E-Commerce und E-Logistiksysteme im B2C Bereich


Diplomarbeit, 2002
62 Seiten, Note: 1,8

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Gang der Untersuchung

2. Begriffliche Grundlagen
2.1 E-Commerce als Teilbereich des E-Business
2.2 E-Logistik als Teilbereich der Logistik
2.3 E-Fulfillment
2.4 Supply Chain Management

3. E-Commerce – Die Ausgangslage
3.1 E-Commerce – Versandhandel im Internet
3.2 Nutzung und Wachstumspotential des E-Commerce
3.3 Neue Logistikströme
3.4 Wegfall von Eigenlogistik

4. KEP-Dienste – Dienstleister im E-Commerce
4.1 Wachstumspotential des KEP-Marktes durch E-Commerce
4.2 Tendenzen auf dem deutschen KEP-Markt
4.3 Die Rolle der KEP-Dienste im E-Commerce

5. E-Fulfillment – Konsequenz eines Mausklicks
5.1 Die ganzheitliche Sicht des Online-Shops
5.2 Infrastruktur eines E-Fulfillment-Systems
5.3 Kundenwünsche an das E-Fulfillment

6. E-Logistiksysteme für E-Commerce
6.1 Anforderungen an E-Logistiksysteme
6.1.1 Veränderungstreiber auf dem Logistikmarkt
6.1.2 Charakteristika von E-Logistiksystemen
6.2 Gestaltung eines E-Logistiksystems
6.2.1 Aufbau eines E-Logistiksystems
6.2.2 Auftragsmanagement- und Lagerverwaltungssystem
6.2.3 Verpackung, Dokumentation und Versand
6.2.4 Integration von Logistikdienstleistern
6.3 Spezialfall „Letzte Meile“
6.3.1 Die „Letzte Meile“ als Problemfaktor
6.3.2 Zustellkonzepte

7. Praxislösungen für die „Letzte Meile“
7.1 Paketboxen
7.2 Pick-up Stationen
7.3 Das Tower-24 System
7.4 Vergleich und Bewertung der verschiedenen Systeme

8. Zusammenfassung und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Erklärung zur Diplomarbeit

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Internetnutzer in Europa Eigene Darstellung nach Daten von Nielsen NetRatings[1]

Tabelle 2: Umsätze im E-Commerce pro Kopf pro Jahr Eigene Darstellung nach Daten von IP Deutschland[2]

Tabelle 3: Die größten KEP-Dienste in Deutschland Eigene Darstellung nach Daten von MSI Marketing Research[3]

Tabelle 4: Unterschiedliche Anforderungen an Logistiksysteme Eigene Darstellung nach Daten von Forrester Research[4]

Tabelle 5: Vergleich alternativer Zustellkonzepte Eigene Darstellung[5]

1. Einleitung

1.1 Hinführung zum Thema

„Das Internet ist eine Schlüsseltechnologie, die Unternehmen sind immer stärker darauf ausgerichtet.“[6] schreiben Dangelmeier und Felser. Und Manner-Romberg und Müller formulieren „E-Commerce wird Normalität.“[7] E-Commerce ist zu einem Dauerthema geworden. Immer mehr Unternehmen erkennen den Wert einer Repräsentanz im Internet und entwickeln Homepages (Webseiten). Gleichzeitig werden auch mehr und mehr Geschäftsprozesse über das Internet abgewickelt. Nach einer Untersuchung der International Data Corporation[8] waren Anfang 2001 auf 4 von 10 Unternehmens-Webseiten „Online-Bestellungen“ möglich. Das Internet verändert die Welt. Nicht nur der Handel oder produzierende Unternehmen sind davon betroffen; mit der steigenden Tendenz zu Verkäufen und Geschäftsabwicklungen über das Internet zunehmend auch die Logistikdienstleister. Klaus[9] stellt die Behauptung auf, dass es in der Geschichte der Transportunternehmen noch nie so viele Veränderungen in so kurzer Zeit und auch so viele Unsicherheiten gegeben habe, wie nun im Zuge des E-Commerce.

