammlungen andern. Dadurch wird sie auch sehr beruhrungsempfindlich. Da die Einstiche haufig in der Leistengegend vorkommen, schwellen dort in den meisten Fallen (65 - 75%) Beulen an.

Andere haufige Gegenden sind in den Achselhohlen (10 - 20%) und im Halswirbelbereich (5 - 10%). Spater kommt es auch zu Bewusstseinsstorungen, die Betroffenen sind kaum mehr im Bett zu halten. Quellen aus den Mittelalter zeigen Betroffene, die nackt auf die StraBe liefen. Viele Autoren sprachen auch vom Begriff „Facies pestica”, der die starren, angstlichen Augen und die geroteten Augenbindehaute beschreibt.

In der Abbildung 1 kann man eine Pestbeule in der Leistengegend erkennen. Unbehandelt liegt die Letalitat der Beulenpest heute bei 10 - 20%. Wird die Beulenpest nicht behandelt fuhrt sie oft zu der Pestsepsis (siehe 1.1.2.) oder zu einer sekundaren Lungenpest (siehe 1.1.3).3 4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Pestbeule (Quelle: U.S. Center for Disease Control)

1.1.2 Lungenpest

Neben der Beulenpest gibt es auch die Lungenpest, die als gefahrlichste Variante der Pest gilt. Sie fuhrt unbehandelt 100% zum Tod, behandelt liegt die Letalitat bei etwa 50%. Bei der Lungenpest kann man zwischen der primaren und sekundaren Lungenpest unterscheiden. Die sekundare Lungenpest entsteht aus Komplikationen der Beulenpest und Pestsepsis. Der Erreger gelangt dabei uber die Blutbahn im Verlauf einer Pestsepsis in die Lunge. Die Lungenpest entwickelt sich neben den anderen Pestformen am schnellsten und hat eine hohe Ansteckbarkeit. Die primare Lungenpest wird aerogen, also uber die Luft, ubertragen (siehe 1.2).

Die Inkubationszeit der Lungenpest ist geringer als bei den anderen Pestformen und dauert wenige Stunden bis zu vier Tagen. Die ersten Symptome sind, wie bei der Beulenpest, plotzlich und heftig einsetzendes Fieber, Schuttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Schwindel und Abgeschlagenheit. Da diese Infektion besonders die Lunge betrifft, treten hier nach einem Tag, also am 2. Tag, auch Symptome auf.

Es kommt zu Atemnot, Schmerzen im Brustkorb, erhohte Atemfrequenz und Husten mit schwarz-blutigem Auswurf. Besonders der schwarz-blutige Auswurf ist hochinfektios und das Abhusten des Auswurfs ist sehr schmerzhaft. Wird die Lungenpest nicht behandelt, so bildet sich spater ein Lungenodem. Das ist eine Ansammlung von Flussigkeit aus den BlutgefaBen in der Lunge. Dies fuhrt unmittelbar zu Kreislaufversagen und spater zum Tod. Aufgrund des Sauerstoffmangels kommt es zu einer Blaufarbung der Haut, der Schleimhaute und der Lippen, weswegen blau gefarbte Lippen als typisches Symptom gelten.

Die Lungenpest wird aufgrund ihres Ansteckungsweg und Ausbreitungsmuster auch mit der Influenza („echte“ Grippe) verglichen, ist aber wesentlich schwacher ausgepragt. Die Pestbakterien sterben rasch in der Luft ab, im Vergleich leben die Influenza-Viren langer. Weiters liegt der Abstand zum Gesicht, bei dem man sich anstecken kann, bei 30 cm und darunter. Es kommt selten vor, dass durch die Lungenpest Epidemien entstehen, da all diese Faktoren so spezifisch sind. Ein weiterer Grund ist beispielsweise, dass die Patienten sehr schnell sterben und dadurch die Zeitspanne zur Weitergabe vermindert ist. Nichts desto trotz ist die Letalitat der Lungenpest um einiges hoher.5 6

1.1.3 Pestsepsis (= Pestseptikamie)

Die Pestsepsis oder Pestseptikamie entsteht, wenn sich die Y. pestis-Bakterien in die Blutbahn ausbreiten. Etwa ein Funftel der Pesterkrankten haben eine Pestsepsis, die Letalitat liegt bei einer Behandlung hoher als bei der Beulenpest, aber geringer als bei der Lungenpest. Unbehandelt endet eine Pestsepsis fast immer todlich. Die Erreger verteilen sich durch die Blutbahnen im gesamten Korper, wodurch diese Form der Pest viele Organe wie das Herz, die Lunge, die Niere, die Leber, die Milz, das Gehirn, die Hirnhaute, die Haut und die Schleimhaute betrifft.

