Im Zuge der jüngsten Leitzinserhöhungen in Industrieländern steigen die Befürchtungen an den Finanz- und Kapitalmärkten, dass ein Ende der globalen Niedrigzinsphase zu ernsthaften Problemen in Schwellenländer führen könnte. Steigende Kapitalmarktzinsen würden zunehmende Finanzierungskosten für hoch verschuldete Länder bedeuten. Zudem könnten Kapitalabflüsse aus Schwellenländern zu Währungsturbulenzen führen, durch die es zu Zahlungsausfällen kommen kann. Ein solches Szenario weckt Erinnerungen an die Argentinienkrise von 2001/2002, in der das Land nach monatelanger Rezession zur Aufhebung der Fixierung des Peso zum Dollar gezwungen war. Dies führte zu einer starken Abwertung und ging einher mit der größten Schuldenkrise der Geschichte, welche zu horrenden Verlusten bei den Gläubigern des Landes führte. Ziel dieser Arbeit ist es daher zu beurteilen, wie hoch die Gefahr einer neuen Finanzkrise in Schwellenländern in der kurzen bis mittleren Frist tatsächlich ist. Der Schwerpunkt der Analyse wird dabei auf der Entwicklung Argentiniens liegen wobei zu überprüfen sein wird, ob sich das Land nach der Krise wieder soweit erholen konnte, dass es in einem Umfeld steigender Zinsen bestehen kann. Im Folgenden wird zunächst der Begriff Finanzkrise definiert und für den Fortgang dieser Arbeit abgegrenzt. In Kapitel 3 werden die notwendigen theoretischen Hintergründe für das zentrale Kapitel 4 der Arbeit erörtert, in welchem zuerst ein Überblick über die weltweite Situation der Schwellenländer gegeben wird, bevor die Entwicklungen in Argentinien analysiert werden. Schließlich folgt in Kapitel 5 eine abschließende Beurteilung der Lage.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Finanzkrisen – Definition und Begriffsabgrenzung
3 Theoretische Grundlagen und Indikatoren für bevorstehende Schuldenkrisen
3.1 Theoretische Grundlagen
3.1.1 Konzept einer nachhaltigen Fiskalpolitik
3.1.2 Nachhaltige Fiskalpolitik in einer offenen Volkswirtschaft
3.1.3 Externe Nachhaltigkeit
3.2 Indikatoren für Finanzkrisen
3.2.1 Interne Indikatoren
3.2.2 Schuldenstruktur
3.2.3 Externe Indikatoren
4 Die aktuelle Situation in den Schwellenländern
4.1 Ein grober Überblick
4.2 Der Fall Argentinien
4.2.1 Interne Indikatoren
4.2.2 Schuldenstruktur
4.2.3 Externe Indikatoren
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Risiko einer erneuten Finanzkrise in Schwellenländern vor dem Hintergrund steigender globaler Leitzinsen. Das primäre Ziel ist die Beurteilung der Schuldentragfähigkeit Argentiniens nach der Krise von 2001/2002 unter Verwendung theoretischer Nachhaltigkeitsindikatoren.
- Theoretische Grundlagen nachhaltiger Fiskalpolitik
- Identifikation von Frühwarnindikatoren für Schuldenkrisen
- Analyse der gesamtwirtschaftlichen Situation in Schwellenländern
- Detaillierte Untersuchung der Schuldensituation Argentiniens
- Bewertung der Resistenz gegenüber externen Schocks
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Nachhaltige Fiskalpolitik in einer offenen Volkswirtschaft
Das obige Schema zur Nachhaltigkeit der Fiskalpolitik kann in analoger Weise um die externe Verschuldung erweitert werden: Analog zu (1) kann der Schuldenstand des Staates zum Zeitpunkt t dargestellt werden als
(5) Dt = (1+it^i)Dt-1 + (1+it^a)wtDt-1^a - Bt,
wobei die Indizes i und a für Inland respektive Ausland stehen und wt den nominalen Wechselkurs zum Zeitpunkt t als den Preis für eine Einheit ausländischer Währung gemessen in inländischer Währung beschreibt. Bei analogem Vorgehen zum vorangegangenen Abschnitt, lassen sich Schuldenstandsquote (6) ihre Veränderung gegenüber der Vorperiode (7) darstellen als:18
(6) dt = (1+ri/(1+gt))dt-1 + (1+ra/(1+gt))wt-1dt-1^a - bt und (7) Δdt = ((ri-gt)/(1+gt))dt-1 + ((1+ra)wt-(1+gt)wt-1)/(1+gt)dt-1^a - bt.