Dabei sind die Auswirkungen des E-Commerce auf die Logistikdienstleister besonders in zwei Sektoren spürbar: im Handel zwischen Unternehmen (Business-to-Business, B2B) und im Handel von Unternehmen mit Endkunden (Business-to-Consumer, B2C). Die prognostizierten Wachstumsraten im B2B Bereich sind deutlich höher als die im B2C Bereich (vgl. Anhang, Abb.3, S.46). Doch auch das B2C Geschäft gewinnt an wirtschaftlicher Bedeutung. Und dieses stellt die Logistikdienstleister, im Besonderen die KEP-Dienste (Kurier, Express, Paket – Dienste) vor neue Anforderungen. Mehr Einzelzustellungen bei insgesamt höherem Sendungsvolumen, zweite und dritte Zustellversuche und zeitaufwendiges Inkasso beim Empfänger lassen besonders die Kosten der so genannten letzten Meile explodieren.[10] Und so suchen die Dienstleister nun nach geeigneten Zustellkonzepten, um diese Kosten in den Griff zu bekommen und gleichzeitig den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Doch wie sehen ideale Logistiksysteme aus? Welche Konzepte gibt es schon, welche werden gerade entwickelt? Wie leistungsfähig sind diese Konzepte? Werden sie vom Kunden akzeptiert? Erfüllen diese Konzepte die neuen Anforderungen, die E-Commerce an Logistikdienstleistungen stellt und werden sie auch zukunftsfähig sein? Diese Fragen und Antworten darauf sind Gegenstand der Arbeit.

1.2 Gang der Untersuchung

Die Arbeit ist in acht Abschnitte gegliedert. Einer kurzen Darstellung des Themas (oben 1.1) folgt in Abschnitt 2 die Beschreibung der wichtigsten terminologischen Grundlagen.

Die Ausgangslage wird in den Abschnitten 3, 4 und 5 beschrieben. Dabei wird zunächst auf das Phänomen E-Commerce eingegangen (3.1 und 3.2) und dessen Einfluss auf Logistiksysteme untersucht. Es wird analysiert wie E-Commerce logistische Prozesse verändert und welche neuen Anforderungen an Logistikdienstleister daraus entstehen (3.3 und 3.4).

In Abschnitt 4 wird auf die besondere Rolle der KEP-Dienste im E-Commerce eingegangen. Dabei wird zunächst die Entwicklung des KEP-Marktes im Ganzen beleuchtet (4.1), und darauf aufbauend dann der Einfluss des E-Commerce auf den KEP-Markt untersucht (4.2 und 4.3).

Auch Abschnitt 5 beleuchtet einen Aspekt von E-Commerce, nämlich das E-Fulfillment im Hinblick auf seinen Einfluss auf Logistiksysteme.

Abschnitt 6 analysiert auf Basis der in 3, 4 und 5 beschriebenen Gegebenheiten, welchen Veränderungstreibern ein E-Logistik-Konzept im E-Commerce ausgesetzt ist (6.1) und wie ein zukünftiges, an die Anforderungen von E-Commerce angepasstes Logistikkonzept aussehen kann (6.2). Im Besonderen wird dann auf die Anforderungen auf der so genannten „Letzten Meile“ und auf hierauf abgestimmte Zustellkonzepte eingegangen (6.3).

Abschnitt 7 gibt schließlich einen Einblick in die logistische Praxis und stellt einige moderne, zukunftsweisende Systeme vor. Auf dieser Basis erfolgen ein Vergleich und eine Bewertung der bestehenden Systeme (7.4).

Anschließend folgt in Abschnitt 8 eine Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und ein Ausblick auf zukünftige Tendenzen in der E-Logistik.

2. Begriffliche Grundlagen

2.1 E-Commerce als Teilbereich des E-Business

Die Begriffe E-Business und E-Commerce werden häufig synonym gebraucht, die Definitionen dieser Begriffe werden nicht scharf voneinander getrennt.

E-Commerce und E-Business beschreiben allgemein die Unterstützung von Geschäftsprozessen und -transaktionen mittels moderner Informations- und Kommunikationstechnologie die sich auf mehrere Stufen der Wertschöpfungskette erstreckt.[11]

Zur Abgrenzung:

- 1995 definierte IBM den Begriff E-Business: „The process of using Web technology to help businesses streamline processes, improve productivity and increase efficiencies.”[12]
- Im Gegensatz dazu lautet die Definition von IBM für E-Commerce: „The ability to buy and sell products and services over the Internet.”[13]

Der Begriff E-Commerce ist also enger gefasst und stellt nur einen Teilbereich des E-Business dar.