Es entwickeln sich Symptome einer Lungenpest, also hohes Fieber, Schuttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Schwindel und Abgeschlagenheit. Spater kommt es zu einem septischen Schock und groBflachige Haut- und Organblutungen. Durch eine Thrombose in den kleinen Arterien konnen auch die Zellen von distalen Teilen des Korpers, wie beispielsweise Zehen, Nasenspitze und Finger, absterben. Auch gastrointestinale Beschwerden wie Ubelkeit, Erbrechen, Durchfall und starke Bauchschmerzen konnen auftreten. Die Pestsepsis ist schwieriger als die anderen Pestformen zu diagnostizieren, da Symptome wie Beulen fehlen, und ahnelt einer Meningokokkeninfektionen oder Malaria.

Die Pestsepsis entsteht sowohl als Komplikation der Beulen- und Lungenpest als auch durch Infektionen von auBen. Platzt beispielsweise eine Pestbeule der Beulenpest nach innen, so konnen sich die Erreger auch im Blut verteilen. Die Erreger gelangen aber auch uber offene Wunden (Kontaktinfektion) oder durch Flohstiche in die Blutbahnen.7 8

1.1.4 Zusammenfassung

Zusammengefasst ist die haufigste Form der Pest die Beulenpest, welche durch sichtbare Beulen erkannt werden kann. Die Lungenpest kommt weniger vor, ist aber die gefahrlichste Verlaufsform und betrifft die Lunge und Atemwege. Die Pestsepsis betrifft die Blutbahnen und daher auch die Organe, die mit den Blutbahnen in Verbindung stehen. Die Symptome sind bei allen drei Formen ahnlich: Hohes Fieber, Schuttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Schwindel und ein allgemein schlechter Gesundheitszustand.

[...]


1 Die Presse: Madagaskar kampft gegen verheerende Pest-Epidemie URL: https://diepresse.com/home/ausland/welt/5320319/Madagaskar-kaempft-gegen-verheerende- PestEpidemie (zuletzt aufgerufen am 13.12.2017)

2 Loscher, Thomas (2010): Tropenmedizin in Klinik und Praxis: mit Reise- und Migrationsmedizin. Georg Thieme Verlag, S. 476 - 482

3 Loscher, Thomas (2010): Tropenmedizin in Klinik und Praxis: mit Reise- und Migrationsmedizin. Georg Thieme Verlag, S. 476 - 482

4 Pest als bakterielle Erkrankung des Menschen. Online im Internet. URL: http://www.yersiniapestis.info/krankheit.html (zuletzt eingesehen am 04.12.2017)

5 Clasen, Astrid (2015): Pest: Lungenpest. Online im Internet. URL: http://www.onmeda.de/krankheiten/pest-symptome-lungenpest-1589-7.html (zuletzt eingesehen am 24.11.2017)

6 Loscher, Thomas (2010): Tropenmedizin in Klinik und Praxis: mit Reise- und Migrationsmedizin. Georg Thieme Verlag, S. 476 - 482

7 Loscher, Thomas (2010): Tropenmedizin in Klinik und Praxis: mit Reise- und Migrationsmedizin. Georg Thieme Verlag, S. 476 - 482

8 Pest als bakterielle Erkrankung des Menschen. Online im Internet. URL: http://www.yersiniapestis.info/krankheit.html (zuletzt eingesehen am 04.12.2017)

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Europäische Globalisierung im Mittelalter und die Verbreitung des Schwarzen Todes
Hochschule
Universität Wien
Note
1
Jahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V590725
ISBN (eBook)
9783346174079
Sprache
Deutsch
Schlagworte
europäische, globalisierung, mittelalter, schwarzen, todes, verbreitung
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Europäische Globalisierung im Mittelalter und die Verbreitung des Schwarzen Todes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/590725

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