Diese Arbeit untersucht die Frage, ob es sich bei Otto von Freisings "Historia de duabus civitatibus" um eine Umformung von Augustinus "De civitates Dei" handelt. Beide Werke sind zu unterschiedlichen Zeiten entstanden, weswegen sich die Frage stellt, welche Intention hinter dem Verfassen ihrer beiden Werke gesteckt hat. Dazu ist zu betrachten, wie das damalige Weltbild war und ob es besondere Ereignisse gab, die die Werke beeinflusst haben könnten. Des Weiteren ist die Frage, wie Augustinus Auffassung der Geschichte war und wie diese bei Otto von Freising aussah, um zu klären und herauszustellen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es zwischen den beiden gibt.
Zu Beginn wird das Werk "De duabus civitatibus" von Otto von Freising präsentiert. Anschließend wird das Werk "De civitate Dei" von Augustinus vorgestellt und in einem dritten Schritt werden die beiden Werke miteinander verglichen. Es wird Bezug auf die beiden Originalwerke und deren deutsche Übersetzung genommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung und Vergleich der Werke
2.1. Vorstellung der Weltgeschichte Otto von Freisings
2.2. Vorstellung der Weltgeschichte bei Augustinus
2.3. Vergleich der Werke
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Proseminararbeit untersucht die These, dass Otto von Freising die Grundideen aus Augustinus' Werk „De civitate Dei“ für seine „Historia de duabus civitatibus“ übernommen und maßgeblich umgeformt hat. Dabei steht die Analyse der unterschiedlichen Intentionen, Geschichtsauffassungen und historischen Kontexte beider Autoren im Zentrum der Untersuchung, um Gemeinsamkeiten und Divergenzen in ihrer jeweiligen Geschichtstheologie herauszuarbeiten.
- Vergleich der Geschichtskonzeptionen von Augustinus und Otto von Freising
- Analyse des dualistischen Staatsverständnisses (Civitas-Lehre)
- Untersuchung des historischen Kontexts und der Wirkungsgeschichte
- Einfluss der Zeitereignisse auf die Deutung der Heilsgeschichte
- Rolle der Unterscheidung zwischen weltlicher und geistlicher Macht
Auszug aus dem Buch
2.1. Vorstellung der Weltgeschichte Otto von Freisings
Die Historia de duabus civitatibus von Otto von Freising wird heutzutage als sein Hauptwerk betrachtet. Dieses Werk ist eine Deutung der Geschichte der Zeit von Adam bis zu der Zeit, in der er lebte. Seine Darstellung der Geschichte beruht auf der Geschichtsschreibung Augustinus und Orosius. Die ersten sieben Bücher der Chronik widmen sich der eigentlichen Geschichte, wohingegen das achte Buch sich mit der Zukunft befasst und einen eschatologischen Ausblick liefert. Die gesamte Geschichte in diesem Werk wird, wie zu der Zeit üblich, in Berücksichtigung einer göttlichen Macht geschrieben. Das Werk beruht auf einem heilsgeschichtlichen Schema bezüglich der Interpretation und Deutung der Geschichte, was sich unter anderem durch das Enden des Werkes mit dem Jüngsten Gericht zeigt. Er teilt, wie schon Augustinus vor ihm, die Weltgeschichte in drei Epochen auf, die ante gratia, die sub gratia und die post presentem vitam. Er stellt in diesem Werk die Geschichte der Entwicklung der civitates Dei und der civitates terrena dar. Civitas bedeutet bei ihm nicht Staat, sondern wird als Gesellschaft definiert. Im ersten Status der Weltgeschichte, dem ante gratia, herrscht die civitas terrena, in dem zweiten Status, der sub gratia, kommt die civitas Dei an die Macht. Daraufhin folgt eine Zwischenstufe, in der die beiden civitates sich vermischen und ein civitas permixta entsteht, in Folge dessen die civitas Dei ihren perfekten Zustand erlangt. Dieser perfekte Zustand der civitas Dei und zugleich die Auslöschung der civitas terrena entspricht dem dritten und letzten Status.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die zentrale These auf, dass Otto von Freising Augustinus' Ideen übernahm und umformte, und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die Quellenbasis der Arbeit.
2. Vorstellung und Vergleich der Werke: Dieses Kapitel analysiert detailliert die Weltgeschichtskonzeptionen beider Autoren, arbeitet die Unterschiede in Struktur und Intention heraus und vergleicht ihre Interpretation der Civitas-Lehre.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Eingangsthese und betont die überzeitliche Dimension der Universalgeschichte Ottos von Freising.
Schlüsselwörter
Otto von Freising, Augustinus, Historia de duabus civitatibus, De civitate Dei, Civitas Dei, Civitas terrena, Heilsgeschichte, Weltgeschichte, Geschichtstheologie, Mittelalter, Investiturstreit, Dualismus, Civitas permixta, Kirchengeschichte, Historisches Denken.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem Geschichtswerk des spätantiken Denkers Augustinus und dem mittelalterlichen Chronisten Otto von Freising, insbesondere die Transformation augustinischer Grundideen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Begriffe der „civitas Dei“ und „civitas terrena“, die unterschiedlichen Zeitabschnitte der Weltgeschichte sowie der Einfluss zeitgenössischer Ereignisse auf die jeweilige Geschichtstheorie.
Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu belegen, dass Otto von Freising sich zwar massiv an Augustinus orientierte, dessen Theorie jedoch durch die Einbettung in seine eigene, zeitgenössische historische Realität aktiv umformte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer vergleichenden Analyse von Originalquellen und ergänzender Fachliteratur, um die theoretischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Geschichtsdenken herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Werke von Otto von Freising und Augustinus sowie einen anschließenden detaillierten Vergleich, der Unterschiede in der Gliederung, im Dualismus und in der Interpretation der Reiche beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind Civitas-Lehre, Heilsgeschichte, Universalgeschichte, Otto von Freising, Augustinus, sowie der Kontext von Kirche und Staat im Mittelalter.
Was genau bedeutet bei Otto von Freising die „civitas permixta“?
Die „civitas permixta“ bezeichnet bei Otto einen von ihm eingeführten, zusätzlichen Zeitabschnitt, in dem sich die beiden Reiche vermischen, was den Dualismus der Welt temporär zu überbrücken scheint.
Wie unterscheidet sich Ottos Pessimismus von Augustinus?
Während Augustinus' Werk stark von einer Verteidigungshaltung gegen das Heidentum geprägt ist, zeigt Otto zwar ein Bewusstsein für Krisen (wie den Investiturstreit), sieht jedoch im Mönchtum eine dauerhafte, positive Konstante.
- Arbeit zitieren
- Anton Schulze (Autor:in), 2019, Otto von Freisings "Historia de duabus civitatibus". Eine Umformung von Augustinus "De civitates Dei"?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/590745