E-Commerce als Kauf oder Verkauf von Produkten und Dienstleistungen über elektronische Netzwerke[14] umfasst, laut Delfmann[15], mindestens die Anbahnungs- und Vereinbarungsphase einer Transaktion über offene elektronische Netzwerke wie das Internet. Dies beinhaltet ebenfalls das Ausstellen der Produkte auf der Webseite, die Abwicklung der Bestellung, den Kundenservice und die Bezahlung.

Die Interaktionen im E-Commerce lassen sich im Wesentlichen in drei Segmente aufteilen:

- den Handel zwischen Privatpersonen, Consumer-to-Consumer (C2C)
- das Geschäft mit Endkunden, Business-to-Consumer (B2C)
- den Handel zwischen Unternehmen, Business-to-Business (B2B)[16]

(vgl. Anhang, Abb.1, S.45)

In dieser Arbeit soll schwerpunktmäßig auf den Handel von Unternehmen mit ihren Endkunden, also auf den B2C Bereich eingegangen werden.

2.2 E-Logistik als Teilbereich der Logistik

Der Definitionsvorschlag des DIN für den Begriff Logistik lautet: „Logistik ist die Planung, Durchführung und Steuerung der Bewegung und Platzierung von Menschen und/oder Gütern und der unterstützenden Tätigkeiten, die sich auf diese Bewegung und Platzierung beziehen.“[17] Allerdings wird der Begriff Logistik hauptsächlich in wirtschaftlichen Zusammenhängen angewandt.

Die Verwendung des Begriffs Logistik im Bereich E-Commerce (E-Logistik) bedeutet eine weitere Einschränkung dieses Begriffs: E-Logistik bezieht sich also nur auf „Planung, Durchführung und Steuerung der Bewegung und Platzierung von Menschen und Gütern“[18], soweit diese Prozesse des E-Commerce betreffen. Logistik im E-Commerce (E-Logistik) ist also nicht mehr als die Erbringung von logistischen Leistungen im Rahmen des E-Commerce.

Nach Auffassung von Delfmann[19] sollte im Bezug auf den Begriff E-Logistik aber noch weiter unterschieden werden in:

- Elektronische Logistik: also die Bewegung und Platzierung von nicht physischen, sondern digitalen Gütern in elektronischen Netzwerken, z.B. Informationslogistik in Computernetzwerken
- E-Commerce für logistische Leistungen: zum Beispiel elektronische Frachtbörsen. In diesem Fall ist mit E-Logistik lediglich das elektronisch gehandelte Gut gemeint, nicht aber die Abwicklung des logistischen Prozesses.

Die allgemeine Auffassung von E-Logistik berücksichtigt diese von Delfmann definierten Bereiche jedoch nicht weiter. So versteht Carstensen unter E-Logistik „alle logistischen Dienstleistungen[...], die Verkehrsdienstleister für elektronische Einkaufs- und Verkaufsportale oder elektronische Marktplätze erbringen.“[20] Und Baumgarten fasst E-Logistik zusammen als „die strategische Planung und Entwicklung aller für die elektronische Geschäftsabwicklung erforderlichen Logistiksysteme und -prozesse sowie deren administrative und operative Ausgestaltung für die physische Abwicklung.“[21]

2.3 E-Fulfillment

Fulfillment Leistungen im E-Commerce (E-Fulfillment) umfassen zum Beispiel die Bestellannahme per Internet, den Versand von Waren, die Abwicklung der Bezahlung, die Lagerung, den Transport und die Auslieferung zum Kunden sowie zusätzliche Leistungen wie internetbasierte Warenbewegungs- und Auftragsstatusabfragen.[22] Fulfillment im E-Commerce (E-Fulfillment) ist also die komplexe Abfolge von einzelnen Aktivitäten, die erforderlich sind, um einen Kundenauftrag komplett zu bearbeiten.[23]

Die Summe der einzelnen E-Fulfillment Leistungen, vom Prozess der Auftragsabwicklung über die Umsetzung der Kundenforderungen im Verlauf der gesamten Wertschöpfungskette (Supply Chain) über alle Handelsstufen wird in der Praxis häufig als „Fulfillment-Prozess“ bezeichnet. Die vorhergegangene Anfrage- und Angebotsbearbeitung fällt jedoch nicht in den Prozess der Abwicklung (vgl. Anhang, Abb.8, S.48).

