Diese Hausarbeit behandelt die Motive der petrarkistischen Liebeslyrik und deren Übernahme Ronsards in seinem Werk "Les Amours". Nach einer kurzen Vorstellung Ronsards, werden einige Motive Petrarcas erläutert und anschließend ihre Verwendung in Ronsards "Les Amours" präsentiert. Besonderer Bezug wird auf die Motive "Amor pictor" und "Das Porträt der Geliebten in Ronsards Dichtung" genommen.
Die Imitation Petrarcas und der Motive der petrarkistischen Liebeslyrik zeigen sich in den gesamten "Amours". Jedoch ist diese Imitation nicht als bloße Kopie des Petrarkismus und der petrarkistischen Motive, sondern eher als Umformung zu verstehen. Ronsard verurteilte Poeten, die Petrarca bloß kopieren, da diesen das Feuer der Liebe fehlen würde. Die Dichter die Petrarca bloß kopieren, würden nach Ronsard nie den gehobenen oder den wahren Stil erlangen. Er selbst wollte durch seine Art der Imitation mit Petrarcas Stil konkurrieren und dadurch auf diesem hohen Niveau der Poesie bleiben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Pierre de Ronsard
2. Les Amours
2.1. Les Amours im Kontext Ronsards Gesamtwerks
2.2. Der Aufbau der Amours
3. Die petrarkistische Liebeslyrik
4. Motive der petrarkistischen Liebeslyrik in den Amours
4.1. Das Porträt der Geliebten in Ronsards Dichtung
4.2. Amor pictor in Ronsards Dichtung
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss der petrarkistischen Liebeslyrik auf die Gedichtsammlung "Les Amours" von Pierre de Ronsard. Dabei wird analysiert, inwiefern Ronsard spezifische petrarkistische Motive übernahm, umformte und durch eine eigene poetische "inventio" weiterentwickelte.
- Die literarische Einordnung von Ronsards "Les Amours" im Kontext der Renaissance.
- Die Analyse der zentralen Motive "Amor pictor" und "Porträt der Geliebten".
- Die Untersuchung der Transformation petrarkistischer Topoi durch Ronsard.
- Der Stellenwert der Dichtung im Vergleich zur bildenden Kunst im 16. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
4.2. Amor pictor in Ronsards Dichtung
In dem Sonett II der Amours verbindet Ronsard das Motiv des Porträts der Geliebten mit dem Motiv des Amor pictor. Dieses Motiv ist ebenfalls ein Bildnis der Geliebten, jedoch wird es dieses Mal nicht durch den Maler gezeichnet, sondern durch den Pfeil Amors in das Herz des Liebenden eingezeichnet. Amor fungiert als Bildhauer, der dem Liebenden die Tränen und die Sprüche der Geliebten in Form eines Diamanten ins Herz meißelt. Der Diamant symbolisiert in diesem Fall den innersten und wertvollsten Teil des Herzen und mit den Sprüchen und Tränen wird auf die Erinnerungen an die Geliebte und die Empfindungen, die das poetische Ich fühlt, wenn es an die Geliebte denkt, angespielt. Der Liebende trägt dieses Bild stetig in seinem Herzen und es kann als immaterieller Ersatz der Geliebten gesehen werden. Diese Motivkombination findet man auch in dem Sonett: „Telle qu’elle est, dedans ma souvenance”, in dem Ronsard das Bildnis, das Amor in sein Herz meißelt mit einem Gemälde Janets vergleicht. Janet war zu dieser Zeit der berühmteste Porträtmalers Frankreichs und es gab niemanden, der schönere Porträts malte als er. Durch diesen Vergleich zeigt er die Schönheit des, durch Amor, ins Herz gemeißelten Gemäldes. Dennoch gibt es einen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Motiven, die Vergänglichkeit. Das gemalte Porträt ist vergänglich, wohingegen das ins Herz gemeißelte Bildnis der Geliebten für die Ewigkeit ist. Diese Verbindung der Motive findet bereits bei dem Dichter Antonio Tebaldo, jedoch wird bei ihm kein Porträt der Geliebten angefertigt, sondern ein Porträt des Liebenden, welches er an die Geliebte schickt. Bei Tebaldo wird das Motiv des Amor pictor als pictor perfecto bezeichnet, dessen Schönheit kein Künstler jemals auf die Leinwand bringen könne.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, inwieweit Ronsard Motive der petrarkistischen Liebeslyrik in den Amours rezipiert und transformiert hat.
1. Pierre de Ronsard: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Überblick über das Leben von Pierre de Ronsard und seine Rolle als Mitbegründer der Pléiade.
2. Les Amours: Es erfolgt eine Einordnung der Gedichtsammlung in Ronsards Gesamtwerk sowie eine Analyse ihres dreiteiligen Aufbaus.
3. Die petrarkistische Liebeslyrik: Dieses Kapitel erläutert, wie Ronsard die Imitation nicht als bloße Kopie, sondern als schöpferische Umformung verstand.
4. Motive der petrarkistischen Liebeslyrik in den Amours: Hier werden die spezifischen Motive des Porträts der Geliebten und des Amor pictor detailliert auf ihre Verbindung und Transformation untersucht.
5. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht Ronsards dichterische Größe durch die gelungene "Ronsardsche inventio".
Schlüsselwörter
Pierre de Ronsard, Les Amours, Petrarkismus, Amor pictor, Porträt der Geliebten, Renaissance, Lyrik, Immitatio, Inventio, Sonett, Cassendre, Hélène, Marie, Liebeslyrik, Dichtung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Einfluss petrarkistischer Motive auf Ronsards Gedichtzyklus "Les Amours" und analysiert, wie diese in der französischen Renaissance-Dichtung neu interpretiert wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die literarische Imitation, die Transformation von Liebesmotiven und der Vergleich zwischen bildender Kunst und literarischer Gestaltung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Ronsard petrarkistische Vorbilder nicht kopierte, sondern durch eine individuelle "Ronsardsche inventio" eine eigene poetische Ebene schuf.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, basierend auf dem Vergleich von Primärquellen (Sonette von Ronsard) und einschlägiger Sekundärliteratur zur petrarkistischen Motivgeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung des Autors, die Einordnung des Werkes "Les Amours" sowie die detaillierte Untersuchung der Motive "Amor pictor" und "Porträt der Geliebten".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Petrarkismus, Amor pictor, Ronsard, Inventio, Imitatio, Liebeslyrik und Renaissance.
Inwieweit spielt die Vergänglichkeit eine Rolle bei den behandelten Motiven?
Ein zentraler Punkt ist der Kontrast zwischen der Vergänglichkeit gemalter Porträts (z.B. durch den Maler Janet) und der Ewigkeit des von Amor ins Herz geschriebenen Bildnisses.
Warum wird im dritten Teil der "Amours" von einer "Realität" gesprochen?
Anders als in den früheren Teilen finden sich hier vermehrt Anspielungen auf das reale Leben am Hof und konkrete Lebensumstände, was einen Wandel in Ronsards Dichtstil markiert.
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- Anton Schulze (Author), 2020, Motive der Liebeslyrik Petrarcas in Ronsards "Les Amours", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/590738