Die Gleichungen (6) und (7) zeigen eindeutig, dass die Zahlungsfähigkeit des Staates, bei einem großen Anteil an Verschuldung in ausländischer Währung, nicht nur von der inländischen wirtschaftlichen Situation, sondern auch im hohen Maße von der wirtschaftlichen Lage der Kreditgeberländer abhängt. So kommt vor allem einer Veränderung des Zinsniveaus im Ausland eine große Bedeutung zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung motiviert die Fragestellung durch das Szenario global steigender Zinsen und definiert den Fokus auf die Schuldentragfähigkeit Argentiniens.
2 Finanzkrisen – Definition und Begriffsabgrenzung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Begriffsbestimmungen von Finanzkrisen und grenzt Währungs-, Banken- und Schuldenkrisen voneinander ab.
3 Theoretische Grundlagen und Indikatoren für bevorstehende Schuldenkrisen: Hier werden fiskalpolitische Nachhaltigkeitskonzepte hergeleitet und Indikatoren definiert, um die Solvenz von Staaten systematisch zu bewerten.
4 Die aktuelle Situation in den Schwellenländern: Dieses Hauptkapitel analysiert zunächst die globale Lage der Schwellenländer und führt anschließend eine tiefgehende Fallstudie zu Argentinien durch.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Gefahr einer erneuten Krise in Argentinien als kurz- bis mittelfristig gering, warnt jedoch vor langfristigen strukturellen Risiken.
Schlüsselwörter
Finanzkrise, Argentinien, Staatsschulden, Fiskalpolitik, Schwellenländer, Schuldentragfähigkeit, Nachhaltigkeit, Zinsänderungsrisiko, Wechselkurs, Fremdwährungsverschuldung, Leistungsbilanz, Kapitalmärkte, Währungsreserven, Staatsanleihen, Solvenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gefahr einer erneuten Finanzkrise in Schwellenländern unter besonderer Berücksichtigung der fiskalischen Situation Argentiniens im Umfeld steigender globaler Zinsen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung nachhaltiger Fiskalpolitik, die Identifikation von Finanzkrisen-Indikatoren sowie die empirische Analyse der argentinischen Staatsverschuldung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu beurteilen, ob Argentinien seine Schuldentragfähigkeit nach der Krise von 2001/2002 so weit wiederhergestellt hat, dass es gegenüber externen Schocks wie Zinssteigerungen resistent ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Herleitung der Schuldendynamik (fiskalische Nachhaltigkeit) kombiniert mit einer empirischen Analyse von Wirtschaftsdaten und Kennziffern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil erörtert theoretische Nachhaltigkeitskonzepte (auch für offene Volkswirtschaften) und wendet diese in einer detaillierten Analyse auf die Daten Argentiniens sowie ausgewählter Schwellenländer an.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Finanzkrise, Argentinien, Schuldentragfähigkeit, Fiskalpolitik und externe Verschuldung.
Warum ist die Analyse der Fremdwährungsverschuldung für Argentinien so kritisch?
Eine Verschuldung in Fremdwährung macht den Staat besonders anfällig für Wechselkursänderungen; eine Abwertung der Inlandswährung führt bei unveränderten Nominalbeträgen zu einer realen Erhöhung der Schuldenlast.
Welche Rolle spielen die Umschuldungsmaßnahmen bei der Beurteilung der heutigen Lage?
Die Restrukturierung nach 2002 war maßgeblich, da sie durch Nennwertreduktion, längere Laufzeiten und eine stärkere Gewichtung des Peso die Verwundbarkeit gegenüber externen Schocks deutlich senkte.
Ist eine erneute Krise in Argentinien auf kurze Sicht zu befürchten?
Nein, aufgrund der verbesserten Haushaltslage, hoher Währungsreserven und der reduzierten externen Abhängigkeit wird eine erneute Zahlungsunfähigkeit kurz- bis mittelfristig als extrem unwahrscheinlich eingestuft.
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- Johannes Krick (Author), 2006, Schwellenländer: Steht eine neue Finanzkrise bevor? - Theoretische Grundlagen und eine Analyse am Beispiel von Argentinien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59112