2.4 Supply Chain Management

Die Möglichkeiten, die der elektronische Handel bietet, haben zu neuen Organisationsstrukturen in der Logistik geführt. Dabei sind Mitte der 90er Jahre die Begriffe Supply Chain und Supply Chain Management in den Mittelpunkt des Interesses gerückt.[24] Supply Chain Management basiert auf dem Grundgedanken der Integration aller am Wertschöpfungsprozess beteiligten Unternehmen, das heißt die Prozessketten von logistisch hintereinander liegenden Unternehmen werden miteinander verknüpft.[25] Es wird eine unternehmensübergreifende Sichtweise angestrebt.[26]

Wesentlich ist hierbei, dass dies Organisationskonzept sich nicht nur auf die Beziehung zweier Unternehmen beschränkt, sondern die beteiligten Elemente Zulieferer, Produzent, Handel und Kunde zu einer Kette verknüpft. Die erfolgreiche Einführung von Supply Chain Management in einem Unternehmen verspricht verschiedene Vorteile:

- Kostenreduktion, durch verbesserte Abstimmung der Pläne
- Zeitersparnis durch die Beschleunigung der Auftragsabwicklung
- höhere Kundenzufriedenheit durch Verbesserung der Termintreue
- Verbesserung der Frühwarnsysteme.[27]

Die Voraussetzung für die Realisierung dieser Effekte ist dabei, nach Schinzer und Thome[28] ein hohes Maß an Vertrauen zwischen den beteiligten Partnern. Denn im Rahmen der Verknüpfung durch die Supply Chain werden nicht nur auftragsbezogene Daten ausgetauscht, sondern es werden auch strategische Planungsinformationen verfügbar.

3. E-Commerce – Die Ausgangslage

3.1 E-Commerce – Versandhandel im Internet

Sobald ein Hersteller oder Einzelhändler im Internet physische Güter wie Bücher, Textilien oder Lebensmittel anbietet, handelt es sich um einen Distanzkauf, wie er schon aus dem klassischen Versandhandel bekannt ist. Distanzkauf bedeutet nach Spenner[29] eine Verlagerung des Einkaufsortes in die Wohnung des Kunden sowie die Lieferung der Waren an einen vom Kunden bestimmten Ort. In vielen Eigenschaften ist der Onlinehandel dem Versandhandel sehr ähnlich. Das Anforderungsprofil an für den Onlinehandel geeignete Produkte entspricht zum Beispiel in weiten Teilen dem für klassische Versandhandelsprodukte.[30] Es eignen sich hier besonders Markenartikel, Waren mit geringem Erklärungsbedarf und solche, die bei der Kaufentscheidung keinen persönlichen Kontakt benötigen. Nach Eignung sortiert stehen Bücher und CDs, gefolgt von Unterhaltungselektronik auf der Rangliste ganz oben.[31]

Neben den Ähnlichkeiten zwischen E-Commerce und Versandhandel ist aber zu bemerken, dass E-Commerce aktueller ist und eine größere Reichweite hat. Und auch die Ansprüche an virtuelle Einzelhändler sind weitreichender als die an klassische Versandhändler. Denn nach Nies und Wegmann[32] müssen die Internethändler neben der Sortiments- und Shopgestaltung und dem Marketing auch alle Funktionen eines Mail Order Shopping Systems, wie zum Beispiel die Online-Auftragsannahme, beherrschen. Und auch die Erwartungen der Kunden an die Abwicklung des Geschäftsprozesses gehen über eine klassische Versandlogistik hinaus. Die kurzen Übertragungszeiten im Internet bedingen steigende Ansprüche an eine ebenso schnelle Abwicklung des physischen Geschäfts. Außerdem stellt das Geschäft im Internet aufgrund der hohen Nachfrageschwankungen sehr hohe Anforderungen an die Flexibilität der Onlinehändler.

3.2 Nutzung und Wachstumspotential des E-Commerce

„Tatsache ist, dass bislang keine Technologie so schnell eine so intensive Marktdurchdringung erreichen konnte, wie das Internet.“[33] Innerhalb von nur sieben Jahren schaffte das Internet eine Marktdurchdringung von 60% (vgl. Anhang, Abb.5, S.49). Und so stellen viele KEP-Dienste fest: „E-Commerce wird Normalität.“[34]

Weltweit nutzen über 400 Millionen Menschen das Internet. In Europa gab es Ende des Jahres 2001 über 127 Millionen Internetuser.[35] Einen Überblick über die Zahl der Internetnutzer in verschiedenen Europäischen Ländern gibt die folgende Tabelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Internetnutzer in Europa

Quelle: Nielsen NetRatings[36]

Wichtig zur Beurteilung der Entwicklung des B2C E-Commerce ist aber auch die Aufstellung in Tabelle 2 über die erzielten Pro-Kopf-Umsätze im Jahr über
E-Commerce in verschiedenen Europäischen Ländern. So liegt zum Beispiel der Anteil der Internetnutzer in Finnland mit 39,7% etwa im europäischen Mittelfeld, die Finnen geben aber mit 364 EUR im Jahr im europäischen Vergleich am meisten Geld beim einkaufen im Internet aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Umsätze im E-Commerce pro Kopf pro Jahr

Quelle: IP Deutschland[37]

Die Analyse des Weihnachtsgeschäftes 2001 lässt deutliche Rückschlüsse auf die derzeitige Nutzung des Internets als Einkaufsquelle zu. In den USA lagen die Online-Umsätze im November und Dezember 2001 bei 13,8 Mrd. USD. Das sind 15% mehr als im Vorjahr. In Europa liegen noch keine genauen Zahlen vor, Jupiter MMXI prognostiziert allerdings einen Online-Umsatz von 2,9 Mrd. EUR, ein Plus von 71% im Vergleich zum Vorjahr. Außerdem stellt Jupiter MMXI[38] eine Zunahme der Besucher auf Internetseiten der Online Händler um 50% fest. Als Grund geben sie an, dass sich die Verbraucher nun auch trauen, Last-Minute-Einkäufe über das Internet zu machen. Besonders die großen Online Anbieter profitieren von diesem neuen Vertrauen in das Online-Geschäft. So gibt Neckermann für das vergangene Weihnachtsgeschäft einen Nachfragesprung von 80% an. Die Otto Tochter MyToys.de gibt einen Umsatz im Weihnachtsgeschäft von 14 Mio. EUR an, das sind 14% mehr als im Vorjahr.[39] Diese Entwicklung belegt das steigende Vertrauen der Verbraucher in den Online-Handel und lässt auf eine weiterhin steigende Tendenz schließen.

Nach einer Studie von Forrester[40] wird der Online-Umsatz im B2C E-Commerce in Europa im Jahr 2002 etwa 32,8 Mrd. EUR betragen. Trotz der bestehenden Konjunkturflaute korrigierte Forrester diese Zahlen bisher nicht nach unten. Das Institut rechnet für 2003 sogar mit einer Umsatzsteigerung um 57% gegenüber 2002, auf 51,5 Mrd. EUR. Nach eigener Aussage geht Forrester davon aus, dass der Internet-Handel von der allgemeinen Konjunkturschwäche profitieren wird. Als Erklärung hierfür gibt Forrester an, dass vor allem preisbewusste Konsumenten das Internet vermehrt als Einkaufsquelle nutzen.

Auch der Hauptverband des deutschen Einzelhandels[41] geht weiterhin von einem dynamischen Wachstums des B2C E-Commerce aus. Für 2002 sagt der Verband ein Wachstum der Online-Umsätze von 70%auf 8,5 Mrd. EUR voraus, demnach wird sich der Marktanteil des E-Commerce am gesamten Einzelhandel von derzeit 1% auf 1,6% erhöhen (vgl. Anhang, Abb. 2-4, S.47-48).

3.3 Neue Logistikströme

Immer mehr Produkte können im Internet bestellt werden, aber nur wenige sind auch digital über das Internet lieferbar, wie zum Beispiel Musik, Software und Informationen. Daraus ergeben sich für die Logistik neue Herausforderungen. So werden für einen Großteil der Geschäftsprozesse Logistikdienstleister benötigt. Gatzke[42] geht sogar davon aus, dass den Logistikdienstleistern eine entscheidende Rolle zufällt, wenn es um die Durchsetzung und Rentabilität des E-Commerce geht.

Doch die Entwicklung des E-Commerce stellt auch veränderte Anforderungen an Logistikdienstleister durch eine Veränderung der logistischen Strukturen. Ein wichtiger Faktor dabei ist die Neuentstehung von Logistikströmen im B2C und C2C Bereich, durch eine steigende Zahl der Bestellungen im Internet.[43] Diese Entwicklung bedeutet für die Dienstleister eine zunehmende Erweiterung des reinen Geschäftsverkehrs. Dienstleistungen für private Kunden gewinnen mehr und mehr an Bedeutung.[44] Die Anzahl der Bestellungen wird größer. Die Sendungseinheiten werden kleiner. Die Ziele sind sehr verstreut. Es gibt immer weniger konsolidierte Warenströme und stattdessen vermehrte Einzelsendungen, die bewältigt werden müssen.[45]

Eine Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Bildung und Forschung[46] zu den Auswirkungen vom E-Commerce auf den Verkehr belegt diese Entwicklungen. Demnach sind im Jahr 2000 rund 39 Mio. Sendungen durch den Internethandel zusätzlich entstanden.

[...]


[1] Vgl. Robben, M (2002)

[2] Vgl. N.N. (2002d), S. 2f

[3] Vgl. N.N. (2002h)

[4] Vgl. Straube, F. (2001), S. 188

[5] Vgl. Helmke, B. (2001b), S. 20

[6] Dangelmeier, W.; Felser, W. (1999), S.1

[7] Manner-Romberg, W.; Müller, B. (2000), S.15

[8] Vgl. Arndt, T. (2001), S.1

[9] Vgl. Klaus, P. (2001), S.4

[10] Vgl. Engelsleben, T.; Fichtner, C. (2002)

[11] Vgl. Hoffmann, C.P. (2001), S. 56

[12] N.N. (2002a)

[13] N.N. (2002a)

[14] Vgl. Heusler, F. (2001), S. 6

[15] Vgl. Delfmann, W. (2000), S. 3

[16] Vgl. Manner-Romberg, H.; Müller, B. (2000), S.16f

[17] Heiserich, O.-E. (2000), S. 7

[18] Heiserich, O.-E. (2000), S. 7

[19] Vgl. Delfmann, W. (2000), S. 2

[20] Vgl. Heusler, F. (2001), S. 11

[21] Vgl. Baumgarten, H. (2002), S. 5

[22] Vgl. Augstein, P.; Spang, T. (2001), S. 5

[23] Vgl. N.N. (2000e), S. 14

[24] Vgl. Schulte, G. (2001), S. 17

[25] Vgl. Schinzer, H.; Thome, R. (2000), S. 28

[26] Vgl. Augstein, P.; Spang, T. (2001), S. 9

[27] Vgl. Schinzer, H.; Bange, C.; Mertens, H. (1999), S. 858ff

[28] Vgl. Schinzer, H.; Thome, R. (2000), S.29f

[29] Vgl. Spenner, B. et al. (2001), S. 229f

[30] Vgl. Spenner, B. et al. (2001), S.234f

[31] Vgl. Spenner, B. et al. (2001), S. 236

[32] Vgl. Nies, W.; Wegmann, A. (2001), S.252f

[33] Manner-Romberg, H.; Müller, B. (2000), S. 15

[34] Manner-Romberg, H.; Müller, B. (2000), S. 15

[35] Vgl. Robben, M. (2002), S.1

[36] Vgl. Robben, M. (2002), S.1

[37] Vgl. N.N. (2002d), S. 2f

[38] Vgl. N.N. (2002c), S. 1

[39] Vgl. N.N. (2002b), S. 1

[40] Vgl. N.N. (2002b), S. 2

[41] Vgl. N.N. (2002d), S. 2

[42] Vgl. Gatzke, E., (2001)

[43] Vgl. Delfmann, W. (2000), S. 15f

[44] Vgl. Blochmann, F. (2001), S. 213

[45] Vgl. Delfmann, W. (2000), S15f

[46] Vgl. N.N. (2002c), S. 3

Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
E-Commerce und E-Logistiksysteme im B2C Bereich
Hochschule
International Business School Lippstadt
Note
1,8
Autor
Jahr
2002
Seiten
62
Katalognummer
V5908
ISBN (eBook)
9783638136297
Dateigröße
1260 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
E-Commerce, E-Logistiksysteme, Bereich
Arbeit zitieren
Christine Lindemann (Autor), 2002, E-Commerce und E-Logistiksysteme im B2C Bereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5908

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